Vertikalabdichtung
Auch: Kelleraußenabdichtung, Außenabdichtung
Eine Vertikalabdichtung ist die senkrechte Abdichtung an der Außenseite erdberührter Wände, vor allem an Kelleraußenwänden, die Bodenfeuchte, Sickerwasser oder drückendes Wasser vom Mauerwerk fernhält.[1] Ausgeführt wird sie mit flüssigen Stoffen wie polymermodifizierten Bitumendickbeschichtungen oder mit Bahnen, geregelt in DIN 18533.[1] Sie liegt grundsätzlich auf der dem Wasser zugewandten Seite und bildet mit der Querschnittsabdichtung im Mauerwerk und der Abdichtung der Bodenplatte ein geschlossenes System.[2]
So schützt die Vertikalabdichtung die Kellerwand
Schematische Darstellung einer Kelleraußenwand im Schnitt mit Erdreich, Sickerwasser und Wasserstandslinie, Perimeterdämmung, schwarzer Abdichtung bis über das Gelände und zur Bodenplatte, feuchter Stelle innen mit Messgerät sowie Bahnrolle und Eimer. Die Nummern folgen dem Weg von der Lage der Abdichtung bis zur Messung innen.
- Außen, auf der Wasserseite: Bauwerksabdichtungen nach DIN 18533 werden grundsätzlich auf der dem Wasser zugewandten Seite angeordnet, also außen an der Kellerwand. Dort drückt das Wasser die Abdichtung günstig an Wände und Sohle, eine Abdichtung von innen bleibt die Ausnahme bei der nachträglichen Ertüchtigung.
- Bahn oder Dickbeschichtung: Abgedichtet wird entweder mit flüssigen Stoffen, etwa polymermodifizierten Bitumendickbeschichtungen, oder mit Bahnen. Welches System mit welcher Schichtdicke und wie vielen Lagen infrage kommt, hängt von der Wassereinwirkung, der Rissneigung des Untergrunds und der Nutzung des Raums ab.
- Anschluss an die Bodenplatte: Die Vertikalabdichtung bildet mit der Querschnittsabdichtung im Mauerwerk und der Abdichtung der Bodenplatte ein geschlossenes System. Am Wandfuß geht sie mit einer Hohlkehle in die waagerechte Abdichtung über, damit keine Feuchtebrücke bleibt.
- 30 cm über das Gelände: Nach oben wird die Abdichtung über das Gelände geführt, bei Hochwasserschutz bis mindestens 30 Zentimeter über das festgelegte Schutzziel. Eine Perimeterdämmung davor schützt sie beim Verfüllen der Baugrube.
- Wasserstand bestimmt die Art: Zuerst ist zu klären, ob mit Druckwasser aus Grund- oder Hochwasser zu rechnen ist, ob die Wand also unter oder über dem Bemessungswasserstand liegt. In der Regel übernimmt das ein erfahrener Geotechniker, auch Nachbarbebauung und geplante Kanalarbeiten zählen mit.
- Feucht innen: Ursache messen: Eine feuchte Kelleraußenwand muss nicht an der Vertikalabdichtung liegen. Gemessen wird in verschiedenen Höhen und Tiefen, verglichen mit Leitungen, Jahreszeit und Wetter, erst wenn Wasser von außen eindringt, gehört die Abdichtung aufgegraben und in die Hand eines Fachbetriebs.
