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Restfeuchte: Estrich im Schnitt mit Sonde im frischen Bohrloch, altes Trocknungsloch mit Kreuz, Lupe mit Poren, Klemmbrett, Trockenschrank und Waage

Restfeuchte

Auch: Restfeuchtigkeit

Restfeuchte ist das Wasser, das nach einer Trocknung oder nach dem Erhärten noch in einem Bauteil steckt. Die Zahl sagt nur etwas im Vergleich mit einem Zielwert, etwa der Ausgleichsfeuchte des Baustoffs oder dem Richtwert der Belegreife. Zur Belegreife wird die Restfeuchte eines Estrichs an Stichproben auf der Baustelle ermittelt.[1]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So wird die Restfeuchte am Ende der Trocknung bestimmt

Restfeuchte, Funktionsweise: Boden im Schnitt mit Sonde im frisch gebohrten Loch und Handmessgerät auf einem Hocker, altes Trocknungsbohrloch mit rotem Kreuz, Lupe mit Estrichporen und freiem Wasser, Klemmbrett an der Wand, Tisch mit Trockenschrank und Waage für die Darrprobe

Schematische Darstellung eines Bodens im Schnitt mit Sonde im frisch gebohrten Loch, altem Trocknungsbohrloch, Lupe auf die Poren, Klemmbrett und Tisch mit Trockenschrank und Waage. Die Nummern folgen dem Weg vom Wasser im Baustoff über die Messung bis zum Ziel.

  1. Freies Wasser in den Poren zählt: Mineralische Baustoffe enthalten chemisch gebundenes Wasser, physikalisch gebundenes und freies Wasser in den Poren. Das chemisch gebundene Wasser ist Teil des Baustoffgefüges und bleibt beim Wassergehalt außen vor, die Restfeuchte meint die beiden anderen.
  2. Sonde im frisch gebohrten, dichten Loch: Die Kontrolle erfolgt mit einer Sonde, die in frisch gebohrten Löchern die Ausgleichsfeuchte im Bauteil misst. Zwischen Bohrloch und Umgebung darf keine Luft ausgetauscht werden, und nach dem Bohren wartet man, bis das Loch wieder kühl ist, bevor abgelesen wird.
  3. Nicht im alten Trocknungsloch: Messungen in Bohrlöchern, die zur Trocknung verwendet wurden, sind nicht sinnvoll, weil es Wochen dauern kann, bis dort reale Feuchtewerte erfasst werden. Für eine aussagekräftige Erfassung sind mehrere Messungen an verschiedenen Stellen nötig.
  4. Darrprobe: wiegen, trocknen: Die Darr-Methode trocknet eine Probe im Schrank und wiegt sie vorher und nachher, sie liefert den Referenzwert in Masseprozent. CM-Werte liegen darunter, elektrische und dielektrische Geräte liefern ohne baustoffspezifische Kalibrierung gar keinen Wassergehalt.
  5. Verfahren, Stelle und Tiefe notiert: Eine Restfeuchte ist nur mit drei Angaben brauchbar: dem Verfahren, der Messstelle und der Tiefe, aus der die Probe stammt. Bei Estrichen zählt die Tiefe besonders, weil die Feuchte unten im Aufbau höher ist als an der Oberfläche.
  6. Ziel ist die Ausgleichsfeuchte: Ein Bauteil im Raumklima ist nie wasserfrei, sein Wassergehalt pendelt um die Ausgleichsfeuchte. Alles, was darüber hinaus getrocknet würde, holt sich der Baustoff aus der Raumluft zurück, zu viel Restfeuchte wandert dagegen nach dem Abschalten dorthin, wo sie Schaden anrichtet.

Welches Wasser zur Restfeuchte zählt

Mineralische Baustoffe können physikalisch und chemisch gebundenes Wasser enthalten, dazu freies Wasser in den Poren. Das chemisch gebundene Wasser ist nach dem Sachstandsbericht der WTA Bestandteil der Struktur des Baustoffs und darf nicht in den zu bestimmenden Wassergehalt eingerechnet werden.[2] Die Restfeuchte meint also das physikalisch gebundene und das freie Wasser.

Angegeben wird der Wassergehalt bevorzugt in Masseprozent, bezogen auf die Masse des trockenen Baustoffs.[2] Auf der Baustelle ist bei Estrichen die Angabe in CM-Prozent üblich, bei elektronischen Geräten stehen Anzeigewerte ohne Einheit im Protokoll. Welche Einheit dort steht, verrät also schon, womit gemessen wurde.

