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Zu schnell getrocknet: Wann Tempo bei der Trocknung schadet

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Wie lange Trocknungsgeräte laufen müssen, ist nach einem Forschungsbericht zu hochwassergeschädigten Bauteilen von Bauteil zu Bauteil verschieden und im Einzelfall zu klären, um Schäden durch eine zu schnelle Wasserabgabe zu vermeiden.[1] Verbundbaustoffe trocknen ungleichmäßig, Spannungen können zu Rissen, Abplatzungen oder Ablösungen führen.[2] Bei Holz ist schnelles Abtrocknen der Randzonen die häufigste Rissursache.[3]

Warum ein Bauteil nicht gleichmäßig trocknet

Getrocknet werden nach dem Portal Energie-Fachberater in den seltensten Fällen kompakte, gleichartige Baustoffe, meist sind es miteinander verbaute Verbundbaustoffe, deren Schichten Wasser unterschiedlich aufnehmen und wieder abgeben.[2] Werden Schrumpf- und Schwindvorgänge dabei behindert, entstehen Spannungen, die zu Rissen, Abplatzungen oder Ablösungen führen können.[2] Die Folgen einer Durchfeuchtung zeigen sich danach meist zeitversetzt, so dass ihr Ausmaß und ein mögliches Wachstum von Mikroorganismen nicht sofort zu erkennen sind.[2]

Ein Putz auf einer Wand, ein Belag auf einem Estrich, eine Fliese auf einem Kleberbett: Jede Schicht reagiert anders, und wer die Oberfläche mit Wärme und trockener Luft forciert, trocknet sie schneller als den Kern. Zu jeder Trocknung gehört deshalb ein Ziel, das die Materialfeuchte im ganzen Bauteil beschreibt, und ein Tempo, das zum Baustoff passt.

Holz: außen trocken, innen noch nass

Holz nimmt Feuchte auf und gibt sie ab, und im baupraktischen Bereich zwischen 6 und 20 Prozent Holzfeuchte geschieht das nach einem Infoblatt des Österreichischen Ingenieurholzbauverbands vor allem durch Diffusion über die Oberflächen.[3] Die Randzonen reagieren danach schneller als das Innere, es entsteht ein Feuchtegefälle im Querschnitt.[3] Holzbauprodukte werden nach dem Infoblatt in der Regel mit einer Holzfeuchte von 12 Prozent, plus oder minus 2 Prozent, gefertigt.[3]

Trocknet Holz rasch, schwinden die Randbereiche, während sich das Innere kaum verändert, außen entstehen Querzugspannungen, und überschreiten sie die Querzugfestigkeit, entladen sie sich in Rissen.[3] Eine schnelle Trocknung der äußeren Bereiche ist nach dem Infoblatt die häufigste Ursache für Risse, und nimmt Holz oberflächennah Feuchte auf und trocknet anschließend rasch ab, führt das zu erheblichen Schwindrissen.[3] Holzbalken, Dielen, Treppen und Fachwerk brauchen deshalb ein Trocknungstempo, das dem Holz Zeit lässt.

Wärme und Infrarot mit Maß

Soll das Wasser in kurzer Zeit aus den Bauteilen, braucht es nach dem Forschungsbericht leistungsfähige Trocknungsgeräte, viel Energie und Wärme, die dem Bauteil zugeführt wird.[1] Infrarotflächenheizungen können den Prozess danach vor allem in der Anfangsphase erheblich beschleunigen, und empfohlen wird, die Strahler zu Beginn für einige Tage einzusetzen und anschließend mit intensiver Belüftung oder Luftentfeuchtern weiterzutrocknen.[1] Das verkürzt die Laufzeit, verlangt bei Holz aber eine Begrenzung der Temperatur, sonst stellt sich die Frage, ob trocknen oder zurückbauen günstiger ist.

Wärme ist also ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Wo Holz, Parkett, Lehm oder empfindliche Beschichtungen betroffen sind, sollte die Firma erklären, wie sie die Temperatur an der Oberfläche begrenzt und wann sie von Wärme auf Entfeuchtung umstellt.

