Zementestrich
Auch: CT-Estrich
Zementestrich, Kurzzeichen CT, ist ein Estrich aus Zement, Gesteinskörnung und Wasser, dem bei Bedarf Zusätze beigegeben werden.[1] Beim Trocknen schwindet er deutlich, gegen langfristig einwirkende Feuchte ist er nach der BG BAU dagegen unempfindlich.[2] Mit Natursteinkörnung und geschliffener Oberfläche heißt er Terrazzo, als hoch belastbarer Industrieboden mit Einstreuung aus Hartstoffen Hartstoffestrich.[1]
So verhält sich Zementestrich beim Trocknen
Schematische Darstellung eines Estrichfelds im Schnitt auf Dämmschicht und Rohdecke mit aufgeschüsseltem Rand an der Wand, Schwindpfeilen, Scheinfuge, Trennriss, Zementsack, Sand und Wassereimer sowie CM-Gerät mit Manometer. Die Nummern folgen vom Material über das Trocknen bis zur Probe.
- Zement, Sand und Wasser: Zementestrich, Kurzzeichen CT, besteht aus Zement, Gesteinskörnung mit meist 8 Millimetern Größtkorn und Wasser, bei Bedarf mit Zusätzen. Geliefert wird er als Werktrockenmörtel oder als Nassmörtel, Estrichschnellzemente erhärten schneller.
- Schwindet beim Trocknen: Beim Trocknen schwindet Zementestrich deutlich, gegen langfristig einwirkende Feuchte ist er dagegen unempfindlich. Ein schwimmender Estrich trocknet im Wesentlichen nur nach oben, deshalb schwindet die obere Zone zuerst.
- Schüsselt am Rand: Weil oben schneller getrocknet wird als unten, wölben sich Ecken, Ränder und Fugenbereiche nach oben. Zementreiche Mischungen, ein hoher Wasserzementwert und schnelle Austrocknung verstärken das Schüsseln, mit dem Durchtrocknen geht es meist zurück.
- Scheinfuge als Sollriss: Scheinfugen gliedern die Fläche in gedrungene Felder mit bis zu 6 Metern Seitenlänge, die Kerbe schwächt den Querschnitt, damit der Estrich dort kontrolliert reißt. Randstreifen müssen bei Heizestrichen mindestens 5 Millimeter Bewegung zulassen.
- Trennriss durch den Estrich: Risse sind bei Zementestrich deutlich häufiger als bei Calciumsulfatestrich, meist als Trennrisse durch den ganzen Querschnitt, eine zu schnelle Austrocknung ist die wichtigste Ursache. Sie werden mit Reaktionsharz kraftschlüssig geschlossen, wenn sie die Gebrauchstauglichkeit beeinträchtigen.
- CM-Probe vor dem Belag: Sieben Tage bleibt der frische Estrich vor Zugluft, Sonne und Last geschützt, belegt wird er erst, wenn die Messung die zulässige Feuchte bestätigt, unter Parkett höchstens 2,0 CM-Prozent. Nach einem Wasserschaden entnehmen wir die Proben dort, wo der Estrich am längsten feucht bleibt.
Woraus Zementestrich besteht
Das Größtkorn der Gesteinskörnung liegt nach WECOBIS in der Regel bei 8 Millimetern, geliefert wird Zementestrich als pulverförmiger Werktrockenmörtel oder als Nassmörtel in plastischer bis fließfähiger Konsistenz.[1] Neben Portlandzementen werden nach dem Zement-Merkblatt B 19 vor allem verschiedene CEM-II-Zemente eingesetzt, Estrichschnellzemente erhärten schneller und beenden das Schwinden früher.[3] Der Zementgehalt sollte bei üblichen Konsistenzen 450 Kilogramm je Kubikmeter nicht überschreiten, bei Estrichen auf Dämmschichten 400 Kilogramm.[3] Die Gesteinskörnung muss DIN EN 12620 entsprechen, sofern die VOB/C vereinbart ist, und ihr Anteil an Feinteilen soll höchstens 3 Masseprozent betragen.[3]
Ist Wasser aus einer Leitung auf oder unter einen Zementestrich gelaufen, wird vor jedem Schritt im Raum die Sicherung des betroffenen Stromkreises ausgeschaltet, das Licht am Schalter auszuknipsen schützt nicht. Bei einem Sicherungskasten im Wasser darf niemand hinein, Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber kümmern sich darum, und ein Keller mit steigendem Wasser wird nicht betreten.
