Wasser tropft aus der Decke: was jetzt zu tun ist
Die Antwort in Kürze
Schalten Sie zuerst die Sicherung für den betroffenen Raum ab und fassen Sie keine nasse Leuchte an. Stellen Sie Eimer unter, räumen Sie den Bereich frei und fotografieren Sie alles. Klingeln Sie beim Nachbarn über Ihnen, auch nachts. Als Mieter zeigen Sie den Schaden außerdem unverzüglich dem Vermieter an, sonst haften Sie für Folgeschäden, die dadurch entstehen.[1]
Strom aus, Lampe nicht anfassen
Wasser, das durch eine Geschossdecke sickert, kann an Leuchten, Deckendosen oder Rauchmeldern heraustreten, weil die Decke dort Öffnungen hat. Schalten Sie deshalb die Sicherung für den Raum ab, bevor Sie darunter etwas wegräumen. Tropft es am Sicherungskasten oder steht er im Wasser, geht niemand mehr in diesen Raum. Rufen Sie dann die Feuerwehr oder Ihren örtlichen Netzbetreiber. Eine tropfende Leuchte wird weder abgeschraubt noch abgewischt. Hängt die Decke durch oder bilden sich Beulen im Putz, verlässt jeder sofort den Raum darunter, denn durchweichter Putz und nasse Deckenplatten können herabfallen.
Sicherungen und Schutzschalter, die selbst nass geworden sind, gehören ausgetauscht.[2] Vor dem Wiedereinschalten prüft eine Elektrofachkraft die Leitungen, unter anderem mit einer Messung des Isolationswiderstands.[2] Bis dahin bleiben Licht und Steckdosen in diesem Raum aus, eine Taschenlampe reicht.
Wen Sie sofort informieren
Als Mieter müssen Sie einen Mangel, der sich während der Mietzeit zeigt, dem Vermieter unverzüglich anzeigen. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn eine Maßnahme zum Schutz der Wohnung gegen eine unvorhergesehene Gefahr nötig wird.[1] Unterbleibt die Anzeige, muss der Mieter den daraus entstehenden Schaden ersetzen und verliert, soweit der Vermieter deshalb nicht abhelfen konnte, das Recht zur Mietminderung, den Anspruch auf Schadensersatz nach § 536a Absatz 1 und das Recht, ohne Frist zur Abhilfe zu kündigen.[1]
In einer Eigentumswohnung informieren Sie die Hausverwaltung, weil Decken und gemeinsame Steigleitungen zum gemeinschaftlichen Eigentum gehören. Notieren Sie, wann Sie wen erreicht haben, und lassen Sie sich bei der Versicherung eine Schadennummer geben.
Beschreiben Sie bei der Meldung, seit wann es tropft, an welcher Stelle und wie stark, und schicken Sie die ersten Fotos gleich mit. Das erspart Rückfragen, und wer zur Ortung kommt, weiß vorher, ob er eine Leiter, eine Kamera für Hohlräume oder Messgeräte für die Decke braucht.
Woher das Wasser kommt und wer zahlt
Wer zahlt, entscheidet die Ursache. Platzt ein Wasserrohr, ersetzt die Wohngebäudeversicherung die Schäden am Gebäude einschließlich der Trocknung, Ihre eigenen Möbel, Teppiche und Geräte ersetzt die Hausratversicherung. Hat jemand den Schaden schuldhaft verursacht, kommt seine Haftpflichtversicherung für Schäden an fremdem Eigentum auf.[3]
Verbindlich ist der jeweilige Vertrag.
Wenn oben niemand öffnet
Klingeln Sie bei der Wohnung darüber, nachts genauso wie am Sonntag, denn jede Stunde mit laufendem Wasser vergrößert die nasse Fläche. Öffnet niemand, gehen Sie der Reihe nach vor: Hausverwaltung, Hausmeister, Nachbarn mit einer Telefonnummer der Bewohner. Lässt sich der Steigstrang im Keller sperren, weiß die Verwaltung, welche Wohnungen daran hängen.
Läuft das Wasser sichtbar weiter und ist die Wohnung nicht erreichbar, rufen Sie die Feuerwehr. Eine fremde Wohnungstür öffnen Sie nicht auf eigene Faust.
