Spritzwasser
Spritzwasser ist Wasser, das als Tropfen von Regen auf Gelände und Belägen zurückspritzt oder im Bad beim Duschen und Waschen verspritzt und dabei Wandsockel, Holzschwellen und Wandflächen benetzt.[1][2] Am Wandsockel ist von etwa 20 cm unter bis etwa 30 cm über Gelände mit Spritzwasser zu rechnen, und Holzschwellen brauchen nach DIN 68800-2 je nach Gelände 30, 15 oder 5 cm Abstand.[1][2]
So trifft Spritzwasser den Sockel einer Hauswand
Schematische Darstellung des unteren Teils einer Hauswand bei Regen, links mit Pflaster bis an die Wand, rechts mit Kiesstreifen und aufgeschnittenem Sockel. Die Nummern folgen dem Wasser vom Boden über die Rinne bis zum Schutz des Sockels.
- Regen prallt vom Pflaster zurück: Fällt Regen auf ein Pflaster, springen die Tropfen zurück und benetzen den unteren Teil der Wand. Liegt das Pflaster ohne Gefälle bis an die Wand oder wurde das Gelände angehoben, steht der Sockel dauernd im Spritzwasser.
- Rinne läuft über: noch mehr Spritzer: Läuft eine schadhafte oder verstopfte Dachrinne über, stürzt das Wasser direkt vor der Wand herab und spritzt noch stärker an den Sockel. Auch Oberflächenwasser, das nicht vom Haus weggeleitet wird, macht den Sockel zusätzlich nass.
- Sockel nass bis rund 30 cm über Gelände: Mit Spritzwasser ist von etwa 20 cm unter bis etwa 30 cm über der Geländeoberkante zu rechnen. In diesem Bereich bleibt die Wand ohne Schutz feucht, Schmutz und Bewuchs setzen sich fest.
- Abdichtung unter dem Sockelputz: Unter dem Sockelputz liegt eine rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämme, die das Mauerwerk vor dem Wasser schützt. Sockelputze nehmen insgesamt weniger Wasser auf als die Putze der Fassade darüber.
- Kiesstreifen bremst die Spritzer: Ein Streifen aus grobem Kies vor der Wand nimmt den Regen auf, statt ihn zurückprallen zu lassen. Wo es passt, empfehlen wir ihn nach der Trocknung zusammen mit einer instand gesetzten Sockelabdichtung.
Wo Spritzwasser am Gebäude wirkt
Am Wandsockel wirken nach der Richtlinie der Deutschen Bauchemie für Abdichtungen mit Bitumendickbeschichtungen Spritz- und Sickerwasser auf die Sockelflächen, auf Bodenplatten und Fundamente.[1] Über Bodenplatten kann Wasser kapillar in Außen- und Innenwände aufsteigen, und bei zweischaligem Mauerwerk sickert abrinnendes Niederschlagswasser in den Schalenzwischenraum, weshalb Fußpunkt-, Sockel- und Querschnittsabdichtungen nötig werden.[1]
Das Merkblatt der bayerischen Staatsregierung zur Mauerfeuchtigkeit zählt mangelhaften Schutz gegen Spritzwasser am Sockel, an Balkonen und an Vordächern zu den Ursachen durchfeuchteter Bauteile.[3] In derselben Liste stehen Regenwasser aus schadhaften Dachrinnen und Abdeckblechen und Oberflächenwasser, das nicht vom Bauwerk weggeleitet wird, beides Quellen, die einen Sockel zusätzlich nass machen.[3] Genannt wird außerdem Sprühnebel aus dem Straßenverkehr, der zum Teil Salze mitbringt.[3] Welche dieser Quellen einen Sockel nass macht, zeigt die Messung in mehreren Höhen, und zu den Sofortmaßnahmen gehört, Kies oder Erde vom Sockel wegzunehmen.
Liegen hinter einer innen feuchten Sockelwand Steckdosen oder Leitungen, kommt vor dem Aufstemmen die Sicherung des Stromkreises heraus, denn ein Lichtschalter lässt die Leitungen unter Spannung. Hat der Sicherungskasten selbst Wasser gezogen, entscheiden Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber, wann der Raum wieder betreten wird, und wächst der Wasserstand im Keller noch, geht niemand die Kellertreppe hinunter.
