Alternaria
Alternaria ist eine weit verbreitete Gattung von Schimmelpilzen, deren wichtigster Vertreter Alternaria alternata ist und die schwarze Verfärbungen auf Pflanzen und Lebensmitteln bildet.[1] Ihr Sporenflug wird vom Polleninformationsdienst gemessen, weil er die Bevölkerung teilweise stark belastet.[2] Unter den Auslösern allergischer Rhinitiden durch Pilzallergene steht Alternaria alternata nach der AWMF-Leitlinie an erster Stelle.[3]
So zeigt sich Alternaria auf Lebensmitteln und in der Luft
Schematische Darstellung einer Küche mit offenem Fenster auf ein Feld mit Gräsern, hereintreibenden Sporen, Schale mit fleckigen Tomaten und Äpfeln, Kühlschrank mit offener Tür, Kalender mit markiertem Spätsommer, Lupe mit keulenförmigen Sporen und Luftkeimsammlern draußen und innen. Die Nummern folgen vom Lebensmittel über den Sporenflug zur Messung.
- Schwarz auf Obst und Gemüse: Alternaria alternata bildet schwarze Verfärbungen auf Pflanzen und Lebensmitteln, befallen werden Getreide, Sonnenblumenkerne, Tomaten, Äpfel, Zitrusfrüchte und Oliven. Die Pilze brauchen einen hohen Wassergehalt und treten deshalb häufiger in Obst und Gemüse auf als in trockenen Samen.
- Keulenförmige Sporen: Die Art gilt als besonders bedeutsam für die Entstehung und den Schweregrad von Asthma, sensibilisierte Menschen können schon auf 100 Sporen je Kubikmeter reagieren. Im Kinder-Umwelt-Survey waren 4,8 Prozent der Kinder gegen Alternaria alternata sensibilisiert.
- Flug im Spätsommer: Der Polleninformationsdienst misst den Sporenflug und stellt ihn in Jahresdiagrammen dar. Wer von Juni bis September Heuschnupfen oder Asthma hat, obwohl die Gräserblüte vorbei ist, sollte auch an Pilzsporen denken.
- Auch im Kühlschrank: Die optimale Wachstumstemperatur liegt bei 18 bis 25 Grad, Wachstum ist auch bei Kühlschranktemperatur möglich. Alternaria bildet mehr als 70 beschriebene Toxine, seit 2022 gibt es Richtwerte für bestimmte Lebensmittel.
- Von draußen über die Vegetation: In Gebäuden ist Alternaria ein Besucher von draußen, der auf nassen Materialien Fuß fassen kann, etwa nach Wasser in Decke, Wand oder Boden. Die TRBA 460 stuft die Art in Risikogruppe 1 ein, mit möglicher allergener Wirkung.
- Innen nur mit Außenvergleich: Ein Befund in der Raumluft wird nur im Vergleich mit einer Außenluftprobe bewertet, im Spätsommer ist die Außenluft voll davon. Erst wenn innen deutlich mehr Sporen vorliegen, suchen wir nach feuchten Materialien an Fensteranschlüssen, in Dämmungen oder an Stellen früherer Wasserschäden.
Wo Alternaria wächst
Befallen wird eine Reihe pflanzlicher Lebensmittel, etwa Getreide, Sonnenblumenkerne, Tomaten, Äpfel, Zitrusfrüchte und Oliven.[1] Die Pilze brauchen zur Verbreitung einen relativ hohen Wassergehalt und treten deshalb häufiger in Obst und Gemüse auf als in trockeneren Samen und Getreide, nasses Wetter bei Ernte oder Lagerung kann das Wachstum aber auch bei Getreide fördern.[1]
Die Pilze sind überall vorhanden und können unter vielen klimatischen Bedingungen auftreten, die optimale Wachstumstemperatur liegt bei 18 bis 25 °C, und auch bei Kühlschranktemperaturen ist Wachstum möglich.[1] Als Außenluftpilz gelangt Alternaria alternata über die Vegetation in die Luft.[3] Wächst der Pilz nach einem Wasserschaden auf Tapete oder Holz im Haus, wird der Befall bei einer Schimmelsanierung entfernt, statt ihn nur zu überstreichen.
In Gebäuden ist Alternaria ein Besucher von draußen, der auf nassen Materialien Fuß fassen kann, zum Beispiel nach Wasser in Decke, Wand oder Boden. Bevor in solchen Räumen gearbeitet wird, trennt die Sicherung den Stromkreis, mit dem Lichtschalter allein ist das nicht getan. Ist der Sicherungskasten selbst nass, öffnet ihn niemand, es kommen Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber, und einen Keller mit steigendem Wasser betritt keiner.
