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Bitumenbahn beim Verschweißen: die Flamme schmilzt die untere Bahn an

Bitumenbahn

Auch: Dachpappe

Eine Bitumenbahn ist eine Abdichtungsbahn aus einer Trägereinlage, etwa aus Polyestervlies, Glasgewebe oder Glasvlies, die beidseitig mit Oxidations- oder Polymerbitumen beschichtet und in der Regel mit Sand oder Talk bestreut ist.[1] Bitumenbahnen dichten vor allem Flachdächer ab, werden dort mehrlagig verschweißt oder verklebt, und für Dachabdichtungen legt DIN EN 13707 ihre Eigenschaften fest.[1][2]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So wird eine Bitumenbahn mit dem Brenner aufgeschweißt

Bitumenbahn, Funktionsweise: Dachdecker schweißt die Oberlage mit dem Propangasbrenner auf, Nahtroller am Querstoß, Lupe auf Polyestervlies, Polymerbitumen und Bestreuung

Schematische Darstellung: Flachdach bei der Abdichtung, rechts schweißt ein Dachdecker die Oberlage mit dem Propangasbrenner auf, links walzt ein zweiter den Querstoß, die Lupe sitzt am Spalt vor der Rolle. Die Nummern führen vom Aufbau der Bahn über das Walzen und die Flamme bis zur unteren Lage.

  1. Polyestervlies in Polymerbitumen: Die Trägereinlage aus Polyestervlies, Glasgewebe oder Glasvlies bestimmt Festigkeit und Dehnfähigkeit, die Deckmassen auf beiden Seiten machen die Bahn dicht. Polymerbitumen mit SBS-Kautschuk oder ataktischem Polypropylen bleibt über 100 Grad standfest und in der Kälte biegsam.
  2. Mit Sand oder Talk bestreut: In der Fabrik entsteht die Bahn ohne chemische Umwandlung: Der Träger wird mit heißem Bitumen getränkt, gewalzt und in einer Wanne beschichtet, vor dem Abkühlen kommt die Bestreuung auf die Oberfläche. Danach wird die Bahn aufgerollt und so auf die Baustelle geliefert.
  3. Walzen verbindet beide Lagen: Nach dem Anschmelzen werden die Lagen gewalzt, bis sie homogen verbunden sind, an Stößen und Nähten mit dem Nahtroller. Ist eine Naht später undicht, spüren wir sie mit einer Leckageortung auf dem Dach auf, zum Beispiel elektrisch.
  4. Flamme schmilzt die untere Bahn an: Der Propangasbrenner erhitzt die untere Bahn, bis ihre Oberfläche schmilzt, je Quadratmeter braucht das 60 bis 120 Gramm Gas. Wird der Polyesterträger dabei zu heiß, schrumpft er später und die Naht bricht, darum schweißt man länger statt mit größerer Flamme. Gestellbrille und frische Luft gehören dazu, denn es entstehen Dämpfe, und der Brenner kann Brände auslösen.
  5. Untere Lage 5 mm dick: Zwei 3 Millimeter dünne Lagen Polymerbitumen reichen meist nicht, haltbar wird die Abdichtung erst mit einer 5 Millimeter dicken Bahn unten. Läuft trotzdem Regen durch, suchen wir die Fehlstelle und prüfen mit Messungen, wie nass die Dämmung ist, denn eingeschlossenes Wasser tritt oft weit davon entfernt wieder aus.

