Zum Inhalt springen
STMB24 GmbH Zur Startseite 24h Notruf 0162 4428440
OSB-Platte: Herstellung vom Rundholz über Trockner, Beleimung und Streuung bis zur Presse

OSB-Platte

Auch: Grobspanplatte, Oriented Strand Board

Eine OSB-Platte ist ein Holzwerkstoff aus langen, flachen und ausgerichteten Spänen, den sogenannten Strands, die mit einem Bindemittel unter Druck und Wärme zu einer festen Platte verpresst werden.[1][2] Sie dient als Beplankung von Wänden und Dächern und als Verlegeplatte auf Böden, und DIN EN 300 unterscheidet die Typen OSB/1 bis OSB/4 nach Tragfähigkeit und Feuchtebereich.[1][3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So entsteht eine OSB-Platte aus ausgerichteten Spänen

OSB-Platte, Funktionsweise: Messerring zerspant Rundholz, Trommeltrockner, Beleimtrommel mit PMDI und Wachs, Streuköpfe mit Metallscheiben und Presse bei 220 Grad, Lupe auf die kreuzweisen Schichten

Schematische Darstellung: Herstellung von OSB-Platten im Werk, Maschinen vereinfacht und nicht maßstäblich. Die Nummern führen vom Rundholz über Trocknen, Beleimen und Streuen bis zur Presse.

  1. Messer schneiden lange Späne: Rotierende Messer zerspanen das entrindete Rundholz, vor allem Kiefer aus Durchforstungen, noch feucht zu Strands von etwa 100 bis 150 Millimetern Länge. Recyclingholz und Produktionsabfälle kommen in eine OSB-Platte nicht hinein.
  2. Im Trommeltrockner getrocknet: Ein Rohr trägt die Späne in den Trommeltrockner, wo warme Luft ihnen die Feuchte entzieht, bevor sie beleimt werden. Insgesamt braucht OSB mehr Energie als eine Spanplatte, vor allem weil sich die groben Späne beim Pressen schlechter durchströmen lassen.
  3. PMDI und Wachs benetzen die Späne: In der Beleimtrommel benetzen Düsen die Späne mit dem Bindemittel, für eine wasserfeste Verleimung meist mit PMDI, dazu kommen Wachse. Mit PMDI verklebte Platten geben so wenig Formaldehyd ab wie unbehandeltes Nadelholz.
  4. Scheiben legen die Späne kreuzweise: Unter jedem Streukopf fallen die Späne über Walzen aus Metallscheiben nur in einer Richtung auf das Formband. Drei Köpfe schütten so drei Schichten auf, deren Späne kreuzweise liegen, und das macht die Platte fest und formstabil.
  5. Bei 220 Grad verpresst: Eine kontinuierliche Presse verdichtet die Matte bei etwa 220 Grad und hohem Druck zur Platte. OSB/3 ist für tragende Bauteile im Feuchtbereich gedacht, doch stehendes Wasser verträgt auch sie nicht, und Platten, die danach nicht mehr fest genug sind, tauschen wir feldweise aus.

Strands, Bindemittel und Pressung

Für OSB kommt nach WECOBIS ausschließlich Industrieholz zum Einsatz, Rohholz aus Durchforstungen, vornehmlich Kiefer, und anders als bei Spanplatten werden keine Recyclingmaterialien oder Produktionsabfälle verarbeitet.[1] Aus entrindetem Rundholz schneiden rotierende Messer im feuchten Zustand Grobspäne von etwa 100 bis 150 mm Länge und 10 bis 15 mm Breite, die danach in Trommeltrocknern getrocknet und in einer Beleimtrommel mit Bindemittel benetzt werden.[1]

Für eine wasserfeste Verleimung dient Polymethylendiisocyanat, kurz PMDI, für einige Plattentypen auch Melamin-Harnstoff-Phenol-Formaldehyd-Harz oder Melamin-Harnstoff-Formaldehyd-Harz, und dazu können Wachse und Additive kommen.[1] Beim Streuen fallen die Strands über Vorrichtungen aus Metallscheiben nur in einer bestimmten Ausrichtung auf das Formband, wodurch sich ein kreuzweiser Aufbau erzeugen lässt, und die Matte wird dann in einer kontinuierlichen Presse unter hohem Druck bei etwa 220 °C verpresst.[1]