Wozu eine Vertikalabdichtung dient
Kellerwände stehen im Erdreich und bekommen von außen Wasser in unterschiedlicher Form ab. Die Abdichtung von Gebäuden regeln nach dem Bundesverband Kalksandsteinindustrie die Normen DIN 18531 bis DIN 18535, die weite Teile der alten Abdichtungsnorm DIN 18195 ersetzt haben, für erdberührte Bauteile und damit auch für Kellerwände gilt die Reihe DIN 18533.[1] Abgedichtet wird eine gemauerte Kelleraußenwand entweder mit flüssigen Stoffen, etwa polymermodifizierten Bitumendickbeschichtungen, oder mit Bahnen.[1]
Welches System in welcher Ausprägung, also mit welcher Schichtdicke und wie vielen Lagen, infrage kommt, hängt nach dem Verband von der Stärke der Wassereinwirkung, der Rissneigung des Untergrunds und der Nutzung des Raums ab.[1] Bauwerksabdichtungen nach DIN 18533 werden nach der Richtlinie der Deutschen Bauchemie grundsätzlich auf der dem Wasser zugewandten Seite angeordnet, also außen.[2]
Von innen gegen drückendes Wasser abzudichten, hält die Hochwasserschutzfibel des Bundesbauministeriums nur als Ausnahme für vertretbar, wenn ein Altbau nachträglich ertüchtigt wird.[3] Auf der Innenseite muss dann ein zusätzlicher Trog den Wasserdruck statisch aufnehmen, außen dagegen drückt das Wasser die Dichtungsbahnen günstig an Wände und Sohle an.[3] Eine Innenabdichtung im Keller kommt darum vor allem dann infrage, wenn außen nicht mehr gegraben werden kann.
Wassereinwirkung, Risse und Raumnutzung
Zuerst ist zu klären, ob mit Druckwasser aus Grund- oder Hochwasser zu rechnen ist, ob die Wand also unter oder über dem Bemessungswasserstand liegt. Erfahrungen an der Nachbarbebauung helfen dabei, ebenso Kenntnisse über künftige Änderungen, etwa durch neue unterirdische Bauwerke, Kanalarbeiten, Versickerungsanlagen oder Pumpstationen.[1] Die Klärung soll nach dem Verband in der Regel ein erfahrener Geotechniker übernehmen, nur bei einfachen Bauaufgaben in Gebieten mit verlässlich bekannter Lage kann auf eine Baugrunduntersuchung verzichtet werden.[1]
Neben dem Wasser zählt der Untergrund. Nach DIN 18533-1 muss die Abdichtung zu erwartende Risse oder Rissbreitenänderungen aufnehmen, ohne maßgebend beschädigt zu werden, dafür gibt es Rissklassen für typische Untergründe.[1] Hinzu kommen Raumnutzungsklassen: RN1-E für Räume mit geringen Anforderungen an trockene Luft, etwa offene Lagerhallen, RN2-E mit vollständig dichter Abdichtung für übliche Keller und RN3-E für Archive oder Museen mit höheren Anforderungen an die Zuverlässigkeit.[1]
Mehr als eine dichte Abdichtung kann eine Vertikalabdichtung nach dem Verband aber nicht leisten.[1] Ob ein Keller trocken und schimmelfrei bleibt, entscheiden zusätzlich Wärmeschutz, Lüftung und Heizung. Die einzelnen Wassereinwirkungsklassen und die dazu passenden Abdichtungsstoffe erklärt der Begriff Drückendes Wasser.
Abdichtungsstoffe für die Kellerwand
Für die Hautabdichtung nicht wasserdichter Bauwerke nennt der Fachverband Hauseinführungen für Rohre und Kabel unter anderem Bitumen- und Polymerbitumenbahnen, Kunststoff- und Elastomerbahnen, polymermodifizierte Bitumendickbeschichtungen, kaltselbstklebende Bitumenbahnen, rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämmen und Flüssigkunststoffe.[4] Die Richtlinie der Deutschen Bauchemie beschreibt außerdem wasserundurchlässige Mörtel für Dichtungskehlen und flexible polymermodifizierte Dickbeschichtungen.[2]
Bitumendickbeschichtungen werden flüssig aufgetragen und bilden nach dem Trocknen eine fugenlose Schicht. Ihre Mindesttrockenschichtdicke beträgt nach der Richtlinie 3 Millimeter bei Bodenfeuchte und nicht drückendem Wasser und 4 Millimeter mit Verstärkungseinlage bei mäßig drückendem Wasser.[2] Bahnen kommen als Rollenware und werden verklebt oder verschweißt, Einzelheiten zu beiden Stoffen erklären die Begriffe Bitumendickbeschichtung und Schwarze Wanne.