Was Sie tun und was Sie lassen
- Eimer unterstellen, Handtücher auslegen, Möbel und Teppiche aus dem Tropfbereich räumen
- Elektrogeräte aus dem Bereich nehmen, solange sie trocken sind und die Sicherung aus ist
- den Fleck fotografieren, am ersten Tag und am nächsten noch einmal, damit sein Wachstum zu sehen ist
- beschädigte Dinge aufbewahren, bis die Versicherung sie gesehen oder freigegeben hat
Lassen sollten Sie es, die Decke aufzustechen, um das Wasser abzulassen. Aus einem Fleck wird so ein Loch, und die Spur, an der sich der Weg des Wassers ablesen lässt, ist zerstört. Ebenso wenig hilft es, den Raum kräftig zu heizen und abzuwarten, denn die Feuchte steckt in der Decke und muss gemessen werden.
Wenn es eine Holzbalkendecke ist
In Altbauten kann zwischen den Deckenbalken eine Füllung aus Schlacke oder Lehm liegen. Sie nimmt viel Wasser auf und verteilt es, bevor unten der erste Tropfen ankommt, und die Leckstelle muss nicht über dem Fleck liegen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat zwei solcher historischen Decken nach einem künstlich erzeugten Wasserschaden untersucht: Ohne Technik trockneten sie nicht.[4]
Mit Strahlungsheizungen von unten und Luftströmen von oben, kombiniert mit Adsorptionstrocknern, gelang die Trocknung bei beiden Füllungen. Für die Lehmfüllung waren an der Deckenunterseite jedoch Temperaturen bis 100 °C nötig, mit geringeren Temperaturen dauerte es deutlich länger.[4] Ob eine solche Trocknung praktikabel ist, muss nach dem Bericht im Einzelfall geprüft werden.[4] Vor jeder Trocknung steht deshalb ein Blick in die Decke, über eine kleine Bohrung mit der Kamera, und erst danach fällt die Entscheidung, ob getrocknet oder geöffnet wird. Besonders beachtet werden die Balkenköpfe, die im Mauerwerk aufliegen.
Wann es ein Notfall ist
- das Wasser läuft sichtbar und hört nicht auf
- im Bereich des Sicherungskastens steht Wasser
- die Decke wölbt sich durch oder Putz löst sich in Platten
- betroffen sind ein Treppenhaus, ein Fluchtweg oder Räume mit Technik
In allen anderen Fällen genügt es, das Wasser abzustellen, den Bereich zu sichern und am Morgen einen Fachbetrieb zu rufen. Feuchte Materialien sollten möglichst schnell getrocknet und die Ursache der Feuchte geklärt und abgestellt werden, damit kein Schimmel wächst.[5]
Häufige Fragen
Der Nachbar über mir sagt, bei ihm ist alles trocken. Was nun?
Das kann stimmen und die Ursache trotzdem bei ihm liegen. Wasser aus einer Leitung im Fußbodenaufbau läuft unter dem Estrich weiter und zeigt sich oben nicht. Bestehen Sie auf einer Messung, ein Blick in den Raum klärt die Frage nicht.
Muss ich als Mieter den Handwerker selbst beauftragen?
Nein. Sie zeigen den Schaden dem Vermieter an, und der kümmert sich um die Beseitigung. Ihre Pflicht ist die unverzügliche Anzeige, auch wenn nur eine Schutzmaßnahme gegen eine unvorhergesehene Gefahr nötig ist.[1]
Kann ich abwarten, ob die Decke von allein trocknet?
Bei ein paar Tropfen aus einem übergelaufenen Waschbecken vielleicht. Wird der Fleck größer oder kommt er wieder, steckt Wasser im Bauteil. Ein Fachbetrieb misst dann die Feuchte, dokumentiert den Trocknungsverlauf und hält ihn in Messprotokollen fest.[5]
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: Bürgerliches Gesetzbuch, § 536c Während der Mietzeit auftretende Mängel; Mängelanzeige durch den Mieter. § 536c Abs. 1 und 2. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Initiative ELEKTRO+: Elektrosicherheit bei Überflutungen: Hinweise für Elektrofachkräfte. Abschnitte zu Schutzeinrichtungen und zur Prüfung vor der Wiederinbetriebnahme. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Wasserschäden: Welche Versicherung zahlt? Abschnitte zu Wohngebäude-, Hausrat- und Haftpflichtversicherung, Stand 21.01.2022. Abgerufen am 04.10.2026. ↑
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP: Ergänzung zur Presseinformation "Die Bautrocknung wissenschaftlich untersucht". 6. September 2017, S. 2 und 3 (Holzbalkendecken mit Schlacke- und Lehmfüllung). Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2↑3
- Umweltbundesamt: Häufige Fragen bei Schimmelbefall. Antworten zu Wasserschäden und zu Fachfirmen, Stand 06.10.2022. Abgerufen am 04.10.2026. ↑1↑2
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