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Fachwerkwand: Holzgerüst mit Schwelle, Ständern, Riegeln und Streben, Gefache aus Lehmstaken, Lehmsteinen und Ziegeln, Sockel mit Sperrbahn, nasses Schwellenende, Messgerät am Ständer

Fachwerkwand

Auch: Fachwerk, Riegelwand

Eine Fachwerkwand besteht aus einem tragenden Gerüst aus Holzbalken, das aus Schwelle, Ständern, Rähm, Riegeln und Streben zusammengefügt ist.[1] Die Felder dazwischen, die Gefache, sind mit Lehm auf Staken, mit Lehmsteinen oder mit Ziegeln ausgefacht und schließen die Wand.[1] Für Schäden am Holz ist nach der Interessengemeinschaft Bauernhaus Wasser in jeder Form verantwortlich, ob gasförmig oder flüssig.[2]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So ist eine Fachwerkwand aufgebaut und so leidet sie unter Wasser

Fachwerkwand, Funktionsweise: Fachwerkwand von vorn mit Schwelle, Ständern, Riegeln, Streben und Rähm, Gefache mit Lehm auf Staken, Lehmsteinen und Ziegeln, Sandsteinsockel mit Sperrbahn, nasses tropfendes Schwellenende, Sonde im Lehmgefach und Holzfeuchtemessgerät mit Elektroden am Ständer

Schematische Darstellung einer Fachwerkwand von vorn mit Schwelle, Ständern, Riegeln, Streben und Rähm, drei verschieden gefüllten Gefachen, Sandsteinsockel mit Sperrbahn, nassem Schwellenende und Messgerät am Ständer. Die Nummern folgen dem Weg vom Gerüst bis zur Messung nach einem Schaden.

  1. Schwelle, Ständer, Riegel, Rähm: Das tragende Gerüst besteht aus der Schwelle als unterstem Holz, Eck-, Bund- und Zwischenständern, Brust-, Kopf- und Spannriegeln, Kopf- und Fußstreben und dem Rähm oben. Die Ständer leiten ihre Kräfte quer zur Faser in die Schwelle ein, schon kleine Schäden an diesen Verbindungen führen zu Setzungen am ganzen Haus.
  2. Gefach: Lehm auf Staken: Die klassische Ausfachung ist der Lehmwickel auf Staken: Zwischen die Hölzer wurden Staken von 3 bis 4 Zentimetern Durchmesser im Abstand von etwa 10 Zentimetern geklemmt, darum in Lehm getauchte Strohzöpfe geflochten und mit Lehmmörtel beworfen, bis etwa 15 Zentimeter Dicke erreicht waren.
  3. Oder Lehmsteine und Ziegel: Gelegentlich wurden Gefache mit Ziegeln oder Holz geschlossen, die Steine mit Leisten gegen das Herausrutschen gesichert. Wo Gefache heute erneuert werden, verlangt die Denkmalpflege kleinformatige Vollsteine, am besten Lehmsteine, vermauert mit kapillar leitfähigem Mörtel.
  4. Sperrbahn unter der Schwelle: Der Sockel unter der Schwelle muss nach außen diffusionsoffen bleiben, ohne dichte Anstriche, Zementputz oder Fliesen. Die Sperrbahn gegen aufsteigende Feuchte gehört eine Steinreihe unter die Schwelle und deutlich hinter deren Außenkante, Wasser zwischen Schwelle und Bahn führt sonst zur Fäulnis.
  5. Nasse Schwelle: Holz fault: Für Schäden am Holz ist Wasser in jeder Form verantwortlich, ob gasförmig oder flüssig. Besonders gefährdet sind Schwelle, Balkenköpfe und Anschlüsse, weil dort Wasser stehen bleibt.
  6. Holz und Gefach extra messen: Läuft Leitungswasser in eine Fachwerkwand, trifft es Holz, Lehm und Mörtel zugleich, und jeder Baustoff trocknet anders. Die Holzfeuchte der Balken wird darum getrennt von der Feuchte der Gefache bestimmt, getrocknet wird langsam, damit Lehm nicht reißt und Holz sich nicht verzieht.

Wie eine Fachwerkwand aufgebaut ist

Beim Fachwerkbau werden Balken nach dem Informationszentrum Umgebindehaus der Hochschule Zittau/Görlitz konstruktiv sinnvoll zu einer Wand verbunden. Geschlossen wird das Fachwerk mit einer Ausfachung aus Lehm oder Ziegeln, die die Wand abschließt und wärmedämmend wirkt.[1] Zu den Hölzern gehören Schwelle und Rähm, Eck-, Bund- und Zwischenständer, Brust-, Kopf- und Spannriegel sowie Kopf- und Fußstreben.[1]

Zwei Bauweisen werden unterschieden. Bei der Geschossbauweise laufen die Ständer bis zum Dach durch, die Hölzer von Erd- und Obergeschoss bilden eine Einheit.[1] Bei der jüngeren Stockwerksbauweise ist die Konstruktion des Obergeschosses klar von der des Untergeschosses getrennt.[1] Zwischen beiden gibt es Misch- und Übergangsformen.[1]

