Innendämmung
Auch: raumseitige Wärmedämmung, Dämmung von innen
Eine Innendämmung ist eine Wärmedämmschicht auf der Raumseite einer Außenwand, die meist dann gewählt wird, wenn die Fassade erhalten bleiben soll, etwa bei Denkmalschutz, Sichtfachwerk oder Sichtmauerwerk.[1][2] Weil die Wand dahinter nahezu die Außentemperatur annimmt, ist sie bauphysikalisch anspruchsvoller als eine Außendämmung und braucht einen feuchteschutztechnischen Nachweis.[2][3]
So arbeitet eine Dämmung auf der Raumseite der Außenwand
Schematische Darstellung: Ziegelwand eines Altbaus im Schnitt mit Holzfaserdämmung, feuchtevariabler Dampfbremse und Bekleidung auf der Raumseite, darüber ein Deckenbalken. Die Nummern folgen der Wand von außen nach innen bis zur Messung nach einem Wasserschaden.
- Fassade bleibt erhalten: Eine Innendämmung wählt man meist, wenn die Fassade unverändert bleiben muss, zum Beispiel bei einem Baudenkmal oder bei sichtbarem Fachwerk und Mauerwerk. Sie lässt sich Raum für Raum ausführen, die Wand trocknet nach Schlagregen aber langsamer aus als vorher.
- Mauerwerk fast so kalt wie außen: Weil die Dämmung innen liegt, nimmt die Wand dahinter nahezu die Außentemperatur an. Strömt feuchte Raumluft hinter die Dämmung, kann an der früheren Innenoberfläche Tauwasser ausfallen, darum braucht jede Innendämmung einen Feuchteschutznachweis.
- Balkenkopf kühlt stärker ab: Holzbalken, die in der Außenwand aufliegen, werden nach dem Dämmen kälter. Gelangt warme Raumluft an die Köpfe, steigt das Risiko von Tauwasser, kritisch wird es, wenn das Holz dauerhaft feucht bleibt.
- Dampfbremse: winters dicht, sommers offen: Bei Faserdämmstoffen wie Holzfaser sitzt raumseitig eine feuchtevariable Dampfbremse. Bei trockener Winterluft bremst sie den Dampf, bei hoher Luftfeuchte im Sommer lässt sie die Wand nach innen austrocknen, und Putz und Anstrich darauf müssen ebenfalls diffusionsoffen sein.
- Möbel mit Abstand zur Außenwand: Innengedämmte Außenwände sollen nicht mit Schränken oder Sofas zugestellt werden. Dazu gehört, die Raumluft regelmäßig auszutauschen und beim Bohren zu wissen, wo Dübel die luftdichte Schicht verletzen können.
- Nässe hinter der Dämmung messen: Nach einem Wasserschaden prüfen wir mit Sonden, wie nass Dämmung und Mauerwerk sind, und nehmen die Bekleidung an der Stelle ab, an der Wasser hinter die Dämmung gelangt ist. Nasse Platten kommen heraus, die Wand wird getrocknet, danach bauen wir das System mit abgestimmten Schichten und dichten Anschlüssen neu auf.
Wann eine Innendämmung sinnvoll ist
Nach den Energiespar-Informationen der Hessischen Energiesparaktion ist die Innendämmung das geeignete Verfahren, wenn eine Außendämmung nicht in Frage kommt, etwa weil Gebäude oder Fassade unter Denkmalschutz stehen, Sichtfachwerk oder Sichtmauerwerk erhalten bleiben soll oder fehlende Grenzabstände eine äußere Dämmung verhindern.[1] Sie lässt sich Zimmer für Zimmer ausführen, und bei Gebäuden mit täglich nur kurzen Heizzeiten wie Kirchen ist sie nach der Broschüre sogar die beste Dämmmaßnahme, weil es dort auf schnelles Aufheizen ankommt.[1]
Das Energieinstitut Vorarlberg nennt außerdem Räume, die nur gelegentlich genutzt werden, wie Veranstaltungsräume, Turnhallen oder Hobbykeller, weil die massive Wand auf der kalten Seite der Dämmung nicht mitgeheizt werden muss.[2] Auch Teilsanierungen einzelner Wohnungen, etwa bei einem Mieterwechsel oder wenn eine Eigentümergemeinschaft keine Gesamtsanierung beschließt, sind mit einem Innendämmsystem möglich.[2] Für dauerhaft genutzte Gebäude, deren Fassade sich wiederherstellen lässt, und für umfassende Sanierungen größerer Gebäude hält der Leitfaden dagegen die Außendämmung für die bessere Lösung.[2]
Hinter einer Innendämmung liegen Schalterdosen, Steckdosen und Leitungen in der Installationsebene oder im Putz der Außenwand. Muss die Dämmung nach einem Wasserschaden geöffnet werden, schaltet man vorher die Sicherungen dieser Räume aus, weil ein ausgeschalteter Lichtschalter die Steckdosen an dieser Wand nicht stromlos macht. Hat Wasser den Sicherungskasten selbst erreicht, betritt keiner mehr das Zimmer mit der Innendämmung, bis Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber die Anlage spannungsfrei geschaltet haben. Steigt im Keller Wasser, geht keiner hinunter.