BauNetz Wissen beschreibt die Platten als lange, schlanke Flachspäne, die in drei Schichten aufgeschüttet, mit Wachs und Phenolharz ummantelt und zu sehr festen und stabilen Platten verpresst werden.[2] Die Herstellung braucht nach WECOBIS mehr Energie als die von Spanplatten, weil schon der PMDI-Klebstoff energieaufwendiger ist und weil sich die groben Späne schlechter durchströmen lassen, sodass das Pressen deutlich mehr Energie kostet.[1]

Unter nassen OSB-Verlegeplatten und hinter OSB-Beplankungen liegen Leitungen und Dosen der Installationsebene. Ist ein solcher Boden oder eine solche Wand nach einem Wasserschaden nass, legt man vor dem Öffnen die Sicherungen der betroffenen Räume um, denn der Lichtschalter lässt die Steckdosenkreise am Netz. Steht Wasser am Sicherungskasten, betritt niemand den Raum, und die Feuerwehr oder der örtliche Netzbetreiber sichern die Anlage; ein Keller, in dem Wasser nachsteigt, gilt als Sperrzone.

OSB-Platten nach DIN EN 300

Die Norm DIN EN 300 legt Definitionen, Klassifizierung und Anforderungen für Platten aus langen, flachen, ausgerichteten Spänen fest, und die gültige Ausgabe vom September 2006 ersetzt die Fassung vom Juni 1997.[3] Gegenüber der Vorgängerin wurden die Dickenbereiche für OSB/2, OSB/3 und OSB/4 erweitert, die Anforderungen an die Feuchtebeständigkeit angepasst und die Kennzeichnung vereinfacht, weil die CE-Kennzeichnung von Platten für das Bauwesen in EN 13986 festgelegt ist.[3]

WECOBIS ordnet die vier Typen so ein: OSB/1 für allgemeine Zwecke und Inneneinrichtungen einschließlich Möbeln im Trockenbereich, OSB/2 für tragende Zwecke im Trockenbereich, OSB/3 für tragende Zwecke im Feuchtbereich und OSB/4 als hochbelastbare Platte für tragende Zwecke im Feuchtbereich.[1] Ein zusätzliches Farbkennzeichnungssystem zeigt, ob eine Platte für allgemeine Zwecke und innen oder für tragende bis hochbelastbare Zwecke gedacht ist, und die übergeordnete Norm EN 13986 fasst Massivholzplatten, Sperrholz, OSB, Span- und Faserplatten für das Bauwesen zusammen.[1] Auch eine Platte für den Feuchtbereich ist nicht für stehendes Wasser gemacht, und nach einem Wasserschaden lässt sie sich oft nur durch eine zügige Wasserschadensanierung erhalten.

Eingesetzt werden die Platten im Innenausbau, im Möbelbau, im Holzbau, als Wand- und Dachbeplankung, als Verlegeplatten im Fußboden, dekorativ im Dachausbau und an Fassaden sowie als Betonschalung, und im Handel sind sie in Dicken von 6 bis 40 mm und Längen von 2440 bis 5000 mm erhältlich.[1] Liegen die Platten als Beplankung unter der Dachdeckung, quellen sie auf, wenn ein Dach nach dem Sturm undicht bleibt und Regen eindringt.

Festigkeit, Wärme und Dampf

Für die Typen OSB/2 bis OSB/4 ist nach EN 12369-1 eine charakteristische Rohdichte von 550 kg/m³ anzusetzen, die Biegefestigkeit liegt je nach Typ zwischen 9 und 36 N/mm² und der Elastizitätsmodul bei Biegung zwischen 1200 und 4800 N/mm².[1] Die Zugfestigkeit quer zur Plattenebene, also die Spannung, bei der eine Probe im Zugversuch senkrecht zur Oberfläche reißt, muss je nach Typ zwischen 0,26 und 0,50 N/mm² betragen.[1]

