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Gipsputz: Wand nach einem Wasserschaden mit Feuchtegrenze, entfernter Tapete und Kondenstrockner unter dem geschlossenen Fenster

Gipsputz

Gipsputz ist ein Innenputz aus Gips-Trockenmörtel mit Calciumsulfat als Hauptbindemittel, der einlagig auf Wände und Decken aufgetragen wird und für Räume üblicher Luftfeuchte einschließlich häuslicher Küchen und Bäder geeignet ist.[1][2] Gips ist wasserlöslich und nimmt Feuchte auf, darum gehört Gipsputz nicht in Nassräume, durchfeuchteter Gipsputz lässt sich nach einem Leitungswasserschaden aber meist trocknen, ohne seine Eigenschaften zu verlieren.[3][4]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So trocknet Gipsputz nach einem Wasserschaden

Gipsputz, Funktionsweise: Wohnraum nach einem Leitungswasserschaden mit markierter Feuchtegrenze, entfernter Tapete, eingekreister Hohlstelle, Kondenstrockner mit Heizgerät und Lupe auf die großen Kapillaren im Putz

Schematische Darstellung: Wohnraum nach einem Leitungswasserschaden, die Seitenwand im Schnitt, die Putzlage überhöht. Die Nummern folgen der Trocknung vom Gefüge des Putzes bis zur Wand dahinter.

  1. Große Kapillaren leiten Wasser rasch: Gipsputz hat ein offenporiges Gefüge mit vergleichsweise weiten Kapillaren, durch die flüssiges Wasser rasch wandert. Er saugt Wasser zügig auf, gibt es ebenso zügig wieder ab und bleibt dabei weitgehend formstabil.
  2. Feuchtegrenze markiert: Zuerst stellen wir fest, wie hoch die Durchfeuchtung reicht, messen Putz und Wand dahinter und markieren die Grenze. In Nassräume gehört Gipsputz wegen seiner Wasserlöslichkeit nicht, nach einem Leitungswasserschaden lässt er sich aber meist trocknen.
  3. Tapete über dem Pegel entfernt: Tapeten und Anstriche kommen herunter, und zwar etwa 25 bis 50 cm höher, als das Wasser stand, damit der Putz seine Feuchte an die Raumluft abgeben kann. Das Austrocknen der Wand dahinter bremst Gipsputz nicht, weil er Wasserdampf und Wasser durchlässt.
  4. Hohlstellen abklopfen: Den Putz klopfen wir auf hohl liegende Stellen ab, vor dem Trocknen und danach noch einmal. Was hohl klingt, wird mit Gipsputz ausgebessert, und durchgeschlagene Wasserränder lassen sich mit einer sperrenden Grundierung abdecken.
  5. Kondenstrockner mit Heizung, Fenster zu: Getrocknet wird mit Kondenstrocknern und Heizung, Fenster und Türen bleiben dabei geschlossen. Am Ende prüfen wir den Gipsputz mit der CM-Methode, erst unter 1 Masseprozent wird ausgebessert und gestrichen.
  6. Saugstarke Wand trocknet länger: Steckt hinter dem Putz eine Wand aus Ziegel, Leichtbeton oder Porenbeton, hat sie meist sehr viel Wasser aufgenommen. Dafür planen wir mehr Zeit ein, denn solche Baustoffe brauchen entsprechend länger zum Trocknen.

Gips als Bindemittel

Gips ist chemisch Calciumsulfat und kommt nach BauNetz Wissen natürlich als Gipsstein und in kristallwasserfreier Form als Anhydrit vor, daneben fällt REA-Gips in großen Mengen bei der Rauchgasentschwefelung von Kraftwerken an.[3] Gebrannter Gips dient als Innenputz und als Bestandteil von Gipskarton- und Gipsfaserplatten, und REA-Gipse und Chemiegipse für den Bau sind meist sehr rein.[3] Umfangreiche genehmigungsfähige Lagerstätten für Gips und Anhydrit gibt es in Deutschland nach WECOBIS vor allem in Thüringen und Baden-Württemberg, und synthetischer Anhydrit fällt bei der Herstellung von Flusssäure an.[2]

Nach der früheren Einteilung gehörten Gipsmörtel, Gipssandmörtel, Gipskalkmörtel und Kalkgipsmörtel zur Mörtelgruppe P IV, mit Baugips oder einer Mischung aus Baugips und Baukalk als Bindemittel.[2] Je nach Menge des Anmachwassers, das beim Erhärten entweicht und Poren hinterlässt, liegt die Rohdichte des ausgehärteten Gipsputzes zwischen 800 und 1200 kg/m³.[2] Die Naturgipsreserven sind begrenzt, der Abbau greift in Natur und Landschaft ein, und wie lange REA-Gips noch als Ersatz zur Verfügung steht, hängt nach WECOBIS von der Zukunft der Kohlekraftwerke ab.[2]

Unter nassem Gipsputz laufen Leitungen zu Schaltern und Steckdosen in Schlitzen der Wand. Bevor jemand nasse Tapetenbahnen abzieht oder Regale abschraubt, kommt die Sicherung des betroffenen Raums heraus, weil der Lichtschalter die Steckdosenleitungen nicht abschaltet. Bei Wasser im Sicherungskasten gilt: draußen bleiben und Feuerwehr oder örtlichen Netzbetreiber rufen. Steigt im Keller Wasser, bleibt die Kellertreppe leer.

