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Anti-Schimmel-Farbe: Was bringt sie wirklich?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Solange das Feuchteproblem bleibt, können Anti-Schimmel-Farben und andere vorbeugende Produkte einen Befall nach den Verbraucherzentralen in der Regel nicht dauerhaft verhindern, und ist die Ursache behoben, sind sie überflüssig.[1] Manche Wirkstoffe können zudem lebenslange Kontaktallergien auslösen und gelangen in Hausstaub und Raumluft.[1] Wirksam ist allein, die Ursache der Feuchte zu beseitigen.[2]

Was in Anti-Schimmel-Farben steckt

Farben, denen ein Biozidprodukt zugesetzt wurde, gelten rechtlich als behandelte Waren, für die ebenso wie für Biozidprodukte die europäische Biozidverordnung gilt.[3] Eine solche Ware darf nur in Verkehr gebracht werden, wenn alle enthaltenen Wirkstoffe für die jeweilige Produktart genehmigt sind und die Bedingungen dafür erfüllt werden, und hat sie eine primäre biozide Funktion, gilt sie selbst als Biozidprodukt und muss als solches zugelassen werden.[3]

Produkte zur Langzeitbekämpfung von Schimmel, die als chlorfrei beworben werden, enthalten nach dem Umweltbundesamt oft quaternäre Ammoniumverbindungen wie ADBAC, BKC oder DDAC.[2] Sie zerstören die Zellwände der Pilze und hemmen Keimung und Wachstum, wirken aber auch gegen Viren und Bakterien.[2]

Warum die Farbe das Problem nicht löst

Der Handel bietet neben Schimmelbekämpfungsmitteln vorbeugende Produkte an: Anti-Schimmel-Grundierungen, besondere Küchen- und Badfarben, Kleisterzusätze oder spezielles Silikon.[1] Wird das Feuchteproblem nicht behoben, verhindern sie den Befall in der Regel nicht dauerhaft, und es hat nach den Verbraucherzentralen keinen Sinn, eine verschimmelte Tapete mit Anti-Schimmel-Spray zu behandeln und danach zu überstreichen.[1] Bei Malerarbeiten nach einem Befall kommt neue Farbe darum erst auf die Wand, wenn die Ursache behoben und der Untergrund trocken ist.

Die befallene Tapete gehört entfernt, und die Ursache der überschüssigen Feuchte wird gesucht und abgestellt, etwa eine schlecht gedämmte Wand oder Kochen ohne Lüften.[1] Das Umweltbundesamt hält eine Biozidbehandlung bei Schimmel nur in wenigen Ausnahmefällen für sinnvoll, etwa wenn Baumaterial aus Gründen des Denkmalschutzes nicht entfernt werden darf oder eine schnelle Trocknung nicht möglich ist.[2]

Risiken für Bewohner und Umwelt

Bestimmte Stoffe, die Schimmel vorbeugen oder in Produkten Pilze und Bakterien bekämpfen sollen, können lebenslange Kontaktallergien hervorrufen.[1] Weil sich die Wirkstoffe oft im Hausstaub oder in der Raumluft wiederfinden, sind auch die Bewohner ihnen ausgesetzt.[1] Hinzu kommt die Gefahr, dass Bakterien gegen die Wirkstoffe resistent werden, und die meisten Anti-Schimmel-Substanzen sind für Wasserorganismen sehr schädlich.[1]

Quaternäre Ammoniumverbindungen binden in Kläranlagen fast vollständig an den Klärschlamm und können über dessen Verwendung als Dünger in landwirtschaftlich genutzte Böden gelangen, darum sollten Einträge in die Umwelt, etwa über das Abwasser, vorsorglich vermieden werden.[2]

So lesen Sie das Etikett

Behandelte Waren müssen gekennzeichnet werden, wenn der Hersteller ihnen biozide Eigenschaften zuschreibt oder die Genehmigung des Wirkstoffs das verlangt.[3] Die Kennzeichnung umfasst nach Artikel 58 der Biozidverordnung unter anderem diese Angaben:[3]

Auf Antrag eines Verbrauchers muss der Lieferant einer behandelten Ware binnen 45 Tagen kostenlos Informationen über die biozide Behandlung zur Verfügung stellen.[3] Wer Allergien hat oder Kinder im Haushalt, kann so vor dem Kauf klären, welche Wirkstoffe in der Farbe stecken. Die Kennzeichnung muss in der Amtssprache des Landes erfolgen, in dem die Ware verkauft wird, und deutlich lesbar und hinreichend dauerhaft sein.[3]