Was hinter der Dämmschicht in der Wand passiert
Bei einer Außendämmung nimmt der tragende Teil der Wand die Innentemperatur an, bei einer Innendämmung nahezu die Außentemperatur, darum hat die Außendämmung nach dem Leitfaden aus Vorarlberg das größere Einsparpotenzial und das geringere Schadensrisiko.[2] Als Nachteile der Innendämmung führt er Wärmebrücken an einbindenden Wänden und Decken, eine schnellere Überhitzung im Sommer, eine langsamer trocknende Außenwand, Frostgefahr für wasserführende Leitungen in der Wand und mögliches Tauwasser in der Konstruktion auf.[2]
Das WTA-Merkblatt 6-4 hebt zwei Vorgänge besonders hervor: die Wasserdampfdiffusion von innen nach außen mit möglichem Tauwasser an der früheren Innenoberfläche der Wand und das eingeschränkte Austrocknen der Außenwand, nachdem Schlagregen sie durchfeuchtet hat.[3] Auf der Raumseite steigt dagegen die Oberflächentemperatur der Wand nach der hessischen Broschüre um etwa 2 bis 4 °C, und gerade in älteren Gebäuden kann der Gewinn an Behaglichkeit sehr groß sein.[1] Bei dünnem Fachwerk oder stark wärmeleitenden Vollziegeln lässt sich der Wärmeschutz der Außenwand so um mehr als 60 Prozent verbessern.[1]
Drei Systeme der Innendämmung
BauNetz Wissen teilt Innendämmsysteme in drei Gruppen ein: kapillaraktive Systeme, diffusionsoffene Systeme und Systeme mit Dampfbremse.[4] Kapillaraktive Dämmstoffe wie Platten aus Calciumsilikat kommen ohne raumseitige Dampfbremse aus, weil feine Kanäle im Material anfallende Feuchte aufnehmen und verteilen, und sie funktionieren nur, wenn sie vollflächig und ohne Hohlräume auf dem Untergrund kleben.[4]
Nach Kapitel 5 des Leitfadens Innendämmung: Anwendungen und Risiken des Energieinstituts Vorarlberg, Oktober 2012.[2]
Muss die Wand nach innen austrocknen, wie bei sichtbarem Fachwerk oder anderen nicht schlagregendichten Außenwänden, empfiehlt BauNetz Wissen ein diffusionsoffenes System aus feuchtevariabler Dampfbremse und Faserdämmstoffen wie Holzfaser, Mineralwolle oder Zellulose.[4] Feuchteadaptive Dampfbremsen haben nach dem Leitfaden bei etwa 40 Prozent Luftfeuchte einen sd-Wert über 10 m und ab etwa 75 Prozent einen unter 1 m, so dass sie im Winter bremsen und im Sommer die Austrocknung zulassen.[2] Putze und Anstriche auf solchen Systemen müssen ebenfalls diffusionsoffen sein, und bei späteren Renovierungen ist zu klären, welche Materialien verwendet werden dürfen.[2]
Hartschaumplatten wirken selbst als Dampfbremse, Faserdämmstoffe brauchen eine Dampfbremse auf der warmen Seite, die lückenlos und luftdicht verlegt wird, und die Außenwand muss in diesem Fall schlagregendicht sein und darf keine aufsteigende Baufeuchte haben.[4] Bei Polystyrol- oder Polyurethanplatten über 4 cm Dicke verlangt der Leitfaden eine Dampfbremse oder mindestens abgedichtete Fugen zwischen den Platten.[2]
Luftdichtheit, Laibungen und Balkenköpfe
Wichtiger als die Dampfbremse ist nach der hessischen Broschüre die Luftdichtheit: Strömt Raumluft durch Fugen hinter die Dämmung, ist die Feuchtebelastung der Bauteile 1.000- bis 10.000-mal höher als bei mangelhafter Dampfdichtheit.[1] Auch auf unebenen Wänden darf die Dämmung nicht hinterströmt werden, und Elektrodosen in der Außenwand sollen als dichte Hohlwanddosen in der Innenverkleidung sitzen, weil sich sonst in der Dose Tauwasser bilden kann.[1] Bildet sich hinter einer neuen Innendämmung ein feuchter Fleck an der Wand, deutet das oft auf eine undichte Fuge in der luftdichten Schicht hin.
Fenster- und Türlaibungen gehören nach der Broschüre immer zur Maßnahme, weil dort sonst Oberflächenkondensat droht, und weil oft nur 2 bis 3 cm Platz bleiben, rät sie dort zu einem Dämmstoff mit einer Wärmeleitfähigkeit um 0,030 W/(m·K).[1] Einbindende Innenwände und Decken lassen sich mit 30 bis 50 cm breiten Dämmstreifen oder Dämmkeilen entschärfen, Heizkörpernischen werden auch bei 1 cm Dämmstoff einbezogen, und zwischen Heizkörper und Wand sollen mindestens 3 cm Abstand bleiben.[1] Vor dem Einbau muss die Außenwand trocken genug sein, und bei einer Badsanierung mit Innendämmung gilt das für die Wand hinter der Dusche besonders.