Gipsputze nach DIN EN 13279-1

Die Norm DIN EN 13279-1 legt Eigenschaften und Leistungsmerkmale pulverförmiger Produkte auf Gipsbinderbasis fest, darunter werkgemischte Gips-Trockenmörtel zum Verputzen von Decken und Wänden innerhalb von Gebäuden, für die Verarbeitung von Hand und mit der Maschine.[5] Calciumsulfat-Binder für Estriche erfasst sie nicht.[5]

Die VDPM-Leitlinien unterscheiden nach der Norm die Klassen B1 bis B7 und Gips-Trockenmörtel für besondere Zwecke C1 bis C6, und Gips-Putztrockenmörtel B1 enthält mindestens 50 Prozent Calciumsulfat als Hauptbindemittel und höchstens 5 Prozent Kalkhydrat.[1] Gipskalkputze der Klassen B3 und B6 enthalten mehr als 5 Prozent Kalkhydrat, und B7 steht für Putz mit erhöhter Oberflächenhärte, wobei sich die Standardputze B1 bis B6 im Bindemittel unterscheiden, nicht im Anwendungsbereich.[1] Aufgetragen wird Gipsputz nach WECOBIS meist maschinell als Spritzputz und in der Regel mindestens 1 cm dick, größere Dicken frisch in frisch, und Gipskalkputze werden in Deutschland mit weniger als 5 Prozent Kalkhydrat hergestellt, weil sie sonst als Gefahrstoff einzustufen wären.[2] Bleibt auf einer verputzten Fläche Wochen nach dem Auftrag ein feuchter Fleck an der Wand, kommt die Nässe meist aus dem Untergrund oder einer Leitung, weil frischer Gipsputz rasch austrocknet.

Wie Gipsputz mit Feuchte umgeht

Kennzeichen von Gipsputz ist nach WECOBIS ein offenporiges Gefüge mit relativ großen Kapillaren, die flüssiges Wasser schnell transportieren und den Putz schnell austrocknen lassen, und beim Erhärten quillt Gips leicht, schwindet aber nicht.[2] Bei einer Neubautrocknung gibt frischer Gipsputz sein überschüssiges Wasser darum vergleichsweise rasch ab. Im Brandfall verdampft das Kristallwasser, und die mürbe Gipsschicht bleibt als wärmedämmende Lage rissfrei auf dem Untergrund.[2] Hat sich eine Decke mit Gipsputz vollgesogen, weil ein Stockwerk höher ein Rohr geplatzt ist und Wasser aus der Decke tropft, kann sich der Putz dagegen vom Untergrund lösen.

Weil Gips wasserlöslich ist, nimmt er Feuchtigkeit auf und gibt sie ebenso gut wieder ab, was nach BauNetz Wissen die Raumfeuchte in Wohnräumen reguliert, wegen seiner hygroskopischen Eigenschaft ist er im Nasszellenbereich aber nur eingeschränkt zu verwenden.[3] Für Feuchträume und feuchte Untergründe ist Gipsputz nach WECOBIS wegen der fehlenden Wasserbeständigkeit nicht geeignet, und Elektroleitungen mit Gips zu befestigen, gilt in Verbindung mit Zementputz oder Beton bei Feuchte als schadensträchtig und soll vermieden werden.[2] Nach den VDPM-Leitlinien sind Gipsputze grundsätzlich für alle Räume und für die Bereiche W0-I und W1-I nach DIN 18534-1 geeignet.[1]

Gipsputz auf Betonflächen

Auf schwach oder nicht saugendem Beton braucht Gipsputz nach den VDPM-Leitlinien eine abgestimmte Haftbrücke, die vor dem Putzauftrag getrocknet und fest ist, und Material, Untergrund und Luft dürfen dabei nicht kälter als +5 °C sein.[1] Auf Normalbeton soll die Restfeuchte im Oberflächenbereich bis 3 cm Tiefe einen Masseanteil von 3 Prozent nach der Darrmethode nicht überschreiten, für Leichtbeton mit 1400 kg/m³ Trockenrohdichte ergibt die Umrechnung etwa 4,9 Prozent.[1]

Betonflächen mit erhöhter Restfeuchte erhalten eine polymermodifizierte mineralische Haftbrücke, und darauf werden Kalk-, Kalkzement- oder Zementputze aufgetragen, gipsbasierte Putze nur mit mechanisch befestigten Putzträgern.[1]

