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Mörtel: Silo mit Werkmörtel, Raumteile aus Zement und Sand, Mörtelkübel und eine Ziegelwand mit vollen Fugen

Mörtel

Auch: Speis

Mörtel ist ein Gemisch aus Sand, einem Bindemittel wie Zement oder Kalk und Wasser, oft mit Zusatzstoffen und Zusatzmitteln, das als Mauermörtel die Steine in Lager-, Stoß- und Längsfugen verbindet.[1][2] Nach Zusammensetzung und Verwendung unterscheidet man Normalmörtel, Leichtmörtel und Dünnbettmörtel, und für Werkmauermörtel gilt die Norm DIN EN 998-2.[2][3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So verbindet Mörtel die Steine einer Wand

Mörtel, Funktionsweise: Silo mit Werktrockenmörtel und Wasserschlauch, Eimer mit einem Teil Zement und vier Teilen Sand, Mörtelkübel mit Rührquirl, Ziegelwand mit vollen Fugen und Lupe auf den Verbund zwischen Mörtel und Stein

Schematische Darstellung: Rohbau mit Mörtelsilo, Eimern als Raumteile, Mörtelkübel und einer Ziegelwand, die Fugen überhöht. Die Nummern führen vom Werkmörtel über den Baustellenmörtel bis zur fertigen Fuge.

  1. Werkmörtel braucht nur noch Wasser: Etwa 80 bis 90 Prozent der Mauermörtel kommen heute fertig gemischt aus dem Werk, trocken im Sack, im Silo oder schon nass und gebrauchsfertig. Dem Werk-Trockenmörtel wird auf der Baustelle nur noch Wasser zugegeben, im Silo mischt eine Anlage ihn vor Ort.
  2. Ein Teil Zement, vier Teile Sand: Baustellenmörtel lässt sich als Rezeptmörtel nach Raumanteilen mischen, ein Zementmörtel der Gruppe III etwa mit einem Raumteil Zement auf vier Raumteile Sand im lagerfeuchten Zustand. Kalkmörtel bilden Gruppe I, Kalkzementmörtel die Gruppen II und IIa, Zementmörtel III und IIIa.
  3. Sand, Bindemittel und Wasser mischen: Für Mörtel braucht es Sand, Wasser und ein Bindemittel, meist Zement oder Kalk, oft kommen Zusatzstoffe wie Trass oder Pigmente und Zusatzmittel wie Verflüssiger hinzu. Frischer Mörtel und das Pulver können Haut und Augen verätzen, ausgehärtet ist er unbedenklich.
  4. Volle Fugen erhöhen die Tragfähigkeit: Normalmörtel verbindet die Steine kraftschlüssig, dafür werden die Fugen ganz gefüllt, und diese Vollfugigkeit wirkt sich auf die Tragfähigkeit aus. Eine dicke Lagerfuge senkt dagegen die Druckfestigkeit der Wand, maßhaltige Steine heben sie.
  5. Mörtel haftet am Stein: Entscheidend ist heute, wie fest Mörtel und Stein aneinander haften, fachlich die Haftscherfestigkeit, die erst Zusätze aus dem Werk bringen. Mörtelfugen saugen Wasser auf und geben es beim Trocknen wieder ab, in lange nassen Kellerwänden sind sie mitunter mürbe, ausgewaschen oder voller Salze.

Woraus Mörtel besteht

Normalmörtel ist nach DIN EN 998-2 ein Mauermörtel ohne besondere Eigenschaften und kann nach dem Ziegellexikon als Rezeptmörtel nach Raumanteilen gemischt werden.[2] Als Bindemittel nennt WECOBIS für Normalmörtel Kalk, Zement, Ton und Putz- und Mauerbinder, als Gesteinskörnung Quarzsand, Kalksteinsand oder Kalksteinmehl mit dichtem Gefüge, und Normalmörtel haben eine Trockenrohdichte von mindestens 1500 kg/m³.[4] Als Zusatzstoffe kommen etwa Baukalk, Gesteinsmehl, Pigmente, Trass oder Flugasche in Frage, als Zusatzmittel Luftporenbildner, Verflüssiger, Dichtungsmittel, Verzögerer oder Stabilisierer.[4]

Früher stand nach BauNetz Wissen die Druckfestigkeit des Mörtels im Vordergrund, heute zählt vor allem der Verbund zwischen Mörtel und Stein, die Haftscherfestigkeit, die sich nur mit Zusätzen erreichen lässt, und deshalb werden diese meist schon im Werk beigemischt.[1] Auch der Sand ist genormt, und weil die Wahl des Mauermörtels mit der Standsicherheit des Gebäudes zusammenhängt, sind Berechnung und Ausführung ausführlich geregelt.[1] Reißt der Verbund an einer Außenwand, kann Regen durch die Fuge dringen und auf der Raumseite einen feuchten Fleck an der Wand hinterlassen.

