Schwarze Ablagerungen in der Wohnung: Fogging oder Schimmel?
Die Antwort in Kürze
Grau bis schwarze, schmierige Beläge, die fast nur in der Heizperiode und oft innerhalb weniger Wochen auftreten, deuten nach dem Umweltbundesamt auf das Phänomen der Schwarzen Wohnungen hin, auch Fogging genannt.[1] Schwerflüchtige Stoffe wie Weichmacher aus Farben, Klebern und Bodenbelägen verbinden sich dabei mit Schwebstaub.[1] Schimmel und Ruß muss eine Besichtigung zuerst ausschließen.[1]
So sieht Fogging aus
Das Umweltbundesamt hat bis Ende 2001 insgesamt 287 Fälle ausgewertet: Die Befragten beschrieben die Ablagerungen überwiegend als ölig-schmierig und schwarz-grau, und sie traten nahezu ausschließlich während der Heizperiode auf.[1] Das Wohnzimmer war danach oftmals am stärksten betroffen.[1] Der schwarze Staub setzte sich vor allem an diesen Stellen ab:[1]
- oberhalb der Heizkörper
- an Gardinen und Vorhängen
- auf Fensterrahmen und Kunststoffflächen
- an elektrischen Geräten
- auf der Innenseite der Außenwände
Die dunklen Stellen werden nach der Berliner MieterGemeinschaft oft zuerst für Schimmel gehalten, beim Beseitigen zeigt sich dann, dass sie sich anders als Schimmel nicht wegwischen lassen und nach dem Überstreichen wiederkommen.[2] Ein Strich mit dem Finger über den Belag gehört zu den ersten Prüfungen, denn Fogging fühlt sich schmierig an.[1] Bleibt Zweifel, können Sie den Belag auf Schimmel untersuchen lassen, bevor gestrichen wird.
Fogging, Schimmel oder Ruß: zuerst unterscheiden
Schwarze Beläge können auch durch Verbrennung entstehen oder durch Schimmel, der ebenfalls schwarz aussehen kann, und diese klassischen Ursachen muss nach dem Umweltbundesamt zuerst eine Besichtigung und Begutachtung ausschließen.[1] Die Ermittlung sollte danach nur durch Fachleute erfolgen, die mit dem Fogging vertraut sind, etwa Innenraumhygieniker oder Sachverständigenbüros, weil sonst Fehleinschätzungen drohen.[1] Auch das Portal Energie-Fachberater rät, einen Innenraumhygieniker oder Sachverständigen hinzuzuziehen, um eine Verwechslung mit Schimmel auszuschließen.[3] Läuft Wasser aus einer Leitung in die Wohnung, schickt der Notdienst ein Team, das zugleich die Feuchtequelle klärt.
Kerzen allein erklären das Bild kaum: Eine rußende Kerze erzeugt nach dem Ratgeber einen Rußfleck an der Decke, aber keine massiven Verfärbungen in der ganzen Wohnung, mit Ausnahme mancher Duftkerzen, die massive Verrußungen erzeugen können.[1] Mikrobiologische Messungen sieht das Amt nur bei Verdacht auf Schimmel vor, also dort, wo Feuchte im Spiel ist.[1] Echter Befall sitzt dagegen oft als versteckter Schimmel hinter Möbeln und Verkleidungen, nicht als gleichmäßiger Belag.
Wie der schwarze Staub entsteht
Aus Farben, auch solchen, die als lösemittelfrei verkauft werden, aus Lacken, Fußbodenklebern, PVC-Belägen, Vinyltapeten, Kunststoff-Dekorplatten und Holzimitat-Paneelen können schwerflüchtige organische Verbindungen in die Raumluft gelangen, vor allem Weichmacher, langkettige Alkane, Alkohole, Fettsäuren und Fettsäureester.[1] Sie gasen weniger stark aus als flüchtige Stoffe, dafür über längere Zeit, in Einzelfällen bis zu zwei Jahre und länger.[1]
Nach einer Renovierung im Sommer steigt ihre Konzentration nach dem Umweltbundesamt deshalb oft erst in den folgenden Übergangs- und Wintermonaten merklich an, wenn geheizt und seltener gelüftet wird.[1] Verbinden sich die Stoffe mit Schwebstaub zu größeren Teilchen, setzen sie sich als schmierige Beläge ab, und streift Staub an weichmacherhaltigen Oberflächen vorbei, spricht man vom Klebefilm-Effekt.[1] Bei Malerarbeiten vor dem Einzug helfen darum emissionsarme Produkte und kräftiges Lüften in den Wochen danach.
