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Schimmel untersuchen lassen: Welche Messungen sind sinnvoll?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Sinnvoll sind Messungen, die Ursache und Ausmaß klären: Feuchte im Material, Oberflächentemperaturen, Raumklima und bei Verdacht auf verdeckten Befall gezielte Untersuchungen. Aus medizinischer Sicht ist es dagegen selten nötig, Schimmelpilze zu bestimmen, bei sichtbarem Befall kann darauf nach der Schimmelpilz-Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften in der Regel verzichtet werden.[1]

Zwei Fragen, zwei Arten von Messung

Wer Schimmel untersuchen lassen will, sollte zuerst klären, welche Frage beantwortet werden soll. Am Gebäude geht es darum, woher die Feuchte kommt, wie weit sie reicht und ob hinter Verkleidungen oder unter Belägen ein Befall sitzt. Bei der Gesundheit geht es darum, ob Beschwerden mit dem Schimmel zusammenhängen, und das ist eine ärztliche Frage.

Für die zweite Frage hilft eine Bestimmung der Schimmelpilze in der Wohnung nur wenig, denn es gibt keinen einfachen ursächlichen Zusammenhang zwischen den individuellen Beschwerden und dem Befall im Innenraum.[1] Aus ärztlicher Sicht reicht es, einen Schimmelbefall in Augenschein zu nehmen, um medizinisch begründete Maßnahmen zu veranlassen.[1]

Die Ortsbegehung steht am Anfang

Die höchste Relevanz hat nach der medizinischen Leitlinie die Ortsbegehung, idealerweise gemeinsam von Ärztin oder Arzt und Personen mit bauphysikalischem Sachverstand.[1] Liegen sichtbarer Befall, erhöhte Materialfeuchte oder bautechnische Auffälligkeiten wie Feuchte- und Wasserschäden vor, ist es aus medizinischer Sicht nicht angezeigt, die Schimmelpilze zu bestimmen oder zu zählen.[1]

Bei der Begehung werden die Räume angesehen, Feuchte und Temperaturen gemessen und Hinweise wie Geruch, Lage der Flecken und frühere Schäden zusammengetragen. Daraus ergibt sich, ob eine weitere Untersuchung nötig ist und welche. Tritt Wasser aus, stellt der Notdienst die Leitung ab, bevor geklärt wird, ob die Wand selbst nass ist oder nur die Oberfläche.

Liegt eine Wärmebrücke vor oder ist ein Bauteil unzureichend gedämmt, empfiehlt die Leitlinie, einen Bausachverständigen oder Bauphysiker hinzuzuziehen, der ein Konzept zur Behebung erarbeitet, die Sanierung selbst führt eine qualifizierte Fachfirma aus.[1]

Welche Messungen am Gebäude helfen

Mit diesen Messungen lässt sich eingrenzen, ob Kondensat an einer kalten Fläche, Wasser aus einer Leitung oder Feuchte von außen den Schimmel verursacht. Erst wenn das feststeht, lässt sich eine Sanierung sinnvoll planen.

Wann Luft- und Materialproben sinnvoll sind

Bei einem Verdacht auf verborgenen Befall können Proben weiterhelfen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sieht im Nachweis der MVOC, der flüchtigen Stoffwechselprodukte der Pilze, in der Innenraumluft einen möglichen Indikator für verdeckte Schimmelpilzvorkommen.[2] Für die ärztliche Diagnostik ist die Bestimmung der MVOC in der Raumluft dagegen nicht sinnvoll, zumal viele dieser Stoffe auch aus anderen Quellen stammen, etwa aus Tabakrauch, vom Kochen, Backen und Braten, aus Blumenerde oder dem Komposteimer.[1]

Welche Messverfahren sich wofür eignen und was sie aussagen, fasst eine Übersicht zusammen, auf die die Leitlinie Ärztinnen und Ärzte, Innenraumdiagnostiker, Handwerker, Architekten und Bausachverständige verweist, die Messungen beauftragen oder bewerten.[1] Proben lohnen sich nur mit einer klaren Frage, sonst entsteht eine Zahl, mit der niemand etwas anfangen kann.

