Raufasertapete
Auch: Raufaser, Rauhfasertapete
Eine Raufasertapete ist eine überstreichbare Papiertapete aus mehreren Papierlagen, größtenteils aus Altpapier, deren körnige Oberfläche durch eingebettete Holzspäne, Holzfasern oder Holzmehl entsteht.[1][2] Sie ist wasserdampfdurchlässig, lässt sich mehrfach überstreichen und gilt deshalb als langlebig, verliert ihre Dampfdurchlässigkeit aber unter Kunstharzdispersionsfarbe.[1][2]
So löst sich Raufaser, wenn Wasser den Kleister aufweicht
Schematische Darstellung: Zimmer nach einem Leitungsschaden, eine Bahn hängt gelöst herab, daneben ist die nasse Raufaser abgenommen, die Lupe sitzt auf der Kante der gelösten Bahn. Die Nummern führen von Papier und Kleister über das Ablösen bis zur Steckdose an der Tür.
- Altpapierlagen mit Holzspänen: Raufaser ist eine Papiertapete aus mehreren Lagen, die meist aus Altpapier gewonnen werden, dazwischen sorgen Holzspäne, Holzfasern oder Holzmehl für die körnige Oberfläche. Mit dem Blauen Engel muss der Papieranteil ganz aus Altpapier stammen und das Holz für die Späne aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.
- Kleister weicht auf, Bahn löst sich: Geklebt wird mit Tapetenkleister aus Methylcellulose. Dringt Wasser hinter die Tapete, etwa aus einer undichten Leitung, weicht dieser Kleister auf, verliert seinen Halt, und die Raufaser kommt in ganzen Bahnen vom Putz. Kleister und Papier zählen zu den Stoffen, die Schimmel besonders leicht besiedelt.
- Beim Ablösen anfeuchten: Durchnässte Raufaser nehmen wir im ganzen betroffenen Bereich ab und feuchten sie dabei an. Kommt darunter Schimmel zum Vorschein, behandeln wir ihn nach den Regeln der Schimmelsanierung, bevor wir trocknen.
- Abnehmen, damit die Wand trocknet: Solange die nasse Tapete auf der Wand bleibt, hält sie die Feuchte im Putz. Ist sie ab, prüfen wir mit Messungen, wie nass Putz und Mauerwerk sind, und die Wand kann frei abtrocknen. Für den Anstrich danach eignet sich eine mineralische Farbe, unter Kunstharzdispersion verliert Raufaser ihre Dampfdurchlässigkeit.
- Schalter trennt die Steckdose nicht: Wer nasse Bahnen abnimmt, arbeitet dicht an Schaltern, Steckdosen und Leitungen im Putz. Vorher schalten wir die Sicherungen des Raums aus, denn ein ausgeschalteter Lichtschalter lässt den Steckdosenkreis unter Spannung. Ist der Sicherungskasten selbst nass, wartet man draußen auf Feuerwehr oder Netzbetreiber.
Papierlagen, Altpapier und Holzspäne
Unter den Tapeten nimmt die Raufaser nach BauNetz Wissen eine Sonderstellung ein, denn sie besteht aus mehreren Papierschichten, die größtenteils aus recyceltem Material gewonnen werden, und ihre Körnung entsteht durch die Zugabe von Holzspänen.[1] Papierträger bestehen allgemein zu etwa 80 bis 90 % aus chemisch und mechanisch aufbereiteten pflanzlichen Zellulosefasern, Kunstharzzusätze sorgen für die Reißfestigkeit, und dazu kommen mineralische Füllstoffe.[1] Eingeteilt werden Tapeten nach dem Trägermaterial, Papier oder Vlies, und nach der Dekorschicht, etwa als Papiermuster-, Vinyl- oder Strukturtapete, und wiederentdeckt wurde die Tapete in den letzten Jahren nach BauNetz Wissen wegen ihrer Gestaltungsmöglichkeiten und des leicht zu verarbeitenden Vliesträgers.[1]
Die Vergabekriterien des Blauen Engels beschreiben Raufaser als Tapete, deren Oberfläche von Partikeln unterschiedlicher Feinheit aus Holzfasern, Holzspänen oder Holzmehl geprägt ist, und Wandbekleidungen allgemein als Rollen- oder Bahnenware, die an Wände oder Decken geklebt wird, Farbkontraste und Risse des Untergrunds abdeckt, überstreichbar, wasserdampfdurchlässig und emissionsarm ist.[2] Begrifflich ordnen die Kriterien die Raufaser nach DIN 6730 ein, der Norm mit den Begriffen für Papier, Pappe und Faserstoff, und kunststoffbeschichtete Tapeten sind vom Umweltzeichen ausgeschlossen.[2]
Beim Abziehen nasser Raufaser kommt man nah an Steckdosen, Schalter und Leitungen im Putz. Vorher werden die Sicherungen des Raums ausgeschaltet, denn mit dem Lichtschalter bleibt der Steckdosenkreis am Netz. Ist der Sicherungskasten nass, wartet man vor der Haustür auf Feuerwehr oder örtlichen Netzbetreiber, und steht im Keller Wasser, das weiter steigt, geht keiner hinab.
