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Cladosporium: Fenster mit Büschen, Sporen durch den gekippten Flügel, Tauwasser an der Scheibe, Punkte in der Fuge, Luftkeimsammler und Lupe mit baumartigen Sporenketten

Cladosporium

Cladosporium ist eine Gattung von Schimmelpilzen, deren Sporen der Polleninformationsdienst neben Alternaria als allergologisch wichtigen Pilzsporenflug misst.[1] Cladosporium herbarum ist nach der TRBA 460 in die Risikogruppe 1 eingestuft und mit möglicher allergener Wirkung gekennzeichnet.[2] Im Haus findet sich die Gattung häufig im Hausstaub und in der Raumluft, sie wächst aber auch auf feuchten Baustoffen.[3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So kommt Cladosporium ans Fenster

Cladosporium, Funktionsweise: großes Fenster mit Büschen draußen, hereintreibenden Sporen durch den gekippten Flügel, Tauwasser an der Scheibe, dunklen Punkten in der Silikonfuge, Luftkeimsammler draußen und innen, Kartuschenpistole und Dichtband, Lupe mit baumartigen Sporenketten

Schematische Darstellung eines Fensters mit Büschen draußen, Sporen durch den gekippten Flügel, Tauwasser an der Scheibe, dunklen Punkten in der Silikonfuge, Lupe mit baumartigen Sporenketten, Luftkeimsammlern innen und außen sowie Kartuschenpistole und Dichtband am Boden. Die Nummern folgen vom Sporenflug über das Tauwasser zur Fuge und zur Messung.

  1. Draußen auf Pflanzen: Cladosporium herbarum gelangt vorwiegend über die Vegetation in die Außenluft und dominiert dort unter den Schimmelpilzen. Wärme und Feuchte fördern das Wachstum, von Juli und August bis in den Oktober sind die Konzentrationen meist besonders hoch.
  2. Baumartige Sporenketten: Die Gattung gehört mit Alternaria zu den allergologisch wichtigen Pilzen, deren Sporenflug der Polleninformationsdienst misst. Cladosporium herbarum ist in Risikogruppe 1 eingestuft und mit möglicher allergener Wirkung gekennzeichnet, sensibilisierte Menschen können schon auf 1000 Sporen je Kubikmeter reagieren.
  3. Tauwasser an der Scheibe: Für Wachstum braucht Cladosporium cladosporioides eine Wasseraktivität von 0,86 bis 0,88, also deutlich feuchtere Oberflächen als Penicillium. An Fenstern liefert Tauwasser an kalten Oberflächen die Feuchte, wenn kein Leck dahintersteckt.
  4. Dunkle Punkte in der Fuge: Schwarze oder dunkelgrüne Punkte an Fensterdichtungen, in Silikonfugen oder an kalten Außenwandecken heißen im Alltag pauschal Schwarzschimmel. Welche Gattung wächst, zeigt nur das Labor, für die Sanierung ist die Ursache wichtiger als der Name.
  5. Innen gegen außen messen: Weil Cladosporium draußen in großen Mengen vorkommt, wird ein Raumluftbefund nur im Vergleich mit der Außenluft vom selben Tag bewertet: nicht mehr als draußen, Innenraumquelle unwahrscheinlich, über dem Doppelten wahrscheinlich.
  6. Fuge erneuern, Dichtung reinigen: Befallene Silikonfugen werden erneuert, befallene Tapeten entfernt und glatte Flächen gereinigt, an Fenstern prüfen wir zusätzlich Anschlussfugen und Fensterbänke. Bis zur Sanierung nicht trocken abwischen, keine Sprays, und Allergiker schlafen nicht im betroffenen Raum.

Cladosporium in der Außenluft

Die Konzentration luftgetragener Sporen hängt nach dem Polleninformationsdienst stark von der Witterung ab, Wärme und Feuchtigkeit fördern das Wachstum, und von Juli und August bis in den Oktober hinein sind die Konzentrationen deshalb meist besonders hoch.[1] Sporen von Cladosporium und anderen Pilzen können zu allergischem Schnupfen, allergischem Asthma, seltener zu einer allergischen Alveolitis oder einer Ansiedlung von Pilzen in der Lunge führen.[1]

Treten allergische Beschwerden zwischen Juli und September auf, können statt Pollen Schimmelpilze die Ursache sein, ein Hinweis sind Beschwerden, die bei langen Schönwetterperioden abnehmen und nach Niederschlägen zunehmen.[4] Cladosporium und Alternaria gehören nach dem Allergieinformationsdienst zu den Hauptauslösern einer saisonalen Schimmelpilzallergie.[4] Besonders hoch ist die Sporenkonzentration im Spätsommer und Frühherbst, wenn heiße und feuchtkalte Wetterlagen einander abwechseln, und an windigen Tagen werden Sporen stark aufgewirbelt.[4]

Cladosporium herbarum gelangt vorwiegend über die Vegetation in die Außenluft und dominiert dort nach der RKI-Mitteilung unter den Schimmelpilzen, im Sommer treten Cladosporium- und Alternaria-Arten zusammen mit Gräserpollen auf.[5] Im Lauf eines Tages kann die Konzentration erheblich schwanken, und Hitze, Regen und Wind beeinflussen sie.[5] Wächst Cladosporium dagegen sichtbar an einer Innenwand, gehört die Stelle zu einer Schimmelsanierung samt Suche nach der Feuchtequelle.

