Rückstauklappe
Auch: Rückstauverschluss, Rückstauventil
Eine Rückstauklappe ist ein Rückstauverschluss in der Abwasserleitung eines Gebäudes, der sich selbsttätig schließt, wenn Abwasser aus dem Kanal in die Hausleitungen zurückdrückt. Sie schützt Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene, die in Hamburg beim Gefällesiel der Straßen- oder Gehweghöhe an der Anschlussstelle entspricht.[1]
So schützt die Rückstauklappe den Keller vor dem vollen Kanal
Schematische Darstellung eines Kellers im Schnitt mit Grundleitung zum Kanal und aufgeschnittenem Rückstauverschluss vom Typ 3. Die Nummern folgen dem Weg vom vollen Kanal bis zur Anzeige im Keller.
- Rückstauebene: die Straßenhöhe: Die Rückstauebene ist beim Gefällesiel die Straßen- oder Gehweghöhe an der Anschlussstelle. Bis zu dieser Höhe kann Abwasser aus dem Kanal in den Hausleitungen steigen, alle Ablaufstellen darunter brauchen einen Schutz.
- Kanal voll bei Starkregen: Starkregen füllt die Kanäle zeitweise vollständig, auch Rohrbrüche, Verstopfungen und Kanalreinigungen lassen das Wasser nicht weiterfließen. Mit Rückstau muss jederzeit gerechnet werden, weil Kanäle nicht vollständig dagegen ausgelegt werden.
- Abwasser drückt zurück: Wie in kommunizierenden Röhren drückt das Abwasser aus dem Kanal in die Grundleitung des Hauses zurück und steigt dort bis zur Rückstauebene.
- Sonde erkennt den Rückstau: Beim Rückstauverschluss vom Typ 3 steht die Klappe im Normalbetrieb offen. Eine Sonde reagiert auf Benetzung und löst den Verschluss aus, sobald Abwasser zurückdrückt.
- Klappe schließt selbsttätig: Eine elektrisch angetriebene Spindel schließt die Klappe, bei Netzausfall hält eine Notstromversorgung die Funktion aufrecht. Für fäkalienhaltiges Abwasser ist nur dieser Typ mit der Kennzeichnung F zulässig, an Pendelklappen vom Typ 2 setzen sich Ablagerungen fest.
- Notverschluss von Hand: Ein vom Antrieb unabhängiger Notverschluss lässt sich von Hand schließen. Die Teile für die Wartung müssen zugänglich bleiben, gewartet wird regelmäßig nach DIN 1986-3 und den Herstellerangaben.
- Anzeige meldet den Verschluss: Die geschlossene Stellung muss akustisch oder optisch angezeigt werden. Solange die Klappe zu ist, sind die gesicherten Abläufe nicht benutzbar, und bei einem Defekt des Verschlusses besteht kein Schutz.
Was Rückstau ist
Rückstau entsteht, wenn Abwasser im öffentlichen Kanal nicht weiterfließen kann. Der Abwasser-Zweckverband Südholstein nennt als Ursachen einen Rohrbruch, bei dem Sand oder Erde die Leitung versperrt, Starkregen, der die Kanäle zeitweise vollständig füllt, und kurzzeitig auch Kanalreinigungen, bei denen die Leitungen mit Hochdruck gespült werden.[2] Die Hamburger Umweltbehörde zählt dazu Betriebsstörungen, Verstopfungen, Wartungsarbeiten und den Überstau der Siele, etwa bei Starkregen.[1]
Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren steigt das Wasser dann auch in den Hausleitungen bis zur Rückstauebene. Mit Rückstau muss nach dem Verband jederzeit gerechnet werden, weil Kanäle aus wirtschaftlichen Gründen nicht vollständig dagegen ausgelegt werden können.[2] Steht nach einem Gewitter Wasser im Keller, kommt ein Rückstau aus dem Kanal als Ursache in Frage, und die Wartung der Rückstausicherung gehört danach in den Kalender.