Holzbalkenköpfe in der Außenwand kühlen nach einer Innendämmung stärker ab, und gelangt warme Raumluft an sie heran, steigt das Risiko von Tauwasser.[1] In einem Wiesbadener Gebäude lag die Holzfeuchte der Balkenköpfe nach der Dämmung über mehrere Jahre stets unter 20 Prozent, und ein konkretes Schadensrisiko entsteht nach der Broschüre erst, wenn Holzbauteile dauerhaft feuchter sind.[1] Kalt- und Heizwasserleitungen in der Außenwand sind wegen der Frostgefahr zu verlegen, etwa in eine Fußleiste.[1]
Ob ein Innendämmsystem dauerhaft funktioniert, hängt nach dem Leitfaden aus Vorarlberg auch von den Bewohnern ab: Sie sollen wissen, wo Dübel und Nägel die luftdichte Folie durchstoßen können, die Raumluft in bewohnten Räumen alle 2 bis 3 Stunden komplett austauschen und innengedämmte Außenwände nicht mit Schränken oder Sofas zustellen.[2]
Feuchteschutznachweis und gesetzliche Anforderungen
Ein feuchteschutztechnischer Nachweis ist nach dem WTA-Merkblatt 6-4 unabdingbar, in der Regel als Simulation des gekoppelten Wärme- und Feuchtetransports nach den Merkblättern 6-1, 6-2 und 6-5, und das Merkblatt stellt zusätzlich einen vereinfachten Nachweis mit festgelegten Randbedingungen vor.[3] Ergänzend verweist es unter anderem auf das Merkblatt 6-15 zur technischen Trocknung durchfeuchteter Bauteile und auf die Merkblätter zur Fachwerkinstandsetzung.[3] Für Systeme mit kapillaraktiven Dämmstoffen oder feuchteadaptiven Dampfbremsen eignet sich das Glaser-Verfahren nach dem Leitfaden aus Vorarlberg nicht, weil es die Speicherung und den Transport von flüssigem Wasser nicht ausreichend berücksichtigt.[2]
Das Gebäudemodernisierungsgesetz verweist in § 36 auf die Höchstwerte der Anlage 7, die für Außenwände beim Ersatz, beim erstmaligen Einbau und beim Anbringen von Bekleidungen oder Dämmschichten auf der Außenseite einer bestehenden Wand gelten, für Wohngebäude 0,24 W/(m²·K).[5] Für Dämmschichten auf der Innenseite einer bestehenden Außenwand enthält die Tabelle keine eigene Zeile.[5]
Wie wir eine Innendämmung nach einem Wasserschaden behandeln
Vor einer Innendämmung ist nach der hessischen Broschüre der Feuchtegehalt der Außenwand zu prüfen: Fehlt der Schlagregenschutz oder steigt Feuchte auf, sind zuerst diese Ursachen zu beheben, und stark durchfeuchtete Wände werden durch technische Trocknung auf den praktischen Feuchtegehalt gebracht.[1] Schimmel und andere Feuchteschäden sind vor dem Dämmen zu beseitigen.[1]
Ist eine Innendämmung nach einem Wasserschaden durchnässt, messen wir die Feuchte in Dämmung und Mauerwerk und öffnen die Verkleidung dort, wo Wasser hinter die Dämmebene gelaufen ist. Durchfeuchtete Verbundplatten und Faserdämmstoffe bauen wir aus, trocknen die Wand dahinter und stellen das System danach mit aufeinander abgestimmten Schichten und luftdichten Anschlüssen wieder her. Bei diffusionsoffenen und kapillaraktiven Systemen wählen wir Putz und Anstrich passend zum vorhandenen Aufbau, damit die Wand weiter nach innen austrocknen kann.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
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Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wissenschaftliche Betreuung Institut Wohnen und Umwelt (IWU): Energiespar-Informationen 11: Wärmedämmung von Außenwänden mit der Innendämmung. Energiespar-Informationen 11, Seiten 2 bis 11. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14
- Energieinstitut Vorarlberg: Innendämmung: Anwendungen und Risiken, Leitfaden aus dem Projekt Alphouse. Oktober 2012, Kapitel 2 bis 7. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13
- Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA): WTA-Merkblatt 6-4: Innendämmung nach WTA I, Planungsleitfaden, Inhaltsverzeichnis mit Kurzfassung beim Fraunhofer IRB. Ausgabe 10.2016, Erläuterungen zum Merkblatt und Kurzfassung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Innendämmsysteme: kapillaraktiv, diffusionsoffen oder mit Dampfbremse. Fachwissen Dämmstoffe, Abschnitte zu kapillaraktiven, diffusionsoffenen und dampfgebremsten Systemen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Bundesministerium der Justiz: Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Modernisierung der Wärmeversorgung in Gebäuden (Gebäudemodernisierungsgesetz, GModG). § 36 und Anlage 7, Nummern 1a und 1b mit Fußnote 1. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
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