Trägereinlage, Deckschicht und Bestreuung

Die Trägereinlage bestimmt nach WECOBIS weitgehend Festigkeit, Dehnfähigkeit und Reißfestigkeit der Bahn, die Deckschichten sorgen für Beständigkeit und Dichtheit, und als Einlagen dienen Polyestervlies, Glasgewebe, Glasvlies, Kombinationsträger aus diesen Stoffen oder Verbunde aus Metall und Kunststoff.[1] Den Hauptanteil macht Destillationsbitumen aus der Erdölfraktionierung aus, dazu kommen 5 bis 12 % Kunststoff, fast ausschließlich Styrol-Butadien-Kautschuk oder ataktisches Polypropylen, und 20 bis 35 % mineralische Füllstoffe aus gemahlenem Gestein, während die Träger nur wenige Gewichtsprozent ausmachen.[1]

Hergestellt wird die Bahn ohne chemische Prozesse: Das Trägermaterial wird abgewickelt, mit heißem Bitumen vorimprägniert, gewalzt und in einer Wanne mit den Deckmassen beschichtet, und vor dem Abkühlen und Aufrollen kommt die Abstreuung auf die Oberfläche.[1] Produktionsabfälle lassen sich nach WECOBIS grundsätzlich wieder aufschmelzen, sodass das Bitumen zurückgewonnen wird.[1]

Läuft Regenwasser durch eine undichte Bitumenabdichtung in die Flachdachdecke, tropft es an Deckenleuchten und Abzweigdosen in den Raum darunter. Wer Eimer unterstellt, schaltet zuvor den Stromkreis der Decke an der Sicherung aus, ein ausgeschaltetes Deckenlicht macht die Leitung nicht stromlos. Ist der Sicherungskasten nass, wird die Feuerwehr oder der örtliche Netzbetreiber gerufen, und bis dahin geht keiner in das Zimmer; ebenso bleibt jeder einem Keller fern, in dem Wasser steigt.

Oxidations-, Elastomer- und Plastomerbitumen

Polymerbitumenbahnen werden nach WECOBIS bei erhöhten Anforderungen eingesetzt, Bahnen aus Oxidationsbitumen ohne Polymerzusatz bei geringerer Beanspruchung, und unter den Polymerbitumenbahnen unterscheidet man Elastomerbitumen mit 5 bis 15 % SBS-Kautschuk und Plastomerbitumen mit ataktischem Polypropylen.[1] Die Polymere heben den Erweichungspunkt auf über 100 °C und verbessern Wärmebeständigkeit und Kälteflexibilität, wobei Elastomerbahnen sich ausgeprägt elastisch und Plastomerbahnen eher plastisch mit höherer Flächenstabilität verhalten.[1]

Wärmestandfestigkeit, Kälteflexibilität und Alterungsbeständigkeit sind bei Polymerbitumenbahnen deutlich höher als bei einfachen Dichtungsbahnen, und die seit den Siebzigerjahren verwendeten Polymerbitumenbahnen gelten als langlebiger als Bahnen aus Oxidationsbitumen.[1] Der Hauptanwendungsbereich ist die Abdichtung gegen drückendes Wasser an Bauteilen mit starken Temperaturwechseln, im Hochbau vor allem auf Dächern, und unter Gussasphalt braucht es gussasphaltverträgliche Bahnen besonderer Bauart.[1]

Bitumenbahnen nach DIN EN 13707

Die Norm DIN EN 13707 in der Ausgabe vom Dezember 2013 legt Definitionen und Eigenschaften von Bitumenbahnen mit Trägereinlagen für Dachabdichtungen fest, für Ober-, Zwischen- und Unterlagen, nicht aber für Unterdeck- und Unterspannbahnen unter Dachdeckungen und nicht für Bahnen, die vollflächig unter heiß aufgebrachten Produkten wie Asphalt verklebt werden.[2] Sie ersetzt die Ausgabe vom Oktober 2009 und hat unter anderem das Verhalten bei Feuer von außen und die Konformitätsbewertung überarbeitet sowie einen Anhang zum Widerstand mechanisch befestigter Bahnen gegen Windsog aufgenommen.[2]

