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Gipskartonplatte: Trockenbauwand mit beplanktem und offenem Teil, Wasser am Fuß, dunkle Platte mit Revisionsöffnung, Hygrometer, Lupe mit Gipskern und Karton, Plattenstapel

Gipskartonplatte

Auch: Gipsplatte, Rigipsplatte, GK-Platte

Eine Gipskartonplatte, fachlich Gipsplatte, besteht aus einem Gipskern mit Kartonummantelung und bildet mit Metall- oder Holzständern und meist einer Mineralwolledämmung Trennwände, Vorsatzschalen und Deckenbekleidungen im Trockenbau. Nach einem Wasserschaden ist sie besonders gefährdet: Trockenbauelemente wie Gipskarton nehmen Feuchte gut auf, und Schimmel kann auf ihnen nach dem Umweltbundesamt innerhalb kürzester Zeit wachsen.[1]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So ist die Gipskartonplatte aufgebaut und so reagiert sie auf Wasser

Gipskartonplatte, Funktionsweise: Trockenbauwand links beplankt und rechts offen mit Metallständern und Mineralwolle, Wasser am Fuß der Wand mit dunkler Platte und Revisionsöffnung, Hygrometer, Lupe mit dem Plattenquerschnitt aus Gipskern und Karton, flacher Plattenstapel auf Lagerhölzern

Schematische Darstellung einer Trockenbauwand, links beplankt und rechts offen mit Ständern und Mineralwolle, Lupe auf den Plattenquerschnitt, Hygrometer, Wasser am Fuß der Wand mit Revisionsöffnung und ein Plattenstapel auf Lagerhölzern. Die Nummern folgen dem Weg vom Plattenaufbau bis zur Trocknung.

  1. Gipskern in Karton: Der Kern der Gipskartonplatte, fachlich Gipsplatte, ist Stuckgips, rund 95 Prozent der Platte, der Karton macht etwa 5 Prozent aus. Der Karton umhüllt den Kern auf beiden Seiten und gibt der Platte ihre Zugfestigkeit.
  2. Ständer und Mineralwolle: Mit Metall- oder Holzständern und meist einer Mineralwolledämmung bildet die Platte Trennwände, Vorsatzschalen und Deckenbekleidungen. Beim Rückbau befallener Wände kommt die Dämmung im Hohlraum in der Regel mit heraus.
  3. Flach und trocken lagern: Platten werden trocken und eben gelagert, etwa auf trockenen Paletten oder Lagerhölzern im Abstand von etwa 35 Zentimetern. Hochkant oder feucht gelagerte Platten verformen sich, feucht gewordene trocknen vor der Montage auf ebener Unterlage.
  4. Über 80 % nicht beplanken: Bei länger andauernder relativer Luftfeuchte von mehr als 80 Prozent im Gebäude werden keine Gips- oder Gipsfaserplatten montiert. Günstig sind 40 bis 80 Prozent bei über 5 °C, verspachtelt wird nicht unter etwa 10 °C.
  5. Nass am Fuß: Karton saugt: Trockenbauelemente wie Gipskarton nehmen Feuchte gut auf, und Schimmel kann auf ihnen innerhalb kürzester Zeit wachsen. Im Versuch zeigten sich im Sockelbereich der Platten schwarze Flecken, vermutlich Schimmelpilze.
  6. Unten öffnen und trocknen: Steht Wasser am Fuß einer Trockenbauwand, zählt jeder Tag. Die Feuchte in Platten und Hohlraum wird gemessen, bei Bedarf wird unten eine Revisionsöffnung geschnitten und die Wand getrocknet, eindeutig befallene Platten werden ausgebaut.

Trocken lagern, trocken einbauen

Platten und Zubehör sind nach dem Bundesverband der Gipsindustrie vor Feuchtigkeit zu schützen und grundsätzlich trocken und eben zu lagern, etwa auf trockenen Paletten oder Lagerhölzern im Abstand von etwa 35 Zentimetern.[2] Unsachgemäße Lagerung, etwa hochkant oder unter Feuchtigkeitseinwirkung, führt zu Verformungen, und feucht gewordene Platten sollen vor der Montage auf ebener Unterlage austrocknen.[2]

Werden Platten im Gebäude gelagert, ist die Tragfähigkeit der Decke zu beachten: 50 Gipsplatten mit 12,5 Millimetern Dicke und etwa 10 Kilogramm je Quadratmeter belasten die Decke nach dem Merkblatt mit etwa 5,0 Kilonewton je Quadratmeter, also rund 500 Kilogramm, und Paletten mit Gipsfaserplatten können bis zu 2,4 Tonnen wiegen.[2] Bei einer Sanierung in einer Wohnung sollten deshalb nur so viele Platten hineingebracht werden, wie gerade verbaut werden.

