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Schimmel nach dem Wasserschaden: ab wann wächst er?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Je nach Feuchte, Temperatur und Material brauchen Schimmelpilze nach dem Leitfaden des Umweltbundesamts wenige Tage bis einige Wochen, um sich zu entwickeln.[1] Sichtbar nass muss dafür nichts sein: An der Oberfläche genügt eine relative Feuchte von 70 bis 80 Prozent, wenn sie länger anhält.[1] Wer nach einem Wasserschaden schnell und vollständig trocknet, nimmt dem Pilz diese Zeit.

Strom, Wasser, Meldung: die ersten Schritte

Steht Wasser an Steckdosen, Leitungen oder Elektrogeräten, schalten Sie zuerst die Sicherung des betroffenen Bereichs ab. Ist der Sicherungskasten selbst nass geworden oder läuft der Keller weiter voll, geht niemand hinein, und die Feuerwehr oder der örtliche Netzbetreiber übernimmt.

Für den Wassereintritt nennen die Verbraucherzentralen eine klare Reihenfolge.[2]

Solange die Ursache bleibt, lässt sich ein Befall nicht dauerhaft beseitigen, Feuchte und Schimmel kommen dann sehr wahrscheinlich wieder.[2]

Warum die Feuchte das Tempo bestimmt

Schimmelpilze brauchen zum Wachsen Nährstoffe und Feuchte. Nährstoffe finden sie in Gebäuden fast überall, in Tapete und Kleister, in Holz und im Hausstaub mit seinen Fasern, Haaren und Hautschuppen, und so kommt der Feuchte die ausschlaggebende Rolle zu.[1] Temperatur und pH-Wert wirken mit, doch die Pilze kommen mit einem weiten Bereich von beidem zurecht.[1]

Wie lange es bis zum ersten Wachstum dauert, hängt vom Zusammenspiel ab. Untersuchungen ergaben je nach Oberflächenfeuchte, Temperatur und Material Zeiträume von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen.[1] Auch der Untergrund zählt: Tapeten, Gipskarton, Fugenmassen und stark verschmutzte Flächen rechnet der Leitfaden zu den gut verwertbaren Substraten, Putze und andere mineralische Baustoffe zu einer weniger anfälligen Gruppe.[1] Ist ein mineralischer Untergrund stark verschmutzt, wird er wie ein gut verwertbares Substrat bewertet.[1]

Ab welcher Feuchte es kritisch wird

Für das Wachstum reicht es, wenn die Feuchte an der Materialoberfläche über längere Zeit bei 70 bis 80 Prozent liegt, nass aussehen muss das Material dafür nicht.[1] Unter etwa 70 Prozent wächst unter sonst günstigen Bedingungen kein Schimmel, ab 80 Prozent finden viele Arten gute Bedingungen, und darüber können nahezu alle Arten und dazu Bakterien wachsen.[1]

Nach einem Wasserschaden kann die Feuchte im Bauteil weit darüber liegen. Manche Arten treten erst bei starker Durchfeuchtung auf: Stachybotrys chartarum braucht einen minimalen aw-Wert von 0,94 und wächst nach dem Leitfaden nur auf stark durchfeuchtetem Material, etwa nach Wasserschäden.[1] In stehendem Wasser selbst wachsen in der Regel keine Schimmelpilze, dort vermehren sich Bakterien.[1]

Wo der Befall unbemerkt beginnt

Durchfeuchtete Materialien können befallen sein, obwohl ihre Oberfläche trocken wirkt. Der Befall sitzt dann in den Poren von Dämmstoffen, im Putz oder an der Grenze zwischen zwei Schichten.[1] Als Beispiel nennt der Leitfaden die Trittschalldämmung aus Polystyrol, die zunächst unauffällig aussieht und erst bei einer Laboruntersuchung massives Wachstum von Schimmelpilzen und Bakterien zeigt.[1]

Bei der Erfassung eines Wasserschadens gehören darum feuchteempfindliche Bauteile wie Holzverkleidungen und Gipskartonplatten ebenso auf die Liste wie Hohlräume, die man nicht einsehen kann, etwa Estrich-Dämmschichten und Schächte.[1] Eine massive Durchfeuchtung kann in verdeckten Bauteilen stecken, ohne dass man sie sieht oder an der Oberfläche messen kann.[1] Ob es sinnvoll ist, einen kleinen Befall selbst zu entfernen, hängt davon ab, ob solche verdeckten Bauteile trocken sind.