Als Rechenwert der Wärmeleitfähigkeit nennt WECOBIS nach DIN V 4108-4 für OSB 0,13 W/(m·K), die Wärmespeicherkapazität liegt bei einem Feuchtegehalt von 15 % zwischen etwa 1700 und 2100 J/(kg·K) und hängt auch vom Bindemittel ab.[1] Die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl gibt WECOBIS mit 100 bis 300 an, ein dimensionsloser Wert, der stark vom Feuchtegehalt der Platte abhängt.[1]

Im Brandfall verhält sich OSB normal qualmend und nicht tropfend, die Platten gehören nach DIN 4102-1 zur Baustoffklasse B2, also normalentflammbar, und nach DIN EN 13501-1 zur Klasse D-s2, d0, bei einer rechnerischen Abbrandrate von 0,9 mm/min nach DIN 4102-4.[1]

Nutzungsklassen und Holzschutz bei OSB

Nach Eurocode 5, DIN EN 1995-1-1, darf OSB/2 nur in Nutzungsklasse 1 verwendet werden, OSB/3 und OSB/4 in den Nutzungsklassen 1 und 2.[1] Nutzungsklasse 1 beschreibt ein Klima von 20 °C, in dem die relative Luftfeuchte nur für einige Wochen im Jahr 65 % übersteigt, Nutzungsklasse 2 eines, in dem sie nur für einige Wochen im Jahr 85 % übersteigt, und Nutzungsklasse 3 erfasst Bedingungen mit noch höheren Feuchtegehalten.[1] Der mittlere Feuchtegehalt der meisten Nadelhölzer bleibt dabei in Nutzungsklasse 1 bei höchstens 12 % und in Nutzungsklasse 2 bei höchstens 20 %.[1]

Gegen dauerhafte Wassereinwirkung ist OSB nach WECOBIS nicht beständig, denn bei entsprechender Wasserzufuhr oder Holzfeuchte befallen holzzerstörende Pilze die Platten genauso wie die Holzarten, aus denen sie hergestellt wurden, und die Anwendung von Holzwerkstoffen in den Gebrauchsklassen regelt DIN 68800.[1] Die heimischen Nadelhölzer der OSB-Produktion gelten als wenig bis mäßig dauerhaft, und während das Risiko durch holzzerstörende und holzverfärbende Pilze in Gebrauchsklasse 1 unbedeutend ist, steigt es von Gebrauchsklasse 2 bis 3 an.[1]

Eine Zugabe von Holzschutzmitteln während der Herstellung ist für OSB, im Gegensatz zu Spanplatten, nach WECOBIS nicht bekannt, und ein vorbeugender chemischer Holzschutz ist unüblich, weil in der Mehrzahl der Anwendungen der bauliche Holzschutz ausreicht.[1] Dabei kommt es darauf an, Wasser vom Holz fernzuhalten oder rasch ablaufen zu lassen und durch Luftumspülung ein schnelles Abtrocknen zu ermöglichen.[1]

Formaldehyd, MDI und Raumluft

Holzwerkstoffe zählen nach dem Umweltbundesamt trotz stetiger Verbesserung der Produkte weiterhin zu den Hauptquellen für Formaldehyd in der Innenraumluft, einen Stoff, den die EU seit Juni 2014 als krebserzeugend der Kategorie 1B einstuft.[4] Mit PMDI verklebte OSB-Platten liegen nach WECOBIS mit ihren Formaldehydemissionen im Bereich von natürlichem, unbehandeltem Nadelholz, und wegen der hohen Reaktivität des MDI mit Luft- und Holzfeuchte ist schon kurz nach der Herstellung mit einer MDI-Emission im Bereich des Nullwerts zu rechnen.[1]

Bis Juli 2026 regelte in Deutschland die Chemikalien-Verbotsverordnung, wie beschichtete und unbeschichtete Holzwerkstoffe vor dem Inverkehrbringen zu prüfen sind, seit dem 06.08.2026 gilt eine EU-weite Formaldehydverordnung mit einem Grenzwert von 0,062 mg/m³ für Gegenstände und Möbel auf Holzbasis, und die nationalen Regeln zur Marktfähigkeit von Holzwerkstoffen sind damit weggefallen.[4] Für die Raumluft gibt es seit 2016 einen Richtwert von 100 µg/m³, der auch kurzzeitig über 30 Minuten nicht überschritten werden soll.[4]