Fließestrich, Terrazzo und Hartstoffestrich
Zementestriche mit sehr weicher Konsistenz, etwa durch einen hohen Gehalt an Fließmitteln, gibt es auch als Fließestrich.[1] Ein solcher Fließestrich trocknet nach dem Merkblatt durch sein dichteres Gefüge deutlich langsamer aus als ein herkömmlicher Zementestrich und darf frühestens nach sieben Tagen teilweise durch Folgegewerke belastet werden.[3] Zu seiner Nachbehandlung werden keine Folien aufgelegt, weil starke Feuchteunterschiede im Querschnitt nach dem Entfernen zu Verformungen und Rissen führen können.[3] Bei einer Neubautrocknung wird ein solcher Fließestrich darum mit Messungen begleitet, statt nach der Zahl der Tage beurteilt zu werden.
Hartstoffestriche sind Industrieestriche ab der Klasse CT C65, bei denen trockene Einstreuungen oder hochfeste Gesteinskörnungen wie Metallspäne die Oberfläche verschleißfest machen, meist in zwei Schichten.[1] Im Wohnhaus begegnet uns Zementestrich dagegen als Unterlage für einen Belag, als schwimmender Estrich, als Heizestrich oder als Verbundestrich im Keller.
Kennwerte von Zementestrich im Gebrauch
Für die Planung von Fugen, Heizung und Belag nennt das Merkblatt B 19 Erfahrungswerte zu den physikalischen Eigenschaften von Zementestrich.[3]
Nach Tafel 9 des Zement-Merkblatts B 19.[3]
Ein Rechenbeispiel mit dem Ausdehnungskoeffizienten: Ein angenommenes Estrichfeld von 8 Metern Länge, das sich um 20 Kelvin erwärmt, wird um 8 × 20 × 0,012, also rund 1,9 Millimeter länger.[3] Randstreifen müssen bei Heizestrichen deshalb eine Bewegung von mindestens 5 Millimetern zulassen, und eine starre Verbindung zu Wänden, Zargen oder Rohren darf an keiner Stelle bestehen.[3] Wie Rand- und Bewegungsfugen das leisten, erklärt der Begriff Randfuge.
Mindestdicke und Festigkeit von Zementestrich
Wie dick ein Zementestrich sein muss, hängt von der Bauart, der Festigkeitsklasse und der Nutzlast ab.[4] Für einen Verbundestrich mit Belag verlangen die Mindestanforderungen mindestens die Klassen C20 und F3, ohne Belag C25 und F4, für einen Estrich auf Trennschicht die Biegezugfestigkeitsklasse F4 und eine Nenndicke von 35 Millimetern.[4]
Bei 2 kN/m² gilt der Wert für eine Dämmschicht, die sich höchstens 5 mm zusammendrücken lässt, ab 4 kN/m² höchstens 3 mm. Bei Heizestrichen der Bauart A kommt der Außendurchmesser der Heizrohre hinzu. Nach Heidelberg Materials.[4]
Gibt eine Dämmschicht bei 2 kN/m² bis zu 10 Millimeter nach, muss der Estrich 5 Millimeter dicker werden.[4] Beim Rückbau nach einem Wasserschaden messen wir deshalb Estrichdicke und Dämmschicht, denn der neue Aufbau muss beides wieder zusammenbringen.
Schwinden, Schüsseln und Risse
Ein schwimmender Zementestrich kann im Wesentlichen nur nach oben austrocknen, deshalb trocknet die obere Zone schneller als die untere, schwindet stärker, und Ecken, Ränder und Fugenbereiche wölben sich nach oben, so Müller und Limp in der Zeitschrift Der Bausachverständige.[5] Zementreiche Mischungen, ein hoher Wasserzementwert und eine schnelle Austrocknung verstärken dieses Schüsseln.[5] Mit dem Trocknen der unteren Zone gehen die Aufwölbungen bis auf eine Restverformung zurück, die bis etwa 4 bis 6 Millimeter auch bei sorgfältiger Ausführung nicht sicher vermeidbar ist.[5] Ein neuer Boden auf den getrockneten Estrich kommt darum erst, wenn sich die Ränder wieder abgesenkt haben.
Risse sind bei Zementestrichen deutlich häufiger als bei Calciumsulfatestrichen, meist als Trennrisse durch den ganzen Querschnitt, und eine zu schnelle Austrocknung spielt dabei eine entscheidende Rolle.[5] Fasern im Estrichmörtel können Schrumpf- und Frühschwindrisse verringern, ihre Wirkung sollte ein Prüfzeugnis belegen.[3] Scheinfugen gliedern die Fläche in möglichst gedrungene Felder mit bis zu 6 Metern Seitenlänge, unbeheizte Estriche auf Trenn- oder Dämmschicht sollen 30 Quadratmeter je Feld nicht wesentlich überschreiten.[3] Zeigen sich nach einem Schaden Risse im Estrich, wird zuerst geklärt, ob sie schon vorher da waren oder durch zu schnelles Austrocknen entstanden sind.
