Welche Luftfeuchtigkeit ist richtig, um Schimmel zu vermeiden?
Die Antwort in Kürze
Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt als Obergrenze im Winter 30 bis 45 Prozent und im Sommer 45 bis 65 Prozent relative Luftfeuchte, gemessen in der Raummitte.[1] Entscheidend ist nach dem Leitfaden des Umweltbundesamts die Feuchte an der Wandoberfläche: Unterhalb von etwa 70 Prozent wächst dort kein Schimmel.[2] Weil eine kalte Wand die Luft davor abkühlt, liegt die relative Feuchte an ihr höher als in der Raummitte.
Drei Empfehlungen, ein Ziel
Wer nach dem richtigen Wert sucht, findet mehrere Zahlen. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät, dass die Luftfeuchtigkeit im Winter 30 bis 45 Prozent und im Sommer 45 bis 65 Prozent nicht übersteigen sollte, um Schimmelbildung zu vermeiden.[1] Der Leitfaden des Umweltbundesamts nennt für die Raumluft keinen festen Wert, er zeigt die üblichen Raumluftfeuchten im Jahresverlauf und rät, sie vor allem in schlecht gedämmten Gebäuden im Winter dauerhaft nicht zu überschreiten.[2] Der Allergieinformationsdienst empfiehlt 40 bis 60 Prozent, um Schimmel vorzubeugen und das Infektionsrisiko durch gereizte Schleimhäute klein zu halten.[3]
Die Zahlen widersprechen sich nicht, sie verfolgen unterschiedliche Ziele. Die strengeren Winterwerte berücksichtigen, dass Außenwände bei Frost kalt sind und sich an ihnen schneller Feuchte sammelt. Der höhere Bereich gilt für Sommer und gut gedämmte Wände, die untere Grenze schützt Atemwege und Schleimhäute.
Warum die Wand mehr zählt als die Raumluft
Schimmelpilze können nach dem Leitfaden des Umweltbundesamts auch auf Materialien wachsen, die nicht sichtbar nass sind, es reicht eine Oberflächenfeuchte von 70 bis 80 Prozent, wenn sie über längere Zeit anhält.[2] Die meisten Arten benötigen nach dem Leitfaden eine Wasseraktivität von mindestens 0,80 bis 0,85, trockenliebende Arten wachsen schon ab 0,70 bis 0,75.[2] Besonders gute Bedingungen entstehen, wenn sich Tauwasser bildet.[2]
Warme Luft kann nach der Verbraucherzentrale Hamburg mehr Wasser aufnehmen als kalte, und kann die Luft die Wassermenge nicht mehr binden, bildet sich Tauwasser.[1] Kühlt Raumluft an einer kalten Außenecke ab, steigt ihre relative Feuchte deshalb, ohne dass Wasser hinzukommt. Der Leitfaden rechnet das für eine gut gedämmte Außenecke hinter einem Schrank vor: Bei 20 Grad und 50 Prozent Raumluftfeuchte erreicht die Oberfläche dort 73 Prozent, bei 60 Prozent Raumluftfeuchte schon 88 Prozent, genug für Schimmel.[2] Liegt an einer Wandoberfläche mehr als zwei Wochen lang eine relative Feuchte von 80 Prozent an, ist Schimmel nach der Verbraucherzentrale vorprogrammiert.[1]
Richtig messen
Gemessen wird mit einem Thermo-Hygrometer, und die Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt, die Werte am besten in der Raummitte abzulesen.[1] Einfache elektronische Thermo-Hygrometer eignen sich nach dem Umweltbundesamt zur Eigenkontrolle, ob warm genug geheizt und genug gelüftet wurde, erlauben aber nur eine grobe Einschätzung.[2] Messen lässt sich damit auch in Ecken und dicht an den Außenwänden, und Aufzeichnungen über mehrere Wochen zeigen, zu welchen Zeiten und bei welchen Tätigkeiten kritische Werte auftreten.[2] Steht Wasser in der Wohnung, schließt der Notdienst den Hahn, bevor Wände und Böden es aufnehmen. Ist eine Wandstelle dauerhaft feucht, obwohl die Raumluft im Rahmen liegt, klärt eine Leckageortung, ob dort eine Leitung undicht ist.
