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Salzluft und Korrosion: Küstenhaus mit Salzpfeilen vom Meer, rostendem Geländeranker, Lupe mit Zinkschicht, Ausblühungen am Mauerwerk und Hygrometer

Salzluft und Korrosion

Auch: Seeluft, Meeresluft

Salzluft ist die salzhaltige Luft in Küstennähe, die Metalle an Gebäuden schneller angreift als die Luft im Binnenland. DIN EN ISO 12944-2 ordnet Küstenbereiche je nach Salzbelastung den Korrosivitätskategorien C3 bis C5 zu, Offshore-Bereiche der Kategorie CX.[1] Gelangt Meersalz in Mauerwerk und Putz, kann es bei wechselnder Luftfeuchte auskristallisieren und den Baustoff schädigen.[2]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So greifen Salzluft und Meersalz das Haus an

Salzluft und Korrosion, Funktionsweise: Haus an der Küste mit Meer, Salzpfeilen gegen die Fassade, Balkongeländer mit rostender Schraube am Wandanker und Rost im Spalt der Überlappung, Lupe mit Zinkschicht auf Stahl, Ausblühungen und Putzabplatzung am Mauerwerk und Hygrometer mit 75 Prozent

Schematische Darstellung eines Küstenhauses mit Meer, Salzpfeilen gegen die Fassade, Balkongeländer mit rostender Schraube am Wandanker und Rost im Spalt der Überlappung, Lupe mit Zinkschicht auf Stahl, Ausblühungen und Putzabplatzung am Mauerwerk und Hygrometer mit 75 Prozent. Die Nummern folgen dem Salz vom Meer bis in die Wand.

  1. Salz aus der Seeluft: Salzhaltige Luft in Küstennähe greift Metalle schneller an als die Luft im Binnenland. DIN EN ISO 12944-2 ordnet Küstenbereiche den Korrosivitätskategorien C3 bis C5 zu, Offshore-Bereiche der Kategorie CX, bestimmt wird die Kategorie mit ausgelagerten Proben.
  2. Zinkschicht auf dem Stahl: Die Schutzdauer verzinkten Stahls hängt von der Korrosionsbelastung und der Zinkschichtdicke ab, die Norm erlaubt eine Abschätzung in Mikrometern je Jahr. Für Bauteile über 6 Millimeter Dicke sind mindestens 85 Mikrometer Zink vorgeschrieben, Salzsprühtests sagen über die Haltbarkeit nichts.
  3. Verzinkte Schraube am Edelstahl: Treffen zwei Metalle mit Potentialdifferenz über einen Elektrolyten zusammen, entsteht Kontaktkorrosion. Verzinkte Schrauben eignen sich deshalb nicht zur Befestigung von Edelstahlteilen, und salzhaltige Feuchte leitet besser als Regenwasser.
  4. Spalt rostet zuerst: Spalte, Fugen und Überlappungen sind bevorzugte Stellen für Korrosion, kritisch sind Spaltbreiten von 0,01 bis 0,5 Millimetern. Mulden und Taschen, in denen Wasser steht, sind zu vermeiden, offene Hohlbauteile brauchen Entwässerungsbohrungen.
  5. Salz blüht im Mauerwerk aus: Kristallisiert Salz im Porenraum, entstehen Drücke, die viele Baustoffe nicht aushalten, besonders im Wechsel von Lösen und Auskristallisieren. Nach Sturmflut oder Hochwasser bleibt das Salz im Putz und Mauerwerk, Ausblühungen und Putzabplatzungen folgen.
  6. Ab 75 % zieht Salz Wasser: Natriumchlorid hat eine Deliqueszenzfeuchte von etwa 75 Prozent relativer Luftfeuchte. Darüber bleibt das Salz gelöst und die Wand erscheint feucht, obwohl kein Wasser nachkommt, deshalb bestimmen wir an solchen Wänden den Wassergehalt an Proben und lassen Salze analysieren.

