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Belegreife: Estrich im Schnitt mit Feuchte, CM-Gerät mit Probe, KRL-Haube, Bautrockner und zu früh verlegtem Parkett, das sich aufwölbt

Belegreife

Auch: Verlegereife

Belegreife ist nach dem TKB-Merkblatt 16 der Zustand eines Estrichs in Bezug auf Abbinde- und Trocknungsreaktionen, in dem er für die schadens- und mangelfreie, dauerhafte Aufnahme eines Belags geeignet ist.[1] Kennzeichnend sind eine ausreichende Trocknung, eine ausreichende Festigkeit und ein ausreichender Schwindungsabbau.[1] Die Trocknung wird in Deutschland üblicherweise mit der CM-Messung geprüft.[1]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So wird die Belegreife eines Estrichs geprüft

Belegreife, Funktionsweise: frischer Estrich im Schnitt mit aufsteigender Feuchte, feuchtester Stelle mit Hammer und Meißel, CM-Gerät mit Manometer und Probeschale, KRL-Haube mit Fühler, Bautrockner und zu früh verlegtem Parkett mit Wölbung und Blasen im Kleber

Schematische Darstellung eines Bodens im Schnitt mit trocknendem Estrich, CM-Gerät mit Druckflasche und Manometer, Probeschale, Hammer und Meißel an der feuchtesten Stelle, KRL-Haube mit Fühler, Bautrockner und einem zu früh verlegten Parkett, das sich aufwölbt. Die Nummern folgen dem Weg vom Trocknen über die Messung bis zum Fehler.

  1. Estrich gibt Wasser ab, härtet aus: Belegreif ist ein Estrich, wenn Trocknung, Festigkeit und Schwindungsabbau ausreichen. Übliche Zementestriche brauchen für die Durchhärtung etwa vier Wochen, bei Calciumsulfatestrichen ist die Aushärtereaktion nach etwa zwei Wochen abgeschlossen, ihre Festigkeit hängt aber vom Trocknungszustand ab.
  2. CM-Messung an der Probe: Die Trocknung wird in Deutschland üblicherweise mit der CM-Messung geprüft, die das TKB-Merkblatt 16 für die Beurteilung vor der Belegung heranzieht. Die Probe stammt aus der vollen Estrichdicke.
  3. Feuchteste Stelle wird geprüft: Gemessen wird dort, wo der Estrich noch am feuchtesten ist, also nicht im direkten Durchzug. Unterschiedliche Estrichdicken werden bei der Probenahme berücksichtigt, weil dickere Estriche in der Regel länger trocknen, geprüft wird vom bodenlegenden Gewerk.
  4. KRL: Luftfeuchte über dem Estrich: Bei der KRL-Methode wird an einer Materialprobe oder in einem auf dem Estrich befestigten Testgefäß die korrespondierende relative Luftfeuchte bestimmt. Sie ergänzt die CM-Messung.
  5. Zement 2,0, Gips 0,5 CM-Prozent: Als Richtwerte nennt das Merkblatt für unbeheizten Zementestrich höchstens 2,0 CM-Prozent, für Calciumsulfatestrich höchstens 0,5. Bei Heizestrichen gelten 1,8 und 0,3, gemessen am erkalteten Estrich an den ausgewiesenen Messstellen.
  6. Zu früh belegt: Holz quillt auf: Wird ein Belag vor der Belegreife verlegt, gibt der Estrich sein Wasser an den Belag ab. Holzfußböden quellen auf, Dispersionsklebstoffe verlieren Klebkraft, Beläge lösen sich oder bilden Blasen, und beim Nachschwinden des Estrichs entstehen Risse.

