# PCB in alten Fugen: Woran Sie belastete Dichtungsmassen erkennen und wie saniert wird

> PCB in alten Fugen: wo die Schadstoffe in Gebäuden stecken, warum Fugenmassen noch heute ausgasen, wie die Raumluft bewertet wird und wie Fugen fachgerecht entfernt werden.

Adresse: https://www.stmb24.de/schadenwissen/ausbau/pcb-in-alten-fugen-dichtungsmassen-erkennen
Geprüft am: 2026-10-19
Autor: Andre Wengorra, Geschäftsführer (https://www.stmb24.de/andre-wengorra)
Betrieb: STMB 24 GmbH, Standorte Geesthacht und Grömitz, Einsätze auch in Berlin und Brandenburg

![Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24](https://www.stmb24.de/media/pages/andre-wengorra/8318faa812-1791588498/andre-wengorra-80x80-crop.webp)

Von [Andre Wengorra](https://www.stmb24.de/andre-wengorra)

Die Antwort in Kürze

PCB wurden nach der PCB-Richtlinie Nordrhein-Westfalen seit den 1950er Jahren in großem Umfang als Weichmacher in offenen Anwendungen eingesetzt, unter anderem in dauerelastischen Fugendichtungsmassen, Anstrichen und Deckenplatten, und weil sie einen sehr geringen Dampfdruck haben, geben Fugenmassen nach dem Bayerischen Landesamt für Umwelt noch heute über Jahre PCB an die Innenraumluft ab.[1][2] Für eine dauerhafte Sanierung kommt nach der Richtlinie in der Regel nur das Entfernen der Primärquellen in Betracht.[1]

## Wo PCB in Gebäuden steckt

Offen angewendete PCB können nach der PCB-Richtlinie Nordrhein-Westfalen insbesondere in dauerelastischen Fugendichtungsmassen enthalten sein, etwa in Gebäudetrennfugen, Bewegungsfugen zwischen Betonfertigteilen, Anschlussfugen an Fenstern und Türzargen, Glasanschlussfugen und selten in Fugen im Sanitärbereich.[1] Eine der häufigsten Anwendungen war danach die Verwendung als Weichmacher in Fugenmassen auf Basis eines Polysulfid-Kunstharzes.[1] Solche Massen hießen nach einem wichtigen Handelsprodukt oft Thiokol-Fugenmassen, die weitaus größere Menge davon war aber schon damals PCB-frei, der Name allein beweist also nichts.[1]

Bis etwa Anfang der 1980er Jahre wurden PCB nach dem Bayerischen Landesamt für Umwelt häufig in Innenräumen verwendet, insbesondere in Gebäuden in Betonfertigbauweise, und dauerelastische Fugenmassen können bis zu 40 Prozent PCB als Weichmacher enthalten.[2] In Deutschland wurden danach insgesamt rund 24.000 Tonnen PCB in offenen Systemen eingesetzt.[2] Die Verwendung in offenen Systemen wurde danach in Deutschland bereits 1978 verboten, die Herstellung 1983 eingestellt, und Verwendung und Inverkehrbringen PCB-haltiger Produkte sind seit 1989 verboten.[2] In Häusern derselben Zeit können unter alten Böden zudem [PAK](https://www.stmb24.de/themen/pak) aus teerhaltigen Klebern liegen.

Für Sanierungen in Häusern aus dieser Zeit heißt das: Alte, dauerelastische Fugen an Fertigteilen, Fenstern oder Türzargen gehören vor dem Herausschneiden untersucht, und ein Fachbetrieb nimmt dafür eine Materialprobe. Wird eine solche Fuge nach einem Leck geöffnet, gilt dieselbe Vorsicht, und die [Elektroinstallation](https://www.stmb24.de/elektroinstallation) in der Nähe bleibt dabei abgeschaltet. Platten, Kleber und Spachtel aus dieser Bauzeit gehen getrennt in die [Bauschuttentsorgung](https://www.stmb24.de/themen/bauschuttentsorgung), weil sie ebenso Asbest enthalten können.