Korrosivitätskategorien an der Küste

Wie stark eine Umgebung Metalle angreift, wird nach ISO 9223 einer Korrosivitätskategorie zugeordnet, so ein Merkblatt der Qualitätsgemeinschaft Industriebeschichtung.[1] Bestimmt wird sie, indem standardisierte Proben ausgelagert und nach dem ersten Jahr Schichtdickenabnahme und Massenverlust gemessen werden, bei bekannten Umgebungsbedingungen ist auch eine Schätzung möglich.[1]

Korrosivitätskategorien außen nach DIN EN ISO 12944-2
Kategorie Belastung Beispiele für typische Umgebungen außen
C2 gering Atmosphären mit geringer Verunreinigung, etwa ländliche Gebiete
C3 mäßig Stadt- und Industrieatmosphäre und Küstenbereiche mit geringer Salzbelastung
C4 stark Industrielle Bereiche und Küstenbereiche mit mäßiger Salzbelastung
C5 sehr stark Industrielle Bereiche mit extrem hoher Feuchte und aggressiver Atmosphäre und Küstenbereiche mit starker Salzbelastung
CX extrem Offshore-Bereiche mit hoher Salzbelastung

Auszug aus Tabelle 1 des QIB-Merkblatts 2-2, Quelle dort DIN EN ISO 12944-2.[1]

Innen gehören nach derselben Tabelle zum Beispiel Schwimmbäder und Bootsschuppen über Meerwasser zur Kategorie C4.[1] Welche Kategorie für ein Haus an der Küste gilt, schätzt ein Fachplaner für Korrosionsschutz für den konkreten Standort ein.

Wie lange eine Beschichtung bis zur ersten Instandsetzung hält, ihre Schutzdauer, hängt nach DIN EN 1090-2 auch von der Vorbereitung der Oberfläche ab.[1] Für mehr als 15 Jahre Schutzdauer verlangt die Norm oberhalb der Kategorie C3 eine gründliche oder sehr gründliche Vorbereitung, die Vorbereitungsgrade P2 oder P3, und je einfacher die Vorbereitung, desto höher das Risiko von Fehlstellen.[1]

Zink und Feuerverzinkung in Salzluft

Für Zinküberzüge auf Stahl beschreibt DIN EN ISO 14713-1 nach dem Institut Feuerverzinken die Korrosivitätskategorien und gibt Hinweise zu Schutzdauer und Haltbarkeit der verschiedenen Überzüge.[3] Maßgeblich für die Schutzdauer sind die Korrosionsbelastung und die Zinkschichtdicke, die Norm erlaubt eine konservative Abschätzung der Korrosionsgeschwindigkeit von Zink in Mikrometern pro Jahr.[3]

Die Mindestzinkschichtdicke für Stahlbauteile regelt DIN EN ISO 1461, für Werkstücke über 6 Millimeter Materialdicke sind es 85 Mikrometer.[3] Als Lesebeispiel nennt das Institut für 140 Mikrometer Zink in der Kategorie C3 eine kürzeste Schutzdauer von 67 Jahren.[3] Weil die Korrosionsbelastung die Schutzdauer mitbestimmt, fällt sie in stärker belasteten Kategorien bei gleicher Schicht kürzer aus.

Kurzzeittests wie der Salzsprühnebeltest sind nach dem Kommentar in Teil 1 der Norm für Prognosen zur Haltbarkeit von Zinküberzügen in der Praxis völlig ungeeignet.[3] Außerdem enthält die Norm Angaben zur Haltbarkeit von Zinküberzügen in Kontakt mit Böden und Wässern, mit Beton, Holz und anderen metallischen Werkstoffen, und sie gilt für alle metallischen Überzüge aus Zink, gleich nach welchem Verfahren sie aufgebracht werden.[3] Wer an der Küste baut oder saniert, plant den Korrosionsschutz deshalb nach der Kategorie des Standorts und nicht nach dem Ergebnis eines Labortests.