Erst den Schimmel, dann die Trockner

Ist schon Schimmel zu sehen, kommt es auf die Reihenfolge an. Der Leitfaden empfiehlt, bekannten Befall möglichst vor der technischen Trocknung zu beseitigen, damit die Geräte die Bioaerosole nicht im Raum verteilen.[1] Feuchteschäden aus Havarien wie Überschwemmungen oder Leckstellen sollen schnellstmöglich getrocknet werden, um Schimmelbefall vorzubeugen.[1]

Bei einem Ortstermin klären wir darum zuerst, wohin das Wasser gelaufen ist und ob schon Befall vorliegt, bevor die ersten Geräte laufen. So bleibt ein örtlicher Befall örtlich und wird nicht über die Luft in die übrigen Räume getragen. Steht das Wasser noch, schickt der Notdienst ein Team, das abpumpt und die nassen Bauteile freilegt.

Wer den Raum vorerst meiden sollte

Gesundheitlich vorbelastete und immungeschwächte Menschen sollten Räume mit Schimmel nach den Verbraucherzentralen meiden.[2] Als besonders schutzbedürftig gelten nach der medizinischen Leitlinie zur Schimmelpilzexposition Menschen mit Asthma oder Mukoviszidose, Menschen nach einer schweren Grippe oder COVID-19 und alle, deren Immunsystem stark geschwächt ist.[3] Schimmelbefall in relevantem Ausmaß soll nach der Leitlinie in Innenräumen aus Vorsorgegründen nicht toleriert werden.[3]

Bis die Ursache geklärt ist, eignet sich ein betroffenes Schlafzimmer darum nicht als Schlafplatz, vor allem nicht für Kinder und Menschen mit Erkrankungen der Atemwege.

Wenn es riecht, bevor ein Fleck zu sehen ist

Ein muffiger Geruch kann auf Befall hinweisen, den niemand sieht. Auch ein befallener Wandputz auf einer durchfeuchteten Wand ist mitunter nicht zu erkennen, kann aber muffig riechen.[1] Bei einer Ortsbegehung zählen schimmeltypische und auf Feuchte hinweisende Gerüche zu den wichtigen Hinweisen.[1] Welcher Geruch entsteht, hängt von den Arten und vom Material ab: Befallene Spanplatten riechen besonders stark muffig, befallenes Polystyrol oder Mineralwolle dagegen meist nicht oder anders.[1]

Häufige Fragen

Kommt nach jedem Wasserschaden Schimmel?

Nicht zwangsläufig. Bei einem einmaligen, kurzen Schaden mit sauberem Wasser und mineralischen oder dichten Baustoffen hält der Leitfaden für Fußböden einen Rückbau in der Regel nicht für nötig, wenn die Trocknung innerhalb von etwa einem Monat gelingt.[1]

Darf ich kleine Flecken nach dem Wasserschaden selbst entfernen?

Bei oberflächlichem Befall auf kleinen Flächen bis zu einem halben Quadratmeter ist das möglich, sobald die Ursache behoben ist.[2] Poröse Materialien wie Tapete oder Gipskarton lassen sich oft nicht reinigen und müssen entfernt werden, größere Flächen gehören in die Hände von Fachleuten.[2]

Ist ein sichtbarer Fleck schlimmer als ein verdeckter Befall?

Eher umgekehrt. Verdeckter Befall unter Belägen oder in Dämmschichten enthält nach dem Leitfaden häufig sehr viel mehr mikrobielle Biomasse als sichtbare Flecken und gehört in jede Beurteilung des Schadens.[1]

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Belege

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Kapitel 1.1, 1.2.3, 5.1.1, 6.3.3 und 6.3.4 sowie Anlage 6, aktualisierte Auflage April 2024. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22
  2. Verbraucherzentrale Bundesverband: Schimmel an der Wand entfernen: Das können Sie tun. Abschnitte zu Ursachen, Sofortmaßnahmen, Gesundheit und Selbsthilfe, Stand 17.07.2026. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  3. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): AWMF-Schimmelpilz-Leitlinie „Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“, Kurzfassung für Betroffene, Update 2023. Kernaussagen 1 und 9, Register-Nr. 161/001, Stand 05.09.2023. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
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