Raufaser mit dem Blauen Engel
Für den Blauen Engel DE-UZ 35 in der Ausgabe vom Juli 2024 muss der Papieranteil einer Raufasertapete zu 100 % aus Altpapier bestehen, davon mindestens die Hälfte aus den unteren oder mittleren Altpapiersorten oder aus Sondersorten der Gruppen 1, 2 oder 5.[2] Das Holz für die Späne muss aus nachweislich nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen, anerkannt sind Zertifizierungen nach FSC, PEFC und Naturland, und Hölzer aus regionalen, naturnah wirtschaftenden Forstbetrieben vermeiden zusätzlich lange Transportwege.[2]
In der Prüfkammer darf die Tapete nach 28 Tagen höchstens 100 µg/m³ flüchtige organische Verbindungen insgesamt, 50 µg/m³ schwerflüchtige Verbindungen, 10 µg/m³ Formaldehyd und 120 µg/m³ Acetaldehyd abgeben, und für krebserzeugende Stoffe gilt je Einzelwert eine Grenze von 1 µg/m³.[2] Ziel der Kriterien ist, Recyclingpapier zu fördern und technisch nicht notwendige Stoffe zu vermeiden, weil Recyclingpapier Ressourcen schont und zum Arten- und Klimaschutz beiträgt.[2]
Was bei der Herstellung ausgeschlossen ist
Bei der Papierherstellung begrenzt der Blaue Engel kritische Fabrikations- und Veredlungsstoffe, um Abwasser und Papier zu entlasten, er verbietet halogenierte Bleichmittel und biologisch schwer abbaubare Komplexbildner und stellt Anforderungen an Abwasser, Abluft, Reststoffe und Energieverbrauch.[2] Zusätzliche optische Aufheller sind nicht erlaubt, wobei ein gewisser Anteil bereits über das Altpapier hineinkommt, und Nass- oder Trockenfestmittel mit Glyoxal sind ebenfalls ausgeschlossen.[2]
Als Farbmittel dürfen weder Azofarbstoffe und Pigmente, die bestimmte Amine abspalten können, noch schwermetallhaltige Pigmente verwendet werden, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen und Flammschutzmittel sind in Papier- und Tapetenproduktion unzulässig, und dem fertigen Produkt dürfen keine Biozide zugesetzt werden.[2] Ausgeschlossen sind außerdem alle Stoffe, die auf der Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe nach REACH stehen.[2]
Kleister, Anstrich und Dampfdurchlässigkeit
Geklebt werden Papiertapeten nach BauNetz Wissen mit normalem Tapetenkleister aus Methylcellulose, Konservierungsmitteln und Fungiziden, bei schweren Dekorschichten mit einem Spezialkleister, dessen Klebkraft Kunststoffzusätze erhöhen.[1] Weicht Wasser den Kleister auf, etwa wenn aus einem undichten Bad im Obergeschoss Wasser aus der Decke tropft, löst sich die Raufaser in Bahnen vom Untergrund. Raufaser ist dampfdurchlässig, verliert diese Eigenschaft aber, wenn sie mit Kunstharzdispersionsfarbe gestrichen wird, während Lehm-, Kalk- oder Silikatfarben die Durchlässigkeit erhalten.[1] Bei Malerarbeiten nach einem Wasserschaden wird darum oft eine Farbe gewählt, die Wasserdampf durchlässt, damit die Wand weiter abtrocknen kann.