Spalten, Mulden und Metallmischungen

Spalte, Fugen und Überlappungen sind bevorzugte Stellen für Korrosion und sollten nach dem Merkblatt unbedingt vermieden werden, kritisch sind Spaltbreiten von 0,01 bis 0,5 Millimetern, und auch abgehobene Werkstoffteile wie Überwalzungen und Schuppen bilden Spalten.[1] Auch Mulden, Senken und Taschen, in denen Flüssigkeit stehen bleibt, sind zu vermeiden, offene Hohlbauteile brauchen Entwässerungsbohrungen, geschlossene müssen absolut dicht sein.[1]

Treffen verschiedene Metalle aufeinander, droht Kontaktkorrosion. Sie setzt zwei Werkstoffe mit einer Potentialdifferenz voraus, die über einen Elektrolyten in Kontakt stehen, und hängt von dessen Leitfähigkeit und vom Flächenverhältnis von Anode zu Kathode ab.[1] Verzinkte Schrauben eignen sich deshalb nicht ohne Weiteres zur Befestigung von Edelstahlteilen, umgekehrt ist es in der Regel problemlos möglich.[1]

Salzhaltige Feuchte leitet besser als Regenwasser, deshalb achten wir an Küstenhäusern besonders auf solche Paarungen, etwa an Geländern, Beschlägen und Befestigungen von Außengeräten. Rostspuren unter einem Befestigungspunkt oder weiße Beläge an verzinkten Schrauben sehen wir uns bei Begehungen genauer an.

Meersalz im Mauerwerk

Salzschäden in porösen Baustoffen sind nach dem Salzwiki des Hornemann Instituts der Hochschule HAWK in Hildesheim, immer die Folge von Phasenumwandlungen im Porenraum, etwa der Kristallisation eines Salzes, wenn Wasser verdunstet.[2] Wachsende Kristalle erzeugen im Porenraum Drücke, die viele Baustoffe nicht aushalten, besonders wenn sich Salze im Wechsel lösen und wieder auskristallisieren, etwa durch Beregnung und Trocknung oder durch Kondensation.[2]

Natriumchlorid, der Hauptbestandteil des Meersalzes, hat eine Deliqueszenzfeuchte von etwa 75 Prozent relativer Luftfeuchte, die nahezu unabhängig von der Temperatur ist.[2] Liegt die Luftfeuchte dauerhaft darüber, bleibt das Salz gelöst, und es kann zu deutlich erhöhten Materialfeuchten kommen, schwankt sie um diesen Wert, wechseln Lösung und Kristallisation.[2] In beheizten Räumen sinkt die Luftfeuchte während der Heizperiode auf 30 bis 40 Prozent, was zyklische Schadensprozesse auslöst, wenn entsprechende Salze im Baustoff angereichert sind.[2] Schäden lassen sich bei einem Salz wie Natriumchlorid aber zuverlässig unterbinden, wenn die Luftfeuchte dauerhaft unter seiner Deliqueszenzfeuchte bleibt.[2]

Salzbelastete Wände können deshalb feucht erscheinen, obwohl kein Wasser von außen nachkommt. Bei der Feuchtigkeitsmessung bestimmen wir an solchen Wänden den Wassergehalt an Proben und lassen Salze analysieren, bevor wir von einem Leck oder einer schadhaften Abdichtung ausgehen.

