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Penicillium: Keller mit Kartons, Camembert, verschimmeltem Brot im Abfalleimer, Flecken auf Putz und Estrich, Feuchtemessgerät und Lupe mit Pinselschimmel

Penicillium

Auch: Pinselschimmel

Penicillium, der Pinselschimmel, ist eine Gattung von Schimmelpilzen mit etwa 140 benannten Arten, deren meist grünliche Konidienträger wie kleine Pinsel aussehen.[1] Die Arten leben meist von abgestorbenem Material, zersetzen Lebensmittel und liefern Antibiotika wie das Penicillin.[1] Bei Schimmelbefall auf mineralischen Baustoffen ist Penicillium die am häufigsten nachgewiesene Gattung.[2]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So zeigt sich Penicillium im Haus

Penicillium, Funktionsweise: Kellerraum mit Regal und verschimmeltem Karton, Werkbank mit Camembert, Abfalleimer mit verschimmeltem Brot, Kellerwand mit blaugrünen Flecken auf Putz und Estrich, Feuchtemessgerät und Lupe mit pinselförmigem Konidienträger und Sporenketten

Schematische Darstellung eines Kellers mit verschimmeltem Karton, Tisch mit Camembert und verschimmeltem Brot neben dem Abfalleimer, Wand mit blaugrünen Flecken auf Putz und Estrich, Feuchtemessgerät und Lupe mit pinselförmigem Konidienträger und Sporenketten. Die Nummern folgen vom Pilz über Lebensmittel zu Bauteilen und Lagergut.

  1. Pinsel mit Sporenketten: Penicillium, der Pinselschimmel, ist eine Gattung mit etwa 140 benannten Arten, deren meist grünliche Konidienträger wie kleine Pinsel aussehen und Ketten von Konidien tragen. Die Arten leben von abgestorbenem Material und liefern Antibiotika wie das Penicillin.
  2. Edelschimmel im Käse: Edelschimmel bei Brie, Camembert oder Salami ist für den Verzehr unbedenklich, solche Käse gehören in eigene Verpackungen, damit der Schimmel nicht auf andere Lebensmittel übergeht.
  3. Verschimmeltes Brot: weg damit: Sichtbar befallene Lebensmittel werden sofort entsorgt, weil Schimmelpilze Mykotoxine bilden können, die hitze- und säurestabil sind. Ein verschimmeltes Brot im Schrank ist ein Grund zum Aufräumen, kein Wasserschaden.
  4. Auf Putz und Estrich häufig: In Proben aus Zementestrich, Wandputz oder Beton wurden Penicillium-Arten in 80 Prozent der Fälle nachgewiesen, häufiger als jede andere Gattung. Penicillium chrysogenum und Penicillium brevicompactum gelten als Feuchteindikatoren.
  5. Kommt mit wenig Feuchte aus: Die wichtigsten Arten sind mesophil mit einem Optimum von 25 bis 35 Grad, Penicillium chrysogenum braucht eine minimale Wasseraktivität von 0,78 bis 0,81 und wächst damit bei weniger Feuchte als Cladosporium. Wächst der Pilz auf Wand oder Boden, stand dort längere Zeit Feuchte.
  6. Kartons im Keller: In Kellern und Abstellräumen findet sich der Pilz auf gelagerten Kartons, Polstern oder Lederwaren. Glatte Flächen lassen sich reinigen, durchfeuchtete Pappe und stark befallene Polster gehören entsorgt, befallene Tapeten und Gipskarton bauen wir aus und trocknen danach technisch.

Was Penicillium ausmacht

Die Konidienträger entwickeln sich aus einem wattig-filzigen Myzel und tragen Ketten von Konidien, den ungeschlechtlich gebildeten Sporen.[1] Einige Arten verursachen Pflanzenkrankheiten, vor allem Fruchtfäulen, andere werden zur Herstellung von Lebensmitteln wie Käse eingesetzt, und Penicillium-Arten zerstören auch Textilien, Polyurethan und Leder.[1]

In der Biotechnologie sind Penicillium-Arten wichtige Bildner von Antibiotika wie Penicillinen und Griseofulvin und dienen der Gewinnung organischer Säuren und Enzyme.[1] Der Pilz, der als Ausgangsmaterial für das Penicillin bekannt wurde, hieß lange Penicillium notatum, wissenschaftlich korrekt ist heute Penicillium chrysogenum.[3]

Systematisch ist Penicillium eine Formgattung, die heute den Schlauchpilzen aus der Ordnung Eurotiales zugeordnet wird, und für Arten mit bekannter geschlechtlicher Form benennt der Name nur die Nebenfruchtform, deren Hauptfruchtformen etwa zu Talaromyces oder Eupenicillium gehören.[1] Für die Benennung verweist die AWMF-Leitlinie auf die Online-Datenbank MycoBank, in der die aktuell gültigen Namen geführt werden.[3]

Wächst Penicillium sichtbar auf Wand, Decke oder Boden, steckt Feuchte im Bauteil, nach einem Wasserschaden manchmal noch stehendes Wasser. Dann kommt zuerst der Strom: Der Stromkreis wird an der Sicherung getrennt, nicht über den Lichtschalter, und hat das Wasser den Sicherungskasten erreicht, ist das ein Fall für Feuerwehr oder örtlichen Netzbetreiber. Einen Keller mit weiter steigendem Wasser betritt niemand.

