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Schimmel selbst entfernen: wann es geht und wann nicht

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Ist der Befall nur oberflächlich, kleiner als ein halber Quadratmeter und seine Ursache bekannt, dürfen Betroffene ihn nach dem Leitfaden des Umweltbundesamts oft selbst entfernen, wenn sie weder auf Schimmelpilze allergisch reagieren noch an einer Erkrankung des Immunsystems leiden.[1] Größerer Befall, Befall ohne bekannte Ursache und Befall, der tief im Material sitzt, gehört in die Hände einer Fachfirma.[1]

Die Grenze liegt bei einem halben Quadratmeter

Der Leitfaden des Umweltbundesamts zieht die Linie bei Befall geringen bis mittleren Umfangs: weniger als 0,5 Quadratmeter, nur an der Oberfläche und mit bekannter Ursache.[1] Auch die Stiftung Warentest rät, großflächigen Befall von mehr als einem halben Quadratmeter Profis zu überlassen, ebenso bauliche Mängel wie kalte Außenwände, undichte Dächer oder Feuchteschäden im Keller.[2]

Die Ursache gehört an den Anfang. Wer einen Fleck entfernt, ohne zu wissen, warum er entstanden ist, entfernt nur das Ergebnis. Beginnen sollte die Beseitigung trotzdem unverzüglich, damit sich der Befall nicht weiter ausdehnt.[1] Steckt ein Leck dahinter, folgen nach der Reparatur Malerarbeiten an der getrockneten Wand, bevor die Reinigung abgeschlossen ist.

Wer besser nicht selbst Hand anlegt

Wer allergisch auf Schimmelpilze reagiert oder an einer Erkrankung des Immunsystems leidet, sollte den Befall auch bei kleiner Fläche nicht selbst entfernen.[1] Chemische Mittel zur Schimmelbeseitigung können nach der Energieberatung der Verbraucherzentrale Atemwege, Haut und Augen reizen, ein erhöhtes Risiko besteht für Kinder, Schwangere, ältere Menschen, Menschen mit Atemwegserkrankungen und für Haustiere.[3]

In einem solchen Haushalt übernimmt besser jemand anderes die Arbeit, und die empfindlichen Personen halten sich währenddessen in einem anderen Teil der Wohnung auf.

Schutz für Haut, Augen und Atemwege

Für die Arbeit selbst nennen die Fachleute eine kurze Ausrüstung.[1][2]

Schließen Sie die Türen zu den anderen Räumen und lüften Sie den Raum während der Arbeit, denn Sporen in der Luft verteilen sich sonst überall.[2] Befallene Materialien kommen luft- und staubdicht verpackt in den Hausmüll, die Luft sollte beim Verschließen der Säcke nicht herausgedrückt werden.[1] Die Kleidung wird danach gründlich gewaschen.[1] Wird der Befall dabei größer als gedacht, brechen Sie ab und rufen den Notdienst, wenn zugleich Wasser austritt.

Staub ist das eigentliche Problem

Bei jeder Beseitigung kommt es darauf an, möglichst wenig Staub aufzuwirbeln, denn mit dem Staub verteilen sich die Sporen in der Wohnung.[1] Wischen Sie darum feucht, statt trocken zu saugen, ein Sauger kommt nur mit hochabscheidendem Schwebstofffilter wie einem HEPA-Filter zum Einsatz, und gefegt wird gar nicht.[1]

Nach der Arbeit lohnt sich ein gründlicher Hausputz bei geöffnetem Fenster, weil der Hausstaub je nach Befall noch viele Sporen enthalten kann; den Staubsaugerbeutel entsorgen Sie gleich mit.[2]

So gehen Sie je nach Untergrund vor

Alkohol nur in kleinen Mengen verwenden und für gute Durchlüftung sorgen, wegen der Brand- und Explosionsgefahr darf dabei weder geraucht werden noch offenes Feuer brennen.[1] Massivholzmöbel lassen sich fast immer reinigen, weil der Befall dort meist nur oberflächlich sitzt.[1] Bei Schimmel an Möbeln aus Pressholz oder mit Polsterung dringt der Pilz dagegen oft tief in das Material ein.