Spritzwasser am Wandsockel und die Sockelabdichtung
DIN 18533 führt Spritzwasser am Wandsockel zusammen mit Kapillarwasser in und unter Wänden als Wassereinwirkungsklasse W4-E, und nach der Richtlinie gilt sie im Bereich von etwa 20 cm unter bis etwa 30 cm über der Geländeoberkante, sofern dort kein drückendes Wasser nach W2-E ansteht.[1] Die Richtlinie zeigt Sockelabdichtungen für Wärmedämmverbundsysteme, für den Fußpunkt zweischaliger Außenwände und für einschaliges Mauerwerk mit Sockelputz.[1] Ihre Skizzen zur Wassereinwirkung zeigen den Sockel eines unterkellerten Hauses, den eines Hauses ohne Keller und den Bereich unter Innenwänden, in die Wasser aus der Bodenplatte aufsteigen kann.[1]
Steht das Mauerwerk im Sockel gegenüber dem Betonbauteil vor, verlangt die Richtlinie besondere Sorgfalt: Die überstehende Steinunterseite wird geschlossen, die Vorderseite muss frei von Graten sein, und der ganze Sockelbereich erhält eine rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämme.[1] An- und Abschlüsse sind so auszuführen, dass sie nicht hinterlaufen werden und sich unter Belastung nicht vom Untergrund lösen.[1]
Für die Sockelzone sind nach dem bayerischen Merkblatt je nach Fassade, ob geputzt, vorgehängt und hinterlüftet oder mit Wärmedämmverbundsystem, eigene Normen, Richtlinien, Leitlinien oder bauaufsichtliche Zulassungen zu beachten.[3] Für Bestandsgebäude beschreibt das WTA-Merkblatt 4-9 aus dem Dezember 2019, wie Gebäude- und Bauteilsockel nachträglich abgedichtet und instand gesetzt werden, mit Voruntersuchungen, Ausführungsvarianten für Sockel mit Putz, mit Putz auf Wärmedämmung, mit hinterlüfteter Bekleidung und mit Sichtmauerwerk sowie typischen Schadensformen und Checklisten.[4] Es richtet sich an Planer, Ausführende und überwachende Stellen und verweist ergänzend auf die WTA-Merkblätter zu Sanierputzsystemen, zur Mauerwerksdiagnostik, zu Horizontalsperren, zu Injektionsverfahren und zur Messung des Wassergehalts.[4]
Holzschwellen und Spritzwasser nach DIN 68800-2
Im Holzbau ist der Gebäudesockel nach dem Handbuch des Informationsdienstes Holz durch Spritzwasser und durch Feuchte aus angrenzenden Bauteilen wie der Bodenplatte besonders beansprucht.[2] Eine Schwelle kann trotzdem in die Gebrauchsklasse 0 fallen, also ohne chemischen Holzschutz auskommen, wenn der Abstand zwischen ihrer Unterkante und der Geländeoberkante ausreicht.[2] Schutz vor Niederschlägen und Spritzwasser zählt das Handbuch zu den grundsätzlichen baulichen Maßnahmen, ebenso den Schutz vor nutzungsbedingter Feuchte wie dem Spritzwasser im Bad.[2] Ist im Bad eine Dusche undicht, trifft das Wasser die Schwelle einer Holzwand auch von innen.
Nach dem holzbau handbuch Holzschutz, Bauliche Maßnahmen, Kapitel 5.6 mit Tabelle 5.6.1.[2]
Bei der Variante mit 15 cm zeigt das Handbuch einen Spritzschutzstreifen aus Grobkies 16/32 von mindestens 30 cm Breite und eine Fassadenbekleidung, die ebenfalls mindestens 15 cm über dem Gelände endet.[2] Die Varianten haben Folgen für die Planung: 30 cm passen bei unklarem Geländeverlauf und bedeuten drei bis vier Stufen Höhenunterschied, 15 cm etwa zwei Stufen, und bei 5 cm mit Kiesbett und Vertikalabdichtung ist die Fassade nach dem Handbuch verschmutzungsgefährdet.[2] Sockel, die unter Dach deutlich innerhalb der 60-Grad-Linie liegen, sind ohne besondere Anforderung, dort muss aber ein Gefälle vom Gebäude weg Oberflächenwasser bei Starkregen fernhalten.[2]
An Türen und Fenstern ist eine Rinne mit abnehmbarem Gitterrost möglich, die rückstausicher entwässert, etwa über eine Dränage, und nur dort vorgesehen ist, nicht um das ganze Gebäude.[2] Bei einem niveaugleichen Austritt auf einen Balkon reicht die Vertikalabdichtung nach dem Detail im Handbuch mindestens 15 cm über die Außenabdichtung oder 5 cm über die Oberkante des Gitterrosts, der hier als Spritzwasserschutz dient.[2] Wie ernst die Abstände zu nehmen sind, zeigt die Gebrauchsklasse 4: Moderfäule kann nach dem Handbuch auch ohne Erdkontakt dort entstehen, wo sich Schmutz sammelt oder Spritzwasser stark einwirkt.[2]