Organische Verbindungen, die oberhalb von etwa 200 Grad sieden, gelten nach dem Ratgeber nicht als Lösemittel, und so kann ein Produkt als lösemittelfrei gelten, obwohl es solche Stoffe enthält.[1] Seit der Wärmeschutzverordnung von 1995 werden Gebäudehüllen zudem dichter gebaut, und der geringere Luftaustausch kann zum Phänomen beitragen.[1]
Was die Ablagerungen begünstigt
Fogging hat nach dem Umweltbundesamt mehrere Ursachen zugleich, wobei nicht alle Einflüsse gleichzeitig vorliegen müssen.[1] Das zeigt sich in Häusern, in denen identische Baustoffe verwendet wurden und trotzdem nur einzelne Wohnungen schwarz wurden.[1] Begünstigt wird es auch durch Wärmebrücken, an denen sich die Partikel bevorzugt ablagern.
Nach dem Ratgeber des Umweltbundesamts.[1]
Beim Heizen kommt es auf den Rhythmus an: Werden die Thermostate bei Abwesenheit ganz zugedreht und danach wieder aufgedreht, kann das nach dem Ratgeber das Absetzen der schwarzen Stäube begünstigen.[1] Das Portal Energie-Fachberater hält kontinuierliches Heizen mit gleichbleibenden Temperaturen für vorteilhafter als periodisches Heizen.[3]
Gesundheit, Reinigung und die nächste Renovierung
Von Fogging-Ablagerungen geht nach dem Umweltbundesamt nach gegenwärtigem Kenntnisstand keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus, die eingeatmeten Stoffe können aber vorübergehend den Rachen reizen.[1] Enthalten die Ablagerungen erhöhte Mengen an PAK oder Ruß, kann dagegen ein Gesundheitsrisiko bestehen.[1]
Vor dem Reinigen steht die Ursachensuche, dabei genügt es nach dem Ratgeber, einzelne Einflüsse auszuschalten, etwa mit einer lösemittel- und weichmacherfreien Wandfarbe, gleichmäßigerem Heizen oder sparsamem Gebrauch von Kerzen.[1] Zum Entfernen ist danach oft eine intensive nasse Reinigung mit Spülmittelzusätzen oder Kunststoffreinigern nötig, bloßes Überstreichen hilft meist nicht, und manche Tapete muss ganz herunter.[1] Mit gezielter Produktauswahl und intensiver Lüftung über mehrere Wochen nach dem Renovieren tritt das Problem nach der Erfahrung des Amts meistens nicht noch einmal auf.[1]
Fogging in der Mietwohnung
Den Schaden beseitigen muss nach der Berliner MieterGemeinschaft gemäß § 535 BGB der Vermieter, gleich, ob die Ursache in seinem Bereich oder in dem des Mieters zu suchen ist.[2] Anders ist es, wenn Mieter das Fogging zu vertreten haben, weil ihr Handeln den vertragsgemäßen Gebrauch überschritt, wozu sie ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 28.05.2008 mit dem Aktenzeichen VIII ZR 271/07 nennt.[2] Wer Schadensersatz will, muss nach § 536a Absatz 1 BGB auch das Verschulden des Vermieters darlegen und beweisen.[2]
Melden Sie die Beläge deshalb früh und schriftlich und lassen Sie sie begutachten, solange sie frisch sind. Kommt der Sachverständige erst nach Monaten, können nach dem Umweltbundesamt weitere Stoffe in den Ablagerungen das Analysenergebnis verfälschen.[1] Erste Anlaufstelle sind danach die örtlichen Gesundheits- und Umweltämter, die auch Adressen von Laboren nennen können.[1]
Häufige Fragen
Ist Fogging gefährlich für die Gesundheit?
Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr sieht das Umweltbundesamt nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht, die Konzentrationen der Problemstoffe liegen danach deutlich unter der Schwelle einer akuten Gefahr.[1] Bestehen die Beläge aus Ruß oder enthalten sie viel PAK, ist das anders zu bewerten.[1]
Kann ich die Flecken einfach überstreichen?
Mit Farbe allein verschwinden sie nicht: Nach der Berliner MieterGemeinschaft erscheinen die Ablagerungen nach dem Überstreichen wieder.[2] Erst wird die Ursache geklärt, dann gereinigt, und beim neuen Anstrich kommt eine lösemittel- und weichmacherfreie Farbe zum Einsatz.[1]
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Umweltbundesamt: Ratgeber: Attacke des schwarzen Staubes. Das Phänomen Schwarze Wohnungen, Ursachen, Wirkungen, Abhilfe. Ratgeber als PDF, Stand August 2004, Seiten 2 bis 14. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22↑23↑24↑25↑26↑27↑28↑29↑30↑31
- Berliner MieterGemeinschaft: Mietrecht Tipps A bis Z: Fogging. Abschnitte Phänomen, Rechtslage und Hilfe im Schadensfall. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- energie-fachberater.de: Was ist eigentlich Fogging? (11.11.2024). Abschnitt Unansehnliche Ablagerungen verhindern. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2
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