Penicillium im Haus

Pilze der Gattung Penicillium sind nach dem UBA-Leitfaden häufig im Hausstaub zu finden und meist auch in der Innenraumluft.[2] Als wichtige Quellen nennt die AWMF-Leitlinie verderbende Lebensmittel, Abfälle, Bioabfälle, Tapeten und Hausstaub.[3] Allein in den Gattungen Aspergillus und Penicillium kommen nach der RKI-Mitteilung etwa 30 bis 40 Arten im Innenraum vor.[4] Auf Lebensmitteln wächst der Pilz nach dem BfR auch tief im Inneren, bevor ein Belag sichtbar wird.[5]

Auf und in mineralischen Baustoffen wie Zementestrich, Wandputz oder Beton wurden Penicillium-Arten in 80 Prozent der Proben nachgewiesen und damit häufiger als jede andere Gattung.[2] Penicillium chrysogenum und Penicillium brevicompactum stehen in der Tabelle der Feuchteindikatoren, also der Arten, die bei Feuchteschäden regelmäßig auftreten.[2]

Die wichtigsten Vertreter der Gattung zählen zu den mesophilen Schimmelpilzen mit einem Temperaturoptimum von 25 bis 35 °C, also zu Pilzen, die bei Raumtemperatur gut zurechtkommen.[2] Penicillium chrysogenum braucht eine minimale Wasseraktivität von 0,78 bis 0,81 und kommt damit mit weniger Feuchte aus als Cladosporium cladosporioides mit 0,86 bis 0,88.[2]

Penicillium im Kühlschrank und im Käse

Es gibt Schimmelpilze, sogenannte Edelschimmel, die bei der Herstellung bestimmter Käse- und Salamisorten eingesetzt werden und für den Verzehr unbedenklich sind, etwa bei Brie oder Camembert.[5] Solche Käse gehören in eigene Verpackungen, damit der Schimmel nicht auf andere Lebensmittel übergeht.[5]

Sichtbar befallene Lebensmittel sollten nach dem Bundesinstitut für Risikobewertung nicht mehr gegessen, nicht offen stehen gelassen und sofort entsorgt werden, weil Schimmelpilze Mykotoxine bilden können.[5] Mehr als 400 Schimmelpilzarten können über 650 Mykotoxine bilden, und diese sind fast alle hitze- und säurestabil, lassen sich also durch Kochen, Braten oder Einlegen nicht entfernen.[5]

Besonders anfällig sind nach dem BfR Kompott, Fruchtsaft, Konfitüre, Gelee, Obst, Milch und Milchprodukte sowie Brot, Ausnahmen sind luftgetrocknete Edelsalami und Schinken am Stück, bei denen befallene Teile großzügig entfernt werden.[5] Zum Vorbeugen rät das Institut, Lebensmittel sauber, trocken und kühl zu lagern, Brotkästen einmal in der Woche zu reinigen und mit Essigwasser auszuwischen und den Kühlschrank nach einem Schimmelfund zu säubern.[5]

Für das Haus heißt das: Ein verschimmeltes Brot im Schrank ist ein Grund zum Aufräumen, kein Wasserschaden. Erst wenn der Pilz auf Wand, Boden oder Möbeln wächst, steckt Feuchte im Bauteil.

Penicillium und Gesundheit

Die TRBA 460 stuft Penicillium chrysogenum, Penicillium brevicompactum, Penicillium camemberti und weitere Arten in die Risikogruppe 1 ein und kennzeichnet sie mit einer möglichen allergenen Wirkung.[6] Auch Penicillium roqueforti steht dort in der Risikogruppe 1, Penicillium expansum ebenfalls, gekennzeichnet als pflanzenpathogen und toxinbildend.[6]