Die drei Kriterien der Belegreife

Das TKB-Merkblatt 16 erweitert Definitionen, die allein eine ausreichende Trocknung mit der Belegreife gleichsetzen.[1] Neben dem Feuchtegehalt zählen die Festigkeit und der Abbau des Schwindens, und die Anforderungen an alle drei können sich je nach Belag unterscheiden.[1]

Übliche Zementestriche benötigen für eine ausreichende Durchhärtung nach dem Merkblatt etwa 4 Wochen, sofern ihr Wassergehalt nicht durch Zusatzmittel übermäßig reduziert wurde.[1] Festigkeit und Abklingen des Schwindens sind bei Zementestrichen aus Normalzement ohne Zusatzmittel in der Regel nach 28 Tagen erreicht.[1] Bei Calciumsulfatestrichen ist die eigentliche Aushärtereaktion nach etwa 2 Wochen abgeschlossen, ihre Festigkeit hängt aber stark vom Trocknungszustand ab.[1] Ein Calciumsulfatestrich erreicht seine Normfestigkeit erst, wenn er trocken ist, sein Feuchtegehalt sollte dafür unter 0,5 CM-Prozent liegen.[1] Bei Schnellzementestrichen und Estrichen mit Zusatzmitteln sind die Angaben des Herstellers maßgeblich.[1]

Was ein zu feuchter Estrich unter dem Belag anrichtet

Wird ein Belag verlegt, bevor der Estrich belegreif ist, gibt der Estrich sein Wasser weiter an den Belag ab. Nach der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft quellen Holzfußböden auf feuchten Estrichen auf, und weil Zementestriche beim Trocknen noch schrumpfen, geraten bereits verlegte Beläge unter Spannung, was zu Rissen führen kann.[2] Dispersionsklebstoffe verlieren durch das Wasser an Klebkraft, Beläge lösen sich oder bilden Blasen, und es können unangenehme, lang anhaltende Gerüche entstehen.[2] Durchnässt ein Wasserschaden im Neubau den Estrich nach einer ersten Messung noch einmal, ist die Belegreife neu zu prüfen, bevor der Belag kommt.

Nach den Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen der VOB wird die Belegreife durch eine Feuchtigkeitsmessung im Estrich bestimmt und muss vom bodenlegenden Gewerk geprüft werden.[2] Gemessen wird dort, wo der Estrich noch am feuchtesten ist, also nicht im direkten Durchzug, und unterschiedliche Estrichdicken werden bei der Probenahme berücksichtigt, weil dickere Estriche in der Regel länger trocknen.[2]

Ist der Estrich noch zu feucht, braucht er nach der BG BAU weitere Zeit, gegebenenfalls unterstützt durch Lufttrockner, und je länger er schon trocknet, desto langsamer gibt er sein restliches Wasser ab.[2] Häufig wird stattdessen eine reaktive Feuchtigkeitssperre aufgetragen, eine Polymerschicht, die die Wasserdampfdiffusion stark bremst, meist aus Epoxidharz, bei dessen Verarbeitung die Gefahr allergischer Hauterkrankungen besteht.[2] Wie lange ein neuer Estrich im Neubau ohne solche Hilfen trocknet, hängt vor allem von Dicke, Bindemittel und Raumklima ab.

Richtwerte der Belegreife in CM-Prozent

Für den Feuchtegehalt nennt das TKB-Merkblatt 16 folgende Richtwerte, bei denen ein Estrich allein bezüglich seiner Feuchte belegreif sein sollte.[1]

Richtwerte der Belegreife nach der CM-Methode
Estrichart unbeheizt Heizestrich
Calciumsulfatestrich und Calciumsulfat-Fließestrich (CA) höchstens 0,5 CM-% höchstens 0,3 CM-%
Zementestrich (CT) höchstens 2,0 CM-% höchstens 1,8 CM-%

TKB-Merkblatt 16, Abschnitt 4.2.1. DIN 18560-1 in der Ausgabe 2015-11 setzt für beheizten Calciumsulfat-Fließestrich 0,5 CM-% an, das Merkblatt hält an 0,3 CM-% fest.[1]

Die Schnittstellenkoordination des Bundesverbands Flächenheizungen nennt für Heizestriche je Belag getrennte Werte: 1,8 CM-Prozent für Zementestrich unter textilen und elastischen Belägen, Laminat und Parkett, 2,0 CM-Prozent unter Fliesen und Natur- oder Betonwerksteinen, für Calciumsulfatestrich jeweils 0,3 oder 0,5 CM-Prozent.[3] Die Richtwerte beruhen nach dem TKB-Merkblatt auf Laboruntersuchungen und langjährigen Erfahrungswerten.[1]

