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Elektroosmose und Funkgeräte gegen nasse Mauern: Was leisten sie?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Elektrophysikalische Anlagen sollen mit einer elektrischen Spannung den Feuchtetransport im Mauerwerk so verändern, dass die Wand abtrocknet.[1] Für die Anlagen im Handel fehlt nach einem Fachlexikon ein allgemeingültiger Nachweis, dass sie erfolgversprechend eingesetzt werden können,[1] und Geräte ohne Elektroden gelten als fachlich umstritten.[2] Nach einem Rohrbruch helfen sie nicht, weil das Wasser dann aus einer Leitung kommt.

Wie die Spannung das Wasser bewegen soll

Bei der elektrophysikalischen Mauerwerkstrockenlegung soll eine angelegte Spannung die Ladungen in den Poren mineralischer Baustoffe so verändern, dass sich das Wasser in Richtung Erdreich bewegt oder in den Kapillaren so wenig nachkommt, dass mehr verdunstet als aufsteigt.[1] Die Elektroosmose selbst ist nach dem Lexikonbeitrag seit 1809 bekannt und naturwissenschaftlich bewiesen, im Mauerwerk wirkt sie aber nie allein, zusammen mit ihr treten unter anderem Elektrophorese und Strömungspotenzial auf.[1]

Bei den Verfahren mit Elektroden wird nach der Verbraucherzentrale Südtirol eine Spannung von ein paar Volt angelegt, mit positiver Ladung im oberen und negativer im unteren Mauerbereich, damit die Feuchte nicht weiter aufsteigt.[3] Dass es den Effekt gibt, sagt allerdings noch nichts darüber, ob eine ganze Kellerwand damit trocken wird.

Anlagen mit Elektroden: passiv und aktiv

Passive Anlagen schließen Elektroden in verschiedenen Höhen der Wand kurz, und diese Methode ist nach dem Lexikonbeitrag wissenschaftlich unbestritten.[1] Weil sich solche Anlagen durch ihre eigene Funktion nach relativ kurzer Zeit selbst außer Betrieb setzen, werden sie danach seit etwa 1985 in der Bausanierung nicht mehr angewendet.[1]

Aktive Anlagen legen über eingebaute Elektroden eine Fremdspannung an.[1] Beschrieben sind sie nach dem Beitrag in der österreichischen Norm zur Mauerwerkstrockenlegung, in Deutschland gibt es dafür weder eine DIN-Norm noch ein WTA-Merkblatt mit den Bedingungen für einen erfolgversprechenden Einsatz.[1] Für die Trockenlegung von Baugrund werden sie bis heute erfolgreich genutzt, beim Mauerwerk streiten Fachleute aus Wissenschaft und Baupraxis weiter über die Einsatzgrenzen, und weil diese Grenzen unbekannt sind, birgt der Einbau das Risiko, dass die Anlage versagt.[1]

Die Transportleistung der Elektroosmose mit Elektroden reicht nach einem Bauratgeber des Ingenieurbüros Rauch in vielen Fällen nicht aus und braucht zusätzliche Maßnahmen gegen den Feuchtenachschub.[4] Hinzu kommt der Baustoff: In Kalkmörtel hat die elektroosmotische Durchlässigkeit danach ein anderes Vorzeichen als in Ziegel, das Wasser strömt dort also in die Gegenrichtung.[4]

Kästen ohne Elektroden

Daneben werden Geräte angeboten, die ohne Eingriff in die Wand auskommen sollen: Statt Elektroden arbeiten sie nach dem Bauratgeber etwa mit einem Erdspieß zum Potenzialausgleich und einer ausgesendeten Frequenz im langwelligen Bereich.[4] Was mit Schwingkreisen oder elektromagnetischen Feldern ohne Elektroden arbeitet, ist nach BauNetz Wissen heute fachlich umstritten.[2] Der Energieeintrag über solche Felder ist nach dem Bauratgeber noch geringer als über Elektroden.[4]

Der Autor des Bauratgebers hat drei dieser Anlagen im Betrieb besichtigt.[4] Die erste war mit einer sensorgesteuerten Lüftung gekoppelt, die schon für sich wirkungsvoll trocknet, bei der zweiten zeigte sich im Vergleich zu ähnlichen Kellern keine wesentliche Verbesserung, und bei der dritten war das Kellermauerwerk nach zwei Jahren Betrieb noch vollständig nass.[4] Ein Feuchtemessgerät aus dem Baumarkt reicht für eine solche Beurteilung nicht, weil es nur nahe der Oberfläche misst.

Die Verbraucherzentrale Südtirol rät, gerade bei Systemen, die ohne bauliche Eingriffe und ohne Elektroden nur mit einem aufgestellten Gerät arbeiten, die behauptete Wirkungsweise kritisch zu hinterfragen und vor einem Auftrag einen nachvollziehbaren und unabhängigen Nachweis der Wirksamkeit zu verlangen.[3] Ein Messprotokoll vor dem Einbau und nach einigen Monaten an denselben Stellen liefert bei der Wasserschadensanierung einen solchen Nachweis.

