Luftkeimsammlung
Auch: Luftkeimmessung
Die Luftkeimsammlung ist ein Messverfahren, bei dem eine festgelegte Luftmenge durch einen Filter oder auf einen Nährboden gesaugt wird, um die keimfähigen Schimmelpilze eines Raums zu erfassen.[1] Nach dem Anzüchten werden die Kolonien gezählt, als koloniebildende Einheiten je Kubikmeter angegeben und mit der Außenluft verglichen.[1] Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme, die zeigt, ob eine Schimmelquelle im Raum wahrscheinlich ist.[1]
So läuft eine Luftkeimsammlung ab
Schematische Darstellung eines Wohnraums mit Luftkeimsammler auf dem Stativ und Pumpe am Boden, draußen vor dem gekippten Fenster ein zweiter Sammler für die Außenluft, rechts ein Regal mit frischen und bewachsenen Nährböden, am Boden eine offene Schale ohne Pumpe. Die Nummern folgen der Luft von der Pumpe über den Nährboden bis zur Auswertung und zeigen, was den Vergleich mit der Außenluft nötig macht.
- Pumpe saugt ein festes Luftvolumen: Eine Pumpe zieht eine genau festgelegte Luftmenge durch den Sammelkopf. Nur mit bekanntem Volumen lässt sich die Zahl der Kolonien später auf den Kubikmeter Raumluft umrechnen.
- Impaktion: Luft trifft auf den Nährboden: Im Sammelkopf prallt die Luft durch einen Schlitz direkt auf eine Nährbodenplatte, die Sporen bleiben darauf haften. Beim anderen Verfahren, der Filtration, fängt ein Filter die Sporen, der im Labor weiterverarbeitet wird.
- Außenluftprobe zum Vergleich: Zeitgleich läuft draußen ein zweiter Sammler. Ohne diese Referenz ist ein Innenwert nicht zu deuten, denn im Sommer ist die Außenluft reich an Sporen, im Winter bei Schnee fast leer.
- Zwei Nährböden: DG18 und Malzextrakt: Im Labor wachsen die Sporen auf zwei verschiedenen Nährböden an, weil nicht jede Art auf jedem Medium gedeiht. Manche Feuchteindikatoren lassen sich generell schlecht kultivieren, und gestresste Sporen keimen schlechter.
- Kolonien zählen: KBE je Kubikmeter: Nach dem Bebrüten werden die Kolonien gezählt und nach Gattung oder Art bestimmt, angegeben als koloniebildende Einheiten je Kubikmeter. Erst ab zehn Kolonien auf einer Platte gilt die Zahl als statistisch belastbar, und Feuchteindikatoren unter den Arten sind ein Hinweis auf einen Schaden.
- Sporen von außen kommen herein: Mit jeder Lüftung kommen Sporen aus der Außenluft in den Raum, und ohne eigene Quelle gleicht die Innenluft der Außenluft. Liegt der Innenwert deutlich höher oder weicht das Artenspektrum deutlich ab, ist eine Quelle im Raum zu vermuten.
- Offene Schale ohne Pumpe: nicht brauchbar: Testsets, bei denen eine offene Petrischale eine Zeit lang im Raum steht, sammeln nur, was zufällig absinkt. Solche Sedimentationsmessungen liefern keine reproduzierbaren Ergebnisse und ersetzen keine Luftkeimsammlung.
So läuft eine Luftkeimsammlung ab
Für die Probe saugt eine Pumpe ein definiertes Luftvolumen an.[1] Bei der Filtration nach DIN ISO 16000-16 bleiben die Sporen auf einem Filter zurück, bei der Impaktion nach DIN ISO 16000-18 prallen sie unmittelbar auf ein Nährmedium.[1]
Im Labor werden die gesammelten Sporen nach DIN ISO 16000-17 auf zwei unterschiedlichen Nährböden angezüchtet, DG18-Agar und Malzextraktagar.[1] Die angewachsenen Kolonien werden gezählt und nach Gattung oder Art bestimmt, und gerade diese Bestimmung liefert zusätzliche Hinweise auf Feuchteschäden, wenn Feuchteindikatoren darunter sind.[1]
Das Umweltbundesamt bezeichnet die Messung kultivierbarer Schimmelpilze in der Innenraumluft als die am weitesten verbreitete Methode, um Schimmelbefall in Gebäuden zu erfassen.[1] Weil Konzentrationen zeitlich und räumlich schwanken, hält der Leitfaden Parallelmessungen für notwendig.[1] Bei verdeckten Schäden kann die Messung trotz umfangreichen Befalls nur unauffällige Werte zeigen.[1]
Testsets aus dem Versandhandel, bei denen offene Petrischalen eine Zeit lang im Raum stehen, ersetzen keine Luftkeimsammlung: Solche Sedimentationsmessungen liefern nach dem Leitfaden keine reproduzierbaren Ergebnisse und werden nicht empfohlen.[1] Wer nach einem Leck einen feuchten Fleck an der Wand bemerkt, braucht zuerst eine Messung im Bauteil und keine Schale im Raum.