Die Vertikalabdichtung am Fußpunkt und am Sockel
Unten trifft die Vertikalabdichtung auf die Bodenplatte. Innenecken und Übergänge von der Wand zum Boden werden nach der Richtlinie als Dichtungskehlen ausgebildet, mit systemverträglichem Mörtel in einem Radius von 4 bis 6 Zentimetern oder, wenn der Hersteller es zulässt, mit zweikomponentiger Dickbeschichtung in höchstens 2 Zentimetern Radius.[2] Die Bodenabdichtung reicht bis an die Querschnittsabdichtung im Mauerwerk heran oder überlappt sie, sonst zieht Feuchte aus der Platte in den Wandputz.[2]
Für die Querschnittsabdichtung am Fuß gemauerter, erdberührter Außenwände dürfen nach der Kalksandsteinindustrie besandete Bitumendachbahnen oder mineralische Dichtungsschlämmen nach DIN 18533-3 ohne weiteren Nachweis verwendet werden.[1] Bei wasserundurchlässigen Bodenplatten und geringer Wassereinwirkung genügt es, die Dickbeschichtung an der Stirnfläche der Bodenplatte nach unten zu führen.[1]
Oben endet die erdberührte Abdichtung am Sockel, der Spritzwasser und Kapillarwasser abbekommt. Die Klasse W4-E gilt nach dem Fachverband für einen Bereich von etwa 0,20 Metern unter bis etwa 0,30 Metern über Geländeoberkante.[4] In den Beispielen der Richtlinie wird die Sockelabdichtung mit 30 Zentimetern über Gelände geplant, nach der Geländeanpassung müssen mindestens 15 Zentimeter bleiben, und rissüberbrückende Dichtungsschlämmen überlappen die erdberührte Abdichtung um mindestens 10 Zentimeter.[2] Steigt Feuchte im Sockel nach oben, klärt der Notdienst bei akutem Wassereintritt zuerst, ob eine Leitung oder die Abdichtung versagt.
Ausführung und Schutz der Vertikalabdichtung
Damit Wasser nicht hinter die Abdichtung läuft, darf ihr oberer Rand bei schwer durchlässigem Boden nach der Hochwasserschutzfibel bis zu 30 Zentimeter über Gelände reichen, selbst wenn der erwartete Grundwasserstand tiefer liegt.[3] Übergänge, Abschlüsse und Durchdringungen sind dabei die Stellen, an denen eine Abdichtung gegen Grundwasser am ehesten versagt.[3] Ist ein Keller nach der Trocknung wieder feucht, liegt die Ursache darum oft an einem Übergang oder einer Durchdringung der Abdichtung.
Bevor der Arbeitsraum verfüllt wird, braucht die Abdichtung eine Schutzschicht. Sie muss sie dauerhaft vor statischen, dynamischen, thermischen und chemischen Einflüssen schützen und darf erst nach vollständiger Durchtrocknung aufgebracht werden.[2] Für senkrechte Flächen nennt die Richtlinie mehrlagige Noppenbahnen mit Gleit-, Schutz- und Lastverteilungsschicht, Polystyrolplatten oder Stoffe, die zusätzlich dämmen oder dränen.[2]
Während der Bauphase darf kein Wasser von der Rückseite auf eine Dickbeschichtung wirken, sonst leiden Trocknung und Haftung, dagegen helfen Zwischenabdichtungen aus nicht rissüberbrückenden Dichtungsschlämmen.[2] Verfüllt wird nach dem Kalksandsteinverband erst nach Fertigstellung der Kellerdecke, lagenweise und mit Verdichtungsgeräten geringer Energie, damit die Wand die Erdlast sicher aufnimmt.[1]
Für den vereinfachten Nachweis gemauerter Kellerwände nach DIN EN 1996-3/NA nennt der Verband enge Grenzen: Wanddicke mindestens 24 Zentimeter, lichte Höhe höchstens 2,60 Meter, kein Wasserdruck auf die Wand und eine Anschüttung von höchstens dem 1,15-Fachen der lichten Wandhöhe.[1] Verdichtet werden darf dann nur nicht bindiger Boden, mit Rüttelplatten oder Stampfern von höchstens 50 Zentimetern Breite, 35 Zentimetern Wirktiefe und etwa 100 Kilogramm Gewicht.[1] Als Rechenbeispiel darf bei 2,40 Metern lichter Höhe die Anschüttung höchstens 2,76 Meter betragen.[1]
Vertikalabdichtung im Bestand nachrüsten
