Drainage
Auch: Dränung, Dränage
Eine Drainage, fachlich Dränung, ist eine Anlage aus Dränschicht, Dränleitung sowie Kontroll- und Spüleinrichtungen, die Sickerwasser im wenig durchlässigen Boden vor erdberührten Bauteilen sammelt und drucklos ableitet.[1] So staut sich kein Wasser vor Kellerwand und Bodenplatte, und die Abdichtung muss nur gegen Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser ausgelegt werden.[2] Geregelt ist sie in DIN 4095 von 1990, deren Überarbeitung im Frühjahr 2019 beantragt wurde.[2]
So leitet die Drainage das Sickerwasser ab
Schematische Darstellung einer Kellerwand im Schnitt mit Abdichtung, Dränschicht, Kies und Dränrohr am Wandfuß. Die Nummern folgen dem Wasser vom bindigen Boden bis zur Abdichtung, die es entlastet.
- Sickerwasser im bindigen Boden: In wenig durchlässigen Böden wie Tonen und Schluffen staut sich Sickerwasser oberhalb des Grundwassers vor den erdberührten Bauteilen. Die Drainage ist für dieses Wasser gedacht, nicht für Grundwasser.
- Dränschicht leitet nach unten: Die Dränschicht vor der Wand nimmt das Wasser aus dem Boden auf und leitet es zur Dränleitung. Sie muss filterfest sein, damit keine Bodenteilchen ausgespült werden, und alle erdberührten Flächen bedecken.
- Dränrohr sammelt, Kies darum: Am Wandfuß sammelt das Dränrohr mit 100 Millimetern Durchmesser das Wasser, umgeben von einer mineralischen Ummantelung von mindestens 30 Zentimetern. Für Gebäude wird eine Ringdrainage um das Haus empfohlen.
- Sohle unter der Bodenplatte: Die Rohrsohle liegt am Hochpunkt mindestens 20 Zentimeter unter der Oberkante der Rohbodenplatte, der Rohrscheitel nicht höher als deren Oberkante. So steht kein Wasser auf Höhe der Platte an.
- Gefälle 0,5 Prozent zum Vorfluter: Die Dränleitung fällt mit mindestens 0,5 Prozent zum Vorfluter ab, eine 40 Meter lange Leitung um 20 Zentimeter. Der Vorfluter muss rückstausicher sein, und vorher ist bei der Gemeinde zu klären, wohin Dränwasser abgeleitet werden darf.
- Kontrollrohr zum Spülen: Kontroll- und Spüleinrichtungen dienen der Inspektion und der Reinigung einer verstopften Leitung. Sie gehören in bestimmten Abständen und an jede Richtungsänderung und müssen von oben zugänglich sein.
- Abdichtung nur gegen Bodenfeuchte: Weil kein Wasser vor der Wand ansteht, entsteht an den Bauteilen kein Wasserdruck. Die Abdichtung muss nur gegen Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser ausgelegt sein, nach DIN 18533 die Klasse W1-E.
Was eine Drainage am Haus leisten soll
DIN 4095 mit dem Titel Dränung zum Schutz baulicher Anlagen regelt nach dem Forum Verlag die Dränung auf, an und unter erdberührten Bauteilen und erschien erstmals 1990.[1] Sie unterscheidet die Ausführung im Regelfall, für die keine weiteren Nachweise nötig sind, von Sonderfällen mit zusätzlichen Nachweisen.[1] Dränanlagen entlasten die Abdichtung erdberührter Bauteile und ermöglichen so eine einfachere Ausführung.[1]
Funktionsfähige Dränanlagen sollen nach einem Beitrag des Obmanns des zuständigen DIN-Ausschusses in der Zeitschrift Der Bausachverständige bei wenig durchlässigen Böden oberhalb des höchsten Grundwasserstands aufstauendes Sickerwasser drucklos ableiten.[2] An den Bauteilen entsteht dann kein Wasserdruck, und die Abdichtung muss nur gegen die geringe Einwirkung Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser vorgesehen werden, nach DIN 18533 die Klasse W1-E.[2] Fällt eine Dränanlage aus, staut sich das Wasser an der Wand, und steht es im Keller, pumpt der Notdienst den Raum leer.
Grundwasser ist damit ausdrücklich nicht gemeint: Eine Dränung nach DIN 4095 ist für Sickerwasser oberhalb des höchsten Grundwasserstands gedacht.[2] Liegt ein Keller im Grundwasser, braucht er eine Abdichtung gegen drückendes Wasser, wie sie die Begriffe Weiße Wanne und Schwarze Wanne beschreiben.
