Ziegelmauerwerk
Auch: Backsteinmauerwerk, Ziegelwand
Ziegelmauerwerk ist eine Wand aus gebrannten Mauerziegeln, die mit Mörtel im Verband vermauert werden.[1] Die Ziegel werden aus Ton oder Lehm geformt, getrocknet und gebrannt, als Vollziegel, als Lochziegel oder als porosierter Hochlochziegel mit eingebauter Wärmedämmung.[1] Vormauerziegel und Klinker bilden die bewitterte Schale zweischaliger Wände.[1] Aus der Luft nehmen moderne gebrannte Ziegel nur wenig Feuchte auf, ihre hygroskopische Ausgleichsfeuchte liegt unter einem Masseprozent.[2]
So ist Ziegelmauerwerk aufgebaut und so steckt Wasser darin
Schematische Darstellung einer Außenwand im Schnitt mit Klinkerschale, Dämmung und Ziegelverband, nassem unteren Bereich mit Wasser in den Kammern eines Lochziegels, Sonde mit Messgerät, Vollziegel und Lochziegel auf dem Boden und Tunnelofen. Die Nummern folgen dem Weg vom Brennen bis zur Messung.
- Ton geformt und im Ofen gebrannt: Mauerziegel werden aus Ton in Strangpressen geformt, der Strang wird mit einem Draht geteilt. Die Rohlinge trocknen 24 bis 36 Stunden in Trockenkammern und werden im Tunnelofen bei etwa 950 bis 980 °C rund 30 Stunden gebrannt.
- Vollziegel und Lochziegel: Vollziegel bestehen durchgängig aus Ton, Lochziegel haben Kammern, porosierte Hochlochziegel tragen eine eingebaute Wärmedämmung. LD-Ziegel bis 1000 Kilogramm je Kubikmeter sind für geschütztes Mauerwerk bestimmt, HD-Ziegel für ungeschütztes.
- Klinker außen: gesintert, dicht: Backsteine der Verblendschale werden bei 1000 bis 1200 °C gebrannt, ab etwa 1100 °C beginnt die Oberfläche zu schmelzen. Dieses Sintern ergibt Klinker mit hoher Druckfestigkeit, besonders geringer Wasseraufnahme und besserem Frostwiderstand.
- Im Verband mit Mörtelfugen: Die Ziegel werden mit Mörtel im Verband vermauert, Stoß- und Lagerfugen übereinanderliegender Schichten sind versetzt. Einschalige Außenwände sind heute nur noch mit sehr gut dämmenden oder mit Dämmstoff verfüllten Ziegeln üblich, sonst bildet die Verblendschale die äußere Schale.
- Nass: Wasser in den Kammern: Nach einem Leitungswasserschaden oder einem Hochwasser steht Wasser in den Poren der Steine, in den Mörtelfugen und bei Lochziegeln auch in den Kammern. Weil die Ausgleichsfeuchte gebrannter Ziegel unter einem Masseprozent liegt, zeigen schon kleine Wassergehalte, dass die Wand nicht trocken ist.
- Messloch an der tiefsten Stelle: Wasser in den Kammern ist von außen kaum zu sehen. Geprüft wird darum an der tiefsten Stelle der Wand, bei Bedarf über eine kleine Messöffnung, verglichen mit einer trockenen Stelle derselben Wand und in mehreren Höhen.
