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Teppichboden nach Wasserschaden: Reinigen oder entsorgen?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Ob ein Teppichboden nach einem Wasserschaden bleiben kann, hängt vom Wasser und von der Zeit ab. Ein nasser Teppich ohne Befall wird nach dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg möglichst sofort gereinigt, vorzugsweise ganzflächig warm oder heiß mit einem Sprühextraktionsgerät.[1] Befallene Teppiche sind meist nur mit großem Aufwand sachgerecht zu sanieren, und nach Abwasser oder Hochwasser kommen Krankheitserreger hinzu.[1]

Sauberes Wasser oder Abwasser

Liegt Wasser auf dem Teppich in der Nähe von Steckdosen, Mehrfachsteckern oder Kabeln, wird zuerst die Sicherung dieses Raums abgeschaltet. Ist der Sicherungskasten selbst nass, wird der Raum nicht betreten, und die Feuerwehr übernimmt das Abschalten.

Danach steht die Frage, woher das Wasser kam. Abwasser enthält nach der Handlungsempfehlung des Landesgesundheitsamts 100 bis 10.000.000 Kolonie bildende Einheiten Bakterien je Milliliter, dazu Viren, Schimmel- und Sprosspilze, Wurmeier und Protozoen, und bei fäkaler Verunreinigung kann auch Oberflächenwasser ähnliche Mikroorganismen enthalten.[1]

Mit Bezug auf die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe TRBA 220 nennt die Handlungsempfehlung unter anderem Escherichia coli und Salmonellen, Enteroviren, Noroviren und das Hepatitis-A-Virus, Hefen der Gattung Candida und den Schimmelpilz Aspergillus fumigatus.[1] Bei Schäden durch Hochwasser oder eine undichte Abwasserleitung sind solche Gefährdungen nach dem Landesgesundheitsamt neben dem Schimmel mit zu bedenken.[1] Ein Teppich, der Abwasser oder Hochwasser aufgesaugt hat, bleibt darum nicht im Raum. Wer ihn aufnimmt, trägt wasserdichte Handschuhe und Gummistiefel, wäscht sich danach gründlich die Hände und hält Kinder fern.

Was ein Teppich aufnimmt

Rund 90 Prozent der textilen Bodenbeläge bestehen nach der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe aus Kunstfasern wie Polyamid, Polyacryl, Polyester oder Polypropylen, allein 70 Prozent der verkauften Teppichböden aus Polyamid.[2] Nur etwa 10 Prozent sind aus Wolle, Ziegenhaar, Sisal, Kokos, Seegras, Jute, Seide oder Baumwolle, und Schafwolle nimmt bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf.[2]

Auch der Rücken hält Wasser. Ökologische Teppichböden haben nach der Fachagentur meist einen mit Naturlatex stabilisierten Flor und einen Zweitrücken aus Jute oder Baumwolle, bei getufteten Naturfaserteppichen wird der Träger verklebt, oft mit Styrol-Butadien-Copolymerisat und Aluminiumhydroxid als Flammschutzmittel.[2] Liegt der Teppich auf einer Unterlage oder ist er auf den Estrich geklebt, ist der ganze Aufbau nass, nicht nur der Flor. Unterlagen aus Filz oder Schaum halten das Wasser fest, und an den Rändern unter den Sockelleisten trocknet es am langsamsten. Leisten und Unterlage kommen darum zuerst heraus, damit sich zeigt, wie weit die Nässe reicht. Ist der Untergrund durchnässt, entscheidet die Messung, ob ein Estrich nach Wasserschaden getrocknet werden kann oder heraus muss.

Verklebter Teppich und nasser Estrich

Für textile Beläge eignen sich nach dem Klebstoffhersteller Stauf Dispersionsklebstoffe besonders gut.[3] Darin dienen fein in Wasser verteilte Polymere als Bindemittel, und der Klebstoff bindet ab, indem das Wasser verdunstet oder vom Untergrund, der Raumluft und zu einem sehr geringen Teil vom Belag aufgenommen wird.[3] Im flüssigen Zustand sind solche Klebstoffe gut wasserlöslich, verarbeitet werden sie bei Raumtemperatur, und ihre Emissionen sind nach dem Hersteller sehr gering.[3]