Nach DIN EN 12056 ist Rückstau das Zurückdrücken von Abwasser aus dem Kanal in die angeschlossenen Leitungen, und kommunale Entwässerungssatzungen schreiben nach dem Hersteller Dallmer meist vor, alle Räume unterhalb der Rückstauebene dagegen zu sichern.[3]
Wo die Rückstauebene liegt
In Hamburg definiert das Hamburgische Abwassergesetz in § 14 Absatz 3 die Rückstauebene: beim Gefällesiel die vorhandene oder endgültig vorgesehene Straßen- oder Gehweghöhe an der Anschlussstelle, beim Drucksiel die Oberkante des Schachts der Einrichtung zum Sammeln und Fördern des Abwassers und in festgesetzten Überschwemmungsgebieten die zu erwartende Höhe des Hochwassers, wobei das höhere Maß gilt.[1]
Ohne Vermessungsplan lässt sich die Rückstauebene nach der Hamburger Umweltbehörde aus den Höhen der beiden Schächte neben der Anschlussstelle interpolieren, die im Sielkatasterauszug stehen, und ist die Gehweghöhe unbekannt, wird sie mit 15 Zentimetern über der Straßenoberkante angesetzt.[1]
Im Gebiet des Abwasser-Zweckverbands Südholstein liegt die maßgebliche Rückstauebene 15 Zentimeter über dem Niveau des nächsten Kanalschachts mit offenem Gerinne entgegen der Fließrichtung, soweit der Verband für einzelne Netzabschnitte keine anderen Werte bekannt gibt, und die Pflicht zur Sicherung steht dort in § 18 der Ortsentwässerungssatzung.[2]
Klappe oder Hebeanlage
Für Schmutzwasser unterhalb der Rückstauebene verlangt die Hamburger Umweltbehörde eine Abwasserhebeanlage mit Rückstauschleife, besonders wenn Ablaufstellen wie Toiletten oder Küchenabläufe auch während eines Rückstaus benutzbar bleiben müssen, und die Schleife schützt selbst dann, wenn die Hebeanlage defekt ist.[1]
Rückstauverschlüsse sind in Hamburg nur bei zweifelsfrei untergeordneter Nutzung und freiem Gefälle zulässig, Toiletten, Küchen und Wohnraum zählen in der Regel nicht dazu.[1] Die gesicherten Abläufe sind im Rückstaufall nicht benutzbar, und bei einem Defekt des Verschlusses besteht kein Schutz.[1] Ob ein Verschluss genügt, klärt darum die Planung der Sanitärinstallation für den Keller.
Der Abwasser-Zweckverband Südholstein nennt dieselben Bedingungen: Gefälle zum Kanal, Räume von untergeordneter Nutzung ohne wesentliche Sachwerte und ein kleiner Benutzerkreis mit Sanitäranlagen oberhalb der Rückstauebene.[2] Als zentrale Absicherung eines Gebäudes mit Abläufen oberhalb der Rückstauebene dürfen Rückstauverschlüsse nie eingesetzt werden, weil das eigene Abwasser aus den oberen Etagen im Rückstaufall das Gebäude überfluten würde.[2]
Abläufe oberhalb der Rückstauebene werden im freien Gefälle entwässert und dürfen nach der Hamburger Umweltbehörde nicht über eine Rückstausicherung geführt werden.[1]
Für Niederschlagswasser von Flächen unterhalb der Rückstauebene verlangt die Behörde einen Anschluss getrennt vom Schmutzwasser und rückstaufrei über Abwasserhebeanlagen, die außerhalb des Gebäudes stehen, Ausnahmen im Gebäude sind mit baulichen Maßnahmen gegen Überflutung möglich.[1] Kleinere Flächen von etwa 5 Quadratmetern, etwa ein außenliegender Kellerabgang, können nach der Behörde auch über Rückstauverschlüsse entwässert werden, wenn Vorkehrungen wie eine Aufkantung an der Eingangstür gegen Überflutung getroffen sind.[1]
Typen von Rückstauverschlüssen
Nach DIN 1986-100 dürfen für fäkalienfreies Abwasser und Niederschlagswasser die Typen 2, 3 und 5 nach DIN EN 13564 eingesetzt werden, für fäkalienhaltiges Abwasser nur Typ 3 mit der Kennzeichnung F.[3]
Nach den Angaben des Herstellers Dallmer zu DIN EN 13564 und DIN 1986-100.[3]
Beim Typ 2 sind die Pendelklappen durch die Schwerkraft dauernd geschlossen und öffnen sich nur kurz, wenn Abwasser zuläuft.[4] Beim Typ 3 stehen die Klappen im Normalbetrieb offen und schließen, wenn eine Sonde Rückstau erkennt, und die geschlossene Stellung muss nach DIN EN 13564-1 akustisch oder optisch angezeigt werden.[4]