Woran sich eine Wirkung zeigen müsste

Die Wirksamkeit ist nach BauNetz Wissen in vielen Fällen schwer nachzuweisen, es braucht umfangreiche Voranalysen, und Fachverbände empfehlen die Elektroosmose heute oft nur ergänzend, nicht als alleinige Lösung.[2] Auch wo eine Anlage wirkt, trocknet die Wand nach dem Lexikonbeitrag nur bis zu einem bestimmten Grad, und die Ausgleichsfeuchte des Mauerwerks wird selten erreicht.[1] Nach dem Bauratgeber bleibt auch bei aktiven Verfahren eine Restfeuchte, die für einen Wohnraum nicht genügt.[4]

Ob eine Wand trockener wird, zeigt nur eine Messung des Wassergehalts im Mauerwerk vor dem Einbau und in Abständen danach, an denselben Stellen und in denselben Tiefen. Läuft zugleich eine Lüftung oder wurde der Putz erneuert, lässt sich eine Verbesserung nicht mehr einem einzelnen Gerät zuschreiben.

In Österreich beschreibt die dreiteilige ÖNORM B 3355 die Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk von der Bauwerksdiagnose bis zu flankierenden Maßnahmen, und Verfahren ohne Kontakt zur Mauer, die mit Funkwellen, Magnetfeldern oder Erdstrahlen arbeiten, sorgen nach einem Fachbeitrag zur Norm in Fachkreisen immer wieder für Diskussionen.[5]

Erst die Ursache, dann das Verfahren

Feuchte im Mauerwerk kann nach der Verbraucherzentrale Südtirol von defekten Wasserleitungen, einem undichten Dach, Kondensation, seitlich eindringender Nässe oder aus dem Erdreich kommen, und vor jeder Sanierung wird deshalb die Ursache ermittelt.[3] Werden durchfeuchtete Stellen nur verdeckt, kann sich das Problem danach weiter verschärfen.[3]

Als Verfahren nennt die Verbraucherzentrale neben den elektrophysikalischen die mechanische Abdichtung mit einer eingebrachten Sperrschicht, das Injektionsverfahren und den abschnittsweisen Austausch des Mauerwerks.[3] Welches passt, hängt danach vom Einzelfall und vom Material ab, und Injektionen reichen bei einem Durchfeuchtungsgrad über 60 Prozent oft nicht aus, weil sich das Mittel in einer zu nassen Wand nicht mehr richtig verteilt.[3]

Ein unabhängiger Fachmann sollte nach ihrem Rat zuerst die Ursache feststellen und mögliche Maßnahmen aufzeigen, und mit der Ausführung sollten Fachfirmen beauftragt werden, die Erfahrung und Referenzen nachweisen können.[3]

Nach einem Leitungswasserschaden: messen und trocknen

Kommt das Wasser aus einer geplatzten Leitung oder einer undichten Dusche, steigt es nicht aus dem Erdreich auf, und eine Anlage gegen kapillaren Aufstieg richtet dagegen nichts aus. Hier wird das Leck gefunden und abgedichtet, die Wand gemessen und mit Kondensations- oder Adsorptionstrocknern getrocknet, bei dicken Wänden auch mit Wärme.

Zeigt sich nach der Trocknung am Sockel erneut Feuchte, lohnt eine Bauwerksdiagnose: Mit Mauerproben werden nach dem Fachbeitrag zur Norm Durchfeuchtungsgrad, Feuchtegehalt und Salzkonzentration ermittelt.[5] Ist tatsächlich Bodenfeuchte beteiligt, entscheidet diese Untersuchung, welche Abdichtung hilft.

Häufige Fragen

Gibt es die Elektroosmose wirklich?

Ja, als physikalischer Effekt.[1] Ob handelsübliche Anlagen damit eine Mauer dauerhaft trocknen, ist nach dem Fachlexikon nicht allgemeingültig nachgewiesen.[1]

Was sollte ich vor dem Kauf eines solchen Geräts verlangen?

Einen nachvollziehbaren, unabhängigen Nachweis der Wirksamkeit, wie ihn die Verbraucherzentrale Südtirol empfiehlt.[3] Lassen Sie außerdem vorher die Feuchte im Mauerwerk messen, damit sich später überhaupt vergleichen lässt.

Hilft ein solches Gerät nach einem Rohrbruch?

Nein. Nach einem Rohrbruch stammt das Wasser aus der Leitung, nicht aus dem Boden. Dann helfen Leckortung, Messung und technische Trocknung.

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Belege

Quellen

  1. f:data GmbH (Bauprofessor Lexikon): Elektrophysikalische Mauerwerkstrockenlegung (Jürgen Weber). Lexikonbeitrag vom 13.01.2021, Abschnitte zur passiven und aktiven Elektroosmose und zur Abgrenzung. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  2. BauNetz Media GmbH (BauNetz Wissen): Mauerwerkstrockenlegung: Verfahren. Abschnitt zu elektrophysikalischen Verfahren. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3
  3. Verbraucherzentrale Südtirol: Merkblatt Mauertrockenlegung. Stand 10/2026, Abschnitte Ursache ermitteln, Mauertrockenlegungsverfahren und Welches Verfahren ist geeignet? Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  4. Ingenieurbüro Peter Rauch (Bauratgeber Bautenschutz): Beschreibung der elektrodenlosen Elektroosmose. Abschnitt 5.3.4, Stand 9/2020. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  5. Wohnungswirtschaft heute: Mauertrockenlegung mit ÖNORMER Wirkung. Ausgabe 8, Mai 2011, S. 39 und 40. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2
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