## Warum Fugen noch heute ausgasen

In offenen Systemen stehen PCB-haltige Materialien nach dem Landesamt in direktem Kontakt mit der Umgebungsluft, und weil PCB einen sehr geringen Dampfdruck haben, verdampfen sie nur langsam, dafür aber über Jahre anhaltend.[2] Fugenmassen und Anstriche sind danach auch heute noch dauerhafte Quellen für PCB in der Innenraumluft.[2] Hinter Verkleidungen aus dieser Zeit kann zudem [alte Mineralwolle](https://www.stmb24.de/schadenwissen/ausbau/alte-mineralwolle-beim-rueckbau-kmf) liegen, deren Fasern beim Rückbau frei werden.

Die Richtlinie unterscheidet Primärquellen, denen PCB gezielt zugesetzt wurden und die in der Regel mehr als 0,1 Gewichtsprozent PCB enthalten, von Sekundärquellen, also Bauteilen wie Wänden und Decken oder Gegenständen wie Möbeln, Teppichböden und Gardinen, die PCB meist über längere Zeit aus der belasteten Raumluft aufgenommen haben.[1] Großflächige Sekundärkontaminationen können danach selbst nach vollständigem Entfernen der Primärquellen erhöhte Raumluftwerte aufrechterhalten.[1]

## Wie die Raumluft bewertet wird

Raumluftkonzentrationen unter 300 ng PCB pro Kubikmeter sind nach der Richtlinie als langfristig tolerabel anzusehen, zwischen 300 und 3000 ng ist die Quelle aufzuspüren und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig zu beseitigen, und oberhalb von 3000 ng sind akute Gesundheitsgefahren nicht auszuschließen.[1] Zwischenzeitlich ist danach durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung und Entstaubung der Räume eine Verminderung anzustreben, und der Zielwert liegt bei weniger als 300 ng.[1] Zur [Abnahme nach der Sanierung](https://www.stmb24.de/schadenwissen/ausbau/abnahme-nach-der-sanierung-worauf-achten) gehört darum eine Kontrollmessung der Raumluft, die zeigt, ob der Zielwert erreicht ist.

Bei geringer Belastung nennt das Landesamt als Maßnahmen, den Staubeintrag aus belasteten Bereichen zu mindern, Räume so zu nutzen, dass man sich dort weniger lange aufhält, häufig stoßzulüften und regelmäßig gründlich feucht zu reinigen.[2] Zur Feststellung einer Belastung gehört nach der Richtlinie zuerst eine Begehung durch sachkundige Personen mit repräsentativer Probennahme und Analyse verdächtiger Materialien.[1]

## So wird saniert

Für eine dauerhafte Sanierung kommt nach der Richtlinie in der Regel nur das Entfernen der Primärquellen wie Dichtungsmassen, Anstriche oder Deckenplatten in Betracht, und die Beschichtung von Primärquellen hat sich bisher nicht bewährt.[1] Dauerelastische Dichtungsmassen werden danach ausschließlich mit staubarm arbeitenden Werkzeugen oder von Hand entfernt, Hinterfüllmaterial soll mit heraus, und der Staub wird am Entstehungsort mit einem Staubsauger der Verwendungskategorie C aufgenommen.[1] Die Abfälle kommen danach in resistente, verschließbare Behälter, die abgedeckt oder verschlossen bleiben.[1] Probenahme, Entfernung und Entsorgung gehören in eine Aufstellung, die Sie für eine spätere [Badsanierung](https://www.stmb24.de/badsanierung) aufbewahren.