Die Schwelle ist das unterste Holz und trägt sämtliche Aufbauten. Die Ständer leiten ihre Kräfte vor allem quer zur Faser in die Schwelle ein, Streben und Fußbänder zusätzlich längs zur Faser, schon kleine Schäden an solchen Verbindungen führen nach der Interessengemeinschaft Bauernhaus zu Setzungen und Verformungen am ganzen Haus.[2]

Gefache: Lehmstaken, Lehmsteine und Ziegel

Die klassische Ausfachung ist der Lehmwickel auf Staken. Zwischen die Fachwerkhölzer wurden Staken von 3 bis 4 Zentimetern Durchmesser in Löcher oder Nuten geklemmt, im Abstand von etwa 10 Zentimetern.[1] Um sie wurden in Lehm getauchte Strohzöpfe geflochten, darauf folgte ein Bewurf aus Lehmmörtel mit Häcksel, bis eine Dicke von etwa 15 Zentimetern erreicht war, manchmal noch ein Kalkmörtelbewurf.[1] Wird Fachwerk nach einem Wasserschaden länger durchnässt, weicht der Lehm der Gefache auf und kann sich von den Staken lösen.

Gelegentlich wurden Gefache auch mit Ziegeln oder Holz geschlossen. Damit die Ausfachung nicht aus dem Fachwerk rutscht, nagelte man Leisten an die Hölzer, die äußeren Ziegel wurden genutet und mit den Leisten verkeilt.[1] Wo Gefache heute erneuert werden müssen, verlangt das Landesamt für Denkmalpflege Hessen kleinformatige Vollsteine, am besten Lehmsteine, möglich sind auch Schwemmsteine oder Vollziegel.[3]

Der Anschluss neuer Steine an die Balken erfolgt nach den Hinweisen mit einer Dreikantleiste oder einer trapezförmigen Leiste und eingekerbtem Stein, vermauert wird mit einem mineralischen, elastischen und ausreichend kapillar leitfähigen Mörtel.[3] Vorhandene Lehmgefache sollen bleiben und bei kleinen Schäden mit gleichem Material ausgebessert werden.[3]

Woher die Feuchte in einer Fachwerkwand kommt

Besonders gefährdet ist Sichtfachwerk, bei dem das Holz außen offen liegt und bewittert wird, die Fugen zwischen Gefach und Holz sind dort offen.[2] Ist zusätzlich das Dach nach dem Sturm undicht, läuft Regenwasser oft unbemerkt hinter die Gefache und in die Schwelle. Die Interessengemeinschaft Bauernhaus nennt als typische Ursachen für eine geschädigte Schwelle:[2]

  • ein Fundament aus kapillaraktivem Gestein, das Bodenfeuchte bis ans Holz leitet
  • Spritzwasser von einem harten Belag oder einem vorstehenden Sockel
  • Regenwasser, das an der Fassade abläuft und an der Fuge zwischen Ausfachung und Schwelle eindringt
  • eine falsch eingebaute Mauersperrbahn, die Wasser sammelt und unter die Schwelle leitet
  • ein Gelände, das im Lauf der Zeit angehoben wurde, sodass die Schwelle im Spritzwasser oder gar am Erdreich liegt
  • Mörtelaufkantungen, Dichtstoffe, dichte Anstriche oder Bleche, die Wasser eindringen, aber nicht wieder austrocknen lassen

Insekten und Pilze finden nur in Holz mit ausreichendem Feuchtegehalt einen Lebensraum.[2] Selbst Eichenschwellen können innen und an den Flanken stark geschädigt sein, während die Außenseite noch intakt wirkt. Eine Erklärung ist nach dem Beitrag, dass die Außenseite abtrocknen kann, während die übrigen Flächen in feuchter Umgebung gefangen sind.[2] Eine Wasserschadensanierung erreicht solche eingeschlossenen Bereiche nur langsam und wird darum mit Messungen im Holz begleitet.

Holzschutz an der Fachwerkwand

Die Hölzer von Fachwerkfassaden zählen nach einem im Beitrag zitierten Johannesberger Arbeitsblatt im Sinne von DIN 68800 Teil 3 zu den Außenbauteilen mit Wetterbeanspruchung.[2] Vorbeugender chemischer Holzschutz ist danach nicht nötig, wenn splintfreie Farbkernhölzer der Resistenzklassen 1 oder 2 verwendet werden, etwa Stiel- oder Traubeneiche.[2] Maßgebend für den baulichen Holzschutz ist eine Holzfeuchte von höchstens 20 Masseprozent nach DIN 68800-2.[2]

