Sanierputz
Sanierputz ist ein mineralischer Spezialputz für feuchtes, salzbelastetes Mauerwerk, der Salze in seinen Poren einlagert, ohne selbst zerstört zu werden.[1] Er hat eine geringe kapillare Leitfähigkeit, ein hohes Porenvolumen und eine gute Wasserdampfdurchlässigkeit, und er wirkt nur im System mit Spritzbewurf, gegebenenfalls Grundputz und abgestimmter Deckschicht.[2][3] Die Anforderungen regelt das WTA-Merkblatt 2-9 in der Ausgabe 2020.[3]
So arbeitet Sanierputz auf salzbelastetem Mauerwerk
Schematische Darstellung einer Kellerwand im Schnitt mit altem Putz voller Ausblühungen, freigelegtem Mauerwerk, vier Putzlagen mit Luftporen, Feuchtepfeilen, Dampf an der Oberfläche, Lupe mit Salzkristallen und Trocknungsgerät. Die Nummern folgen dem Wasser vom Mauerwerk bis zur Vorbereitung der Sanierung.
- Salz und Feuchte im Mauerwerk: Salzschäden treten besonders im Sockelbereich und in Keller- und Gewölberäumen auf. Mit der Feuchte wandern gelöste Salze an die Oberfläche, kristallisieren dort aus und sprengen alten Putz ab, der Sanierputz entfernt diese Salze nicht, er gibt ihnen einen Ort.
- Vier Lagen als System: Ein Sanierputzsystem besteht nach dem WTA-Merkblatt 2-9 in der Regel aus Spritzbewurf, gegebenenfalls Grundputz, Sanierputz und Oberputz oder Anstrich. Die Materialien müssen aufeinander abgestimmt sein, geprüfte Produkte tragen die Bezeichnung Sanierputz-WTA.
- Wasser bleibt im Putz stecken: Ein Zusatz von etwa 1 Masseprozent Stearaten drängt den kapillaren Wassertransport in den Putzquerschnitt zurück. Feuchte und Salze wandern in den Putz, kommen aber nicht bis an die Oberfläche.
- Salz kristallisiert in den Poren: Ein Luftporenbildner schafft kugelförmige Poren, die das Kapillarsystem unterbrechen und dem Salz Raum zum Kristallisieren geben. Das Putzgefüge bleibt dabei unversehrt, die Bindemittel sind salzresistent.
- Verdunstet, Fläche bleibt sauber: Das Wasser verdunstet im grobporigen Putz und verlässt ihn als Dampf, denn Sanierputz ist wasserdampfdurchlässig. An der Oberfläche bilden sich keine Feuchteflecken, gegen drückendes Wasser oder Stauwasser hilft er allerdings nicht.
- Erst trocknen, dann verputzen: Sanierputz ist kein Mittel, eine nasse Wand zu trocknen. Zuerst wird die Ursache beseitigt und das Mauerwerk technisch getrocknet, dann wird geschädigter Altputz großzügig über die sichtbare Schadenszone hinaus abgeschlagen und das System aufgebracht.
Wie Sanierputz arbeitet
Salzschäden treten nach der Deutschen Burgenvereinigung besonders im Sockelbereich und in Keller- und Gewölberäumen auf, und das Ziel einer Sanierung ist eine verputzte Oberfläche, die langfristig schadensfrei bleibt.[1] Der Sanierputz drängt dazu den kapillaren Wassertransport in den Putzquerschnitt zurück, meist durch einen Zusatz von etwa 1 Masseprozent Stearaten.[1] Feuchte und Salze wandern in den Putz, das Wasser verdunstet dort, und an der Oberfläche bilden sich keine Feuchteflecken.[1]
Ein Luftporenbildner schafft kugelförmige Poren, die das Kapillarsystem unterbrechen und dem Salz Raum zum Kristallisieren geben, das Putzgefüge bleibt dabei unversehrt.[1] Sanierputze besitzen außerdem salzresistente Bindemittel, sind wasserabweisend, nehmen Salze sehr langsam auf und schützen so den Untergrund langfristig.[2] Der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband beschreibt sie als Mörtel mit grobporiger Struktur, in der Wasser schnell verdunstet, während die kapillare Leitfähigkeit erheblich vermindert ist.[4]
Warum Salze im Mauerwerk überhaupt Schaden anrichten und woher sie kommen, beschreibt der Begriff Salzausblühungen. Der Sanierputz entfernt diese Salze nicht, er gibt ihnen einen Ort, an dem sie kristallisieren können, ohne sichtbar zu werden.