Was Sprays aus dem Handel leisten

Wer ein Mittel aus dem Handel einsetzt, liest zuerst die Sicherheits- und Anwendungshinweise auf der Packung, denn nicht nur Sporen, auch manches Bekämpfungsmittel kann der Gesundheit schaden.[2] Die behandelte Fläche wird erst nach der empfohlenen Einwirkzeit abgewischt, etwa mit feuchten Papiertüchern, die danach sofort in einen Beutel und in den Müll kommen.[2]

Als Hausmittel nennt die Stiftung Warentest Isopropanol und Ethanol: aufpinseln, 30 Minuten einwirken lassen, den Vorgang wiederholen und abwischen.[2] Kein Mittel behebt die Feuchte, die den Befall ausgelöst hat.

Damit der Fleck nicht wiederkommt

Nach der Beseitigung entscheidet das Raumklima, ob der Befall zurückkehrt. Die Stiftung Warentest empfiehlt Stoßlüften mit Durchzug von einem weit geöffneten Fenster zum anderen, oft reichen viermal täglich fünf Minuten für den vollständigen Luftaustausch, nach dem Duschen und Kochen wird zusätzlich gelüftet.[2] Schränke und andere Möbel gehören nicht vor kalte Außenwände, und Heizkörper bleiben frei, damit die warme Luft zirkulieren kann.[2]

Mit einem Hygrometer behalten Sie die Luftfeuchte im Blick: Im Raum sollte sie etwa 60 Prozent nicht überschreiten, entlang der Wände 80 Prozent.[2] Taucht der Befall trotz Heizen und Lüften wieder auf, liegt die Quelle meist woanders, etwa in einer ausgekühlten Außenwand oder hinter einer Verkleidung, und dann sind Fachleute gefragt.[2]

Wann der Lappen nicht mehr reicht

Silikonfugen im Bad, die auffällig befallen sind, lassen sich in der Regel nicht reinigen und sollen erneuert werden, Mieter sprechen das vorher mit dem Vermieter ab.[1] Ist der Befall tiefer in die Baustoffe eingedrungen, sodass etwa Putz entfernt werden muss, oder ist die Ursache unklar, sollte auch bei kleiner Fläche eine Fachfirma hinzugezogen werden.[1]

Häufige Fragen

Hilft Essig gegen Schimmel an der Wand?

Der Leitfaden rät bei diffusionsoffenen Baustoffen von Essiglösungen ab: Eine Reaktion mit dem Baustoff kann den pH-Wert anheben, und der Essig bringt zusätzlich Nährstoffe auf die Stelle, beides kann das Wachstum fördern.[1]

Darf ich den Schimmel einfach absaugen?

Nur mit einem Staubsauger mit HEPA-Filter und dichtem Gehäuse, sonst bläst das Gerät die Sporen wieder in den Raum. Feuchtes Wischen ist in jedem Fall die bessere Wahl.[1]

Muss ich nach dem Entfernen die Stelle überstreichen?

Erst wenn die Ursache behoben und die Wand trocken ist. Schimmelhemmende Wandfarben hält der Leitfaden nach einer Trocknung in Wohnräumen nicht für sinnvoll.[1]

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Belege

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Kapitel 6.2, 6.2.1, 6.2.2 mit Infobox 13, 6.4.1 und 6.4.2, aktualisierte Auflage April 2024. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18
  2. Stiftung Warentest: Schimmelentferner-Test: Tipps gegen Schimmel. Abschnitte Schimmel entfernen und Quellen aufspüren, Stand 26.01.2022. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  3. Verbraucherzentrale Bundesverband: Energieberatung der Verbraucherzentrale: Schimmel & Feuchte. Hinweis zu chemischen Mitteln zur Schimmelbeseitigung. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
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