Freigabemessung
Auch: Endmessung, Abschlussmessung
Die Freigabemessung ist die abschließende Feuchtemessung am Ende einer technischen Trocknung, mit der nachgewiesen wird, dass das Bauteil wieder trocken ist und die Trocknung beendet werden kann. Sie prüft das Ziel, das das Umweltbundesamt so beschreibt: Das ehemals feuchte Bauteil ist so weit getrocknet, dass kein mikrobieller Befall und keine Bauteilschädigung mehr entstehen können, und es hat wieder eine normale Ausgleichsfeuchte.[1] Erst danach werden die Geräte abgebaut und Belag, Putz oder Anstrich wieder aufgebracht.
So läuft die Freigabemessung am Ende der Trocknung ab
Schematische Darstellung eines Wohnraums am Ende der Trocknung mit abgeschaltetem Trockner, Sonde im frischen Bohrloch am Sockel, Vergleichspunkt, Wandschnitt, CM-Gerät und wartendem Belag. Die Nummern folgen der Messung vom Abschalten bis zur Freigabe.
- Geräte 24 bis 48 Stunden aus: Beim Überdruckverfahren erwärmt die eingeblasene Luft die Bauteile. Die Anlagen sind darum nach dem Hersteller oft 24 bis 48 Stunden abgeschaltet, bevor Messwerte erfasst werden, und das Bauteil hat Zeit, sich zu beruhigen.
- Sonde im frisch gebohrten Loch: Ob das Trocknungsziel erreicht ist, zeigt eine Sonde, die die Ausgleichsfeuchte im Bauteil erfasst, am besten in gerade erst gebohrten Löchern. Gemessen wird am Sockel, in Ecken und Anschlüssen, wo das Wasser am längsten stand.
- Vergleich dort, wo kein Wasser hinkam: Ein allgemeiner Wert für trocken existiert nicht. Der Vergleichspunkt im oberen, vom Wasser nicht erreichten Bereich desselben Bauteils liefert den Maßstab, mit dem die Werte im Schadensbereich verglichen werden.
- Oberfläche trocken, Kern noch feucht: Während der Trocknung trocknen die Oberflächen schneller als das Innere. Wände aus Gipswandbauplatten waren im Versuch außen abgetrocknet, während die Sensoren im Inneren noch 60 bis 70 Masseprozent zeigten.
- CM-Messung für die Belegreife: Kommt ein neuer Belag auf den Estrich, gehört die Belegreife zur Freigabe. Bei Heizestrichen wird am erkalteten Estrich und nur an den ausgewiesenen Messstellen gemessen, damit kein Heizrohr beschädigt wird.
- Belag erst nach der Freigabe: Erreicht ein Bauteil das Ziel nicht, läuft die Trocknung weiter und ein zweiter Termin folgt. Eine Freigabe auf Zuruf gibt es nicht, weil sich der Verleger oder Verputzer auf den Wert verlässt.
Warum nicht direkt nach dem Abschalten gemessen wird
Während der Trocknung streicht warme, trockene Luft über die Oberflächen, die darum schneller trocknen als das Innere eines Bauteils. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat nach einer mechanischen Trocknung die Feuchte weiter beobachtet: In den Dämmschichten zweier Fußböden stieg die relative Feuchte nach dem Abschalten wieder an, in zwei Wänden die im Bohrloch gemessene Feuchte von 66 auf 76 und von 53 auf 80 Prozent.[2]
Als Gründe nennt das Institut die Abkühlung der Bauteile und die langsame Umverteilung von Restfeuchte.[2] Die Werte näherten sich schnell einem Grenzwert, der deutlich unter 90 Prozent relativer Feuchte blieb, im Vergleich mit den 95 Prozent, die ein WTA-Merkblatt hinter Innendämmungen zulässt, bewertete das Institut die Lage als unkritisch, eine Gefahr für Schimmelwachstum bestehe nicht.[2] Für die Freigabemessung heißt das: Sie findet statt, wenn sich das Bauteil nach dem Abschalten beruhigt hat, und nicht in der ersten Stunde.