Nach der Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen brauchen OSB und kunstharzgebundene Spanplatten aus Gründen des Gesundheitsschutzes einen Nachweis über gefährliche Stoffe und Emissionen, der eine Prüfung flüchtiger und schwer flüchtiger organischer Verbindungen nach dem AgBB-Schema einschließt.[1] WECOBIS weist darauf hin, dass diese Anforderungen nach Klagen von Herstellern in manchen Bundesländern ausgesetzt oder eingeschränkt sind.[1]

Zuschnitt, Holzstaub und Altholz

OSB-Platten lassen sich mit den gewohnten Maschinen sägen, fräsen, hobeln, schleifen und bohren, und wo auf Baustellen keine Absaugung vorhanden ist, entsteht bei spanabhebenden Arbeiten Holzstaub, für den ein gesetzlicher Höchstwert von 2 mg/m³ einzuhalten ist.[1] Zur Bearbeitung gehören Staubmaske, Handschuhe, Schutzkleidung und Absaugung, und bei Platten mit Holzschutz- oder Flammschutzmitteln, deren Stäube borhaltig und fortpflanzungsgefährdend sein können, ist mindestens ein Partikelfilter FFP2 zu tragen.[1]

Nach der Gewerbeabfallverordnung ist Holz getrennt zu sammeln, was bei mechanisch befestigten Platten problemlos gelingt, während verklebte oder beschichtete Platten den selektiven Rückbau erheblich erschweren.[1] Die Altholzverordnung ordnet verleimtes, gestrichenes oder beschichtetes Holz ohne halogenorganische Verbindungen und ohne Holzschutzmittel der Kategorie A II zu, und die Beseitigung von Abfällen aus Holz und Holzwerkstoffen auf einer Deponie ist nicht zulässig.[1]

Nasse OSB-Platten nach einem Wasserschaden

Läuft Wasser über einen Boden mit OSB-Verlegeplatten oder in eine mit OSB beplankte Wand, klären wir zuerst, wie weit die Feuchte in die Platten, die Stöße und die Konstruktion dahinter gezogen ist. Wir messen die Holzfeuchte an mehreren Stellen, öffnen dort, wo Dämmung oder Balken hinter den Platten liegen, und trocknen Platten und Hohlräume technisch, bis die Werte zur Nutzung des Raums passen.

Schadhafte Stellen lassen sich nach WECOBIS lokal auswechseln, und aus OSB werden keine Inhaltsstoffe ausgewaschen, die das Wasser gefährden könnten.[1] Aufgequollene Kanten, weich gewordene Felder und Stellen mit Pilzbefall halten wir mit Fotos und Messwerten fest, Platten ohne ausreichende Festigkeit ersetzen wir feldweise, und neue Beläge, Fliesen oder Tapeten kommen erst darauf, wenn die Messwerte stimmen und die Fläche wieder eben und tragfähig ist.

24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen

Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.

Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.

0162 4428440 24h Notruf

Belege

Quellen

  1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: OSB, Produktgruppe Holzwerkstoffe. Datenblatt OSB, Reiter Übersicht, Technisches, Rohstoffe, Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22↑23↑24↑25↑26↑27↑28↑29↑30
  2. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): OSB-Platten. Glossar Boden, Eintrag OSB-Platten. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
  3. DIN Media GmbH: DIN EN 300: Platten aus langen, flachen, ausgerichteten Spänen (OSB), Definitionen, Klassifizierung und Anforderungen. Ausgabe 2006-09, Titel, Ersatzvermerk und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
  4. Umweltbundesamt: Formaldehyd. Themenseite Formaldehyd, Abschnitte Quellen im Innenraum und Schutz der Gesundheit, aktualisiert am 22.07.2026. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3

Leistungen

Passend zu diesem Begriff

Nach oben 24h Notruf 0162 4428440