Schimmelsporen
Auch: Pilzsporen
Schimmelsporen sind die mikroskopisch kleinen Verbreitungseinheiten der Schimmelpilze, die durch die Luft schweben und auf feuchten Oberflächen zu neuem Befall auskeimen. Sie messen mit wenigen Ausnahmen 2 bis 30 Mikrometer, die meisten weniger als 10 Mikrometer, sind damit einatembar und können mit der Luft über weite Strecken schweben.[1] In der Außenluft und in jedem Innenraum kommen sie vor, zum Problem wird erst ein Wachstum im Gebäude.
So verbreiten sich Schimmelsporen
Schematische Darstellung eines Wohnraums mit Fleck aus farbigen Sporenträgern, treibenden Sporen, offenem Fenster mit Außenluft, Lupe mit trockenem Pinsel und Schleimtropfen, aufgeschnittener Holzverkleidung mit verdecktem Befall und Luftkeimsammler. Die Nummern folgen von der Größe über die Sichtbarkeit und die Typen zu Außenluft, verdecktem Befall und Messung.
- Winzig und einatembar: Schimmelsporen messen mit wenigen Ausnahmen 2 bis 30 Mikrometer, die meisten weniger als 10. Sie sind damit einatembar und schweben mit der Luft über weite Strecken, rund 200 Sporen von 5 Mikrometern passen nebeneinander auf einen Millimeter.
- Farbige Sporen machen den Fleck: In der Wachstumsphase ist der Pilz mit seinen weißlichen Fäden kaum zu sehen. Die ungeschlechtlichen Sporen entstehen in großer Zahl und sind oft farbig, erst dadurch wird ein Befall als Fleck sichtbar, und dieser Fleck kann bereits Sporen an die Raumluft abgeben.
- Trocken fliegt, schleimig klebt: Pilze mit trockenen, gut flugfähigen Sporen wie Penicillium und Aspergillus erhöhen schon bei kleinen Schäden die Sporenzahl in der Luft, weil leichte Luftbewegungen sie vom Pinsel lösen. Arten wie Stachybotrys sammeln ihre großen Sporen in Schleim, sie bleiben weitgehend am Ort.
- Außenluft bringt immer Sporen: Schimmelpilze zersetzen organisches Material in der Natur, ihre Sporen gehören zur Außenluft und sind in jedem Innenraum vorhanden. Die Konzentration draußen schwankt stark nach Ort, Klima, Tageszeit und Jahreszeit, ins Haus kommen sie beim Lüften und mit Staub an Kleidung und Schuhen.
- Verdeckt: Luft bleibt unauffällig: Luftkeimsammlungen können ohne Hinweis auf eine Innenraumquelle bleiben, obwohl ausgedehnte Schäden vorliegen. Ein großer Befall hinter einer Verkleidung kann in der Raumluft unauffällig sein, ein kleiner Befall mit gut flugfähigen Sporen dagegen deutlich messbar.
- Messen: innen gegen außen: Weil Sporen überall vorkommen, sagt eine Zahl aus der Raumluft allein wenig. Der Luftkeimsammler misst innen und draußen, und erst der Vergleich zeigt, ob der Raum eine eigene Quelle hat.
Wie Schimmelpilze Sporen bilden
In der Wachstumsphase bildet ein Schimmelpilz Zellfäden, die Hyphen, deren Gesamtheit Myzel heißt. Weil diese Fäden oft weißlich sind, ist der Pilz in dieser Phase mit bloßem Auge kaum zu sehen.[1] Zur Vermehrung bildet er Verbreitungsorgane, meist ungeschlechtlich als Sporangiosporen und Konidien, viel seltener geschlechtlich als Zygosporen oder Ascosporen, und das Umweltbundesamt fasst alle diese Formen unter dem Begriff Sporen zusammen.[1]
Die ungeschlechtlichen Sporen entstehen meist in großer Zahl und sind oft farbig. Erst dadurch wird ein Befall während und nach der Sporenbildung als Fleck sichtbar.[1] Ein Fleck an der Wand zeigt also einen Pilz, der bereits Sporen an die Raumluft abgeben kann.