In Kellerwänden, deren Mörtelfugen lange nass waren, sitzen Schalter, Steckdosen und Leitungen auf Putz oder in Schlitzen. Bevor dort jemand feuchte Wände berührt, wird die Sicherung der Kellerräume ausgeschaltet, weil ein betätigter Lichtschalter die Steckdosen nicht erfasst. Hat der Sicherungskasten Wasser gezogen, geht niemand in seine Nähe, und Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber werden alarmiert; steigt im Keller das Wasser, betritt ihn keiner.

Mörtelgruppen von Kalkmörtel bis Zementmörtel

Normalmörtel werden nach steigender Mindestdruckfestigkeit in die Mörtelgruppen I bis IIIa eingeteilt: Gruppe I ist Kalkmörtel, II und IIa sind Kalkzementmörtel mit 2,5 und 5 MN/m², III und IIIa Zementmörtel mit 10 und 20 MN/m².[1][2] Ein Zementmörtel der Gruppe III lässt sich nach dem Ziegellexikon als Rezeptmörtel aus einem Raumteil Zement und vier Raumteilen Sand mischen, wobei sich der Sandanteil auf den lagerfeuchten Zustand bezieht.[2] Regen, der über längere Zeit in eine Giebelwand läuft, weil das Dach nach dem Sturm undicht blieb, wäscht weiche Fugen aus Kalkmörtel der Gruppe I mit der Zeit aus. Wie weit die Nässe in die Fugen gezogen ist, zeigt die Messung an mehreren Stellen, und Fliesenarbeiten auf solchem Mauerwerk warten darauf.

Die Zusammensetzung der Mörtelgruppen ergibt sich ohne besonderen Nachweis aus den Rezepttabellen, für Mörtel der Gruppen II, IIa und III mit abweichender Zusammensetzung und für die Gruppe IIIa sind nach WECOBIS Eignungsprüfungen durchzuführen.[4] Normalmörtel sind die Standardmörtel für kraftschlüssige Verbindungen zwischen Mauersteinen, bei denen die Fugen vollständig gefüllt werden.[4] Bei Wasser, das durch schlecht gefüllte Fugen in eine Kellerwand dringt, sucht eine Leckageortung die undichte Stelle, bevor die Wand großflächig geöffnet wird.

Werkmörtel oder Baustellenmörtel

Baustellenmörtel wird aus den einzelnen Ausgangsstoffen auf der Baustelle gemischt, Werkmörtel im Werk, und etwa 80 bis 90 Prozent aller heute verarbeiteten Mauermörtel sind nach dem Ziegellexikon Werkmauermörtel, als Trockenmörtel in Sack oder Silo oder als gebrauchsfertiger Nassmörtel.[2] Seit Februar 2004 sind Mauer- und Putzmörtel in Deutschland nach europäischer Norm herstell- und anwendbar, mit DIN EN 998-2 als harmonisierter Norm, DIN 20000-412 als Anwendungsnorm und DIN 18580 als Restnorm für Mauermörtel mit besonderen Eigenschaften.[2] Aus Gründen der Qualitätssicherung und der Zeitersparnis wird Mauermörtel nach BauNetz Wissen kaum noch auf der Baustelle hergestellt.[1]

BauNetz Wissen beschreibt nach DIN V 18580 den Werk-Trockenmörtel, dem auf der Baustelle nur Wasser zugegeben wird, den gebrauchsfertigen Werk-Frischmörtel, der bis zu 36 Stunden verarbeitbar ist, den Werk-Vormörtel aus Sand und Kalk, zu dem Zement und Wasser kommen, und den Mehrkammer-Silomörtel, der vor Ort gesteuert gemischt wird.[1]

Die Norm DIN EN 998-2 legt die Anforderungen an Werkmauermörtel für Mauerwerk, Fugenglattstrich und Verfugen fest, beim Frischmörtel an Verarbeitbarkeitszeit, Chloridgehalt, Luftgehalt und Rohdichte, beim Festmörtel unter anderem an Druckfestigkeit, Verbundfestigkeit und Rohdichte.[3] Für Baustellenmörtel gilt sie nicht, sie darf aber zusammen mit Anwendungsvorschriften und nationalen Festlegungen auch dafür herangezogen werden.[3]

Leichtmörtel und Dünnbettmörtel

Leichtmörtel verringert die Wärmeleitfähigkeit einschaliger Außenwände und ist nach dem Ziegellexikon als LM 21 mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,21 W/(mK) und einer Trockenrohdichte bis 700 kg/m³ oder als LM 36 mit 0,36 W/(mK) und bis 1000 kg/m³ erhältlich, und Zusätze dürfen nicht beigegeben werden.[2] Geliefert wird Leichtmörtel als Werktrockenmörtel in Säcken oder Silos oder als Werkfrischmörtel, und verarbeitet wird er nach Herstellervorgabe mit den angegebenen Mischzeiten.[2] Normalmörtel leitet Wärme vergleichsweise gut, darum kann jede Lagerfuge im Mauerwerk zur Wärmebrücke werden, an der die gute Dämmung der Steine endet.[4]