Ein einzelner Wert erlaubt nach dem Sachstandsbericht der WTA noch keine Beurteilung des Feuchtezustands einer Konstruktion.[2] Dafür braucht es mehrere feuchtetechnische Kennwerte der Baustoffe, die klimatischen Bedingungen der Umgebung und den Aufbau der Bauteile.[2]

Warum Messverfahren verschiedene Restfeuchten zeigen

Für dasselbe Bauteil liefern verschiedene Verfahren verschiedene Zahlen. Die mit der CM-Methode ermittelten Wassergehalte sind nach dem Sachstandsbericht niedriger als die der Darr-Methode, calciumsulfathaltige Baustoffe ausgenommen.[2] Elektrische und dielektrische Geräte ergeben ohne baustoffspezifische Kalibrierung gar keinen Wassergehalt, nur qualitative Hinweise.[2] Bei der CM-Methode kann in calciumsulfatgebundenen Baustoffen zudem ein Teil des Kristallwassers mitreagieren.[2]

Eine Restfeuchte ist darum nur mit drei Angaben brauchbar: dem Verfahren, der Messstelle und der Tiefe, aus der die Probe stammt. Bei Estrichen kommt es auf die Tiefe besonders an, weil ein Estrich auf Trennlage oder Dämmschicht von oben nach unten trocknet und seine Feuchte darum nach oben hin abnimmt.[1] Bei einer Neubautrocknung lässt sich ein Protokoll mit diesen drei Angaben später an derselben Stelle wiederholen und vergleichen.

Restfeuchte im Neubau: Baufeuchte und Putz

Neue Bauteile bringen viel Wasser mit. Beton und Estriche, aber auch verputzte Wände und Decken enthalten nach dem Umweltbundesamt unmittelbar nach dem Einbau oft große Mengen Wasser, und je nach Bauausführung kann die Trocknungsphase bis zu einigen Jahren dauern.[3] Diese Baufeuchte erhöht die Raumluftfeuchte über längere Zeit, der Leitfaden empfiehlt beim Bezug noch baufeuchter Räume eine längerfristige intensive Lüftung, unterstützt durch verstärktes Heizen.[3]

Für Putze nennt die Schnittstellenkoordination Faustwerte, nach denen bei normalen klimatischen Bedingungen die Trocknungsdauer vor dem Funktionsheizen einer Wand- oder Deckenheizung berechnet wird: je Millimeter Putzdicke ein Tag bei Kalkzement-, Kalk- und Lehmputz und ein halber Tag bei Gipsputz.[4] Ein 15 mm dicker Kalkzementputz braucht danach 15 Tage, bei Systemputzen gelten die Angaben des Herstellers.[4]

Einfache Prüfungen auf Restfeuchte

Einen einfachen, qualitativen Hinweis gibt der Folientest. Eine mindestens 1 m mal 1 m große, wasserdampfdichte und durchsichtige Folie mit einem sd-Wert über 10 m wird dicht auf das Bauteil gelegt und mindestens 24 Stunden liegen gelassen.[2] Zeigt sich danach Tauwasser an ihrer Unterseite, ist das Bauteil als feucht zu bewerten, dazu werden die Temperaturen des Bauteils sowie Temperatur und Luftfeuchte der Umgebung dokumentiert.[2]

Noch einfacher ist die Prüfung durch augenscheinliches Abtrocknen. Die Oberfläche oder eine frische, etwa 2 cm tiefe Bruchfläche wird zum Beispiel mit einem Föhn erwärmt, feuchte Bereiche werden dabei deutlich heller.[2] Beide Tests ersetzen keine Messung, sie zeigen aber schnell, wo sich eine genauere Untersuchung lohnt.

Restfeuchte am Ende einer technischen Trocknung

Während einer technischen Trocknung zeigt sich der Fortschritt an der Trocknungsluft. Nach dem Umweltbundesamt wird der Prozess in der Praxis über Temperatur und Luftfeuchte der zu- und abströmenden Luft überwacht, nimmt die Trocknungsluft keine Feuchte mehr auf, ist eine weitere Trocknung in der Regel nicht sinnvoll.[3] Es können allerdings Bereiche übrig bleiben, die vom Luftstrom nicht erfasst wurden.[3]

Die Kontrolle erfolgt nach dem Leitfaden mit einer Sonde, die in frisch gebohrten Löchern die Ausgleichsfeuchte im Bauteil misst.[3] Ob in einem Fußbodenaufbau so viel Restfeuchte steckt, dass Mikroorganismen wachsen können, lässt sich nach dem Umweltbundesamt quantitativ nur mit einer hygrothermischen Sondenmessung abschätzen.[3] Als erfolgreich abgeschlossen gilt eine Trocknung, wenn das Bauteil nicht mehr von Mikroorganismen befallen oder geschädigt werden kann und wieder eine normale Ausgleichsfeuchte hat.[3]