Für die Bezeichnung der Bahnen definiert die Anwendungsnorm DIN V 20000-201 nach WECOBIS Kurzzeichen, die das Material der Deckschicht, die Trägereinlage mit ihrem Flächengewicht in g/m² und die Verarbeitungsart zusammenfassen, gefolgt von einer Zahl für die Dicke.[1] Nach WECOBIS reichen zwei Lagen aus je 3 mm Polymerbitumen in der Regel nicht aus, beständig wird die Abdichtung mit einer 5 mm dicken Bahn als unterer Lage, und eine einfache Schutzlage über der Abdichtung wirkt sich erfahrungsgemäß günstig auf die Nutzungsdauer aus.[1] Haben Böen die Bahnen am Rand gelöst, so dass das Dach nach dem Sturm undicht ist, wird die Stelle zuerst provisorisch gesichert. Läuft bei Regen Wasser durch eine offene Naht ins Haus, legt der Notdienst eine Notabdeckung auf, damit die Dämmung darunter nicht durchnässt.

Schweißen, Kleben und Brandschutz

Beim Verschweißen wird die untere Bahn mit einem Propangasbrenner bis zum Schmelzen der Oberfläche erhitzt und durch anschließendes Walzen homogen mit der oberen verbunden, was Erfahrung im Umgang mit der offenen Flamme verlangt, dafür aber das Heißbitumen der Klebetechnik spart.[1] Je nach Material und Witterung braucht das Schweißen 60 bis 120 g Propangas je Quadratmeter, also etwa 3 bis 6 MJ, das Kleben dagegen 1,1 bis 1,5 kg Heißbitumen je Quadratmeter, darum gilt Schweißen nach WECOBIS als die weniger umweltbelastende, aber anspruchsvollere Technik.[1] Undichte Stellen in geschweißten Nähten findet eine Leckageortung auf dem Dach etwa mit elektrischen Messverfahren.

Unsachgemäßer Umgang mit dem Brenner kann Brände auslösen, Dämpfe und Aerosole sind zu beachten, und der Gesprächskreis Bitumen der GISBAU nennt als Beurteilungswert höchstens 10 mg/m³ in der Luft, weshalb für Frischluft zu sorgen ist und Gestellbrille und bei Spritzgefahr Gesichtsschutz zur Schutzausrüstung gehören.[1] Heißbitumen ist heute nicht mehr mit Teer verschnitten und wird deshalb nicht mehr als krebserzeugend eingestuft, die Bahnen selbst sind normalentflammbar nach Baustoffklasse B2, und brennendes Bitumen ist schwer zu löschen und entwickelt starken schwarzen Rauch.[1]

Wurzelschutz und Mecoprop

Sollen Wurzeln auf begrünten Flachdächern nicht in die oberste Lage eindringen, werden Polymerbitumenbahnen nach WECOBIS mit durchwurzelungshemmenden Bioziden ausgerüstet, zahlreiche Bahnen mit dem Herbizid Mecoprop, das sehr giftig für Wasserorganismen ist und über das Dachabwasser in Gewässer gelangen kann.[1] Wurzelfeste Bahnen enthalten etwa 0,5 bis 1 % des Wirkstoffs, rund 15 bis 40 g je Quadratmeter, und sollten deshalb nur auf Gründächern liegen, nicht auf Kies- oder Nacktdächern.[1]

Als biozidfreie Wege nennt WECOBIS Bahnen auf EPDM- oder FPO-Basis, die ihre Wurzelfestigkeit ohne Zusätze erreichen, oder eine eigene Wurzelschutzbahn aus Polyethylen über einer biozidfreien Bitumenabdichtung.[1]

Schäden an Bitumendächern

Für die Dauerhaftigkeit einer Bitumenabdichtung kommt es nach BauNetz Wissen auf Homogenität und Dicke der Bitumenschicht an, und bewittertes Bitumen versprödet mit der Zeit bis zur Rissbildung, was ein Oberflächenschutz oder Kunststoffzusätze deutlich hinauszögern.[3] Dauernd stehendes Wasser auf Dächern ohne Gefälle beschleunigt den biologischen und chemischen Abbau und schadet durch Nass-Trocken-Zonen im Sommer und Eisbildung im Winter, und Flächen bis 2 % Gefälle gelten in den Flachdachrichtlinien als Sonderkonstruktionen mit besonderen Maßnahmen.[3]