Im Haus wird Cladosporium zum Thema, wenn eine Wand oder ein Fensterrahmen dauerhaft feucht ist, nach einem Wasserschaden auch an Decke oder Boden. Steht dort noch Wasser, wird vor dem Betreten die Sicherung des Raums ausgeschaltet, ein ausgeschaltetes Licht bedeutet keinen stromfreien Raum. Ein nasser Sicherungskasten bleibt Feuerwehr oder örtlichem Netzbetreiber überlassen, und in einen Keller mit steigendem Wasserstand geht niemand hinein.

Cladosporium im Haus

Pilze der Gattungen Cladosporium und Penicillium gelangen beim Lüften aus der Außenluft in den Innenraum oder werden mit Staub an Kleidung und Schuhen hereingetragen und finden sich deshalb häufig im Hausstaub und in den meisten Fällen auch in der Raumluft.[3] Auf und in mineralischen Baustoffen wie Estrich, Putz oder Beton wurde Cladosporium in 46 Prozent der Proben nachgewiesen.[3]

Als Feuchteindikator führt der UBA-Leitfaden Cladosporium nicht, anders als etwa Acremonium oder Stachybotrys chartarum.[3] Für Wachstum braucht Cladosporium cladosporioides eine minimale Wasseraktivität von 0,86 bis 0,88, also deutlich feuchtere Oberflächen als Penicillium chrysogenum mit 0,78 bis 0,81.[3] Für allergisches Asthma betonen Autoren, die die Leitlinie zitiert, die Bedeutung von Cladosporium, das saisonal in sehr hohen Konzentrationen in der Außenluft, aber auch bei Befall in Innenräumen auftritt.[6]

Cladosporium in der TRBA 460
Art Risikogruppe Kennzeichnung
Cladosporium herbarum 1 mögliche allergene Wirkung, pflanzenpathogen
Cladosporium cladosporioides 1 mögliche allergene Wirkung

Nach Liste 3.4 und Nummer 3.3 der TRBA 460.[2]

Die Kennzeichnung mit A weist in der TRBA 460 nur darauf hin, dass eine allergene Wirkung bekannt ist, ein stärkeres Sensibilisierungspotenzial als bei anderen Arten folgt daraus nicht.[2] In eine der höheren Risikogruppen 2 bis 4 ist keine der beiden Arten eingestuft.[2] Wer eine Schimmelallergie vermutet, lässt sie ärztlich testen, weil nur ein Test zeigt, auf welche Arten der Körper reagiert.

Wann Cladosporium auf eine Quelle im Raum hinweist

Weil Cladosporium draußen in großen Mengen vorkommt, bewertet der UBA-Leitfaden einen Raumluftbefund im Vergleich mit der Außenluft: Liegen innen nicht mehr Sporen der Gattung vor als außen, ist eine Innenraumquelle unwahrscheinlich, bis zum Doppelten möglich und über dem Doppelten wahrscheinlich.[3] Dieselbe Regel gilt für andere Gattungen, die in der Außenluft erhöhte Konzentrationen erreichen können, etwa Alternaria, Botrytis oder Hefen.[3] Für die Summe aller Arten, die in der Außenluft untypisch sind, legt der Leitfaden eigene Grenzen fest: Bis 150 koloniebildende Einheiten je Kubikmeter mehr als draußen ist eine Innenraumquelle unwahrscheinlich, über 500 wahrscheinlich.[3]

Eine Raumluftmessung ohne Außenluftprobe am selben Tag lässt sich deshalb bei Cladosporium kaum deuten. Im Sommer kann die Außenluft eine Sporenmenge tragen, bei der ein Raum mit offenem Fenster ähnliche Werte zeigt, ohne dass dort etwas wächst. Aussagekräftiger ist die Messung an der verdächtigen Wand, und Malerarbeiten auf einer Wand mit Wachstum halten nicht.

Cladosporium und Allergien

Als häufigste Auslöser allergischer Rhinitiden durch Pilzallergene nennt die AWMF-Leitlinie vor allem Alternaria alternata, deutlich seltener Cladosporium herbarum und andere Arten.[6] Eine Studie aus dem Jahr 2021, die die Leitlinie nennt, verbindet eine bestimmte Form des Asthmas mit der Pilzgemeinschaft im Innenraum, als asthmarelevante Innenraumarten wurden dabei Aspergillus versicolor und Cladosporium sphaerospermum gefunden.[6]