Sockelputz und Schnee am Sockel
Sockelputze sind wegen der höheren Anforderungen, unter anderem durch Spritzwasser, anders zusammengesetzt als Fassadenputze und nehmen insgesamt weniger Wasser auf, wie Untersuchungen an der HTWG Konstanz in der Fachzeitschrift Der Bausachverständige zeigen.[5] Unterschätzt wird nach den Verfassern Schnee, der vor der Hauswand höher liegt als ein 30 cm hoher Sockelputz: Taut er tagsüber, saugt der Putz das Wasser auf, und gefriert es nachts in den Poren, können Fassadenputze bis zum Versagen geschädigt werden.[5]
Spritzwasser im Bad
Im Innenraum richtet sich der Schutz nach der Spritzwasserbeanspruchung, und DIN 18534 unterscheidet dafür die Wassereinwirkungsklassen W0-I mit geringer bis W3-I mit sehr hoher Einwirkung.[2] In einem häuslichen Bad mit Duschabtrennung gelten die Wände um Waschbecken und WC als gering beansprucht, Duschbereich und Boden als mäßig, und fehlt die Abtrennung, wird der Boden hoch beansprucht.[2]
Flächen der Klasse W0-I wie die Wand am Waschbecken müssen nach dem Handbuch nicht abgedichtet werden, Flächen der Klasse W1-I werden abgedichtet und dürfen einen Untergrund aus Gipsbaustoffen haben, aber nicht aus Holzwerkstoffen.[2] Für hoch beanspruchte Flächen der Klasse W2-I sind feuchteunempfindliche Materialien vorgeschrieben, und für Holzbauten empfiehlt das Handbuch eine Duschabtrennung oder eine Ablaufzone von 1,5 m bis zur Feuchtequelle.[2]
Wie wir Spritzwasserschäden am Sockel beheben
Bei feuchten Sockeln messen wir die Feuchte von innen und außen in mehreren Höhen und prüfen, ob Spritzwasser, aufsteigende Feuchte oder ein Leck die Ursache ist. Dazu gehört der Blick auf das Gelände: Ist es im Lauf der Jahre angehoben worden, liegt ein Pflaster ohne Gefälle bis an die Wand oder läuft eine Dachrinne über, steht die Wand im Spritzwasser.
Nach der Trocknung setzen wir Sockelabdichtung und Sockelputz instand und empfehlen, wo es passt, einen Kiesstreifen vor der Wand. Holzschwellen mit zu geringem Abstand zum Gelände öffnen wir, prüfen die Holzfeuchte und tauschen geschädigte Abschnitte aus. Hat ein Haus gar keine Sockelabdichtung, besprechen wir mit den Eigentümern, ob eine nachträgliche Abdichtung oder ein Spritzschutzstreifen aus Kies sinnvoll ist.
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Belege
Quellen
- Deutsche Bauchemie e.V.: Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit polymermodifizierten Bitumendickbeschichtungen (PMBC). 4. Ausgabe Dezember 2018, elektronische Ausgabe aktualisiert März 2020, Teil A Abschnitt 3.1 Wassereinwirkungsklasse W4-E, Teil B Abschnitte 6.5 und 7.1. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Informationsdienst Holz (Informationsverein Holz e.V. und Holzbau Deutschland Institut): holzbau handbuch Reihe 5 Teil 2 Folge 2: Holzschutz, Bauliche Maßnahmen. holzbau handbuch Reihe 5 Teil 2 Folge 2, 2. Auflage 01/2023, Kapitel 4.2, 5.6 Schwellen im Sockelbereich mit Tabelle 5.6.1 und 5.7 Bäder und Feuchträume. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16
- Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie mit der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr: Hinweise zum Energiesparen, Merkblatt 09: Mauerfeuchtigkeit. Stand September 2014, Abschnitte zu Ursachen der Durchfeuchtung und Planungsgrundlagen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA): WTA-Merkblatt 4-9: Nachträgliches Abdichten und Instandsetzen von Gebäude- und Bauteilsockeln, Inhaltsverzeichnis und Kurzfassung beim Fraunhofer IRB. Ausgabe 12.2019/D, Inhaltsverzeichnis und Kurzfassung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
- Der Bausachverständige, Fachzeitschrift, Beitrag von Sylvia Stürmer und Lars Dahlem (HTWG Konstanz): Witterungsschutz bei Außenputzen: Eine vergleichende Bewertung unterschiedlicher Prüfverfahren zur kapillaren Wasseraufnahme. Heft 2/2024, S. 34 und 35: Abschnitt 2.1 Wasseraufnahme bei Putzmörteln. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
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