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Heben und Tragen auf der Baustelle: Was dein Rücken aushält und was der Betrieb tun muss

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Feste Gewichtsgrenzen für das Heben und Tragen gibt es nicht: Nach der Lastenhandhabungsverordnung muss der Arbeitgeber gefährdende manuelle Lastenhandhabung vermeiden und, wo das nicht geht, die Arbeitsbedingungen beurteilen.[1] Wie schwer eine Last sein darf, hängt nach der BG BAU von der konkreten Tätigkeit ab, und allein das Gewicht zu betrachten reicht nicht.[2]

Was die Verordnung verlangt

Die Lastenhandhabungsverordnung gilt nach § 1 für das Befördern oder Abstützen von Lasten durch menschliche Kraft, also für Heben, Absetzen, Schieben, Ziehen, Tragen und Bewegen, wenn das eine Gefährdung für Sicherheit und Gesundheit mit sich bringt, insbesondere für die Lendenwirbelsäule.[1] Der Arbeitgeber muss solche Handhabungen danach durch Organisation oder geeignete Arbeitsmittel, vor allem mechanische Ausrüstungen, vermeiden.[1]

Lässt sich das nicht vermeiden, muss er die Arbeitsbedingungen nach der Verordnung beurteilen und Maßnahmen treffen, die die Gefährdung möglichst gering halten.[1] Bei der Verteilung der Aufgaben berücksichtigt er danach deine körperliche Eignung, und in der Unterweisung erklärt er dir, wie du Lasten sachgemäß handhabst und welche Gefahren bei falscher Ausführung drohen.[1] Gerade in einer Stelle als Bauhelfer trägst du viel, darum gehört die Unterweisung zum Heben gleich an den Anfang.

Was eine Last gefährlich macht

Der Anhang der Verordnung nennt bei der Last Gewicht, Form und Größe, die Lage der Griffstellen, den Schwerpunkt und die Möglichkeit unvorhergesehener Bewegung.[1] Bei der Arbeitsaufgabe zählen danach Körperhaltung und Drehbewegungen, die Entfernung der Last vom Körper, der Weg, die Häufigkeit und Dauer des Kraftaufwands, die Schutzausrüstung, das Arbeitstempo und die Erholungszeit.[1]

Auch der Arbeitsplatz spielt danach eine Rolle: der Platz nach oben, Höhenunterschiede, Temperatur und Luftfeuchte, die Beleuchtung, eine ebene und rutschfeste Standfläche und das Schuhwerk.[1] In einem nassen Keller nach einem Wasserschaden treffen mehrere dieser Punkte zusammen, rutschiger Boden, wenig Licht, enge Treppen und schwere Geräte. Bevor ihr dort Geräte und Material bewegt, ist die Sicherung für den Keller ausgeschaltet. Liegt der Sicherungskasten selbst im Wasser, betritt niemand den Keller, und abschalten muss dann die Feuerwehr oder der Netzbetreiber.

Keine festen Grenzwerte

Die Gewichte, die man heben und tragen darf, sind nach einem Arbeitsmediziner der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in der Deutschen Handwerks Zeitung gesetzlich nicht reglementiert.[3] Ab 25 Kilogramm bei Frauen und 40 Kilogramm bei Männern kann danach bereits beim einmaligen Heben eine Gefährdung der Gesundheit vorliegen, und für die Bewertung zählen weitere Faktoren wie die Häufigkeit.[3] Auf Baustellen ist es danach manchmal schwierig, technische Hilfsmittel einzusetzen, denn kleinere Teile wie Dachlatten, Zementsäcke oder Kabelrollen werden meist per Hand dorthin getragen, wo gerade gearbeitet wird.[3] Bei einer Dämmschichttrocknung kommen Turbinen, Schläuche und Wasserabscheider dazu, die oft in mehreren Gängen in obere Stockwerke müssen.

Für eine grobe Einschätzung empfiehlt die BG BAU eine Checkliste der DGUV oder das Einstiegsscreening der Bundesanstalt, und zeigt sich eine mögliche Gefährdung, wird die Beurteilung etwa mit den Leitmerkmalmethoden vertieft.[2] Diese Methoden wurden nach der Bundesanstalt unter ihrer Federführung entwickelt, decken sechs Belastungsarten ab und zeigen Mängel in der Arbeitsgestaltung und mögliche Maßnahmen.[4] Sie gehören danach zu den Screening-Methoden und setzen eine gute Kenntnis der zu beurteilenden Arbeitsplätze voraus.[4]