Keller wurden ursprünglich im Allgemeinen als Nutzräume gebaut, heute werden sie bei einer Sanierung zu Homeoffice, Gäste- oder Spielzimmer, wie der Fachverband für Hauseinführungen (FHRK) in seiner Planungshilfe beschreibt.[4] Ein Raum, der bisher kalt und feucht sein durfte, soll dann trocken und beheizbar werden, und dafür wird das Gebäude in den meisten Fällen abdichtungstechnisch und energetisch ertüchtigt.[4] Bestehende feuchte Wände können nach dem Verband auf eine fehlende oder beschädigte Abdichtung hinweisen.[4]
Für überflutungsgefährdete Außenwände zeigt die Hochwasserschutzfibel ein Beispiel: eine 4 Millimeter dicke Vertikalabdichtung aus PMBC mit Gewebeeinlage, davor vollflächig und vollfugig geklebte Schaumglasplatten, hochgeführt bis mindestens 30 Zentimeter über das festgelegte Schutzziel.[3] Weil die Abdichtung das Mauerwerk aus Leichtbeton-Hohlblöcken vor Wasseraufnahme schützt, braucht die Wand nach einer Überflutung in diesem Beispiel keine Trocknung.[3]
Hochwasserschutz und Wärmeschutz stehen nach der Fibel bauphysikalisch in einem Konflikt: Gute Dämmstoffe haben viele Poren und Hohlräume und sind gerade deshalb für den Hochwasserschutz eher ungeeignet.[3] Bei einer Sanierung der Kellerwand von außen wird deshalb mit dem Planer geklärt, welche Dämmung vor die Abdichtung kommt und wie hoch die Abdichtung reichen muss.
Feuchte Kellerwand: Abdichtung oder Leck
Eine feuchte Kelleraußenwand muss nicht an der Vertikalabdichtung liegen. Bei einem Feuchteschaden im Keller klären wir zuerst, ob das Wasser von außen durch die Wand kommt, aus einer Leitung im Haus, aus einem Rückstau oder als Tauwasser aus der Raumluft. Dazu messen wir die Wand in verschiedenen Höhen und Tiefen und legen die Werte neben die Lage der Leitungen, die Jahreszeit und das Wetter.
Zeigt das Feuchtebild, dass Wasser von außen eindringt, ist für eine Sanierung der Vertikalabdichtung von außen ein Aufgraben nötig, und sie gehört in die Hand eines Abdichtungsfachbetriebs. Bis dahin trocknen wir die betroffenen Innenbereiche, halten den Verlauf im Trocknungsprotokoll fest und achten auf Salzausblühungen und Schimmel. Steht der Keller nach einem Starkregen oder Hochwasser unter Wasser, wird erst abgepumpt und getrocknet, wenn das Wasser außen gefallen ist und der Strom an der Sicherung abgeschaltet ist. Liegt der Sicherungskasten selbst im Wasser, schalten Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber ab, und solange der Pegel steigt, bleibt der Keller gesperrt.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V.: Keller und Kellerwände. Abschnitte Bemessung von Kelleraußenwänden, Abdichtung und Feuchteschutz, Wassereinwirkungsklassen, Rissklassen, Raumnutzungsklassen und Querschnittsabdichtung am Wandfuß. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16
- Deutsche Bauchemie e.V.: Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit polymermodifizierten Bitumendickbeschichtungen (PMBC). 4. Ausgabe Dezember 2018, elektronische Ausgabe aktualisiert März 2020, Vorwort, Teil A Abschnitte 4 bis 10, Teil B Abschnitte 2, 3, 5 bis 9 mit Tabelle 7, Teil C Abschnitt 1. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB): Hochwasserschutzfibel: Objektschutz und bauliche Vorsorge. 9. überarbeitete Auflage, Stand Februar 2022, Abschnitte 7.2.2, 8.5.1 bis 8.5.3 und 10.3, S. 36, 45, 49 bis 51, 54, 55, 59, 61 und 69. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Fachverband Hauseinführungen für Rohre und Kabel e.V. (FHRK): Planung Gebäudeeinführungen (Planungshilfe). Ausgabe mit Anforderungen im Bestand, S. 2 bis 12 und 20 bis 24. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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