Nachbehandlung, Nutzung und Belegreife
Mindestens sieben Tage lang ist ein frisch eingebauter Zementestrich vor Zugluft, Sonne und Belastung durch Gerüste oder Baumaterial zu schützen, die Räume bleiben dafür geschlossen.[3] Der Mörtel soll nach dem Einbau wenigstens drei Tage lang nicht unter +5 °C abkühlen, und die Raumtemperatur soll mindestens sieben Tage lang nicht durch Heizen über +15 °C steigen.[3] Trocknet die Oberfläche zu schnell, kann ihre Randzone verbrennen, weil dem Zement das Wasser für die Hydratation fehlt, und die Oberfläche wird zu weich.[5]
Feuchte des Estrichs bestimmt mit der CM-Methode. Die Trocknungszeit hängt vor allem von Temperatur, Luftfeuchte und Luftwechsel auf der Baustelle ab.[3]
Die Zeiten sind Anhaltswerte und kein Freibrief: Belegt wird ein Zementestrich erst, wenn eine Messung die zulässige Feuchte bestätigt, denn bei ungünstiger Witterung kann das Austrocknen deutlich länger dauern.[3]
Zementestrich nach einem Wasserschaden
Weil Zementestrich dauernde Feuchte verträgt, hängt der Aufwand nach einem Leitungswasserschaden weniger vom Estrich selbst ab als von der Dämmschicht darunter und vom Belag darüber. Da er im Wesentlichen nur nach oben austrocknet, bleibt Wasser in der Dämmebene lange eingeschlossen, und ohne technische Trocknung der Dämmschicht kehrt die Feuchte später in Estrich und Belag zurück.[5]
Tiefe oder durchgehende Risse lassen sich mit Reaktionsharz kraftschlüssig schließen, das lohnt nach dem Merkblatt aber nur, wenn die Risse Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit beeinträchtigen.[3] Bevor wir Risse nach einem Schaden schließen, klären wir ihre Ursache, denn ein Riss aus dem Einbau verlangt eine andere Antwort als einer aus einer abgesackten Dämmschicht.
Nach der Trocknung entnehmen wir Proben dort, wo der Estrich am längsten feucht bleibt, also nicht im Durchzug, und bei wechselnder Dicke mit Blick darauf, dass dickere Bereiche länger trocknen, wie es die BG BAU für die Probenahme beschreibt.[2] Für den neuen Belag gelten danach dieselben Grenzwerte wie im Neubau, bei einem unbeheizten Zementestrich unter Parkett also höchstens 2,0 CM-Prozent.[3]
Rückbau und Entsorgung von Zementestrich
Muss ein Zementestrich heraus, wird er nach WECOBIS als Teil des mineralischen Bauschutts deponiert oder verwertet, eine sortenreine Trennung findet in der Regel nicht statt.[1] Eingebundene Heizrohre und Bewehrung oder anhaftende Dämmstoffe, Trennschichten und Fliesen erschweren eine Verwertung, wegen der größeren Schichtdicke ist ein sortenreiner Rückbau aber leichter als bei Putz oder Mauermörtel.[1]
Beim Einbau sind trockener und frischer Zementestrich wegen des Zements gefährlich: Sie können schwere Augenschäden verursachen, die Atemwege und die Haut reizen, ausgehärtet geht von ihm nach WECOBIS keine Gesundheitsgefahr mehr aus.[1] Beim Aufstemmen entsteht dagegen Staub, den wir mit Absaugung und Abschottung in den Griff bekommen, damit er nicht in bewohnte Räume zieht.
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Belege
Quellen
- WECOBIS, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und Bayerische Architektenkammer: WECOBIS Produktgruppeninformation Zementestrich. Reiter Übersicht (Begriffsdefinition, Wesentliche Bestandteile, Gesundheitsrelevanz, Lieferzustand) und Reiter BNB-Kriterien (BN_4.1.4 Rückbaubarkeit, Sortenreinheit). Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU), Bauportal: Auf dem Weg zur Belegreife: Bestimmung der Restfeuchte in Estrichen. Abschnitte Feuchtigkeit in Estrichen, Mögliche Feuchtigkeitsschäden, Belegreife und Die CM-Messung und die KRL-Methode im Überblick. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
- InformationsZentrum Beton GmbH: Zement-Merkblatt Hochbau B 19: Zementestrich. Stand 7.2015, Abschnitte 1, 4, 8, 10, 13, 14 und 15 mit Tafeln 9 und 17, S. 3 bis 7, 10 und 13 bis 17. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17
- Heidelberg Materials AG, Betontechnische Daten: Kapitel 15.3 Estrich: Mindestanforderungen in Abhängigkeit von der Ausführungsart. Tabellen Mindestanforderungen an Estriche auf Trennschicht und Verbundestriche sowie an Estriche und Heizestriche auf Dämmschicht. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Der Bausachverständige (BauSV), Fraunhofer IRB Verlag: Egbert Müller, Wolfgang Limp: Technische Schäden an schwimmenden Estrichen und Industrieestrichen. Heft 4/2015, S. 20 bis 22, Abschnitte 2.1 bis 2.3. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
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