Blasen entstehen bei Sanierungen, wenn zwischen alter Dachhaut und neu aufgeklebter Bahn Feuchte eingeschlossen bleibt, Falten und Brüche meist durch zu große Bewegungen von Decke oder Dämmung oder eine fehlende Dampfdruckausgleichsschicht.[3] Bei Polymerbitumen-Schweißbahnen kommen Nahtbrüche vor, wenn der Polyesterträger beim Schweißen überhitzt und später schrumpft, darum ist länger und nicht mit größerer Flamme zu schweißen, und Anschlüsse und Dehnfugen sollen aus gleichartigen Stoffen bestehen.[3]

Nach WECOBIS zieht sich die oberste Schicht durch das allmähliche Verdunsten von Bestandteilen zusammen, es entsteht die sogenannte Elefantenhaut mit Rissen, in die Schlämme eindringen, und UV-Strahlung schädigt ungeschützte Aufkantungen.[1]

Alte Teerpappe beim Rückbau

Kohlenteer und teerhaltige Produkte sind nach dem Merkblatt Abbruch der Stadt Erfurt auf ihren Gehalt an PAK und den Phenolindex zu untersuchen, und teerhaltige Dachpappen können zusätzlich krebserzeugende Fasern wie Asbest oder künstliche Mineralfasern enthalten.[4] Einige Entsorger verlangen deshalb vor der Anlieferung einen Nachweis der Faserfreiheit mit Verfahren, deren Nachweisgrenzen weit unter 0,1 % liegen, und faserfreie teerhaltige Dachpappe ist als gefährlicher Abfall dem Schlüssel 17 03 03 zuzuordnen.[4]

Heutige Bitumenbahnen gehören nach WECOBIS dagegen nicht zu den besonders überwachungsbedürftigen Abfällen, sie sollen nach der Gewerbeabfallverordnung mit den Kunststoffen gesammelt und thermisch verwertet werden, wegen des Schwefelgehalts des Bitumens nur in Anlagen mit weitergehender Rauchgasreinigung.[1]

Wasser unter der Dachabdichtung

Läuft nach Regen Wasser durch eine Flachdachdecke, orten wir die undichte Stelle in der Bitumenabdichtung und messen, wie weit die Dämmung darunter durchfeuchtet ist, denn eingeschlossenes Wasser kann unter der Abdichtung weit von der eigentlichen Fehlstelle entfernt wieder austreten. Bei Dächern älterer Gebäude klären wir vor dem Öffnen der Dachhaut, ob Teerpappe oder asbesthaltige Schichten verbaut sind.

Nasse Dämmung wird getrocknet oder ausgetauscht, die Abdichtung setzt ein Dachdecker instand, und erst wenn die Fehlstelle geschlossen ist, trocknen wir die Räume darunter und stellen Decke und Wände wieder her.

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Belege

Quellen

  1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Polymerbitumen-Dichtungsbahnen, Produktgruppe Abdichtungsbahnen. Datenblatt Polymerbitumen-Dichtungsbahnen, Reiter Übersicht, Technisches, Rohstoffe, Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21
  2. DIN Media GmbH: DIN EN 13707: Abdichtungsbahnen, Bitumenbahnen mit Trägereinlage für Dachabdichtungen, Definitionen und Eigenschaften. Ausgabe 2013-12, Einführungsbeitrag, Ersatzvermerk und Änderungsvermerk. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
  3. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Schäden an Bitumenbahnen und deren Ursachen. Fachwissen Flachdach, Bitumendachbahnen, Schäden an Bitumenbahnen und deren Ursachen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  4. Landeshauptstadt Erfurt, Umwelt- und Naturschutzamt: Merkblatt Abbruch. Merkblatt Abbruch, Abschnitt zu Ausbauasphalt, Kohlenteer und teerhaltigen Dachpappen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
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