Die DIN ISO 16000-20 beschreibt die Größen ähnlich: Die meisten Sporen liegen zwischen 2 und 10 Mikrometern, einige erreichen 30 Mikrometer und nur wenige bis zu 100 Mikrometer.[2] Rechnerisch passen damit rund 200 Sporen von 5 Mikrometern nebeneinander auf einen Millimeter.[2]
Trockene Sporen fliegen, schleimige kleben
Wie leicht Sporen in die Luft gelangen, hängt von der Art ab. Nach dem Leitfaden des Umweltbundesamtes führen Schimmelpilze mit trockenen, gut flugfähigen Sporen schon bei geringen Materialschäden zu erhöhten Sporenkonzentrationen in der Luft, weil ihre relativ kleinen Sporen in großer Zahl entstehen, in keiner Schleimmatrix sitzen und schon von leichten Luftbewegungen verbreitet werden.[1] Als Leitarten dieses Typs gelten Arten der Gattungen Penicillium und Aspergillus.[1]
Deutlich geringere Luftbelastungen entstehen, wenn Pilze mit relativ großen Sporen ein Material besiedeln oder ihre Sporen nach der Bildung in Schleim sammeln. Leitarten dafür sind viele Arten der Gattungen Acremonium und Fusarium sowie Stachybotrys.[1] Die Norm DIN ISO 16000-20 beschreibt solche Sporen als weniger mobil.[2]
Nach dem Leitfaden des Umweltbundesamtes, Kapitel 5.2.3.[1]
Für die Suche nach einem Schaden hat das Folgen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Luftkeimsammlungen auch dann ohne Hinweis auf eine Innenraumquelle bleiben können, wenn ausgedehnte Schimmelschäden vorliegen.[1] Ein großer Befall hinter einer Verkleidung kann in der Raumluft also unauffällig sein, ein kleiner Befall mit gut flugfähigen Sporen dagegen deutlich messbar.
Sporen in der Außenluft und im Hausstaub
Schimmelpilze zersetzen organisches Material und spielen damit eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf der Natur. Ihre Sporen gehören deshalb zur Außenluft und sind auch in der Innenraumluft immer vorhanden, meist viele Gattungen und Arten gemeinsam.[1]
Draußen schwankt die Konzentration stark nach Ort, Klima, Tageszeit und Jahreszeit. Neben natürlichen Einflüssen wie Temperatur, Feuchte, verrottendem Material und aufgewirbelter Erde setzen auch Kompostierungsanlagen, Wertstoffsortierung, Tierhaltung und Getreideverarbeitung Sporen frei.[1]
Ins Haus gelangen Sporen beim Lüften und mit Staub und Schmutz an Kleidung und Schuhen. Pilze der Gattungen Cladosporium und Penicillium finden sich häufig im Hausstaub und meist auch in der Raumluft.[1] Einige Arten kommen draußen und im Staub dagegen kaum vor und treten bei Feuchteschäden regelmäßig auf, etwa Aspergillus versicolor und Pilze der Gattung Chaetomium. Finden sich solche Feuchteindikatoren in auffallenden Konzentrationen über der Hintergrundbelastung, liegt oder lag nach dem Leitfaden mit großer Wahrscheinlichkeit erhöhte Materialfeuchte vor.[1] Ob diese Feuchte noch im Bauteil sitzt, zeigt die Messung, und Malerarbeiten darauf beginnen erst, wenn sie weg ist.
Auch die Jahreszeit spielt mit. Sinkt der Sporengehalt der Außenluft bei kalter und feuchter Witterung im Oktober und November in kurzer Zeit stark, können zuvor eingetragene und abgesetzte Sporen eine Innenraumprobe stark beeinflussen, wenn sie vor oder während der Probenahme aufgewirbelt werden.[1] Eine Luftmessung im Innenraum braucht darum eine zeitgleiche Vergleichsmessung in der Außenluft oder in einem Referenzraum ohne Befall, sonst lässt sich eine eingetragene Belastung nicht von einem Befall unterscheiden.[1]
Was eine Spore zum Keimen braucht
In Gebäuden entscheidet vor allem die Feuchte über Wachstum, weil Nährstoffe in mehr oder weniger gut verfügbarer Form fast überall vorhanden sind.[1] Nach dem Leitfaden nimmt eine Spore beim Keimen die Feuchte aus ihrer unmittelbaren Umgebung auf. Erst das Myzel, das danach wächst, dringt mit seinen Hyphen in das Porengefüge ein und zieht Feuchte auch aus dem Baustoff.[1]
Für Wachstum genügt es, wenn an der Materialoberfläche über längere Zeit eine Luftfeuchte zwischen 70 und 80 Prozent herrscht, sichtbar nass muss ein Material dafür nicht sein.[1] Temperatur und Untergrund bestimmen mit, wie schnell es geht: Je nach Material, Oberflächenfeuchte und Temperatur vergehen nach dem Leitfaden wenige Tage bis einige Wochen, bis sich Schimmel entwickelt.[1]
Sporen, die keine Feuchte finden, bleiben liegen. Mit dem Staub gelangen sie auf Fensterbänke, in Teppiche und Polster und werden bei jeder Bewegung wieder aufgewirbelt. Eine Sanierung ohne gründliche Reinigung lässt diesen Vorrat im Raum zurück.
Lebende und abgestorbene Sporen
Nicht jede Spore in der Luft ist noch keimfähig. Bei einem Feuchte- und Schimmelschaden treten nach der AWMF-Leitlinie lebensfähige und nicht mehr lebensfähige Sporen und Hyphen auf, häufig zusammen mit Bakterien und Kleinstlebewesen wie Milben, von denen vor allem bei Asthma ebenfalls gesundheitliche Risiken ausgehen können.[3]
Die Messverfahren tragen dem Rechnung. Die Gesamtsporenmessung nach DIN ISO 16000-20 saugt eine definierte Luftmenge durch einen Impaktor mit fester Haftfläche und zählt die Sporen danach unter dem Mikroskop, ohne sie anzuzüchten, und erfasst damit kultivierbare und nicht kultivierbare Sporen.[2] Messungen kultivierbarer Schimmelpilze zählen dagegen nur, was auf einem Nährboden zu einer Kolonie auswächst.