Dünnbettmörtel sind nach DIN EN 1996 nicht zulässig für Mauersteine mit Höhentoleranzen über 1,0 mm, darum werden Planziegel mit auf etwa 0,1 mm planparallel geschliffenen Lagerflächen hergestellt.[2] Für Leicht- und Dünnbettmörtel gibt es nach BauNetz Wissen keine festgelegten Rezepte, ihre Zusammensetzung und Eigenschaften werden über Eignungsprüfungen und bauaufsichtliche Zulassungen bestimmt.[1] Volldeckelnde Dünnbettmörtel bilden ein vollflächiges Mörtelband in der Lagerfuge, fallen auch bei ungefüllten Hochlochziegeln nicht in die Kammern, verbessern nach dem Ziegellexikon die Schalldämmung und verhindern Luftbewegungen im Wandquerschnitt.[2] Daneben gibt es Mörtelpads aus glasfaserverstärktem Leichtdünnbettmörtel, die trocken auf die Lagerfuge gelegt und mit einer festgelegten Wassermenge aktiviert werden.[2]

Mörtel und Tragfähigkeit

Wie viel Last eine Mauer tragen kann, hängt nach dem Ziegellexikon vor allem von der Druckfestigkeit von Stein und Mörtel ab, je höher sie sind, desto höher ist die Mauerwerksdruckfestigkeit.[2] Eine hohe Maßhaltigkeit der Steine verbessert sie, eine dicke Lagerfuge verringert sie, und die geforderte Vollfugigkeit der Ausführung wirkt sich ebenfalls auf die Tragfähigkeit aus.[2] Mauermörtel dient nach dem Ziegellexikon außerdem dem nachträglichen Verfugen von Sichtmauerwerk.[2]

Gesundheit und Rückbau

Zement, Kalk und Ton können Haut und Augen verätzen, darum sind Normalmörtel als Pulver und als Frischmörtel mit den Gefahrensymbolen GHS05 und GHS07 gekennzeichnet, im ausgehärteten Zustand gehen von ihnen keine Gesundheitsgefahren aus.[4] Epoxidharzmörtel bewertet BauNetz Wissen als gesundheitlich problematisch, weil er Epichlorhydrin enthält und allergische Reaktionen auslösen kann, und ein hoher Zementanteil kann beim Verarbeiten Haut und Schleimhäute reizen.[1]

Normalmörtel lässt sich als Teil mineralischen Bauschutts verwerten, in der Regel als rezyklierte Gesteinskörnung im Hoch- und Tiefbau, für die Wieder- und Weiterverwendung von zurückgebautem Mauerwerk fehlt nach WECOBIS noch die praktische Erfahrung.[4] Trockene Abfälle aus der Herstellung von Werktrockenmörtel werden in der Regel vollständig in die Produktion zurückgeführt, und als Gemisch braucht Mauermörtel ein Sicherheitsdatenblatt nach der REACH-Verordnung.[4]

Mürbe Mörtelfugen in feuchten Wänden

Mörtelfugen saugen Wasser auf und lassen es beim Trocknen wieder heraus, und in Kellerwänden oder Sockeln, die über lange Zeit nass waren, finden wir sie manchmal mürbe, ausgewaschen oder mit Salzen besetzt. Bei der Untersuchung kratzen wir einzelne Fugen an, messen die Feuchte im Stein und in der Fuge und klären, ob die Nässe von außen, aus dem Boden oder aus einer Leitung kommt.

Ausgebessert wird, wenn die Ursache beseitigt und das Mauerwerk trocken ist, und dafür eignet sich ein Mörtel, der zum vorhandenen Stein und zum alten Mörtel passt, bei Altbauten ein Kalk- oder Kalkzementmörtel. Die Auswahl stimmen wir mit dem ausführenden Maurer ab, und bis die neuen Fugen abgebunden sind, schützen wir die Wand vor erneuter Nässe. Dichte Anstriche oder Fugenmassen auf feuchtem Mauerwerk lassen wir vorher entfernen, damit die Wand über Fugen und Steine abtrocknen kann. Wo nur einzelne Fugen schadhaft sind, werden gezielt diese ausgebessert.

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Belege

Quellen

  1. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Mauermörtel. Fachwissen Mauerwerk, Mörtel und Putze, Abschnitte Mörtelgruppen und Mörtelarten. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  2. Ziegel Zentrum Süd e. V.: Ziegellexikon Mauerwerk 2020. Kapitel Putz- und Mauermörtel, Abschnitte Mauermörtel, Normalmauermörtel, Leichtmörtel und Dünnbettmörtel. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
  3. DIN Media GmbH: DIN EN 998-2: Festlegungen für Mörtel im Mauerwerksbau, Teil 2: Mauermörtel. Ausgabe 2017-02, Einführungsbeitrag. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
  4. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Normalmörtel, Produktgruppe Mauermörtel. Datenblatt Normalmörtel, Reiter Übersicht, Technisches, Rohstoffe, Verarbeitung und Nachnutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8

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