Porosierte Putze mit Luftporenbildnern aus künstlichen oder natürlichen Tensiden, etwa Eiweißhydrolysaten, Oleaten und Lauraten, werden nach der Burgenvereinigung auch außerhalb des Sanierputzsystems angeboten.[1] Solche Lösungen nutzen dasselbe Prinzip, den kapillaren Transport zugunsten der Wasserdampfdiffusion zurückzudrängen, sie bleiben aber ein Kompromiss, weil sie den ursprünglichen Zustand des Mauerwerks nicht wiederherstellen.[1]
Das Sanierputzsystem nach WTA
Ein Sanierputzsystem besteht nach dem WTA-Merkblatt 2-9 in der Regel aus dem Spritzbewurf, gegebenenfalls einem Grundputz, dem Sanierputz und einem Oberputz oder Farbanstrich, und diese Materialien müssen aufeinander abgestimmt sein.[3] Je nach Anwendungsfall kann außer dem Sanierputz das eine oder andere Produkt entfallen.[2] Für eine Innenabdichtung im Keller reicht Sanierputz allein nicht aus, weil er Feuchte nur aufnimmt und verdunsten lässt, ohne sie abzuhalten.
- Spritzbewurf: verringert die Saugfähigkeit des Putzgrunds und trägt die Spannungen der Putzlage auf den Untergrund ab[5]
- Grundputz: gleicht unebene Putzgründe aus und dient bei erhöhter Salzbelastung als Salzspeicher, dann Porengrundputz genannt[5]
- Sanierputz: die wasserabweisende, porenreiche Hauptlage[2]
- Oberputz oder Anstrich: eine auf das System abgestimmte Deckschicht[3]
Produkte, die die Anforderungen des Merkblatts erfüllen, geprüft und von der WTA zertifiziert sind, tragen die Bezeichnungen Spritzbewurf-WTA, Grundputz-WTA und Sanierputz-WTA.[2] In der europäischen Putznorm DIN EN 998-1 sind Sanierputze als Sanierputzmörtel R erfasst, Grundputze als Normalputzmörtel GP, die Norm stellt aber nur Mindestanforderungen und betrachtet das System nicht.[2]
Vom ersten Sanierputz zum Merkblatt 2-9-20
Die ersten Sanierputze wurden etwa 1975 angeboten.[2] Die WTA schuf 1985 mit einem Merkblatt erstmals einheitliche Anforderungen, doch auch Produkte, die in der Praxis schnell versagten, erreichten diese Mindestwerte, 1992 erschien das Merkblatt deshalb unter dem Namen Sanierputzsysteme.[2] Das Merkblatt 2-9-20/D vom März 2020 ersetzt die Ausgabe 2-9-04/D und regelt Systemanforderungen, Prüfverfahren, Qualitätssicherung, Zertifizierung, Planung und Verarbeitung.[3]
Die Lebensdauer eines Sanierputzsystems lässt sich nach dem Fachbeitrag zum neuen Merkblatt nur schwer voraussagen, weil Nutzung und spätere Änderungen an den Flächen mitspielen. Bei richtiger Planung, beachteten Anwendungsgrenzen und sorgfältiger Verarbeitung sei sie in Jahrzehnten zu rechnen.[2] Der Schweizer Verband weist darauf hin, dass auch Sanierputze teilweise nur eine begrenzte Lebensdauer haben.[4]
Sanierputz planen: Salzbelastung und Schichtdicke
Voraussetzung sind Voruntersuchungen, die Aufschluss über die Ursache der Feuchte und die Salzbelastung geben, bei kleinen Flächen kann eine Sichtprüfung genügen, bei problematischem Untergrund sind Untersuchungen nötig.[2] Weil sich Schadsalze an der Oberfläche anreichern, unterscheidet das Merkblatt 2-9-20 bei der Probenahme zwischen Altputz von meist 2 ± 1 Zentimetern Dicke und frisch freigelegtem Mauerwerk, das bis etwa 2 Zentimeter Tiefe beprobt und strenger bewertet wird.[2] Wer einen weißen Belag an der Wand bemerkt, lässt darum vor dem Putzen prüfen, welche Salze darin stecken und wie viel davon.
Der Aufbau richtet sich nach der Salzbelastung. Bei geringer Belastung reicht ein einlagiger Sanierputz von mindestens 2 Zentimetern, bei mittlerer und hoher Belastung wird mehrlagig gearbeitet, mit zwei Lagen Sanierputz oder einer Lage Porengrundputz und einer Lage Sanierputz.[2] Einzuhalten sind Mindestputzdicken von 20 Millimetern für den Sanierputz und 25 Millimetern für ein System aus Porengrundputz und Sanierputz.[2] Ist die Wand nach einem Wasserschaden durchnässt, geht dem Putzauftrag eine Wasserschadensanierung voraus, damit die Lagen richtig abbinden.