Für den Oberflächenschutz der Hölzer verlangt das Landesamt für Denkmalpflege Hessen diffusionsfähige Lasuren oder Anstriche, etwa auf Leinölgrundlage, mit einem sd-Wert von höchstens 0,5 m.[3] Absperrende Kitt- und Spachtelmassen zum Schließen von Rissen sind nicht zulässig, wasserführende Risse werden mit artgleichem, abgelagertem Holz geschlossen.[3] Vermorschte Teile werden bis auf das gesunde Holz entfernt und durch gleichartiges, abgelagertes Holz ersetzt, Vorsatzbohlen sollen möglichst vermieden werden und, wenn doch, mindestens 6, besser 8 Zentimeter dick sein.[3]

Werden Gefache nicht mit Lehm verputzt, soll ein kapillaroffener, elastischer, mineralischer Putz mit einem mineralischen Anstrich folgen, der die kapillare Wasserabgabe nicht behindert.[3] Einen Sandsteinsockel befreit man von absperrenden Materialien und verfugt ihn mit Kalkmörtel, eine Hydrophobierung des Sockels empfiehlt das Landesamt nicht.[3]

Sockel und Schwelle richtig ausbilden

Der Sockel unter einer Schwelle muss nach außen diffusionsoffen bleiben, ohne dichte Anstriche, Zementputz oder Fliesen, sonst steigt Feuchte im Mauerwerk kapillar höher.[2] Seine Außenkante soll nicht vor die Schwelle vorstehen, im Idealfall steht sie 0,5 bis 1 Zentimeter zurück.[2] Die Sperrbahn gegen aufsteigende Feuchte gehört eine Steinreihe unter die Schwelle und deutlich hinter deren Außenkante, Wasser zwischen Schwelle und Sperrbahn führt sonst zur Fäulnis.[2]

Bei Baudenkmalen werden größere Eingriffe vorab mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt, das Landesamt für Denkmalpflege Hessen verlangt dafür Schadenspläne mit Reparaturdetails.[3] Für die Ausfachung von Sichtfachwerk hat die WTA ein eigenes Merkblatt veröffentlicht, das Merkblatt 8-3 in der Ausgabe 05.2022, eingebettet in eine Reihe von Merkblättern zu Bauphysik, Innendämmung, Beschichtungen, Wärme-, Schall- und Brandschutz von Fachwerkgebäuden.[4]

Nach dem Merkblatt können erhaltensfähige Ausfachungen in der Wand bleiben. Ob sie nicht zu erhalten sind, darf bei Denkmalen nicht ohne die Denkmalschutzbehörden entschieden werden, und problematisch ist in jedem Fall ein Fachwerk, das innen wie außen sichtbar ist.[4]

Leitungswasser im Fachwerk: Holz und Gefach getrennt beurteilen

Läuft Leitungswasser in eine Fachwerkwand, trifft es Holz, Lehm und Mörtel zugleich, und jeder dieser Baustoffe trocknet anders. Bei der Feuchtigkeitsmessung bestimmen wir deshalb die Holzfeuchte der Balken getrennt von der Feuchte der Gefache und vergleichen mit trockenen Bereichen derselben Wand. Besonders genau prüfen wir Schwelle, Balkenköpfe und Anschlüsse, weil dort Wasser stehen bleibt.

Getrocknet wird langsam und mit kontrollierter Luftfeuchte, damit Lehm nicht reißt und Holz nicht verzieht. Dichte Beläge, Folien oder Sperrputze, die eine Rücktrocknung verhindern, entfernen wir, bevor die Geräte laufen. Wir beobachten den Verlauf, bis das Holz wieder im trockenen Bereich liegt und die Gefache die Werte der unbeschädigten Wandteile erreichen.

Zeigen sich Fäulnis, Pilzbefall oder Fraßgänge, ziehen wir eine Fachkraft für Holzschutz oder einen Zimmerer hinzu. Bei einem Baudenkmal stimmen wir Reparaturen mit dem Eigentümer und der Denkmalschutzbehörde ab, und wir verwenden für Ausbesserungen dieselben Baustoffe, aus denen die Wand besteht.

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Belege

Quellen

  1. Hochschule Zittau/Görlitz, Informationszentrum Umgebindehaus: Fachwerk (Virtuelles Umgebindehaus, Konstruktion). Abschnitte Geschossbauweise, Stockwerksbauweise, Ausfachung und Wetterschutz. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  2. Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. (IgB): Ständig unter Druck: die Fachwerk-Schwelle (Toralf Milde, Der Holznagel 1/2026). Der Holznagel 1/2026, S. 52 bis 54. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
  3. Landesamt für Denkmalpflege Hessen: Technische Hinweise zur Fachwerk-Fassaden-Instandsetzung. Merkblatt, veröffentlicht von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Rheingau-Taunus-Kreises, eine Seite. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
  4. Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA): Merkblatt 8-3: Fachwerkinstandsetzung nach WTA III, Ausfachungen von Sichtfachwerk (Kurzfassung). Ausgabe 05.2022/D, Erläuterungen, Inhaltsverzeichnis und Kurzfassung, S. 1 und 2. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
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