Wer schon sensibilisiert ist, kann nach dem UBA-Leitfaden bereits auf 1000 Sporen von Cladosporium herbarum je Kubikmeter Luft allergisch reagieren.[3] Im Kinder-Umwelt-Survey waren 2,1 Prozent der Kinder gegen Cladosporium herbarum sensibilisiert.[3] In einer bevölkerungsbezogenen Stichprobe von 1880 Personen in Hamburg und Erfurt reagierten im Hauttest 0,4 und 2,1 Prozent spezifisch auf Cladosporium, im Bluttest auf spezifisches IgE waren es 4,9 und 3,6 Prozent.[5] Die Häufigkeit allergischer Rhinitis auf Pilzallergene geben Studien mit 2,7 bis 19 Prozent an.[6]

Infekte der Atemwege hängen nach Studien, die die Leitlinie zusammenfasst, mit Feuchte und Schimmel in Innenräumen zusammen, und Penicillium, Cladosporium, Zygomyceten und Alternaria erwiesen sich dabei als am engsten mit solchen Erkrankungen verbunden.[6] Wer an Asthma leidet, sollte deshalb Arbeiten an befallenen Flächen anderen überlassen.

Dunkle Flecken am Fenster

Schwarze oder dunkelgrüne Punkte an Fensterdichtungen, in Silikonfugen oder an kalten Außenwandecken heißen im Alltag pauschal Schwarzschimmel. Welche Gattung tatsächlich wächst, lässt sich nur im Labor bestimmen, und für die Sanierung ist die Ursache wichtiger als der Name.

An Fenstern liefert Tauwasser an kalten Oberflächen die Feuchte, wenn kein Leck dahintersteckt. Ob die Oberfläche unter den Taupunkt fällt, hängt von Raumluftfeuchte und Oberflächentemperatur ab, wie die Begriffe Taupunkt und Wärmebrücke erklären. Welche dunklen Pilze in Häusern vorkommen, beschreibt der Begriff Schwarzschimmel.

Einen Hinweis auf Schimmel im Haus geben nach dem Allergieinformationsdienst auch Asseln, Silberfischchen oder Staubläuse, vor allem Staubläuse ernähren sich von Schimmelsporen.[4] Unter den Bedingungen, die Schimmelpilze lieben, vermehren sich nach der RKI-Mitteilung auch Bakterien, besonders Actinomyzeten, und Milben sehr gut.[5]

Wie wir mit Cladosporium umgehen

Findet sich Cladosporium auf einer Wand, messen wir Oberflächentemperatur und Feuchte und unterscheiden, ob Tauwasser, ein Leck oder ein Wasserschaden dahintersteckt. Nach einem Wasserschaden trocknen wir zuerst das Bauteil und entfernen danach den Befall, bei Tauwasser geht es um Lüften, Heizen und gegebenenfalls um die Dämmung der kalten Stelle.

Befallene Silikonfugen werden erneuert, befallene Tapeten entfernt, und glatte Flächen gereinigt. An Fenstern prüfen wir zusätzlich Anschlussfugen und Fensterbankanschlüsse, denn hinter einer dunklen Dichtung kann auch Regenwasser in die Laibung laufen. Raumluftmessungen machen wir nur mit Außenluftvergleich und dokumentieren beides, damit ein Gutachter oder die Versicherung die Werte nachvollziehen kann.

Bis zur Sanierung bitten wir Bewohner, befallene Stellen nicht trocken abzuwischen, keine Duftsprays oder Hausmittel aufzusprühen und Allergiker nicht im betroffenen Raum schlafen zu lassen.

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Belege

Quellen

  1. Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID): Pollen- und Pilzsporenflug in Deutschland 2001 bis 2025. Abschnitt Aufkommen allergologisch relevanter Schimmelpilzsporen in Deutschland, Stand 26.05.2026. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3
  2. Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS), Textfassung im Medienportal der BG BAU: TRBA 460: Einstufung von Pilzen in Risikogruppen, Nummer 3 Einstufungen der Pilze. Nummer 3.3 Anmerkungen zu den Listen und Liste 3.4, Einträge der Gattung Cladosporium. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  3. Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Kapitel 1.2.2 Schimmelpilze in Innenräumen mit Tabelle 2 Feuchteindikatoren, Tabelle 3 minimale aW-Werte, Kapitel 2 Sensibilisierungen und allergische Reaktionen sowie Kapitel 5 Bewertung von Gattungen der Außenluft. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
  4. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Schimmelallergie. Abschnitte Symptome der Schimmelallergie (Liste der Auslöser) und Diagnose (Arztgespräch). Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  5. Robert Koch-Institut (RKI), Bundesgesundheitsblatt: Schimmelpilzbelastung in Innenräumen: Befunderhebung, gesundheitliche Bewertung und Maßnahmen. Mitteilung der Kommission Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin. Bundesgesundheitsblatt 10/2007, Abschnitte 2.1 Schimmelpilzquellen in der Außenluft, 2.3 Expositionspfade und 3.1 Allergien (Studie Hamburg und Erfurt). Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
  6. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S2k-Leitlinie Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen, Update 2023, Langfassung. Register-Nr. 161/001, Tabelle 2 sowie Abschnitte allergische Rhinitis, allergisches Asthma bronchiale (Studie Vanderborght et al. 2021) und Infekte der Atemwege. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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