Vor Beginn der Arbeiten muss sich der Verarbeiter nach dem Merkblatt davon überzeugen, dass ein Sanierungsvorschlag vorliegt, und dessen Angaben befolgen, andernfalls trägt er allein das Risiko möglicher Putzschäden.[2] Die Werkzeuge und Maschinen sind nach dem Fachbeitrag entscheidend dafür, dass der Putz die erforderliche Porosität erreicht.[2] Zuerst gilt, was im Vertrag steht: Werden ohne Absprache andere als die ausgeschriebenen Produkte verarbeitet, kann der Auftraggeber Ansprüche wegen fehlerhafter Arbeit geltend machen, selbst wenn höherwertige Produkte eingesetzt wurden.[2]
Grenzen von Sanierputz
Sanierputze leiten Wasser kapillar nicht weiter, gegen drückendes Wasser, Stauwasser und Bodenfeuchte sind sie aber nicht beständig, dort sind Dichtputze oder Dichtschlämmen nötig.[2] Im erdberührten Bereich dürfen auch mehrlagige Systeme nach dem Merkblatt nicht ohne vertikale Abdichtung eingesetzt werden, und sie dürfen nicht unmittelbar an einen kapillar leitfähigen Kellerwandaußenputz anschließen.[2]
Liegt der Taupunkt längere Zeit im Putzquerschnitt, kann Tauwasser trotz Hydrophobierung in den Poren kondensieren und den Sanierputz durchfeuchten, das muss durch Trocknungsmaßnahmen verhindert werden.[2] Zeigen frisch verputzte Kellerräume im Sommer feuchte Flecken oder Ausblühungen, ist der Putz zwar erhärtet, aber nicht ausgetrocknet und deshalb nicht wasserabweisend geworden, die hohe Raumluftfeuchte muss dann abgeführt werden.[2]
Für besondere Fälle gibt es andere Mittel. Kompressen ziehen Salze aus der Oberfläche und werden nach dem Trocknen entfernt, Opferputze nehmen eine Mittelstellung zwischen Kompresse und Sanierputz ein und müssen sich möglichst rückstandsfrei entfernen lassen.[4] Welche Lösung passt, hängt von Salzart, Feuchtequelle und Bedeutung der Oberfläche ab, bei Denkmalen entscheidet die Denkmalpflege mit.
Erst trocknen, dann verputzen: Sanierputz nach Hochwasser
Nach einem Hochwasser oder einem länger unbemerkten Leitungswasserschaden bringen Wasser und Schmutz Salze ins Mauerwerk. Sanierputz ist dabei kein Mittel, eine nasse Wand zu trocknen. Zuerst stellen wir mit der Feuchtigkeitsmessung fest, wie nass die Wand ist und woher das Wasser kommt, beseitigen die Ursache und trocknen das Mauerwerk technisch.
Erst danach geht es um den Putz. Geschädigten Altputz schlagen wir großzügig über die sichtbare Schadenszone hinaus ab, lassen bei Bedarf Proben auf Salze untersuchen und wählen den Aufbau nach der Salzbelastung. Während der Verarbeitung und der Erhärtung halten wir die Raumluft mit Entfeuchtern trocken, damit der Sanierputz seine wasserabweisende Wirkung ausbilden kann, und als Deckschicht verwenden wir nur diffusionsoffene, auf das System abgestimmte Anstriche. Lagen und Schichtdicken legen wir im Sanierungsvorschlag fest, und zwischen den Lagen halten wir die Standzeiten der Hersteller ein, damit jede Lage erhärten kann, bevor die nächste folgt.
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Belege
Quellen
- Deutsche Burgenvereinigung, Beirat für Denkmalerhaltung: Salze, Gips und Feuchte im Mauerwerk: 11 Fragen und 11 Antworten. Frage 10 und Frage 11. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- Ausbau + Fassade, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller: Neues WTA-Merkblatt zu Sanierputzen. Beitrag vom 31.08.2020, Abschnitte 1 bis 4. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20
- Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA): Merkblatt 2-9: Sanierputzsysteme (Kurzfassung). Ausgabe 03.2020/D, Erläuterungen, Inhalt und Kurzfassung, S. 1 und 2. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV): Mauersalze: Grundlagen, Ursachen, Sanierung. applica 12/2021, Abschnitte Kompressen, Opferputze, Sanierputze und Schlussfolgerungen. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
- Bauhandwerk, Bauverlag BV: So verarbeitet man Sanierputze-WTA. Ausgabe 09/2016, Abschnitte Haftvermittler zum Mauerwerk und Grundputz-WTA. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
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