Trocknung und Sinterschicht

Herstellerangaben zur Abbindezeit beziehen sich nach den VDPM-Leitlinien in der Regel auf etwa 20 °C und 60 Prozent relative Luftfeuchte, und bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchte kann die Abbindezeit mehrere Wochen dauern.[1] Trocknet Gipsputz in feuchtegesättigten Räumen, kann gelöstes Kalkhydrat an der Oberfläche austreten und mit dem Kohlendioxid der Luft eine glasartige Sinterschicht bilden, die das weitere Trocknen behindert.[1]

Eine Sinterschicht lässt sich mit einer Benetzungsprobe erkennen, denn unbeeinträchtigter Gipsputz nimmt Wasser auf, und solche Flächen tragen weder Grundierung noch Anstrich oder Wandbelag, bis die Schicht entfernt und die Fläche grundiert ist.[1] Bei der Verarbeitung von Gipsputz als Sack- oder Siloware entsteht Staub, darum empfiehlt WECOBIS Atemschutzmasken.[2] Auf stark saugenden Untergründen wird vor dem Gipsputz meist eine organisch gebundene Grundierung als Aufbrennsperre aufgetragen, damit dem Putz nicht zu schnell das Wasser entzogen wird, das er zum Abbinden braucht.[1]

Gipsputz nach einer Durchfeuchtung

Gipsbaustoffe saugen freies Wasser nach dem Merkblatt des Bundesverbandes der Gipsindustrie kapillar zügig auf und lassen es ebenso zügig wieder heraus, sie bleiben auch bei vollständiger Durchfeuchtung weitgehend formstabil, und nach dem Trocknen erreichen sie wieder ihre volle Festigkeit.[4] Die Empfehlungen gelten für sauberes Wasser wie Leitungs-, Grund- oder Flusswasser, nicht für kontaminiertes Wasser, und Gipsputz behindert als wasserdampf- und wasserdurchlässiger Putz das Austrocknen des Mauerwerks dahinter nicht.[4]

Empfohlen wird, die Höhe der Durchfeuchtung festzustellen, Anstriche und Tapeten bis etwa 25 bis 50 cm über dem Wasserpegel zu entfernen, den Putz auf Hohlstellen abzuklopfen und so lange zu trocknen, bis das CM-Gerät im Gipsputz weniger als 1 Masseprozent anzeigt.[4] Durchgeschlagene Rostflecken und Wasserränder lassen sich danach mit sperrenden Grundierungen abdecken, und zur Trocknung nennt das Merkblatt Kondenstrockner mit Heizung bei geschlossenen Fenstern und Türen.[4] Verschimmelte Bauteile sollen nach dem Merkblatt ausgewechselt werden, nur bei partiellem, oberflächlichem Befall helfen fungizide Mittel, und neue Bauteile werden erst nach vollständiger Trocknung eingebaut.[4] Ausgebauter Gips wird unter dem Abfallschlüssel 170802 als Baustoff auf Gipsbasis entsorgt, und weil Gips beim mineralischen Recycling stört, sind reine Kalk- oder Lehmputze dort nach WECOBIS im Vorteil.[4][2]

Wie wir Gipsputz trocknen

Bei einem Leitungswasserschaden messen wir den Gipsputz und die Wand dahinter, markieren die Feuchtegrenze und entfernen Tapeten und dichte Anstriche im nassen Bereich, damit der Putz Feuchte abgeben kann. Wir trocknen mit Kondensationstrocknern und kontrollieren den Gipsputz am Ende mit der CM-Methode, bevor ausgebessert und gestrichen wird.

Hohlliegende Stellen klopfen wir nach dem Trocknen erneut ab und lassen sie mit Gipsputz ausbessern. Liegt hinter dem Gipsputz ein saugstarkes Mauerwerk aus Ziegel, Leichtbeton oder Porenbeton, planen wir mehr Zeit ein, weil diese Baustoffe nach dem Merkblatt sehr viel Wasser aufnehmen können und entsprechend lange trocknen.[4]

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Belege

Quellen

  1. Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e. V. (VDPM): Leitlinien für das Verputzen von Mauerwerk und Beton. Stand November 2022, 4. Ausgabe, Abschnitte 9.2.1 Gipsputze mit Tabellen 13 und 14, 9.4.1 Innenputz auf Betonflächen und 9.7 Trocknen der Putzflächen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
  2. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Gipsputz, Produktgruppe Putzmörtel. Datenblatt Gipsputz, Reiter Übersicht, Technisches, Rohstoffe, Verarbeitung und Nutzung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
  3. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Gips. Glossar, Eintrag Gips. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  4. Bundesverband der Gipsindustrie e. V.: Beseitigung von durch Überflutung entstandenen Schäden an Bauteilen aus Gips oder an Gipsputzen. Stand Juni 2013, Abschnitte 1 Relevante Baustoffeigenschaften, 2 Empfehlungen für Maßnahmen nach einer Durchfeuchtung und 4 Gipsputze. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  5. DIN Media GmbH: DIN EN 13279-1: Gipsbinder und Gips-Trockenmörtel, Teil 1: Begriffe und Anforderungen. Ausgabe 2008-11, Einführungsbeitrag. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2

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