Wo die Freigabemessung ansetzt
Die Trocknungsluft erreicht nicht jeden Winkel. Nach dem Umweltbundesamt können immer Bereiche verbleiben, die vom Luftstrom des Trocknungsgeräts nicht erfasst wurden, und ob das Trocknungsziel tatsächlich erreicht ist, lässt sich fachgerecht mit einer Sonde messen, die die Ausgleichsfeuchte im Bauteil erfasst, am besten in Löchern, die gerade erst gebohrt wurden.[1]
Gemessen wird darum dort, wo das Wasser am längsten stand, und nicht dort, wo es am bequemsten ist. Im Fraunhofer-Versuch zeigten Thermografieaufnahmen im Übergang zwischen Wand und Boden auch am Ende der Trocknung noch Feuchteanzeichen, und im Sockelbereich einzelner Wände lagen die Werte noch erhöht.[2] Ecken, Sockel, Anschlüsse an Wände und die Stellen, an denen das Wasser ausgetreten ist, gehören zu jeder Freigabemessung. Wird an diesen Stellen nicht gemessen, bleibt oft unbemerkt, dass eine Trocknung zu früh beendet wurde.
Trockene Oberfläche, nasser Kern
Wie trügerisch eine trockene Oberfläche ist, zeigen die Wände aus dem Fraunhofer-Versuch. Wände aus Gipswandbauplatten waren nach einem Monat natürlicher Trocknung oberflächlich abgetrocknet, die Sensoren im unteren Bereich zeigten aber noch etwa 60 bis 70 Masseprozent.[2] Erst nach einem weiteren Monat sanken die Werte auf etwa 13 Masseprozent, nahe an den etwa 10 Masseprozent vor dem Wasserschaden.[2]
Eine Ziegelwand mit Gipsputz trocknete ohne Geräte in einem Monat von 5,4 auf 1,9 und nach einem weiteren Monat auf 1,5 Masseprozent und erreichte damit fast ihre Ausgangsfeuchte von etwa 1 Masseprozent.[2] Eine Porenbetonwand mit Zementputz und Fliesen trocknete natürlich in einem Monat von 13,8 auf 8,6 und nach einem weiteren Monat auf 6,7 Masseprozent, ihre Ausgangsfeuchte von 4,4 Masseprozent erreichte sie in dieser Zeit nicht.[2] Leichtbauwände aus Gipskarton mit Mineralwolle waren mit mechanischer Trocknung nach etwa zwei Wochen annähernd trocken, eine Setzung des Dämmstoffs im Inneren stellte das Institut nicht fest, an einer Wand ohne direkte Trocknung blieben im unteren Bereich erhöhte Werte, und im Sockelbereich zeigten sich schwarze Flecken, vermutlich Schimmel.[2]
Der Vergleichswert: was trocken in diesem Bauteil bedeutet
Einen allgemeinen Wert für trocken gibt es nicht, er hängt vom Material ab. Das Fraunhofer-Institut hat die Gleichgewichtsfeuchte der Wände im oberen, vom Wasser nicht erreichten Bereich gemessen: bei Porenbeton mit Gipsputz im Mittel etwa 4,2 Masseprozent, bei Hochlochziegeln mit Kalkzementputz und Fliesen im Mittel 0,3 Masseprozent.[2] Die Werte im unteren Bereich wurden am Ende der Trocknung damit verglichen.[2]
Nach demselben Prinzip messen wir einen Vergleichspunkt dort, wo das Wasser nicht hinkam, im selben Bauteil und Raum, mit demselben Verfahren und in derselben Tiefe. Liegen die Werte im Schadensbereich auf dem Niveau des Vergleichspunkts, ist das Bauteil trocken. Liegen sie deutlich darüber, läuft die Trocknung weiter. Beide Werte gehen mit Ort, Tiefe und Gerät in die Schadendokumentation, damit die Freigabe später nachvollziehbar bleibt.
Abschalten vor der Messung: was die Verfahren verlangen
Wie lange vor der Freigabemessung abgeschaltet wird, hängt auch vom Verfahren ab. Beim Überdruckverfahren müssen die Anlagen nach dem Hersteller Dantherm oft 24 bis 48 Stunden ausgeschaltet sein, bevor Messwerte erfasst werden können, weil die eingeblasene warme Luft die Bauteile erwärmt.[3] Beim Unterdruckverfahren lassen sich Temperatur und Feuchte der abgesaugten Luft nach derselben Quelle fortlaufend in den Schläuchen messen, ohne die Trocknung zu unterbrechen.[3]
Die fortlaufende Messung der Abluft zeigt, wann es Zeit für die Freigabemessung ist. Die Freigabe selbst entsteht aber im Bauteil, an den Messpunkten, die schon zu Beginn der Trocknung festgelegt wurden.