Nach Sturmflut oder Hochwasser: Salz bleibt im Bauteil

Nach Überflutungen treten nach der Hochwasserschutzfibel des Bundesbauministeriums neben Festigkeitsverlusten und Pilzbefall auch Korrosionserscheinungen auf, und besonders bei Mauerwerk stehen Feuchte- und Wasserschäden in Verbindung mit Schäden durch bauschädliche Salze.[4] Im Baustoff eingelagerte wasserlösliche Salze können Ausblühungen oder Putzabplatzungen verursachen, und weil die Wärmeleitfähigkeit feuchter Baustoffe zunimmt, steigt der Heizenergiebedarf.[4] Wie groß die Feuchte- und Wasserschäden ausfallen, hängt von der höchsten Überflutungshöhe und der Dauer der Überflutung ab.[4]

Moderne Abgasanlagen bestehen in der Regel aus korrosionsbeständigen Materialien, werden aber mit dem Wasser Chloridionen eingetragen, nimmt die Korrosionsgefahr nach der Fibel erheblich zu.[4] Homogene Baustoffe aus Metall oder Glas nehmen nach der Fibel kein Wasser in ihr Gefüge auf und verformen sich deshalb nicht durch Quellen oder Schwinden.[4] Weil sie aber meist in komplexeren Bauprodukten stecken, folgen nach einer Überflutung trotzdem Reinigung, Prüfung und gegebenenfalls die Wiederherstellung von Funktion und Korrosionsschutz.[4]

Nach dem Trocknen ist das Salz nicht verschwunden, es sitzt im Putz und im Mauerwerk. Wir dokumentieren deshalb nach Salzwasserschäden die Bereiche, in denen Ausblühungen auftreten, und stimmen mit dem Eigentümer ab, ob Putz abgeschlagen und ein salzverträglicher Aufbau gewählt wird.

Salzluft, Sturmflut und Versicherung

Die Wohngebäude-Musterbedingungen des GDV nehmen Schäden durch Sturmflut bei den Naturgefahren ausdrücklich aus, auch bei den weiteren Naturgefahren.[5] Eine versicherte Überschwemmung setzt dort die Überflutung von Grund und Boden des Versicherungsgrundstücks oder unmittelbar angrenzender Flächen mit erheblichen Mengen Oberflächenwasser voraus, verursacht durch das Ausufern oberirdischer Gewässer, durch Witterungsniederschläge oder durch dadurch an die Oberfläche tretendes Grundwasser.[5]

Korrosion, die sich über Jahre durch Salzluft entwickelt, gehört nicht zu den Gefahren, die die Musterbedingungen aufzählen.[5] Wer ein Haus an der Küste besitzt, plant Korrosionsschutz und Wartung deshalb von vornherein ein und lässt Metallteile, Anschlüsse und Außengeräte regelmäßig ansehen. Der GDV gibt seine Musterbedingungen unverbindlich bekannt, Versicherer dürfen davon abweichen.[5]

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Belege

Quellen

  1. Qualitätsgemeinschaft Industriebeschichtung e.V. (QIB): Merkblatt 2-2: Schwerer Korrosionsschutz, Hinweise zu beschichtungsgerechtem Konstruieren und Vorbereiten. Abschnitte 1, 2 mit Tabellen 1 und 3 und 4.1 bis 4.4, S. 3 bis 9. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
  2. Salzwiki, Hornemann Institut der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen: Schadensprozesse (Michael Steiger). Abschnitte Einleitung, Phasenumwandlungen und Kristallisation, Salze und Raumklima, Phasendiagramme. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  3. Institut Feuerverzinken GmbH: Arbeitsblatt F3: DIN EN ISO 14713, Teil 1 und 2. Stand 08/2025, Abschnitte Allgemeines und DIN EN ISO 14713-1. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
  4. Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB): Hochwasserschutzfibel: Objektschutz und bauliche Vorsorge. 9. überarbeitete Auflage, Stand Februar 2022, Abschnitte 7.2 und 8.4, S. 33, 43, 49 und 63. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
  5. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Allgemeine Wohngebäude Versicherungsbedingungen (VGB 2022, Wohnflächenmodell), Musterbedingungen. Stand Juni 2026, unverbindliche Bekanntgabe, Teil A, Abschnitte A 1, A 4.1 bis A 4.5, A 5.3, A 5.4 und A 5.5. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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