Der Sporenflug von Alternaria
Der Polleninformationsdienst misst seit Jahren an einigen Messstellen den Pilzsporenflug, insbesondere von Alternaria und Cladosporium, und stellt ihn in Jahresdiagrammen dar, mit der Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent und einer Linie für den Trend.[2] Jede Säule steht dabei für die mittlere Zahl an Sporen, die in einem ganzen Jahr je Messstation in Deutschland gemessen wurde.[2] Für jedes Jahr wird das sogenannte Sporenintegral berechnet, die Summe der tagesdurchschnittlichen Sporenkonzentrationen aller aktiven Messstationen.[2]
Bei Patientinnen und Patienten mit saisonalen asthmatischen Beschwerden von Juni bis September kann eine Alternaria-Sensibilisierung nach der Leitlinie auch ohne gleichzeitige Pollensensibilisierung vorliegen.[3] Wer im Spätsommer Heuschnupfen hat, obwohl die Gräserblüte vorbei ist, sollte deshalb auch an Pilzsporen denken. Eine Schimmelpilzallergie lässt sich über Haut- und Bluttests feststellen, die einzelne Arten wie Alternaria getrennt prüfen.
Alternaria und Allergien
Die Art Alternaria alternata, früher Alternaria tenuis genannt, scheint nach der Leitlinie für die Entstehung und den Schweregrad von Asthma besonders bedeutsam zu sein.[3] Sensibilisierungen bei Menschen mit chronischer Nasennebenhöhlenentzündung betreffen vor allem Alternaria.[3] Die Leitlinie unterscheidet fünf durch Pilze hervorgerufene Formen der Nasennebenhöhlenentzündung, darunter eine akut invasive und eine chronisch invasive Form.[3] Ist die Dusche undicht, finden Pilze wie Alternaria in den feuchten Fugen und dahinter gute Bedingungen.
Als hauptsächliche Auslöser allergischer Rhinitis durch Pilzallergene gelten nach dem Allergieinformationsdienst Pilzarten der Außenluft wie Alternaria, und die Häufigkeit wird je nach Autor und Region mit 2 bis 19 Prozent angegeben.[4] Bei saisonalen Beschwerden ist eine Allergie auf Außenluftpilze nicht auszuschließen, treten sie das ganze Jahr auf, kommen Pilze aus dem Innenraum als Ursache in Frage.[4] Gehen ganzjährige Beschwerden auf einen feuchten Raum zurück, wird zuerst die Feuchtequelle beseitigt, und eine befallene Trockenbauwand wird dabei ersetzt.
Bei bereits sensibilisierten Personen können nach dem UBA-Leitfaden schon 100 Sporen von Alternaria alternata je Kubikmeter Luft eine allergische Reaktion auslösen.[5] Gegen Alternaria alternata, der in der Außenluft in hohen Konzentrationen vorkommt, waren im Kinder-Umwelt-Survey 4,8 Prozent der Kinder sensibilisiert.[5] Bei einer Untersuchung des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg an 490 Schulkindern waren 3,7 Prozent gegen Schimmelpilze sensibilisiert, die überwiegend in der Außenluft vorkommen, darunter Alternaria alternata.[5] Feuchte und Schimmel in Innenräumen und eine Belastung schon im frühen Lebensalter hängen nach der Leitlinie in epidemiologischen Studien beständig mit allergischem Schnupfen zusammen.[3]
Beispiele nach Kapitel 2 des UBA-Schimmelleitfadens.[5]
Gifte von Alternaria in Lebensmitteln
Alternaria-Toxine sind wie andere Schimmelpilzgifte sekundäre Stoffwechselprodukte, in der Literatur sind mehr als 70 verschiedene beschrieben, bekannte Vertreter sind Alternariol, Alternariolmonomethylether, Altertoxine, Tentoxin und Tenuazonsäure.[1] Chemisch reicht die Bandbreite von aliphatischen und aromatischen Verbindungen über Peptide bis zu organischen Säuren.[1] Nachgewiesen wurden sie in Lebensmitteln bisher hauptsächlich in Getreide, Tomatenprodukten, Sonnenblumenkernen und Sonnenblumenöl, Obst sowie Bier und Wein.[1]
Gesetzliche Höchstgehalte gibt es mangels umfassender toxikologischer Daten nicht, Alternariol und Alternariolmonomethylether stehen nach Versuchen in künstlicher Umgebung im Verdacht, krebserregend zu sein, bestätigt ist das im lebenden Organismus noch nicht.[1] Seit dem Frühjahr 2022 gibt es Richtwerte für bestimmte Lebensmittel wie verarbeitete Tomatenerzeugnisse, Sonnenblumenkerne, getrocknete Feigen und Paprikapulver, die aber keine Werte für die Lebensmittelsicherheit sind.[1]
Wird ein Richtwert überschritten, soll ermittelt werden, welche Faktoren zu den hohen Gehalten geführt haben, eine Überschreitung bedeutet aber nicht automatisch, dass das Lebensmittel gesundheitlich bedenklich ist.[1] Hersteller müssen Kontaminanten nach dem Minimierungsgebot so niedrig halten, wie es durch gute Praxis auf allen Stufen der Herstellung und Verarbeitung sinnvoll erreichbar ist, und mit guter landwirtschaftlicher Praxis sowie guten Lager- und Transportbedingungen lässt sich das Vorkommen senken.[1]