Auch das Umweltbundesamt hält die ungeschützte Lagerung und den feuchten Einbau von Dämmstoffen, Trockenbauelementen und Holzwerkstoffplatten für besonders kritisch, weil feucht eingebaute Materialien später nur schwer abtrocknen und verdeckter Schimmelbefall folgen kann.[1]

Das richtige Raumklima

Bei länger andauernder relativer Luftfeuchte von mehr als 80 Prozent im Gebäude sollen nach dem Merkblatt der Gipsindustrie keine Beplankungen mit Gips- oder Gipsfaserplatten ausgeführt werden, und nach der Montage sind die Systeme vor längerer Feuchtigkeitseinwirkung zu schützen.[2] Als günstig für die Verarbeitung haben sich nach langjähriger Erfahrung 40 bis 80 Prozent relative Luftfeuchte bei einer Raumtemperatur über 5 Grad Celsius erwiesen.[2]

Verspachtelt wird erst, wenn keine größeren Längenänderungen durch Feuchte oder Temperatur mehr zu erwarten sind, und dabei darf die Raumtemperatur nach DIN 18181 etwa 10 Grad Celsius nicht unterschreiten.[2] Putz- und Estricharbeiten erhöhen die relative Luftfeuchte drastisch, und in Verbindung mit Trockenbau ist darum gründlich zu lüften.[2]

Auch nach Abschluss der Montage ist im Gebäude für ausreichende Lüftung zu sorgen, und wird ein Heißasphaltestrich eingebaut, darf erst gespachtelt werden, wenn er ausgekühlt ist.[2] Für Fertigteilestriche aus Gipsfaserplatten und Hohlböden nennt die Gipsindustrie 45 bis 75 Prozent relative Luftfeuchte und mehr als 10 Grad Celsius als günstig.[2]

Baustellenbedingungen für Gipsplatten
Punkt Empfehlung der Gipsindustrie
Lagerung trocken und eben, feucht gewordene Platten vor der Montage austrocknen lassen
Beplankung nicht bei länger andauernd mehr als 80 Prozent relativer Luftfeuchte
Verarbeitung günstig bei 40 bis 80 Prozent relativer Luftfeuchte und über 5 °C
Verspachteln nicht unter etwa 10 °C Raumtemperatur
Trocknung kein schockartiges Aufheizen, kein direktes Anblasen mit Heißluft, kein extrem schnelles Heruntertrocknen

Nach dem Merkblatt 1 der Industriegruppe Gipsplatten, Stand Oktober 2010, Neuauflage 2011.[2]

Nicht zu schnell trocknen

Schnelles, schockartiges Aufheizen der Räume ist nach dem Merkblatt zu vermeiden, weil sonst durch Längenänderungen und Aufschüsselungen Spannungsrisse entstehen können, was besonders beim Winterbau gilt.[2] Ein direktes Anblasen der Platten mit Heiß- oder Warmluft soll ebenso unterbleiben wie ein extrem schnelles Heruntertrocknen durch Lüftungs- oder Klimaanlagen ohne Befeuchter oder durch Bautrockner.[2]

Für die technische Trocknung nach einem Wasserschaden heißt das: Die Luft wird entfeuchtet, die Platten werden aber nicht mit Heißluft angeblasen, und der Fortschritt wird gemessen, bis die Wand wieder im Bereich ihrer Ausgleichsfeuchte liegt.

Was der Versuch am Fraunhofer-Institut zeigt

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik bewässerte in einem Versuch im Auftrag von Gebäudeversicherern auch zwei Leichtbauwände, beidseitig mit Gipskarton beplankt und innen mit Mineralwolle gedämmt.[3] Die Prüfräume wurden drei Tage lang geflutet und trockneten danach rund vier Wochen bei 20 Grad Celsius und 60 Prozent relativer Feuchte, anschließend weitere vier Wochen ohne geregeltes Klima.[3] Ohne Geräte waren sie nach einem Monat weitgehend getrocknet, nur im Bereich der Metallschiene am Sockel blieben vermutlich geringe Feuchtemengen zurück.[3]

In einem zweiten Durchgang mit Trocknungsgeräten zeigten die Messwerte schon nach etwa zwei Wochen annähernd trockene Wände, am Ende lagen sie ungefähr auf dem Niveau der Gleichgewichtsfeuchte, mit Ausnahme des unteren Bereichs der Wand, an der keine direkte mechanische Trocknung eingesetzt wurde.[3] Die Mineralwolle im Hohlraum hatte sich in keinem Fall gesetzt.[3] Getrocknet wurde die eine Wand im zweiten Durchgang mit Adsorptionstrocknung im Überdruck, die andere blieb ohne eigene Trocknungsmaßnahme und stand nur im mitgetrockneten Raum.[3]