Wann eine Drainage infrage kommt
Eine Drainage setzt nach dem Forum Verlag einen wenig wasserdurchlässigen Boden voraus, mit einem Durchlässigkeitsbeiwert von höchstens 10 hoch minus 4 Metern je Sekunde, bestimmt nach DIN 18130.[1] Typisch sind bindige Böden wie Tone und Schluffe, und die Wassereinwirkung darf nur aus Bodenfeuchte oder nicht drückendem Wasser bestehen.[1] Auch bei Gebäuden am Hang sind Drainagen nötig, damit anfallendes Wasser kontrolliert abfließt.[1]
Die Klasse W1.2-E nach DIN 18533 setzt nach dem Fachverband für Hauseinführungen (FHRK) voraus, dass eine auf Dauer funktionsfähige Dränung nach DIN 4095 Stauwasser zuverlässig vermeidet und die unterste Abdichtungsebene mindestens 50 Zentimeter über dem Bemessungswasserstand liegt.[3] Ohne Dränung muss in wenig durchlässigen Böden mit Stauwasser bis zur Geländeoberkante gerechnet werden, das gilt dann als mäßig drückendes Wasser.[3]
Die Richtlinie der Deutschen Bauchemie zeigt den Aufbau dafür: vor der abgedichteten Wand eine Schutzschicht, die zugleich Dränschicht nach DIN 4095 ist, eine filterstabile Sickerschicht im Arbeitsraum und unten die Dränleitung.[4] Läuft bei Hanglage zusätzlich Wasser vom Nachbargrundstück zu, muss die Dränung auch diese Menge aufnehmen können.
Bestandteile einer Drainage nach DIN 4095
Die Dränschicht nimmt das Wasser aus dem wenig durchlässigen Boden auf und leitet es zur Dränleitung, sie muss filterfest sein, damit keine Bodenteilchen ausgespült werden, und alle erdberührten Flächen bedecken.[1] Die Dränleitung sammelt das Wasser und leitet es planmäßig ab, empfohlen wird für Gebäude eine Ringdrainage um das Haus.[1] Läuft nach einem Ausfall der Drainage Wasser in die Räume, beginnen die Sofortmaßnahmen mit dem Abpumpen und dem Schutz der Elektrik.
Vorgaben nach DIN 4095, wiedergegeben vom Forum Verlag.[1]
Kontroll- und Spüleinrichtungen dienen der Inspektion und der Reinigung einer verstopften Leitung, sie gehören in bestimmten Abständen und an jede Richtungsänderung und müssen bei Bedarf von oben zugänglich sein.[1] Als Rechenbeispiel fällt eine 40 Meter lange Dränleitung mit dem Mindestgefälle von 0,5 Prozent um 20 Zentimeter.[1] Ist eine Drainage verstopft, sammelt sich oft Wasser im Lichtschacht, weil dessen Ablauf oft an dieselbe Leitung angeschlossen ist.
Wohin das Dränwasser fließt
Das Wasser fließt zu einem Vorfluter, im natürlichen Gefälle oder über eine Hebepumpe, und der Vorfluter muss rückstausicher gebaut sein, damit sich das Wasser nicht bis in die Drainage zurückstaut, notfalls mit einer Rückstauklappe.[1] Bei der Planung werden Einzugsgebiet, Baugrund, chemische Beschaffenheit des Wassers, Vorflut, Wasseranfall und Grundwasserstände untersucht, und die Anlage wird mit Lage, Baustoffen, Maßen und Sohlenhöhen in die Pläne eingetragen.[1] Im Entwässerungsplan werden dabei Dränanlagen vor Wänden, auf Decken und unter Bodenplatten unterschieden, und für die Untersuchungen können Bohrungen oder Schürfe nötig sein.[1]
Schwierig ist heute die Ableitung. Der Obmann des Normenausschusses fragt in seinem Beitrag, ob Dränanlagen angesichts des restriktiven Wasserhaushaltsgesetzes und häufiger Einleitungsverbote für Dränwasser in öffentliche Entwässerungsnetze überhaupt noch zeitgemäß und ausführbar sind.[2] Vor der Planung ist deshalb bei der Gemeinde zu klären, ob und wohin Dränwasser abgeleitet werden darf.