Zahlreiche Schimmelpilzgattungen, darunter Aspergillus, Penicillium, Fusarium, Alternaria und Stachybotrys, können Mykotoxine bilden, und ob sie es tun, hängt von Art, Substratzusammensetzung, Feuchte, pH-Wert und weiteren Umweltfaktoren ab.[3]
Alternaria in der Raumluft bewerten
Die TRBA 460 stuft Alternaria alternata in die Risikogruppe 1 ein, kennzeichnet ihn mit möglicher allergener Wirkung als pflanzenpathogen und mit dem Hinweis, dass er in Einzelfällen als Krankheitserreger nachgewiesen oder vermutet wurde, meist bei abwehrgeschwächten Menschen.[6] Alternaria tenuis führt die Liste nur noch als alten Namen mit Verweis auf Alternaria alternata, und Alternaria infectoria steht mit demselben Hinweis auf Einzelfälle ebenfalls in der Risikogruppe 1.[6] Unter den Erregern von Pilzinfektionen führt die Leitlinie Alternaria bei den Phaeohyphomykosen auf.[3]
Für die Messung gilt dasselbe wie bei Cladosporium: Der UBA-Leitfaden rechnet Alternaria zu den Pilzen, die draußen hohe Werte erreichen können, und bewertet einen Befund im Raum nur im Vergleich mit einer Außenluftprobe.[5] Erst wenn innen deutlich mehr Alternaria-Sporen gefunden werden als draußen, lohnt die Suche nach einer Quelle im Haus.
Wie wir mit Alternaria im Haus umgehen
Zeigt ein Gutachten Alternaria in der Raumluft, prüfen wir zuerst, ob die Außenluftprobe ähnliche Werte hatte und wann gemessen wurde, denn im Spätsommer ist die Außenluft voll davon. Liegt innen tatsächlich mehr vor, suchen wir nach feuchten Materialien, an Fensteranschlüssen, in Dämmungen oder an Stellen mit früheren Wasserschäden.
Gefundenen Befall entfernen wir mit Abschottung und Feinreinigung, die Ursache wird getrocknet oder baulich beseitigt, und erst danach werden Wand, Laibung oder Fensteranschluss wieder geschlossen und gestrichen. Ist jemand im Haushalt gegen Alternaria sensibilisiert, übernehmen andere den Rückbau, und die betroffene Person bleibt dem Arbeitsbereich fern. Für Allergiker in der Wohnung planen wir die Arbeiten so, dass sie in dieser Zeit nicht im betroffenen Bereich schlafen. Damit ein Gutachten später lesbar bleibt, sollten auf dem Protokoll Datum, Wetterlage und Fensterstellung vor der Messung stehen, fehlen sie, empfehlen wir eine Wiederholung mit Außenluftprobe. Wie Sporen sich verbreiten, erklärt der Begriff Schimmelsporen.
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Belege
Quellen
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Lebensmittel: Bildung und Wirkung von Alternaria-Toxinen. Abschnitte Vorkommen und Bildung, Chemische Struktur, Gesundheitliche Beurteilung und Richtwerte. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
- Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID): Pollen- und Pilzsporenflug in Deutschland 2001 bis 2025. Abschnitt Aufkommen allergologisch relevanter Schimmelpilzsporen in Deutschland, Stand 26.05.2026. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S2k-Leitlinie Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen, Update 2023, Langfassung. Register-Nr. 161/001, Tabelle 2, Tabelle 7 sowie Abschnitte Mykotoxine, allergische Rhinitis, Rhinosinusitis und allergisches Asthma bronchiale. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Schimmelallergie. Abschnitte Symptome der Schimmelallergie (Liste der Auslöser), Verbreitung der Schimmelallergie und Diagnose (Arztgespräch). Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2
- Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Kapitel 2 Sensibilisierungen und allergische Reaktionen sowie Kapitel 5 Bewertung von Gattungen der Außenluft. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
- Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS), Textfassung im Medienportal der BG BAU: TRBA 460: Einstufung von Pilzen in Risikogruppen, Nummer 3 Einstufungen der Pilze. Nummer 3.3 Anmerkungen zu den Listen und Liste 3.4, Einträge Alternaria alternata, Alternaria infectoria und Alternaria tenuis. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2
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