Im Kinder-Umwelt-Survey war die Sensibilisierungsrate mit 5 Prozent für Penicillium chrysogenum am höchsten, gefolgt von Aspergillus versicolor mit 2,3 Prozent.[2] Bei einer Schimmelpilzallergie führen Innenraumpilze wie Aspergillus und Penicillium nach der RKI-Mitteilung zu einem ganzjährigen allergischen Dauerschnupfen.[4] Rund 6 Prozent der 1538 untersuchten Kinder zwischen 3 und 14 Jahren waren gegen mindestens einen der vier innenraumtypischen Pilze sensibilisiert, und der Anteil stieg mit dem Alter von 4,4 Prozent bei den 3- bis 5-Jährigen auf 7,7 Prozent bei den 12- bis 14-Jährigen.[4] Sicher zu diagnostizieren ist eine solche Allergie schwer, weil Testextrakte derselben Art von verschiedenen Herstellern unterschiedliche Allergene enthalten können, die Mitteilung nennt dafür ausdrücklich Penicillium chrysogenum.[4] Schimmelpilze in Innenräumen wie Aspergillus und Penicillium können nach der Leitlinie ein ganzjähriges allergisches Asthma bronchiale auslösen, während Außenluftpilze eher saisonale Beschwerden machen.[3]

Aspergillus und Penicillium zählen zu den Lagerschädlingen, die bei feucht-warmen Bedingungen während der Lagerung von Lebens- und Futtermitteln Mykotoxine bilden.[3] Ob ein Pilz Mykotoxine bildet, hängt nach der Leitlinie von der Art und von Umweltfaktoren wie Substrat, Feuchte und pH-Wert ab.[3] Für die Sanierung spielt das keine Rolle: Befallenes Material wird entfernt.

Wie wir Penicillium nach einem Wasserschaden begegnen

Penicillium auf Estrich, Putz oder Tapete zeigt uns, dass dort längere Zeit Feuchte stand. Neben der sichtbaren Fläche prüfen wir deshalb mit Feuchtemessung und gegebenenfalls Bauteilöffnung, wie weit das Wasser gelaufen ist, etwa in die Dämmschicht unter dem Estrich.

Befallene Tapeten und Gipskarton bauen wir aus, mineralische Flächen werden gereinigt oder abgetragen und danach technisch getrocknet. Erst wenn die Feuchtewerte stimmen, wird neu gestrichen oder tapeziert. Wie die Trocknung unter dem Estrich abläuft, erklärt der Begriff Dämmschichttrocknung.

In Kellern und Abstellräumen finden wir den Pilz auch auf gelagerten Kartons, Polstern oder Lederwaren. Solche Gegenstände prüfen wir mit den Eigentümern einzeln: Glatte Flächen lassen sich reinigen, durchfeuchtete Pappe und stark befallene Polster gehören entsorgt, und was bleibt, wird erst in getrocknete Räume zurückgestellt. Bei Befall in feuchten Kellern sehen wir uns außerdem Lüftung und Heizung des Raums an, denn ohne trockene Luft kehrt der Pilz zurück.

Für Mieter und Vermieter halten wir fest, wo der Pilz wuchs, wie feucht der Untergrund war und welche Ursache wir gefunden haben. Diese Angaben helfen, wenn später die Frage kommt, ob Lüftungsverhalten, ein Baumangel oder ein Leitungsschaden den Befall ausgelöst hat.

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Belege

Quellen

  1. Spektrum der Wissenschaft, Lexikon der Biologie: Penicillium. Stichwort Penicillium, Copyright 1999 Spektrum Akademischer Verlag. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
  2. Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Kapitel 1.2.2 Schimmelpilze in Innenräumen mit Tabelle 2 Feuchteindikatoren, Kapitel 1.2.3 mit Tabelle 3 und Tabelle 4 sowie Kapitel 2 Sensibilisierungen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  3. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S2k-Leitlinie Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen, Update 2023, Langfassung. Register-Nr. 161/001, Tabelle 2, Abschnitte Nomenklatur, Mykotoxine, allergische Rhinitis und allergisches Asthma bronchiale. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
  4. Robert Koch-Institut (RKI), Bundesgesundheitsblatt: Schimmelpilzbelastung in Innenräumen: Befunderhebung, gesundheitliche Bewertung und Maßnahmen. Mitteilung der Kommission Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin. Bundesgesundheitsblatt 10/2007, Abschnitte 2.2.1 Oberflächen und Materialien, 3.1 Allergien mit den Daten des Kinder-Umwelt-Surveys und 3.1.2 Allergische Rhinokonjunktivitis. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Schimmelpilze in Lebensmitteln: Gesundheitliche Risiken und wie sie sich vermeiden lassen. FAQ vom 25.06.2024, Fragen zu sichtbar befallenen Lebensmitteln, zu erwünschten Schimmelpilzen und zu Mykotoxinen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  6. Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS), Textfassung im Medienportal der BG BAU: TRBA 460: Einstufung von Pilzen in Risikogruppen, Nummer 3 Einstufungen der Pilze. Nummer 3.3 Anmerkungen zu den Listen und Liste 3.4, Einträge der Gattung Penicillium. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2

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