Sporen und Gesundheit
Die Zahl der Schimmelpilzarten wird allgemein auf etwa eine Million geschätzt. Der Allergieinformationsdienst von Helmholtz Munich nennt 350 Arten, die als potentiell sensibilisierend gelistet sind, und im Oktober 2019 insgesamt 925 identifizierte Schimmelpilzallergene.[4] Die Allergenität hängt von Proteinen und Peptiden ab, darum müssen für eine Sensibilisierung keine ganzen Sporen vorliegen.[4]
Die Verbreitung einer allergischen Rhinitis auf Pilzallergene sieht der Dienst je nach Autor und Region bei 2 bis 19 Prozent.[4] Als hauptsächliche Auslöser gelten Arten der Außenluft, zum Beispiel Alternaria.[4]
Die medizinische Leitlinie der AWMF ordnet das ein. Reizungen der Schleimhäute von Augen und Atemwegen sowie allergische Reaktionen sind bei Feuchte- und Schimmelschäden wahrscheinlich am häufigsten, Infektionen treten nur bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem, chronisch vorgeschädigter Lunge, Mukoviszidose oder schwer verlaufender Grippe oder COVID-19 auf.[3] Grenzwerte für gesundheitlich unbedenkliche Konzentrationen gibt es nicht, weil keine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Schimmelpilzkonzentration und gesundheitlicher Wirkung bekannt ist.[3] Das allergene Vermögen von Schimmelpilzen schätzt die Leitlinie insgesamt geringer ein als das anderer Umweltallergene.[3]
Wie viele Sporen bei einer Sanierung frei werden
Beim Entfernen befallener Materialien können nach dem Umweltbundesamt größere Mengen Staub, Schimmelpilzsporen und weitere biogene Partikel frei werden.[1] Die DGUV Information 201-028 teilt die Belastung der Beschäftigten in drei Stufen ein: erhöht unter 50.000 koloniebildenden Einheiten je Kubikmeter Atemluft, hoch zwischen 50.000 und 500.000 und sehr hoch darüber.[5]
Einen gesundheitsbasierten Grenzwert gibt es auch am Arbeitsplatz nicht, der Wert von 50.000 stammt nach der DGUV aus dem Abfallbereich und ist dort als technischer Kontrollwert eingeführt.[5] Wie stark die Arbeitsweise zählt, zeigt ein Beispiel aus derselben Übersicht: Eine befallene Tapete trocken abzuziehen gilt als sehr hohe Exposition, dieselbe Tapete nach Absaugen der Oberfläche und Anfeuchten zu entfernen als erhöhte.[5]
Die DGUV weist außerdem darauf hin, dass bei Arbeiten mit hoher Staubbelastung schon kleine, oft nicht sichtbare Befallsstellen hohe oder sehr hohe Belastungen erzeugen können, etwa hinter Tapeten, Vertäfelungen oder im Teppichboden.[5]
Wie wir mit Sporen umgehen
Wir befeuchten befallene Flächen vor dem Abtrag, saugen mit Geräten der Staubklasse H ab und arbeiten hinter einer Abschottung mit Unterdruckhaltung, sobald Material in größerem Umfang entfernt wird. Befallenes Material verlässt den Arbeitsbereich nur staubdicht verpackt.
Luftmessungen setzen wir gezielt ein: bei der Suche nach verdecktem Befall mit zeitgleicher Vergleichsprobe von draußen und zur Kontrolle nach der Feinreinigung. Eine einzelne Sporenzahl ohne Vergleich legen wir nicht als Befund vor.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. aktualisierte Auflage April 2024, Kap. 1.2 und 5.2.3, S. 18 bis 30 und 115 bis 119. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20
- VDI Verein Deutscher Ingenieure: DIN ISO 16000-20: Innenraumluftverunreinigungen, Teil 20: Nachweis und Zählung von Schimmelpilzen, Bestimmung der Gesamtsporenanzahl. Richtliniendetails, Erscheinungsdatum 2015-11. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): AWMF-Schimmelpilz-Leitlinie „Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“, Update 2023, Kurzfassung für Betroffene. Register-Nr. 161/001, Stand 05.09.2023, S. 4 bis 11. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Schimmelallergie. letzte Aktualisierung 06.11.2019. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): DGUV Information 201-028: Gesundheitsgefährdungen durch Biostoffe bei der Schimmelpilzsanierung. Ausgabe November 2022, Nr. 8.2 und Anhang 2, S. 25 und 52 bis 54. Abgerufen am 24.09.2026. ↑1↑2↑3↑4
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