Vliestapeten aus Zellstoff- und Polyesterfasern haben die Papierträgertapeten nach BauNetz Wissen weitgehend verdrängt, weil sie sich leicht verarbeiten lassen und kaum Weichzeit brauchen, verlangen aber eine sorgfältigere Vorbereitung des Untergrunds und einen weiß pigmentierten Tapetengrund, dessen Kunststoffzusätze zusammen mit dem Spezialkleister die Dampfdurchlässigkeit des ganzen Aufbaus verringern.[1] Vinyltapeten mit einer weichgemachten PVC-Schicht sind strapazierfähig, wasser-, scheuer- und lichtbeständig, aber wenig diffusionsoffen und schlecht wärmeleitend, sodass die Wand auskühlt, und aus bedruckten Tapeten können flüchtige Stoffe austreten, die nach sechs bis acht Wochen verschwunden sein sollten.[1] Relieftapeten entstehen durch Prägen des Papierträgers oder mit PVC-Pasten als Strukturprofiltapete, die ähnliche Eigenschaften wie eine Vinyltapete hat.[1]
Raufasertapete und Schimmel
Bei Feuchteschäden besiedelt Schimmel nach dem Leitfaden des Umweltbundesamts Tapeten, Gipskarton und Papier relativ schnell, und Tapeten und Tapetenkleister zählen zu den biologisch gut verwertbaren Materialien der Substratgruppe I.[3] Schimmel wächst nach dem Leitfaden oft dort, wo man ihn nicht sieht, etwa an schlecht durchlüfteten Stellen hinter Möbeln, Sockelleisten, Verkleidungen oder Tapeten.[3]
Gut wachsen Schimmelpilze zwischen pH 3 und 9, oberhalb von pH 11 so gut wie nicht mehr, und eine Raufasertapete liegt mit einem pH-Wert um 5 mitten in diesem Bereich.[3] Der Bundesverband der Gipsindustrie nennt organische Stoffe wie Tapetenkleister ausdrücklich als mögliche Nahrung für Schimmelpilze, deren Sporen allgegenwärtig sind und die sich in feuchtwarmer Umgebung entwickeln.[4]
Befallene Tapeten sollen nach dem Leitfaden angefeuchtet und entfernt werden, eine biozide Behandlung ist bei sichtbarem Befall auf Oberflächen wie Tapete oder Putz, der sich mit einfachen Mitteln sofort entfernen lässt, nicht sinnvoll, und Materialproben aus Putz oder Tapete können zeigen, welche Arten wachsen und wie weit der Befall reicht.[3] Auch wenn sie oberflächlich trocken wirken, können durchfeuchtete Materialien unterhalb der sichtbaren Oberfläche befallen sein, etwa in den Poren von Wandputz oder Dämmstoffen oder an der Grenzschicht zwischen verschiedenen Materialien.[3]
Tapete nach Hochwasser und Überflutung
Nach einer Überflutung soll zuerst die Höhe der Durchfeuchtung anhand von Rückständen und Verfärbungen festgestellt werden, und nach dem Merkblatt der Gipsindustrie kommen Tapeten und Anstriche auf einer Höhe von 25 bis 50 cm oberhalb der Linie herunter, bis zu der das Wasser stand, je nachdem, wie stark der Untergrund kapillar saugt und wie lange das Wasser einwirkte.[4] Erst danach werden Putzflächen auf Hohlstellen abgeklopft und schadhafte Bereiche entfernt.[4]
Bei der Erfolgskontrolle einer Sanierung gehört nach dem Leitfaden des Umweltbundesamts auch die Frage dazu, ob die Tapete etwa von der Außenwand vollständig entfernt wurde, und zeigt sich beim Rückbau ein größerer Schaden als vereinbart, ist der Auftrag entsprechend zu erweitern.[3]
Nasse Raufaser nach einem Leitungsschaden
Nach einem Leitungsschaden nehmen wir durchnässte Raufaser im betroffenen Bereich ab, feuchten sie dabei an und messen die Feuchte in Putz und Mauerwerk dahinter, damit die Wand ungehindert trocknen kann. Zeigt sich unter der Tapete Befall, wird er nach den Regeln für die Schimmelsanierung behandelt, bevor die Trocknung beginnt. Welche Flächen abgenommen wurden, dokumentieren wir in Bildern, und alte Kleisterreste waschen wir vor dem Neutapezieren ab, damit die neue Raufaser auf einem sauberen, tragfähigen Untergrund klebt.
Neu tapeziert wird erst, wenn die Wand trocken ist und der Untergrund fest und eben ist, und beim Anstrich stimmen wir mit dem Eigentümer ab, ob die Wand diffusionsoffen bleiben soll, etwa mit einer mineralischen Farbe statt Kunstharzdispersion.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Tapeten. Fachwissen Gesund Bauen, Baustoffe, Tapeten, Abschnitte Trägermaterialien und Dekorbeschichtungen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
- RAL gGmbH, Zeichenvergabestelle Blauer Engel: Umweltzeichen Blauer Engel: Tapeten und Raufaser aus Recyclingpapier (DE-UZ 35), Vergabekriterien. Vergabekriterien DE-UZ 35, Ausgabe Juli 2024, Version 1, Abschnitte 1.2 bis 1.4, 2, 3.1.2, 3.2 bis 3.7 mit Tabelle 3-2. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
- Umweltbundesamt, Innenraumlufthygiene-Kommission: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Leitfaden, aktualisierte Auflage April 2024, Kapitel 1 zu Schimmelbefall und Wachstumsfaktoren (Nährstoffe, pH-Wert, Substratgruppen), Kapitel 5.1.2.1 Materialproben und Kapitel zu Sanierung, Bioziden und Erfolgskontrolle. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Bundesverband der Gipsindustrie e. V.: Beseitigung von durch Überflutung entstandenen Schäden an Bauteilen aus Gips oder an Gipsputzen. IGG-Merkblatt Überflutungsschaden, Juni 2013, Abschnitte Empfohlene Vorgehensweise und Schimmelpilz. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
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