Achten Sie auf den Verlauf, nicht auf einen Einzelwert. Nach dem Duschen oder Kochen schnellt die Anzeige kurz hoch, das ist normal. Kritisch wird es, wenn die Feuchte über Stunden oben bleibt oder morgens im Schlafzimmer jedes Mal deutlich über dem Abendwert liegt. Messungen der Oberflächentemperatur an mehreren Stellen und über längere Zeit sollten nach dem Umweltbundesamt aber Fachleuten mit passender Ausrüstung und Erfahrung vorbehalten bleiben.[2]
Was tun, wenn die Werte zu hoch sind
Werden die Werte überschritten, heißt die Antwort der Verbraucherzentrale Hamburg: lüften, also Stoß- und Querlüften mit ganz geöffneten Fenstern und, wenn möglich, gleichzeitig in allen Räumen.[1] Der Allergieinformationsdienst rät, nach dem Kochen oder Duschen sofort zu lüften, weil das die Bildung von Schimmel verhindert.[3] Luftfilter ersetzen das Lüften nach dem Allergieinformationsdienst nicht.[3]
Heizen gehört dazu, denn warme Luft nimmt mehr Feuchte auf und trägt sie beim Lüften hinaus. Möbel an Außenwänden brauchen einige Zentimeter Abstand, damit die Wand dahinter warm bleibt. Bleiben die Werte trotz Lüften und Heizen hoch, steckt die Ursache vielleicht in der Wand selbst.
Der Keller im Sommer folgt eigenen Regeln
Im Keller kann gut gemeintes Lüften im Sommer die Feuchte erhöhen. Warme Außenluft enthält nach der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg mehr Feuchtigkeit als die kühle Kellerluft, und kühlt sie im Keller ab, schlägt sich die überschüssige Feuchte an Wänden, Böden oder der Decke nieder.[4] Die Verbraucherzentrale rät deshalb, nur zu lüften, wenn die Außenluft kühler ist als die Kellerluft, und die Kellerfenster an heißen Tagen geschlossen zu halten.[4]
Statt Dauerlüften empfiehlt sie kurzes Stoßlüften, eine regelmäßige Kontrolle mit dem Hygrometer und Abstand zwischen gelagerten Kartons oder Möbeln und Außenwand und Boden.[4] Nasse Wäsche sollte nach der Verbraucherzentrale möglichst nicht im unbeheizten Keller trocknen.[4] Bleibt die Feuchte trotz richtigem Lüften dauerhaft hoch, können bauliche Mängel, eindringende Feuchte von außen oder beschädigte Rohre die Ursache sein.[4]
Wenn Lüften nicht reicht
Bei unzureichender Wärmedämmung kühlt die Innenseite der Außenwände nach dem Umweltbundesamt aus, und Wärmebrücken senken die Oberflächentemperatur zusätzlich, das erhöht die Oberflächenfeuchte bis hin zu Tauwasser.[2] Baumängel und Bauschäden sind nach dem Leitfaden zu beseitigen.[2] Die Mindestanforderungen an den Wärmeschutz, mit denen Tauwasser und Schimmel vermieden werden sollen, stehen nach dem Leitfaden in der DIN 4108-2 in der Fassung von 2013.[2]
In Altbauten ohne Dämmung, an Ecken mit Wärmebrücken oder nach einem Fenstertausch reichen die Hausregeln womöglich nicht aus. Eine Messung der Oberflächentemperaturen und der Materialfeuchte zeigt, ob die Wand zu kalt ist, ob Wasser im Bauteil steckt oder ob tatsächlich zu wenig gelüftet wird.
Häufige Fragen
Ist 60 Prozent Luftfeuchtigkeit im Winter zu viel?
Nach der Verbraucherzentrale Hamburg sollte die Luftfeuchte im Winter 30 bis 45 Prozent nicht übersteigen.[1] Bleibt die Anzeige dauerhaft deutlich darüber, steigt das Schimmelrisiko an den kältesten Stellen.
Wo hänge ich das Hygrometer am besten auf?
Für den Raumwert in der Raummitte, empfiehlt die Verbraucherzentrale Hamburg.[1] Wollen Sie eine kritische Stelle beobachten, messen Sie nach dem Leitfaden des Umweltbundesamts auch in Ecken und dicht an der Außenwand.[2]
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Belege
Quellen
- Verbraucherzentrale Hamburg: Schimmel in der Wohnung: Wie vorbeugen und entfernen? Abschnitte Wie entsteht Feuchtigkeit und Schimmel, Wie messe ich die Luftfeuchtigkeit und Was ist beim Überschreiten der Werte zu tun. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Kapitel 1.2.3, 3.1 mit Infobox 5, 3.1.1, 3.1.2, 3.1.3, 3.1.5, 5.1.1 und 6.3.4 sowie Anlage 4, aktualisierte Auflage April 2024. Abgerufen am 14.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13
- Helmholtz Zentrum München, Allergieinformationsdienst: Allergene in Innenräumen: Darauf können Sie achten. Abschnitt Individuelle Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Innenräumen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Keller im Sommer richtig lüften: Feuchtigkeit und Schimmel vermeiden. Pressemitteilung vom 13.08.2026, Abschnitt Die wichtigsten Tipps auf einen Blick. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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