Mauerziegel: vom Vollziegel bis zum Backstein
Ziegel werden nach dem Baustoffinformationssystem WECOBIS aus mineralischen Tonerden zu Steinen oder Platten geformt, getrocknet und gebrannt.[1] Zu den grobkeramischen Produkten zählen Mauerziegel, Deckenziegel, Dachziegel und Pflasterziegel. Bei den Mauerziegeln gibt es Vollziegel, die durchgängig aus Ton bestehen, und Lochziegel.[1] Nach ihrer Lage in der zweischaligen Wand heißen sie Vormauer- oder Hintermauerziegel, Vormauersteine werden traditionell auch Backsteine genannt.[1]
Mauerziegel tragen oder trennen, und das Mauerwerk kann ein- oder mehrschalig ausgeführt werden. Einschalige Außenwände sind heute nur noch mit sehr gut wärmedämmenden oder mit Dämmstoff verfüllten Ziegeln üblich.[1] Vormauerziegel, Klinker und Verblender bilden als nichttragendes Verblendmauerwerk die äußere Schale zweischaliger Wände.[1]
Nach der europäischen Einteilung, die WECOBIS wiedergibt, sind LD-Ziegel Mauerziegel mit einer Brutto-Trockenrohdichte bis 1000 kg/m³ für geschütztes Mauerwerk, etwa Hoch- und Langlochziegel.[1] HD-Ziegel sind für ungeschütztes Mauerwerk bestimmt oder haben über 1000 kg/m³, dazu gehören Vollziegel und Ziegel mit Mulde.[1] Geregelt sind Mauerziegel in DIN EN 771-1 und in der Anwendungsnorm DIN 20000-401.[1] Mauerziegel der Kategorie I erreichen die angegebene Druckfestigkeit mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 95 Prozent, alle anderen gehören zur Kategorie II.[1]
Wie Ziegel geformt und gebrannt werden
Für Mauerziegel wird der aufbereitete Ton in Strangpressen geformt und der Strang mit einem Draht in Stücke geteilt.[1] Die Rohlinge trocknen in Trockenkammern, die im Wesentlichen mit der Abwärme des Tunnelofens betrieben werden, je nach Format und Rohdichte in der Regel 24 bis 36 Stunden.[1] Gebrannt wird im Tunnelofen, in der Hochfeuerzone bei etwa 950 bis 980 °C über rund 30 Stunden, beheizt vor allem mit Erdgas.[1]
Für Backsteine der Verblendschale nennt der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie Brenntemperaturen von 1000 bis 1200 °C im Ring- oder Tunnelofen.[3] Tonqualität und Brenntemperatur bestimmen Farbe und Festigkeit. Ab etwa 1100 °C beginnt die Oberfläche zu schmelzen, dieses Sintern ergibt Klinker mit hartem, hellem Klang.[3] Das Sintern verleiht den Ziegeln eine hohe Druckfestigkeit, eine besonders geringe Wasseraufnahme und einen besseren Frostwiderstand.[3] Eine Klinkerfassade an der Küste braucht trotzdem dichte Fugen und Anschlüsse, weil der Wind das Wasser vor allem dort in die Wand drückt.
Neben dem Strangpressverfahren gibt es Hand- und Wasserstrichziegel. Beim Handstrich wird die Tonmasse in einen Holzrahmen geworfen und der Überstand abgestrichen, als Trennmittel dient Sand, beim Wasserstrich übernimmt Wasser diese Aufgabe und hinterlässt Schlieren auf der Oberfläche.[3] Strangpressziegel werden glatter und gleichförmiger.[3]
Was Mauerziegel technisch auszeichnet
Nach WECOBIS, Reiter Technisches.[1]
Die Spanne zeigt, wie verschieden Mauerziegel sein können: Die Rohdichte reicht von 550 bis 2000 kg/m³, die Wärmeleitfähigkeit von 0,075 bis 0,96 W/(m·K).[1] Der repräsentative Wert liegt mit 575 kg/m³ und 0,075 bis 0,12 W/(m·K) am leichten, gut dämmenden Ende.[1] Für einschalige Außenwände ohne zusätzliche Dämmschicht sind nach WECOBIS nur sehr gut wärmedämmende oder mit Dämmstoff verfüllte Ziegel üblich.[1] Wenn bei einem Leck im Obergeschoss Wasser aus der Decke tropft, saugen die Ziegel der Wände darunter einen Teil davon auf und geben ihn nur langsam wieder ab.