Der Streit um 0,3 oder 0,5 CM-Prozent

Für beheizten Calciumsulfat-Fließestrich hat DIN 18560-1 in der Fassung vom November 2015 den Richtwert auf 0,5 CM-Prozent festgesetzt, und DIN 18365 in der Ausgabe vom August 2015 bezieht sich für die Bewertung der Feuchte auf diese Normenreihe.[1] Das TKB-Merkblatt hält trotzdem am bisherigen Wert von 0,3 CM-Prozent fest, weil für die Anhebung keine Daten, Begründungen oder Publikationen vorliegen.[1] Eine Anhebung um 67 Prozent verkürze zwar die Trockenzeit, erhöhe aber das Risiko eines Feuchteschadens für Verleger und Bauherrn deutlich.[1]

Die Schnittstellenkoordination führt beide Werte auf und verweist auf die Herstellerangaben.[3] Nach dem TKB-Merkblatt soll der Auftraggeber nach Rücksprache mit dem Estrichleger dem Verleger den maximalen CM-Feuchtegehalt bei Belegreife vorgeben und ihn im Protokoll angeben.[1] Welcher Wert gilt, gehört also schriftlich vereinbart, bevor gemessen wird. Für den Auftraggeber heißt das, den Estrichleger nach dem Wert zu fragen, für den sein Estrich ausgelegt ist.

Aus der Praxis der Verlegung berichtet das Merkblatt außerdem, dass die bestehenden Grenzwerte bei einigen Belägen, besonders bei dichten elastischen Belägen, als zu hoch gelten und nicht die gewünschte Sicherheit bieten.[1]

Wer die Belegreife prüft und wer Bedenken anmelden muss

Nach DIN 18356 für Parkett und DIN 18365 für Bodenbeläge hat der Auftragnehmer bei seiner Prüfung Bedenken nach § 4 Abs. 3 VOB/B insbesondere bei nicht genügend trockenem Untergrund geltend zu machen.[1] Der Auftraggeber schuldet einen zum Zeitpunkt der geplanten Verlegung belegreifen und damit ausreichend trockenen Untergrund.[1] Das TKB-Merkblatt 16 soll den Verleger bei der technisch richtigen Durchführung der CM-Messung und der rechtlich sicheren Dokumentation der Beurteilung unterstützen und enthält dafür ein eigenes Protokoll zur Estrichfeuchtemessung.[1]

In Unkenntnis der genauen Estrichzusammensetzung kann der Boden- oder Parkettleger nach der gemeinsamen Stellungnahme der Fachverbände nicht automatisch aus dem CM-Wert auf die Belegreife schließen. Er soll den ermittelten Wert dem Auftraggeber mitteilen, und nur in Absprache zwischen beiden, gegebenenfalls unter Hinzuziehen des Estrichherstellers, kann die Belegreife festgestellt werden.[1]

Fehlt bei einer Fußbodenheizung das Protokoll des Funktionsheizens, muss der Bodenleger nach der Schnittstellenkoordination Bedenken anmelden.[3]

Belegreife bei Fußbodenheizung: Funktionsheizen und Belegreifheizen

Die Schnittstellenkoordination trennt zwei Vorgänge. Das Funktionsheizen nach DIN EN 1264-4 weist die mangelfreie Erstellung von Heizung und Estrich nach, frühestens nach 21 Tagen bei Zementestrich und nach 7 Tagen bei Calciumsulfatestrich, und ist kein Aufheizen zum Erreichen der Belegreife.[3] Durch das Funktionsheizen verschwindet bereits ein Teil des Überschusswassers, und die Wartezeit bis zur Belegreife verkürzt sich, erreicht ist sie damit aber nicht sicher.[3] Reicht die Trocknung danach nicht, folgt das Belegreifheizen, das als besondere Leistung gesondert zu beauftragen ist.[3]