Wann Biozide doch infrage kommen

Ausnahmen gibt es: Ist bei vermutetem Befall eine schnelle Trocknung nicht möglich oder darf Material aus Denkmalschutzgründen nicht entfernt werden, kann eine Biozidbehandlung schwer zugänglicher Oberflächen das Wachstum verzögern.[2] Als Beispiel nennt das Umweltbundesamt das Vernebeln von Wasserstoffperoxid in Hohlräumen von Konstruktionen, die aus baulichen Gründen nicht erreichbar sind.[2]

Ein biologischer Wirkstoff ist der Mikroorganismus Pythium oligandrum: Seine Sporen keimen auf der befallenen Wand aus und dringen mit ihren Fäden in die Zellwände der Schimmelpilze ein, und wenn die Nährstoffe erschöpft sind, bildet er widerstandsfähige Sporen, die auch im trockenen Zustand bis zu mehreren Jahren überdauern können.[2]

Schimmelentferner sind etwas anderes

Mittel zur direkten Behandlung eines Befalls enthalten oft oxidierende Stoffe wie Wasserstoffperoxid, Natriumhypochlorit oder Peressigsäure, die den Schimmel zumindest kurzfristig verlangsamen oder verringern.[2] In einem Test der Stiftung Warentest mit 14 Mitteln wirkten alle gegen die Pilze, kritisch sieht die Stiftung vor allem Sprays mit Natriumhypochlorit, die die Atemwege stark reizen und die Augen schädigen können, wenn sie ohne Lüftung oder Schutzkleidung versprüht werden.[4] Bei Schimmel hinter dem Schrank an einer kalten Außenwand kehrt der Befall nach einer solchen Behandlung meist zurück, wenn der Schrank weiter dicht an der Wand steht.

Auch ein wirksamer Entferner beseitigt nur den sichtbaren Belag auf der Oberfläche. Kommt die Feuchte wieder, kommt auch der Schimmel wieder, gleich ob die Wand danach mit normaler oder mit schimmelhemmender Farbe gestrichen wird. Ein frischer Anstrich kann den Befall sogar eine Weile verdecken, bis er an derselben Stelle wieder durchschlägt.

Was stattdessen hilft

Bevor gestrichen wird, gehört geklärt, warum die Wand feucht war. Bei einem Ortstermin messen wir Oberflächentemperatur, Raumluft- und Materialfeuchte und prüfen, ob eine Wärmebrücke, ein Leck oder das Lüften die Ursache ist. Ist die Ursache behoben und die Wand trocken, reicht in Wohnräumen eine normale, diffusionsoffene Wandfarbe.

Häufige Fragen

Hilft Anti-Schimmel-Farbe im Bad?

Auch besondere Bad- und Küchenfarben verhindern einen Befall in der Regel nicht dauerhaft, wenn das Feuchteproblem bleibt.[1] Im Bad helfen Lüften, Abziehen der nassen Flächen und intakte Fugen mehr als ein Zusatz in der Farbe.

Gibt es biologische Mittel gegen Schimmel?

In der EU ist mit Pythium oligandrum M1 auch ein Mikroorganismus als Wirkstoff gegen Schimmel auf Mauerwerk in Innenräumen zugelassen, seine Sporen werden in Wasser oder Farbe auf die Wand gebracht.[2] Auch hier gilt nach dem Umweltbundesamt, dass die Beseitigung der Ursache das Beste ist.[2]

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Belege

Quellen

  1. Verbraucherzentrale Bundesverband: Schimmel an der Wand entfernen: Das können Sie tun. Abschnitt Vorbeugende Anti-Schimmelprodukte: Überflüssig bis gefährlich, Stand 17.07.2026. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
  2. Umweltbundesamt: Wirkstoffe zur Schimmelbekämpfung. Abschnitt Schimmelbekämpfung mit Bioziden, Stand 25.09.2026. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
  3. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): REACH-CLP-Biozid Helpdesk: Behandelte Waren. Abschnitt Regelungen zum Inverkehrbringen von behandelten Waren. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  4. Stiftung Warentest: Schimmelentferner-Test: Diese Mittel helfen gegen Schimmel. Überblick, test 2/2022, Stand 26.01.2022. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
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