Schimmel im Altbau: Was ist anders als im Neubau?
Die Antwort in Kürze
Im ungedämmten Altbau sind Außenwände und Raumecken kalt, und an kalten Flächen steigt die Luftfeuchte bis in den Bereich, in dem Schimmel wächst, ohne dass Wasser sichtbar kondensiert.[1] Gefährdet sind nach Zukunft Altbau vor allem Wärmebrücken wie Gebäudeecken und Wände hinter Schränken.[2] Neue Fenster verringern den Luftwechsel über Fugen, und eine Innendämmung ist nur mit Sachverstand geplant schadensfrei.[1][3]
Kalte Wände sind der Kern des Problems
Damit Schimmel wächst, muss es nach der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz gar nicht zu Tauwasser kommen, ein Anstieg der relativen Luftfeuchte an der Oberfläche auf 80 Prozent reicht aus.[1] An kalten Wandflächen kühlt die warme Raumluft ab, und die relative Feuchte steigt dort an, auch wenn sie in der Raummitte unauffällig ist.[1]
Die Wandoberfläche ist in ungedämmten Altbauten nach dem Informationsprogramm Zukunft Altbau besonders kalt, vor allem an Wärmebrücken wie einer Gebäudeecke.[2] Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem dort, wo die Raumluft schlecht umgewälzt wird, zum Beispiel hinter einem Schrank an einer nicht oder schlecht gedämmten Außenwand.[2] Dort entstehen die dunklen Flecken, die anfangs leicht mit Schmutz verwechselt werden.
Ein Rechenbeispiel aus dem Bestand
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rechnet mit einem Gebäude aus den 60er oder 70er Jahren mit 30 Zentimeter dicken, ungedämmten Außenwänden aus Bimshohlblock.[1] Bei minus 5 Grad draußen und 20 Grad im Raum hat die Wand innen 13,5 Grad, die kühlere Wandecke nur 10 Grad.[1] Steigt die Raumluftfeuchte in der Raummitte über 42 Prozent, ist in der Ecke die kritische Feuchte von 80 Prozent erreicht, über 53 Prozent ist auch die Wandfläche gefährdet.[1]
Wärmer zu heizen löst das nicht von selbst. Bei 24 Grad Raumtemperatur hätte die Wand im Beispiel 16,4 Grad, die Raumluftfeuchte dürfte aber nicht über 50 Prozent steigen, um Schimmel an der Wand zu vermeiden.[1] Wärmer beheizte Räume müssen bezogen auf die relative Feuchte also trockener sein als kühle.[1]
Fugen, Luftwechsel und neue Fenster
In älteren Häusern zieht Luft durch undichte Fenster und Anschlüsse. Diesen Luftwechsel durch Fugen nennt die Verbraucherzentrale unkontrolliert: Er führt bei Wind und im Winter zu Zug, kostet Wärme, und mit der Luft aus dem Innenraum kann Feuchte in die Bauteile gelangen und dort Schäden verursachen.[1] Bei Neubauten ist eine luftdichte Bauweise schon lange Pflicht.[1]
Werden im Altbau die Fenster getauscht, fällt ein Teil dieses Luftwechsels weg, und die Feuchte muss nach der Verbraucherzentrale durch häufigeres Lüften abgeführt werden.[1] Ein Hygrometer zeigt, ob das gelingt, denn beschlagene Scheiben sind nach ihrer Bewertung kein zuverlässiges Warnsignal.[1] In unterschiedlich beheizten Räumen ist es nach der Verbraucherzentrale sinnvoll, mehrere Geräte aufzustellen, und vor einem Fenstertausch sollten die Werte in der Heizperiode über einen längeren Zeitraum festgehalten werden.[1] Bei einem Tausch von mehr als einzelnen Fenstern ist nach Zukunft Altbau ein Lüftungskonzept Pflicht.[2]
Denkmal und schöne Fassade: wenn außen nicht gedämmt wird
Kann keine Fassadendämmung angebracht werden, etwa bei denkmalgeschützten Gebäuden, ist der Mindestwärmeschutz nach Zukunft Altbau besonders wichtig, und es lohnt sich, zusätzliche Expertise eines spezialisierten Energieberaters oder eines Bauphysikbüros zu nutzen.[2] Dünne Dämmplatten in der Laibung und unter der Fensterbank heben die Oberflächentemperatur rund um das Fenster an.[2]