Beispiele aus dem Bau

Beim Beladen eines Mischers mit Sackware entsteht nach der BG BAU mit 30 oder 40 Kilogramm schweren Säcken in vorgebeugter oder verdrehter Haltung schon nach kurzer Zeit eine hohe Belastung, und aufrechte Haltung zusammen mit kleineren Gebinden von 25 Kilogramm senkt sie erheblich.[2] Bei Säcken von 25 Kilogramm genügen danach in stark vorgebeugter und verdrehter Haltung 12 Säcke am Tag, bis die Belastung als wesentlich erhöht oder hoch gilt, aufrecht sind es 42, und bei 40 Kilogramm reicht schon ein einziger Sack.[2] Lasten trägst du danach am besten symmetrisch und körpernah, denn Abweichungen belasten den unteren Rücken erheblich stärker.[2]

Beim Tragen schwerer Eimer, etwa zwei mal 20 Kilogramm, ist danach schon nach kurzer Zeit von hohen Belastungen auszugehen, und kleinere Gebinde erfordern zwar mehr Wege, senken die Belastung aber deutlich.[2] Mit zwei Eimern zu je 10 Kilogramm sind es danach auf ebener Strecke 14 Gänge, auf einer steilen Treppe nur 2, bis diese Grenze erreicht ist.[2] Tragen zwei Personen eine sperrige Last wie eine großformatige Fliese, wirken danach ebenerdig etwa 60 Prozent des Gewichts auf jede Person und auf einer steilen Treppe bis zu 80 Prozent auf die untere.[2] Nasse Teppiche und Dämmplatten aus einer Wasserschadensanierung wiegen beim Rückbau deutlich mehr als im trockenen Zustand.

In der Sanierung gilt das für Trocknungsgeräte, Dämmschichttrockner, nasse Dämmung und Schutt aus einem Kellerraum. Ein Kondensationstrockner für große Räume ist dabei oft schwerer, als er aussieht, weil Kompressor und Wärmetauscher Gewicht bringen. Nimm Sackkarre, Treppensteiger oder einen zweiten Kollegen dazu, bevor du ein schweres Gerät allein über die Treppe trägst.

Vorsorge und eigene Grenzen

Wer regelmäßig Lasten über drei Kilogramm heben, halten und tragen muss, kann nach dem Deutschen Handwerksblatt gesundheitliche Probleme bekommen, und betroffen sind danach neben dem Rücken auch Arme und Beine, bei besonders schwerer Belastung sogar das Herz-Kreislauf-System.[5] Liegt die Belastung nach den Leitmerkmalmethoden im Bereich wesentlich erhöht oder hoch, müssen Arbeitgeber nach der BG BAU Maßnahmen zur Entlastung prüfen oder umsetzen und den Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorge schriftlich anbieten.[2] Die erforderlichen Schutzmaßnahmen gehören danach in die dokumentierte Gefährdungsbeurteilung.[2]

Merkst du, dass eine Last zu schwer ist oder der Rücken nach der Arbeit schmerzt, sag es deinem Ausbilder. Ein Gespräch über Hilfsmittel, kleinere Gebinde oder Teamarbeit ist besser als eine Verletzung, die dich wochenlang ausfallen lässt.

Häufige Fragen

Wie viel Kilo darf ich als Azubi heben?

Feste gesetzliche Grenzen gibt es nach der Deutschen Handwerks Zeitung nicht.[3] Nach der BG BAU hängt die zulässige Last von der konkreten Tätigkeit ab.[2]

Ab welchem Gewicht wird es gefährlich?

Ab 25 Kilogramm bei Frauen und 40 Kilogramm bei Männern kann nach einem Arbeitsmediziner der BAuA schon einmaliges Heben gefährden.[3]

Was muss der Betrieb zuerst tun?

Gefährdende Lastenhandhabung nach der Verordnung durch Organisation oder mechanische Hilfsmittel vermeiden.[1]

Wie trage ich Eimer richtig?

Symmetrisch und körpernah, und schwere Lasten teilst du nach der BG BAU besser in kleinere Gebinde auf.[2]

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Belege

Quellen

  1. Bundesministerium der Justiz: Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung von Lasten bei der Arbeit (Lastenhandhabungsverordnung, LasthandhabV). §§ 1 bis 4 und Anhang. Abgerufen am 09.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
  2. BG BAU (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft): Beurteilung von manuell zu handhabenden Lastgewichten. Abschnitte 1 und 2. Abgerufen am 09.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  3. Deutsche Handwerks Zeitung (Holzmann Medien): Arbeitsschutz im Handwerksbetrieb: Wie schwer dürfen Arbeitnehmer heben und tragen? Abschnitt Grenzlasten. Abgerufen am 09.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  4. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Gefährdungsbeurteilung mit den Leitmerkmalmethoden. Abschnitte Einleitung, Basis-Check und Einstiegsscreening. Abgerufen am 09.10.2026. ↑1↑2
  5. Deutsches Handwerksblatt: Mit den Leitmerkmalmethoden Belastungen einschätzen. Beitrag vom 01.01.2023. Abgerufen am 09.10.2026. ↑
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