Die Fugenflanken sollten nach der Richtlinie, soweit es die Statik erlaubt, entsprechend der Eindringtiefe des PCB mit entfernt werden, und wo das nicht geht, werden sie von allen Resten der Dichtungsmasse befreit und mit diffusionshemmenden Beschichtungen versehen.[1] Eine Heißbehandlung PCB-haltiger Materialien, etwa durch Flammstrahlen, und jedes Verfahren, bei dem sie über 100 °C erhitzt werden, hat danach zu unterbleiben.[1]

Schneiden Sie alte Fugen deshalb nicht selbst mit dem Cuttermesser heraus und schleifen Sie keine Fugenflanken ab, bevor feststeht, was darin ist. Lassen Sie sich vom Betrieb erklären, wie er staubarm arbeitet, wie er den Bereich abtrennt und wohin die Abfälle gehen.

## Pflichten für private Eigentümer

Eine grundsätzliche Erkundungspflicht gibt es nach einer Antwort der Bundesregierung an den Bundestag nicht, sobald eine Belastung vermutet wird, sollte aber nach der PCB-Richtlinie verfahren werden.[3] Eine Verpflichtung zu PCB-Messungen und gegebenenfalls Sanierungen besteht danach für private Gebäudeeigentümer nicht, und die Eingriffs- und Zielwerte der Richtlinie wurden durch den Ausschuss für Innenraumrichtwerte bestätigt.[3]

Wer ein Haus aus der Zeit vor den Verboten saniert, plant eine Probe der alten Fugen trotzdem vor dem Rückbau ein. Das schützt die Menschen, die dort arbeiten und wohnen, und verhindert, dass belastetes Material im normalen Bauschutt landet.

## Häufige Fragen

### Woran erkenne ich PCB-haltige Fugen?

Nicht mit bloßem Auge: Gewissheit gibt nach der PCB-Richtlinie nur die Analyse einer Materialprobe.[1] Verdacht besteht bei dauerelastischen Fugen aus der Zeit, in der PCB bis etwa Anfang der 1980er Jahre in Innenräumen verwendet wurden, besonders in Betonfertigbauweise.[2]

### Ab welchem Wert ist PCB in der Raumluft bedenklich?

Unter 300 ng pro Kubikmeter gilt nach der PCB-Richtlinie als langfristig tolerabel, oberhalb von 3000 ng sind akute Gesundheitsgefahren nicht auszuschließen.[1]

### Kann ich PCB-Fugen einfach überstreichen?

Die Beschichtung von Primärquellen hat sich nach der PCB-Richtlinie bisher nicht bewährt, dauerhaft hilft in der Regel nur das Entfernen.[1]

### Muss ich mein Haus auf PCB untersuchen lassen?

Eine Pflicht für private Eigentümer besteht nach der Bundesregierung nicht, bei Verdacht sollte aber nach der PCB-Richtlinie verfahren werden.[3]

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## Quellen

1. Ministerium für Bauen und Wohnen des Landes Nordrhein-Westfalen (Abdruck der Gemeinde Odenthal): [PCB-Richtlinie NRW: Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden, RdErl. vom 3.7.1996](https://www.odenthal.de/fileadmin/user_upload/Bilder_und_Dateien_/Schulen/pcb/PCB_Richtlinie_NRW.pdf). Einleitung, Abschnitte 3.1, 3.2, 4.2.1, 4.2.2 und 4.2.2.1. Abgerufen am 09.10.2026.
2. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU): [Polychlorierte Biphenyle (PCB)](https://www.odenthal.de/fileadmin/user_upload/Bilder_und_Dateien_/Schulen/pcb/BayLA53_polychlorierte_biphenyle_pcb.pdf). Abschnitte 2 und 9, Kasten 3, Stand 2008. Abgerufen am 09.10.2026.
3. Deutscher Bundestag: [Antwort der Bundesregierung: Polychlorierte Biphenyle in öffentlichen Gebäuden, Drucksache 19/663](https://dserver.bundestag.de/btd/19/006/1900663.pdf). Antwort zu den Fragen 5 und 6. Abgerufen am 09.10.2026.

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