Wenn Menschen mit Vorerkrankungen betroffen sind

Bei Menschen unter Immunsuppression, bei Menschen mit Mukoviszidose oder Asthma und nach einer schweren Grippe- oder COVID-19-Erkrankung kann die Verzögerung durch eine Schimmelpilzbestimmung selbst ein Risiko darstellen.[1] Nur zur Vorbeugung können bei diesen Gruppen Untersuchungen bei begründetem Verdacht selten einmal medizinisch angezeigt sein.[1] Wichtiger ist, den Befall schnell zu beseitigen.

Wie verbreitet das Problem ist

Nach der Leitlinie liegt in 5 bis 20 Prozent der Wohnungen in Deutschland sichtbarer Schimmelbefall vor, je nachdem, wie die Untersucher einen Schaden zugeordnet haben.[1] Geschätzt kommt in weiteren 14 Prozent der Wohnungen ein verdeckter Schaden hinzu.[1] Ein unauffälliger erster Blick schließt einen Befall also nicht aus. Auf versteckten Schimmel deuten etwa ein muffiger Geruch und dunkle Ränder an Möbelrückseiten oder Verkleidungen hin.

Was ein Untersuchungsbericht enthalten sollte

Ein solcher Bericht ist die Grundlage für das Gespräch mit Vermieter, Verwaltung oder Versicherung und für die Planung der Sanierung, und er hilft später, wenn nach Jahren dieselbe Frage wieder auftaucht. Fehlen Messpunkte oder Bedingungen, lässt sich das Ergebnis später kaum nachvollziehen.

Wer unabhängig berät und begutachtet

Beratung zu Schimmel in Innenräumen bieten die Stellen des Netzwerks Schimmelpilzberatung Deutschland, die das Umweltbundesamt auf einer Karte mit den Beratungsstandorten aufführt.[3] Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige findet man im bundesweiten Sachverständigenverzeichnis der Industrie- und Handelskammern, das derzeit rund 8.000 Einträge von Kammern und Landesregierungen umfasst.[4]

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale hilft bei Fragen zu Dämmung, Wärmebrücken, Heizen und Lüften, gutachterliche Tätigkeiten wie die Feststellung von Schadensursachen kann man dort nicht beauftragen.[5] Rechtliche Fragen beantworten die Rechtsberatung der Verbraucherzentralen oder die Mietervereine.[5]

Häufige Fragen

Taugen Schimmeltests aus dem Baumarkt?

Ein Test, der eine Zahl liefert, beantwortet noch nicht, woher die Feuchte kommt und wie weit der Befall reicht. Bei sichtbarem Befall ist eine Bestimmung der Schimmelpilze nach der medizinischen Leitlinie in der Regel ohnehin verzichtbar.[1]

Brauche ich nach der Sanierung eine Messung?

Nach einer größeren Sanierung kann eine Kontrolle zeigen, ob die Reinigung erfolgreich war. Vor allem muss die Ursache beseitigt und das Bauteil trocken sein, das zeigt eine erneute Feuchtemessung.

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Belege

Quellen

  1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): AWMF-Schimmelpilz-Leitlinie „Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“, Langfassung, Update 2023. S. 94 und 95, S. 116 und 117 sowie S. 131, Register-Nr. 161/001, Stand 05.09.2023. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13
  2. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Gesundheitliche Relevanz von Feuchte und Schimmel im Innenraum. Abschnitt zu MVOC. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
  3. Umweltbundesamt: Netzwerk Schimmelpilzberatung. Karte der Beratungsstandorte, Stand 14.03.2022. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
  4. Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK): Sachverständigenwesen-Verzeichnis (SVV). Startseite. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
  5. Verbraucherzentrale Bundesverband: Energieberatung der Verbraucherzentrale: Schimmel & Feuchte. Abschnitt Weitere Informationen. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
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