Bei gestalterisch anspruchsvollen Fassaden lässt sich der Wärmeschutz nach einem Forschungsbericht des Aachener Instituts für Bauschadensforschung häufig nur durch eine Innendämmung verbessern.[3] Der Bericht hält sie bei fachgerechter Planung und sorgfältiger Ausführung auch auf hohem Wärmeschutzniveau für schadensfrei möglich, der Einfluss von Wärmebrücken steigt mit dem Dämmniveau aber stark an.[3]
Innendämmung: Was geplant sein muss
Durch eine Dämmschicht auf der Innenseite ändern sich nach dem Bericht die Temperatur- und Feuchteverläufe in der Wand, und an der Grenzschicht zwischen Dämmung und Mauerwerk sinkt die Temperatur.[3] Dort ist sicherzustellen, dass kein Tauwasser ausfällt und kein Schimmel wächst.[3] Fensterleibungen sollten nach dem Bericht mitgedämmt und nicht ausgespart werden.[3]
Binden Holzbalkendecken in die Außenwand ein, ist zum Schutz der Balkenköpfe auf einen funktionierenden Schlagregenschutz zu achten, etwa einen intakten Außenputz, und Feuchte aus der Raumluft darf nicht durch Strömungen in die Konstruktion gelangen.[3] Bei konkretem Verdacht auf eine Schädigung müssen die Balkenköpfe vor der Innendämmung auf ihre Tragfähigkeit geprüft werden.[3] Innendämmungen sind nach dem Bericht mit Sachverstand zu planen und sorgfältig auszuführen.[3] Wird innen gedämmt, entsteht die raumseitige Bekleidung oft bei Trockenbauarbeiten, deren Anschlüsse luftdicht sein müssen.
Wenn es im Altbau schimmelt
Eine fachgerechte Fassadendämmung verringert das Schimmelrisiko nach einem Fachmann des Fachverbands Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg deutlich, weil die Temperatur an den Innenseiten der Außenwände steigt.[2] Im Beispiel der Verbraucherzentrale steigt die Temperatur in der Ecke mit 16 Zentimeter Dämmung auf 17,4 Grad, und ein Risiko besteht dort erst, wenn die Raumluftfeuchte länger über 68 Prozent liegt.[1]
Bis dahin hilft nur, die Ursache im eigenen Haus einzugrenzen: zu viel Feuchte in der Raumluft, eine kalte Stelle in der Wand oder Feuchte, die von außen oder aus dem Erdreich ins Mauerwerk zieht. Welcher Fall vorliegt, klären Messungen an der Wand: die Temperatur der Oberfläche und die Feuchte im Material. Platzt im Altbau eine Leitung, schließt der Notdienst den Strang, bevor die dicke Wand das Wasser aufsaugt. Mieter melden den Befall ihrer Vermieterin oder ihrem Vermieter schriftlich, bevor sie selbst etwas an der Wand verändern.
Häufige Fragen
Ist ein ungedämmter Altbau automatisch schimmelgefährdet?
Nicht automatisch. Das Risiko hängt nach der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz an der relativen Luftfeuchte im Raum, und in ihrem Beispiel bleibt die kälteste Ecke bis zu einer Raumluftfeuchte von 42 Prozent unter dem kritischen Wert.[1]
Darf ich im Altbau innen dämmen?
Bei fachgerechter Planung und sorgfältiger Ausführung sind Innendämmungen nach dem Aachener Institut für Bauschadensforschung schadensfrei möglich.[3] Fensterleibungen und einbindende Holzbalkendecken brauchen dabei besondere Aufmerksamkeit.[3]
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e. V.: Faktencheck Energie und Bauen 6: Schimmel durch dreifach verglaste Fenster im Altbau? Stand Februar 2025, S. 3 bis 10. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16
- Zukunft Altbau (KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg): Fehler bei der Sanierung vermeiden: Schimmel nach dem Fenstertausch. Presseinformation vom 08.10.2025. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik (AIBau): Energetisch optimierte Gründerzeithäuser: Baupraktische Detaillösungen für Innendämmungen, Abschlussbericht. Dezember 2010, Kapitel 4.1 und 9.1, S. 22 bis 23 und 69 bis 71. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
Schadenwissen
Weiterlesen
Leistungen
Passend zu diesem Text
Einsatzgebiet