Sondenmessung der Restfeuchte: worauf es ankommt

Für hygrometrische Sondenmessungen in Fußböden und Wänden müssen Bohrungen im Durchmesser der Sonde gesetzt werden, die Messung ist nicht zerstörungsfrei. Zwischen Bohrloch und Umgebung darf keine Luft ausgetauscht werden, und für eine aussagekräftige Erfassung sind mehrere Messungen an verschiedenen Stellen nötig.[3]

Messungen in Bohrlöchern, die zur Trocknung verwendet wurden, sind nach dem Leitfaden nicht sinnvoll, weil es Wochen dauern kann, bis dort reale Feuchtewerte erfasst werden. In frisch gebohrten Löchern muss die Wärme aus dem Bohren abgeklungen sein, bevor abgelesen wird.[3] Bei Temperaturen deutlich über 20 °C wird der Messwert über die absolute Feuchte auf die für 20 °C geltende relative Feuchte umgerechnet, unter 10 °C sind die Messwerte sehr ungenau und müssen gegebenenfalls bei höheren Temperaturen wiederholt werden.[3] Sitzt der Fühler dauerhaft in einem eigens gebohrten und abgedichteten Loch, eignet sich die Messung nach dem Sachstandsbericht besonders, um Änderungen der Feuchte zu verfolgen, Inhomogenitäten im Bauteil beeinflussen das Ergebnis dann nicht nennenswert.[2]

Warum ein Rest bleiben darf und wann er zu viel ist

Ein Bauteil im Raumklima ist nie wasserfrei. Sein Wassergehalt pendelt um die Ausgleichsfeuchte, die sich bei der Luftfeuchte des Raumes einstellt.[2] Ziel einer Trocknung ist dieser Zustand, und alles, was darüber hinaus getrocknet würde, holt sich der Baustoff aus der Raumluft zurück.

Der teurere Fehler ist das Gegenteil. Bleibt zu viel Wasser im Bauteil, verteilt es sich nach dem Abschalten der Geräte neu und wandert dorthin, wo es später Schaden anrichtet: unter einen neuen Belag, hinter eine frische Tapete oder in eine Holzkonstruktion. Für Estriche legt die Belegreife fest, wie viel Restfeuchte ein Belag verträgt.[1]

Wie lange ein Estrich bis dahin braucht, lässt sich schwer vorhersagen. Nach der Schnittstellenkoordination des Bundesverbands Flächenheizungen lässt sich der Trocknungsverlauf eines Estrichs nicht abschätzen, und bei hoher Luftfeuchte im Raum kann die Trocknung unter Umständen ganz stehen bleiben.[4] Geräte laufen darum nicht nach einem festen Kalender, ihr Abbau richtet sich nach Messwerten.

Restfeuchte richtig dokumentieren

Eine Restfeuchtemessung nützt nur, wenn sie nachvollziehbar ist. In unseren Protokollen stehen Messstelle, Verfahren, Tiefe, Raumklima, Vergleichswert an einer unbelasteten Stelle und Datum. Bei Estrichen kommen Einwaage und Manometerwert der CM-Messung hinzu, bei Sondenmessungen die Temperatur im Bohrloch. Dazu gehört das Raumklima am Messtag, weil Temperatur und Luftfeuchte die Ergebnisse mancher Verfahren beeinflussen.[2]

Messen wir an denselben Stellen mehrmals, entsteht eine Kurve. Solange die Werte fallen, trocknet das Bauteil noch. Flacht die Kurve auf dem Niveau des Vergleichswerts ab, ist das Ziel erreicht, und die Geräte können abgebaut werden. Diese Kurve ist für Versicherer und Gutachter das wichtigste Blatt der Trocknungsdokumentation.

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Belege

Quellen

  1. Technische Kommission Bauklebstoffe (TKB) im Industrieverband Klebstoffe: TKB-Merkblatt 16: Anerkannte Regeln der Technik bei der CM-Messung. Stand März 2016. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3
  2. WTA Referat 4 Mauerwerk, Arbeitsgruppe 4.11, Fraunhofer IRB Verlag: Sachstandsbericht zur Messung der Feuchte von mineralischen Baustoffen. Ausgabe 2004, S. 4 bis 6 und 11 bis 17. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13
  3. Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Stand April 2024, S. 61, 142, 143, 164 und 170. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  4. Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF): Schnittstellenkoordination bei Flächenheizungs- und Flächenkühlungssystemen in Neubauten. Ausgabe Mai 2020, Abschnitte 1.5.7 und 1.5.8. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3

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