Ein verklebter Teppich auf nassem Estrich bremst dessen Trocknung, weil die Feuchte nur durch Kleber, Rücken und Flor entweichen kann. Steht Wasser in Estrich oder Dämmschicht, kommt der Teppich darum für die Trocknung heraus. Beim Entfernen entsteht Staub: Das Landesgesundheitsamt stuft das trockene Entfernen von Teppichboden bei Schimmelbefall als Tätigkeit mit mittlerer Sporenfreisetzung ein, das Einschäumen vor dem Entfernen als schwach.[1]

Reinigen oder entsorgen

Ziel jeder Sanierung ist nach dem Landesgesundheitsamt ein hygienischer Normalzustand, ohne Risiken für Nutzer und Beschäftigte.[1] Vorher wird der Bereich abgegrenzt, Lebensmittel kommen heraus, und Gegenstände, die sich schwer von Sporen reinigen lassen, etwa Teppiche und andere Raumtextilien, werden entfernt oder abgedeckt.[1] Gegenstände ohne sichtbaren Befall werden nach der Handlungsempfehlung umgehend gereinigt, und sind sie durchfeuchtet, sofort getrocknet, während man beobachtet, ob Bewuchs auftritt.[1] Textilien werden möglichst sofort gewaschen, Teppiche und Polstermöbel vorzugsweise ganzflächig warm oder heiß im Sprühextraktionsverfahren gereinigt.[1] Polsterungen lässt man im Zweifel von Mikrobiologen auf Befall prüfen, wobei die Verhältnismäßigkeit zu beachten ist.[1] Auch von abgetöteten Schimmelpilzen können allergische oder reizende Wirkungen ausgehen, befallene Materialien werden darum vollständig gereinigt oder entfernt.[1]

Ein Befall muss nach dem Landesgesundheitsamt nicht sichtbar sein, er kann unauffällig im Teppichboden stecken.[1] Rund 80 Prozent der Teppichbeläge sind nach der Fachagentur zudem schwer zu entsorgen, weil sie aus unterschiedlichen Stoffgruppen bestehen, und können nur verbrannt werden.[2]

Beim neuen Belag

Wer nach dem Schaden einen neuen Teppich wählt, kann auf die Inhaltsstoffe achten. Wer statt Teppich lieber Vinyl nach dem Wasserschaden wählt, bekommt einen Belag, der an der Oberfläche Wasser verträgt, darunter aber nicht. Wollteppiche mit Wollsiegel oder dem Siegel der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden enthalten nach der Fachagentur 80 bis 200 Milligramm des Mottenschutzmittels Permethrin je Quadratmeter, manche Naturteppichböden kommen ohne aus.[2] Für Menschen mit einer Allergie gegen Hausstaubmilben können Teppichböden nach der Fachagentur bei regelmäßiger Reinigung mit einem Staubsauger mit HEPA-Filter eher vorteilhaft sein, weil der Belag Staub bindet.[2] Verlegt wird erst, wenn der Estrich darunter wieder belegreif ist, sonst steckt die nächste Feuchte schon unter dem neuen Belag.

Häufige Fragen

Kann ich einen nassen Teppich mit dem Haushaltsstaubsauger trocknen?

Nein. Gereinigt wird ein Teppich ohne Befall nach dem Landesgesundheitsamt vorzugsweise ganzflächig warm oder heiß im Sprühextraktionsverfahren.[1] Befallene Flächen, die bleiben, werden mit einem Industriesauger der Filterklasse H abgesaugt.[1]

Wie erkenne ich Schimmel im Teppich?

Nicht immer auf Anhieb, denn ein Befall kann nach dem Landesgesundheitsamt unauffällig im Teppichboden stecken.[1] Muffiger Geruch und Flecken auf der Rückseite sind Hinweise, Gewissheit gibt eine Untersuchung.

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Belege

Quellen

  1. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart: Handlungsempfehlung für die Sanierung von mit Schimmelpilzen befallenen Innenräumen. Abschnitte 3.1.2, 4.3.4 und 4.6 sowie Tabelle der Tätigkeiten, Nachdruck Februar 2011 der 2. Auflage Juni 2006. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20
  2. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR): Themenportal Bauen: Teppich. Abschnitte zu Fasern, Rückenbeschichtung, Entsorgung und Mottenschutz. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
  3. STAUF Klebstoffwerk GmbH (Hersteller): Dispersionskleber für Bodenbeläge. Abschnitte zu Aufbau, Vorteilen und Verarbeitung von Dispersionsklebstoffen. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
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