Im zweiten Durchgang wurde eine der beiden Wände zusätzlich 22 Stunden lang von oben bewässert, was ihre Feuchte zwischenzeitlich stark ansteigen ließ, und trotzdem war auch sie vor dem Ende des Versuchs annähernd trocken.[3] Bei Leichtbauteilen dringt das Wasser nach dem Bericht durch Löcher und Spalten ein und verteilt sich nicht gleichmäßig, sodass zu Beginn der Trocknung von einer sehr ungleichmäßigen Feuchteverteilung auszugehen ist.[3]

Im Sockelbereich der Platten stellte das Institut schwarze Flecken fest, vermutlich Schimmelpilze, und es folgert, dass eine Trocknung von Leichtbauwänden möglich ist, die Gefahr der Schimmelbildung an den Gipskartonplatten aber bleibt, wenn nicht unmittelbar getrocknet wird.[3]

Schimmel an Gipswerkstoffplatten

Bei Estricharbeiten in Gebäuden mit Trockenbauwänden kommt es nach dem Umweltbundesamt häufig zu teils verdecktem Schimmelbefall an den Gipswerkstoffplatten, wenn die eingetragene Baufeuchte nicht ausreichend nach außen gelüftet wird.[1] Dasselbe betrifft nach dem Leitfaden häufig Holzbauteile im Dach, und bei Estricharbeiten muss definiert gelüftet werden, weil zu starke Lüftung die Estrichtrocknung stört und zu geringe Lüftung Schimmel begünstigt.[1]

In der Beurteilung von Feuchteschäden in Fußböden stuft der Leitfaden an den Boden angrenzende Trockenbauelemente wie Gipskarton, Gipsfaserplatten und Weichholzfaserplatten als Materialien ein, die Feuchte gut aufnehmen, und Holzwerkstoffe wie Span- oder OSB-Platten werden danach weniger gut besiedelt als Gipskarton.[1]

Wann Gipskarton raus muss

Mikrobiell eindeutig befallene Materialien, die sich problemlos und meist wirtschaftlich ausbauen lassen, etwa Gipskartonplatten, sollen nach dem Umweltbundesamt nicht im Gebäude bleiben.[1] Sind Leichtbauwände, Vorbauwände oder Installationswände aus Gipswerkstoffplatten von Schimmel befallen, werden sie zurückgebaut, in der Regel mitsamt der Dämmung im Hohlraum, weil diese mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls befallen ist.[1]

In Räumen der Nutzungsklasse III, zu der der Leitfaden etwa Kellerräume mit eigenem Zugang außerhalb der Wohnung, Garagen und Treppenhäuser zählt, ist das Entfernen je nach Raumnutzung und Schädigung nicht immer nötig, dort muss die Dämmwolle nach der Sanierung aber wieder bestimmungsgemäß trocken sein.[1] Beim Ausbau von Leichtbauwänden sind staubarme und sporenbindende Maßnahmen zu ergreifen, etwa das Befeuchten, und eine Absaugung am Arbeitsbereich nimmt freigesetzten Staub auf.[1]

Weil beim Herausnehmen befallener Platten Staub und Sporen frei werden, können die Materialien vor und während des Ausbaus befeuchtet oder mit einem Sporenbindemittel ohne Biozid behandelt werden, eine Biozidbehandlung hält der Leitfaden hier in der Regel nicht für sinnvoll, weil die Platten ohnehin entfernt werden.[1] Wie der Arbeitsbereich dabei vom übrigen Gebäude getrennt wird, beschreibt der Begriff Abschottung.

Gipskarton nach einem Wasserschaden

Steht Wasser am Fuß einer Trockenbauwand, zählt jeder Tag. Wir messen die Feuchte in Platten und Hohlraum, öffnen bei Bedarf unten eine Revisionsöffnung und trocknen die Wand, bevor sich Schimmel an der Kartonschicht bildet.

Sind die Platten schon befallen, weich geworden oder stark verformt, bauen wir den unteren Teil der Wand zurück und ersetzen ihn nach der Trocknung. Wie weit befallene Leichtbauwände zurückgebaut werden, beschreibt der Begriff Myzel.

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Belege

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Aktualisierte Auflage April 2024, Abschnitte 4.1.1 bis 4.1.3, 6.3.5 und Anlage zu Feuchteschäden in Fußböden, Kriterium IV. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  2. Bundesverband der Gipsindustrie, Industriegruppe Gipsplatten: Merkblatt 1: Baustellenbedingungen für Trockenbauarbeiten mit Gipsplatten-Systemen. Stand Oktober 2010, Neuauflage 2011, Abschnitte 1 und 2. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  3. Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP): Prüfbericht P17-027.1/2017: Trocknungsverhalten von Fußbodenaufbauten und angrenzenden Wänden sowie von Deckenaufbauten mit natürlicher und mechanischer Trocknung nach einem Wasserschaden. Stuttgart, 28.02.2017, Wände 2 und 5 und Zusammenfassung. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
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