Normen der Reihe DIN ISO 16000
Probenahme und Nachweis von Schimmelpilzen im Innenraum sind in mehreren Teilen der Normenreihe DIN ISO 16000 standardisiert, die der Leitfaden des Umweltbundesamts einzeln aufzählt.[1]
Ausgabejahre nach der Aufstellung im Leitfaden des Umweltbundesamts.[1]
In seiner Übersicht zählt der Leitfaden die Luftmessung nach DIN ISO 16000-16 bis -18 zu den anerkannten Regeln der Technik, also zu Verfahren, die in der Fachwelt als verbindlich akzeptiert sind und von der Mehrheit der Fachleute angewendet werden.[1] Messungen flüchtiger mikrobieller Stoffwechselprodukte und die Direktmikroskopie mit Klebefilmpräparaten ordnet er dem Stand der Technik zu, also Verfahren, die verbreitet sind, aber noch nicht als weitgehend akzeptiert gelten.[1]
Der Vergleich mit der Außenluft
Schimmelpilzsporen gelangen mit der Außenluft in die Gebäude, und ohne zusätzliche Quelle im Raum prägen die Arten der Außenluft auch die Innenluft.[2] Erst der Vergleich des Artenspektrums einer Innenraumprobe mit einer Außenluftprobe lässt auf eine weitere Quelle schließen, und die Kommission am Robert Koch-Institut sieht bei Raumluftmessungen immer eine Außenluftkontrolle vor.[2]
Eine Schimmelquelle im Innenraum ist nach dem Umweltbundesamt zu vermuten, wenn die Konzentration innen deutlich über der Außenluft liegt oder sich die Zusammensetzung der Arten deutlich unterscheidet.[1] Statt der Außenluft kann ein Raum desselben Gebäudes ohne Befall als Referenz dienen, vor allem dort, wo eine Lüftungsanlage die Außenluft als Bezug ungeeignet macht.[1] Nach einer Sanierung dient dieselbe Methode der Freimessung, die zeigt, ob die Raumluft wieder dem Hintergrund entspricht.
Ob die Bestimmung bis auf die Art gehen muss, ist nach der Kommission im Einzelfall zu entscheiden.[2] Die Jahreszeit spielt ebenfalls mit: Im Oktober und November kann die Sporenkonzentration der Außenluft bei kalter, feuchter Witterung in kurzer Zeit stark sinken, und zuvor abgesetzte Sporen aus der Außenluft, die im Raum aufgewirbelt werden, können dann eine Belastung der Innenluft vortäuschen.[1]
Im Sommerhalbjahr erschweren hohe Schimmelpilzkonzentrationen in der Außenluft den Nachweis eines Befalls im Innenraum, im Winter, vor allem bei Schneelage, sind die Außenwerte zeitweise extrem niedrig.[1] Auch Biotonnen oder Kompost in der Nähe können die Außenluft anreichern, ein rein zahlenmäßiger Vergleich führt dann leicht zu Fehlinterpretationen, und der Leitfaden nennt für Jahreszeit und Wohngegend typische Erfahrungswerte der Außenluft als Hilfe.[1]
Differenzen zwischen innen und außen bewerten
Für die Auswertung kultivierbarer Schimmelpilze gibt der Leitfaden eine Bewertungshilfe vor, die Unterschiede zwischen Innenraum- und Außenluft in koloniebildenden Einheiten je Kubikmeter einordnet.[1] Die Angaben gelten für Proben, die unter Nutzung oder ähnlichen Bedingungen in normalen Wohnräumen ohne Staubaufwirbelung genommen wurden.[1]
Werte als Differenz der Innenraumluft zur Außenluft, KBE: koloniebildende Einheiten.[1]
Die fünf Zeilen gelten im Leitfaden nur zusammen, eine umfassende Auswertung betrachtet sie gemeinsam.[1] Ihre Anwendung setzt hohen Sachverstand voraus, weil ungewöhnlich belastete Außenluftproben die Deutung ebenso erschweren können wie aufgewirbelte Sporen im Raum.[1]
Grenzen setzt auch die Statistik: Wer 100 Liter Luft beprobt, kann Konzentrationen unter 100 KBE je Kubikmeter nach dem Leitfaden nicht ausreichend genau nachweisen, bei 200 Litern gilt das unterhalb von 50 KBE je Kubikmeter.[1] Statistisch abgesichert ist eine quantitative Auswertung erst ab 10 Kolonien auf einer Platte.[1]
Grenzen der Luftkeimsammlung
Nicht jede gesammelte Spore wächst auf dem Nährboden an. Die Probenahme setzt Sporen unter Stress und mindert ihre Keimfähigkeit, und einige Pilzarten, darunter typische Feuchteindikatoren, lassen sich generell schlecht kultivieren.[1] Besonders schlecht wachsen Sporen an, die zuvor längeres Austrocknen überstehen mussten, und je nach Zusammensetzung der Pilze im Raum weist die Kultur deutlich weniger Schimmelpilze nach, als tatsächlich vorhanden sind.[1]