Das Belegreifheizen beginnt am erkalteten Estrich, ein Zementestrich ist dann in der Regel mindestens 28 plus 2 Tage alt, ein Calciumsulfatestrich mindestens 14 plus 2 Tage.[3] Die Vorlauftemperatur steigt nach dem Protokoll P7 von 25 °C am ersten Tag in Schritten bis 55 °C oder bis zur maximalen Auslegungstemperatur, und für Estriche bis 70 mm Dicke sind mindestens 14 Tage einzuplanen, für dickere entsprechend mehr.[3] Maßgebend ist danach die CM-Messung am erkalteten Estrich, und bei Heizestrichen soll sie nur an den ausgewiesenen Messstellen erfolgen, damit keine Rohre beschädigt werden.[3] Reicht die Heizleistung nicht für alle Kreise zugleich, wird abschnittsweise geheizt, alle Heizkreise eines Estrichfeldes aber gleichzeitig, und Nachtabsenkung und Außentemperaturregelung sind während des Belegreifheizens außer Betrieb.[3]

Den Trocknungsverlauf eines Estrichs hält die Schnittstellenkoordination für nicht abschätzbar, bei hoher relativer Raumluftfeuchte kann er ganz zum Stillstand kommen.[3] Ein Verlegetermin lässt sich darum erst nach der Messung verlässlich festlegen.

Belegreife von Ausgleichsmassen

Für Ausgleichsmassen und Ausgleichsestriche in Verbundkonstruktionen gibt es nach der Schnittstellenkoordination keine allgemein gültige Methode, um Ausgleichsfeuchte und Belegreife festzustellen. Maßgeblich sind die Angaben des Systemherstellers, etwa eine von der Schichtdicke abhängige Wartezeit nach dem Funktionsheizen oder eine bestimmte Messmethode, meist die CM-Methode mit eigener Durchführung.[3] Diese Angaben werden vor Beginn der Arbeiten abgefragt und festgehalten.

Belegreife nach der KRL-Methode

Neben der CM-Messung nennt die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft die KRL-Methode, bei der an einer Materialprobe aus dem Estrich oder in einem auf dem Estrich befestigten Testgefäß die korrespondierende relative Luftfeuchte bestimmt wird.[2] Als Richtwert der Belegreife gelten danach für Zement- und Calciumsulfatestriche 80 Prozent relative Feuchte, bei beheizten Estrichen 75 Prozent.[2] Vor- und Nachteile gegenüber der CM-Methode werden in der Fachwelt nach der BG BAU weiter intensiv diskutiert.[2]

Nach einem Leitungswasserschaden steht selten nur die Dämmschicht unter Wasser, auch der Estrich selbst nimmt Wasser auf. Nach der Dämmschichttrocknung muss er für einen neuen Belag wieder belegreif werden, und die Richtwerte der Merkblätter beziehen sich auf neu eingebaute Estriche.[1] Wir vergleichen darum zusätzlich mit einer unbelasteten Stelle desselben Estrichs. Parkett, Laminat, elastische Beläge oder Fliesen kommen erst auf den Estrich, wenn der Messwert feststeht.

Nach einem Wasserschaden im Fußboden gilt dieselbe Frage. Bevor wir einen neuen Belag verlegen oder verlegen lassen, messen wir den Estrich an festgelegten Stellen, halten Verfahren, Richtwert, Messtiefe und Ergebnis im Protokoll fest und geben den Wert an Auftraggeber und Verleger weiter.

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Belege

Quellen

  1. Technische Kommission Bauklebstoffe (TKB) im Industrieverband Klebstoffe: TKB-Merkblatt 16: Anerkannte Regeln der Technik bei der CM-Messung. Stand März 2016, Abschnitt 4, Anhang A. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22↑23
  2. Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU): Auf dem Weg zur Belegreife: Bestimmung der Restfeuchte in Estrichen. BauPortal 4/2021, Klaus Kersting, Referat GISBAU. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
  3. Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF): Schnittstellenkoordination bei Flächenheizungs- und Flächenkühlungssystemen in Neubauten. Ausgabe Mai 2020, Abschnitt 1.5.7, Protokolle P6 und P7. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12

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