Wie wichtig der Unterschied ist, zeigt eine Versuchsreihe, die 2021 in der Fachzeitschrift Moderne Gebäudetechnik veröffentlicht wurde.[4] Insgesamt liefen 17 Messungen in vier Messreihen mit je sechs Prüfzyklen, und in der Normprüfung mit eingelegten Textilstücken bestanden beide geprüften Verschlüsse vom Typ 3 die Anforderungen, keiner der vier Verschlüsse vom Typ 2, und selbst mit halbierter Einlage erfüllte kein Typ 2 die Norm.[4] Bei simulierten WC-Spülungen setzten sich an den Klappen des Typs 2 schon beim ersten Spülen Ablagerungen fest, die auch mehrmaliges Spülen nicht löste, und die Autoren raten dringend davon ab, Typ 2 bei fäkalienhaltigem Abwasser einzusetzen.[4]
Neben Verschlüssen für durchgehende Leitungen gibt es nach Dallmer Kellerabläufe nach DIN EN 13564 mit dreifacher Sicherheitsvorrichtung für fäkalienfreies Abwasser.[3] Beim Verschluss des Herstellers für fäkalienhaltiges Abwasser reagiert eine Sonde auf Benetzung und schließt die Klappe über eine elektrisch angetriebene Spindel, und auch bei einem Netzausfall hält eine eingebaute Notstromversorgung aus Batterien die Sicherheitsfunktionen aufrecht.[3]
Einbau und Wartung
Einbau und Wartung einer Rückstausicherung liegen beim Hauseigentümer. Die Betreiber öffentlicher Kanäle haften nicht für Rückstauschäden, und Versicherungen können Entschädigungen nach dem Abwasser-Zweckverband Südholstein einschränken oder ablehnen, wenn keine fachgerechte Rückstausicherung vorhanden ist.[2]
Den besten Schutz gegen eindringendes Wasser sieht der Abwasserzweckverband Mittlere Mulde darin, in rückstaugefährdeten Untergeschossen ganz auf Entwässerungseinrichtungen wie Toilette oder Waschbecken zu verzichten.[5] Wer sie dennoch braucht, sichert sie gegen Rückstau, und diese Sicherung ist nach dem Verband zweimal jährlich zu warten.[5] Die Hamburger Umweltbehörde verlangt für alle Rückstausicherungen eine fachgerechte Wartung nach DIN 1986-3 und den Herstellerangaben.[1]
Für den Einbau nennt Dallmer bei seinem Verschluss für fäkalienhaltiges Abwasser eine Beruhigungsstrecke von mindestens 1 Meter vor und nach dem Verschluss und ein Mindestgefälle der Grundleitung von 1 Prozent.[3] Die für die Wartung vorgesehenen Teile müssen zugänglich und die Funktionsprüfung durchführbar sein.[3]
Rückstau und Versicherung
Schäden durch Rückstau sind nach dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft über den Zusatzbaustein für erweiterte Naturgefahren versichert, die Elementarschadenversicherung, die es zur Wohngebäude- und zur Hausratversicherung gibt.[6] Der Zusatzschutz leistet danach auch bei Rückstau, wenn bei einer Überlastung der Kanalisation Wasser durch die Ableitungsrohre ins Haus gelangt, und trägt etwa die Kosten für Abpumpen und Trockenlegung.[6] Wie hoch das Überschwemmungsrisiko einer Adresse ist, zeigt nach dem Verband ein kostenloser Hochwasser-Check für mehr als 22 Millionen Adressen in Deutschland.[6]
Nach einem Rückstauschaden prüfen wir, welche Ablaufstellen unter der Rückstauebene liegen, ob die Sicherung dazu passt und wann sie zuletzt gewartet wurde, und halten das für den Versicherer fest.
Nach dem Rückstau
Rückstauwasser ist Abwasser. Wir arbeiten dann mit Schutzausrüstung, entfernen durchnässte Beläge und Dämmstoffe, die mit Schmutzwasser in Berührung gekommen sind, und trocknen im Unterdruckverfahren, damit keine belastete Luft in die Wohnräume gelangt.
Gleichzeitig klären wir, ob die Sicherung versagt hat oder fehlte, und schlagen die passende Lösung vor, Hebeanlage oder Rückstauverschluss, je nachdem, wie der Raum genutzt wird.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA): Rückstauebene und Rückstauschutz. Abschnitte zu Rechtsgrundlagen, Ermittlung der Rückstauebene und Rückstauschutz. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
- Abwasser-Zweckverband Südholstein (AZV): Rückstausicherung. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Dallmer GmbH + Co. KG: Rückstauverschlüsse und Rückstau-Kellerabläufe. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Moderne Gebäudetechnik, media2business GmbH: Rückstauverschlüsse mit Risiko. Carsten Bäcker, Michael Steinkamp, Bernd Harker, 11.06.2021. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Abwasserzweckverband Mittlere Mulde: Rückstausicherungen. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): So sind Schäden durch Naturgefahren versichert. aktualisiert 14.08.2024. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3
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