Der Leitfaden warnt ausdrücklich, dass Luftkeimsammlungen trotz ausgedehnter Schimmelschäden keinen Hinweis auf eine Quelle im Innenraum geben können.[1] Messwerte aus der Luft für sich allein zu betrachten, kann zu einer falschen Beurteilung führen, sie gehören immer mit den Befunden der Ortsbegehung zusammen.[1]
Ergänzen lässt sich die Luftkeimsammlung durch die Bestimmung der Gesamtsporenzahl, die auch nicht anzüchtbare Sporen erfasst.[1] Eine Unterscheidung lebender und abgestorbener Mikroorganismen ist mit ihr allerdings nicht möglich, und Gattungen und Arten lassen sich nur sehr eingeschränkt bestimmen.[1]
Was eine Schimmelmessung über die Gesundheit sagt
Eine quantitative Erfassung der Schimmelexposition, aus der sich das gesundheitliche Risiko eines einzelnen Menschen ablesen ließe, ist mit Schimmelpilzmessungen nach dem Umweltbundesamt nicht möglich.[1] Die Kommission am Robert Koch-Institut hält bestenfalls eine grobe Einordnung der Belastung als hoch, nicht zu vernachlässigen oder bedeutungslos für möglich, und auch dabei zählt die Empfindlichkeit der Betroffenen.[2]
Die medizinische Leitlinie sieht für Schimmelpilzmessungen im Innenraum aus ärztlicher Sicht nur selten einen Anlass.[3] Wichtiger sind ihr die Aufklärung der Ursache und die Beseitigung von Befall und Ursache, und auch Messungen von MVOC oder Mykotoxinen braucht die ärztliche Diagnostik nach ihr nicht.[3]
Luftkeimsammlung nach einer Sanierung
Nach einer erfolgreichen Sanierung soll die Schimmelpilzkonzentration nach der Empfehlung des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg im Bereich der allgemeinen Hintergrundkonzentration liegen, eine schimmelpilzfreie Raumluft gibt es nicht.[4] Die Erfolgskontrolle umfasst dort mindestens eine optische Prüfung, ob der Befall vollständig beseitigt ist.[4]
Kontrollmessungen sind nach derselben Empfehlung schon während der Arbeiten sinnvoll, um zu prüfen, ob die Ursache beseitigt, der Befall vollständig entfernt und der Umgebungsschutz ausreichend ausgeführt wurde.[4] Ob solche Messungen nötig sind und wie viele Proben genommen werden, hängt von Art und Größe des Schadens ab und sollte von einem Sachverständigen festgelegt werden.[4]
Wir setzen die Luftkeimsammlung gezielt ein, etwa wenn Geruch oder Beschwerden auf einen verdeckten Befall hindeuten und Ortsbegehung und Feuchtemessung keine Erklärung liefern, und nach einer Sanierung im Rahmen der Freimessung. Ein Messwert aus der Luft ersetzt bei uns die Feuchtemessung an den Bauteilen nicht, beide gehören zusammen.
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Belege
Quellen
- Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Stand 2024, Kapitel 5.1.2 mit Infobox 12 (S. 94 bis 96), Kapitel 5.1.2.3 (S. 100 bis 103), Kapitel 5.1.2.5 (S. 105) und Kapitel 5.2 mit Tabelle 9 (S. 116 bis 118). Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22↑23↑24↑25↑26↑27↑28↑29↑30↑31↑32↑33↑34
- Robert Koch-Institut (RKI), Bundesgesundheitsblatt: Schimmelpilzbelastung in Innenräumen: Befunderhebung, gesundheitliche Bewertung und Maßnahmen. Mitteilung der Kommission Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin. Bundesgesundheitsblatt 10/2007, Abschnitte 2.3 Expositionspfade und 5.2 Empfehlungen zur Ermittlung der qualitativen Exposition. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S2k-Leitlinie Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen, Update 2023, Langfassung. Register-Nr. 161/001, Empfehlungen 2 bis 5. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart: Maßnahmen zur Erfolgskontrolle einer fachgerechten Schimmelpilzsanierung. Abschnitte zur Sanierungserfolgskontrolle und zu Kontrollmessungen, S. 2 und 3. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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