Wenn ein Leitungsgraben wie eine Drainage wirkt
Nicht jede Dränwirkung ist geplant. Werden für neue Leitungen Gräben bis ans Haus gezogen und die Rohre eingesandet, kann die Leitungszone nach dem FHRK in bindigem Boden wie Lehm Wasser sammeln und an die Kellerwand führen.[3] Ändern Tiefbauarbeiten auf diese Weise die bisherige Wassereinwirkungsklasse einer Wand, sind zusätzliche Maßnahmen zu treffen.[3]
Der Ringraum zwischen Wand und Leitung oder zwischen Wand und Futterrohr wird dann mit Vergussmörtel oder Expansionsharz gas- und wasserdicht verschlossen.[3] Empfohlen werden außerdem grabenlose Verlegeverfahren, Barrieren aus wenig durchlässigem Boden wie Lehm, der Wiedereinbau des Aushubs, soweit die Leitungsmaterialien es zulassen, und eine Versiegelung der freigelegten Wandfläche.[3]
Wird ein Keller erst feucht, nachdem eine neue Leitung ins Haus verlegt wurde, sehen wir uns bei der Ursachensuche deshalb auch den Verlauf des neuen Grabens und die Einführung in der Wand an.
Die Überarbeitung der Drainage-Norm
DIN 4095 war nach dem Beitrag in Der Bausachverständige von Februar 2023 über 30 Jahre alt und entsprach in einigen Bereichen nicht mehr den anerkannten Regeln der Bautechnik, weil sich die Anforderungen an Dränanlagen und die wasserrechtliche Lage erheblich verändert hatten.[2] Schon 1996 hatte der damalige Obmann Verbesserungen vorgeschlagen, die nicht aufgegriffen wurden, im Frühjahr 2019 wurde die Überarbeitung beim DIN beantragt und ein neuer Arbeitsausschuss eingesetzt.[2]
Die künftige Norm soll drei Teile haben: Teil 1 mit Begriffen und Wassereinwirkungen, als Entwurf E DIN 4095-1 vom Dezember 2022 erschienen, Teil 2 zur Dränung von Sickerwasser oberhalb des Bemessungsgrundwasserstands und Teil 3 zur Dränung von Grundwasser unterhalb davon.[2] Mit den Entwürfen der Teile 2 und 3 wollte der Ausschuss im Frühjahr 2023 beginnen und rechnete mit zwei bis drei Jahren Bearbeitungszeit.[2]
So lange sollte die alte DIN 4095 gültig bleiben, ein Weißdruck von Teil 1 sollte parallel als Teilersatz erscheinen.[2] Nach der Fassung von 1990 wurden Dränanlagen nach dem Beitrag bundesweit geplant und ausgeführt.[2] Welche Fassung bei einem Bauvorhaben gilt, klärt der Planer anhand des aktuellen Normenstands.
Eine verstopfte oder überlastete Drainage erkennen
Eine Drainage funktioniert nur, solange Wasser abfließen kann. Verschlammte Rohre, zugewachsene Spülschächte, eine defekte Pumpe oder ein Rückstau aus dem Vorfluter lassen Wasser vor der Kellerwand stehen, und dann wirkt es auf eine Abdichtung, die dafür nicht ausgelegt ist. Die Norm verlangt deshalb, dass die Funktionsfähigkeit dauerhaft sichergestellt bleibt.[1]
Wird ein Keller nach starkem Regen feucht, prüfen wir bei der Ursachensuche die Kontroll- und Spülschächte, den Wasserstand darin und den Ablauf. Mit einer Rohrkamera sehen wir uns die Dränleitung von innen an, und wir messen die Feuchte der Kellerwand in mehreren Höhen. So lässt sich unterscheiden, ob die Drainage versagt, die Abdichtung undicht ist oder Wasser aus einer Leitung im Haus stammt.
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Belege
Quellen
- Forum Verlag Herkert GmbH: DIN 4095 Drainage: aktuelle Vorgaben und Kennzahlen. Abschnitte DIN 4095: Definition, Voraussetzungen, Drainage nach DIN 4095 planen und Tabelle Aufbau von Drainagen. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16
- Der Bausachverständige (BauSV), Fraunhofer IRB Verlag: Entwurf der neuen E-DIN 4095-1:2023 Baugrund: Dränung zum Schutz baulicher Anlagen (Gerhard Klingelhöfer). BauSV 2/2023, Rubrik Regelwerke, frei zugänglicher Teil. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12
- Fachverband Hauseinführungen für Rohre und Kabel e.V. (FHRK): Planung Gebäudeeinführungen (Planungshilfe). Ausgabe mit Anforderungen im Bestand, S. 2 bis 12 und 20 bis 24. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Deutsche Bauchemie e.V.: Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit polymermodifizierten Bitumendickbeschichtungen (PMBC). 4. Ausgabe Dezember 2018, elektronische Ausgabe aktualisiert März 2020, Vorwort, Teil A Abschnitte 4 bis 10, Teil B Abschnitte 2, 3, 5 bis 9 mit Tabelle 7, Teil C Abschnitt 1. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
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