Welche Risse harmlos sind

Nicht jeder Riss bedeutet einen Schaden. Das Infoblatt unterscheidet oberflächliche Schwindrisse von tiefergehenden Rissen, die statisch wirksam sind, und für Vollholz der Sortierklasse S 10 setzt die ÖNORM DIN 4074-1 die zulässige Risstiefe auf höchstens 50 Prozent der Breite oder Höhe des Bauteils.[3] Oberflächliche Risse, die bei der Nutzung durch wechselndes Klima entstehen und die Statik nicht berühren, sind danach normativ nicht geregelt und stellen keinen Mangel dar.[3]

Zeigen sich nach einer Trocknung tiefe Risse in tragenden Balken, an Auflagern oder in Treppenwangen, gehört die Bewertung in die Hand einer Fachkraft für Holzbau oder eines Statikers. Eine Messung im Holz zeigt während der Wasserschadensanierung, ob es sich schon an das Raumklima angeglichen hat.

Woran Sie zu forsches Trocknen erkennen

Diese Zeichen sprechen dafür, dass eine Trocknung zu schnell oder zu einseitig lief:

Melden Sie solche Veränderungen sofort der Trocknungsfirma und lassen Sie sie mit Datum fotografieren. Gegensteuern lässt sich etwa, indem Wärme reduziert, Geräte anders gestellt oder empfindliche Möbel aus Massivholz und Instrumente aus den Trocknungsräumen gebracht werden.

Nach der Trocknung: das Raumklima

Die erforderliche Einsatzdauer der Geräte bedarf nach dem Forschungsbericht einer Untersuchung im Einzelfall.[1] Fragen Sie deshalb vor dem Start, welches Ziel die Firma anstrebt, wie sie Holz und empfindliche Oberflächen schützt, ob Wärme oder Infrarot eingesetzt wird und in welchen Abständen sie in welcher Tiefe misst.

Im ersten Winter nach der Trocknung sollte das Raumklima nach dem Infoblatt nicht zu trocken sein, damit sich die Ausgleichsfeuchte des Holzes langsam einstellen kann.[3] Herrscht lange ein extrem trockenes Klima, etwa durch übermäßiges Heizen, entstehen danach oberflächliche Risse, und in Räumen mit Bauteilen aus Massivholz nennt das Infoblatt deshalb als Regel eine relative Luftfeuchte von mindestens 50 Prozent.[3] Für Räume ohne solche Bauteile gilt diese Untergrenze nicht, dort steigt bei dauerhaft hoher Feuchte im Winter die Gefahr von Schimmel. Kurze Unterschreitungen führen danach nicht zu Rissen, je trockener und je länger, desto ausgeprägter werden sie.[3]

Häufige Fragen

Kann ein Bautrockner Parkett oder Möbel beschädigen?

Ja, wenn er die Luft lange stark austrocknet: Bei rascher Trocknung schwinden die Randbereiche des Holzes, und die Spannungen können sich nach dem Holzbauverband in Rissen entladen.[3] Empfindliche Möbel stehen deshalb besser außerhalb der Trocknungsräume.

Hilft Infrarot, wenn es schneller gehen soll?

Am Anfang ja: Infrarotflächenheizungen beschleunigen die Trocknung nach dem Forschungsbericht vor allem in der Anfangsphase, danach geht es mit Lüftung oder Luftentfeuchtern weiter.[1] Bei Holz und empfindlichen Oberflächen gehört die Temperatur an der Oberfläche dabei unter Kontrolle.

Sind feine Risse im Holz nach der Trocknung ein Mangel?

Oberflächliche Risse ohne Einfluss auf die Tragfähigkeit stellen nach dem Infoblatt keinen Mangel dar.[3] Tiefe Risse in tragenden Bauteilen lassen Sie fachlich bewerten.

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Belege

Quellen

  1. Fraunhofer IRB, Forschungsbericht gefördert vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: Kurzbericht: Optimierung von Austrocknungsprozessen hochwassergeschädigter Bauteile. Abschnitt 3, Zusammenfassung der Ergebnisse. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  2. energie-fachberater.de: Technische Bautrocknung nach Wasserschäden (19.09.2024). Abschnitt Technische Bautrocknung bei Wasserschäden. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  3. Österreichischer Ingenieurholzbauverband (IHBV): Infoblatt 03/2021: Rissbildung bei Massivholzprodukten, Ursachen und deren Vermeidung. Seiten 1 und 2. Abgerufen am 08.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13
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