Freigabe von Estrichen: CM-Messung und Belegreife
Bei Estrichen, auf die ein neuer Belag kommt, schließt die Freigabemessung die Frage der Belegreife ein. Das TKB-Merkblatt 16 behandelt die CM-Messung als anerkannte Regel der Technik für die Feuchtebeurteilung von Estrichen vor der Belegung.[4] Die Richtwerte in CM-Prozent und die Diskussion um sie stehen bei der Belegreife.
Bei Heizestrichen gilt eine Besonderheit. Nach der Schnittstellenkoordination des Bundesverbands Flächenheizungen erfolgt die CM-Messung am erkalteten Estrich und nur an den ausgewiesenen Messstellen, damit kein Heizrohr beschädigt wird.[5] Wurde der Estrich während der Trocknung beheizt, wird die Heizung vor der Freigabemessung abgestellt und der Estrich abkühlen gelassen.
Wenn der Wert nicht passt
Erreicht ein Bauteil das Ziel nicht, wird weiter getrocknet und später erneut gemessen. Bei Estrichen lässt sich der Verlauf nach dem Bundesverband Flächenheizungen nicht vorhersagen, ist die Raumluft sehr feucht, kann die Trocknung sogar stehen bleiben.[5] Ein zweiter Termin für die Freigabemessung gehört darum von Anfang an zur Planung, auch wenn er am Ende nicht gebraucht wird. Eine Freigabe auf Zuruf gibt es nicht, weil sich derjenige, der den Belag verlegt oder die Wand verputzt, auf den Wert verlässt.
Zieht sich eine Trocknung sehr lange hin, stellt sich eine andere Frage. Für Fußbodenaufbauten empfiehlt das Umweltbundesamt den Rückbau, wenn die Trocknung länger als drei Monate nach dem Schadenseintritt dauern würde oder gedauert hat und leicht besiedelbare Baustoffe betroffen sind, weil dann ein mikrobieller Befall sehr wahrscheinlich ist.[1]
Wie wir die Freigabemessung dokumentieren
Die Freigabemessung ist der letzte Eintrag im Trocknungsprotokoll. Wir halten Datum, Messpunkte, Verfahren, Tiefe, Messwerte und den Vergleichswert fest, dazu das Raumklima am Messtag. Bei Estrichen kommen Einwaage und Manometeranzeige der CM-Messung hinzu.
Liegen einzelne Punkte noch über dem Vergleichswert, geben wir die Fläche nicht als Ganzes frei. Wir markieren die Bereiche, die noch weiter trocknen, und messen dort erneut, statt einen Durchschnitt über die ganze Fläche zu bilden. Mit der unterschriebenen Freigabe bekommen Auftraggeber und die Handwerker für den Wiederaufbau einen Stand, auf den sie sich berufen können. Erst dann werden die Bohrlöcher verschlossen und die Oberflächen wieder hergestellt.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Stand April 2024, S. 142, 143 und 160 bis 161. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP): Prüfbericht P17-027.1/2017: Trocknungsverhalten von Fußbodenaufbauten und angrenzenden Wänden sowie von Deckenaufbauten mit natürlicher und mechanischer Trocknung nach einem Wasserschaden. Prüfbericht P17-027.1/2017, 28.02.2017, S. 10 bis 12. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
- Dantherm Group: Wasserschadensanierung: Gezielte Estrich-/Dämmschichttrocknung mit dem Vakuum-Verfahren. Alan James, aktualisiert am 29.07.2025. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2
- Technische Kommission Bauklebstoffe (TKB) im Industrieverband Klebstoffe: TKB-Merkblatt 16: Anerkannte Regeln der Technik bei der CM-Messung. Stand März 2016, Abschnitte 2 und 4. Abgerufen am 24.09.2026. ↑
- Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF): Schnittstellenkoordination bei Flächenheizungs- und Flächenkühlungssystemen in Neubauten. Ausgabe Mai 2020, Abschnitt 1.5.7. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2
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