Wie viel Feuchte Ziegelmauerwerk aufnimmt
Gebrannter Ton nimmt aus der Luft nur wenig Wasser auf. Der Sachstandsbericht der WTA nennt als hygroskopische Ausgleichsfeuchte für Vollziegel mit einer Rohdichte von 1900 kg/m³ weniger als 1 Masseprozent bei 80 Prozent relativer Luftfeuchte.[2] Für einen porosierten Hochlochziegel mit 800 kg/m³ sind es 0,75 Masseprozent, bei historischen Vollziegeln stehen bei 75 Prozent relativer Luftfeuchte weniger als 2 bis 3 Masseprozent in der Tabelle.[2]
Als Rechenbeispiel entsprechen 0,75 Masseprozent beim porosierten Hochlochziegel mit 800 kg/m³ einem volumenbezogenen Wassergehalt von 0,6 Prozent.[2] Der volumenbezogene Wert bezieht sich dabei nach dem Bericht auch bei Lochziegeln auf den Baustoff allein, ohne die Hohlräume.[2] Kalkputz nimmt nach derselben Tabelle weniger als 0,5 Masseprozent auf, Kalkzementputz weniger als 1,5 Masseprozent, beide bei 75 Prozent Luftfeuchte.[2]
Flüssiges Wasser kann ein Ziegel über seine Poren dagegen aufnehmen, bei Schlagregen auf ungeschütztem Mauerwerk ebenso wie bei Leitungswasser nach einem Rohrbruch. Gesinterte Klinker nehmen nach dem Ziegelverband besonders wenig Wasser auf, und das Sintern verbessert ihren Frostwiderstand.[3]
Wie lange neues Ziegelmauerwerk feucht bleibt
Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik an hochdämmenden Mauersteinen setzte für Leichtziegel eine Anfangsbaufeuchte von 10 Volumenprozent an, ebenso für die Putzschichten.[4] In der Rechnung für eine verputzte, 36,5 Zentimeter dicke Nordwand trocknete das Ziegelmauerwerk anfangs am schnellsten von allen untersuchten Steinen.[4] Nach einem Jahr verblieben trotzdem noch etwa 3 Volumenprozent Feuchte, den eingeschwungenen Zustand erreichte die Wand erst nach dem vierten Jahr.[4]
Bremsend wirkt nach dem Institut der Putz. Im Labor gaben unverputzte Steinproben binnen 100 Tagen mehr als 75 Prozent ihrer Anfangsfeuchte ab, mit Putz dauerte derselbe Trocknungsgrad rund 350 Tage.[4] Ursache sind Widerstandsschichten an den Grenzen zwischen Stein und Putz, die schon das kapillare Aufsaugen behindern.[4] Die Baufeuchte muss deshalb zu einem großen Teil nach innen austrocknen, und in den ersten Jahren ist mit zusätzlichen Lüftungswärmeverlusten zu rechnen.[4] Solange die Wand noch feucht ist, dämmt sie schlechter als geplant, denn hohe Wassergehalte beeinträchtigen nach dem Institut die Dämmwirkung des Mauerwerks.[4]
Nasses Ziegelmauerwerk messen und trocknen
Nach einem Leitungswasserschaden oder einem Hochwasser steht in Ziegelmauerwerk Wasser in den Poren der Steine, in den Mörtelfugen und bei Lochziegeln auch in den Kammern. Bei der Feuchtigkeitsmessung vergleichen wir mit einer trockenen Stelle derselben Wand und messen in mehreren Höhen. Weil die Ausgleichsfeuchte gebrannter Ziegel so niedrig liegt, zeigen schon kleine Wassergehalte, dass die Wand noch nicht trocken ist.
Bei Lochziegeln kann Wasser in den Kammern stehen, das von außen kaum zu sehen ist. Wir prüfen deshalb an der tiefsten Stelle der Wand und bohren dort bei Bedarf eine kleine Messöffnung. Den Wassergehalt einer Probe bestimmen wir bei Zweifeln mit der Darrmethode, die Ergebnisse halten wir im Trocknungsprotokoll fest.
Getrocknet wird über die Raumluft mit Entfeuchtern und Ventilatoren, bei Bedarf ergänzt durch Wärme. Dichte Beschichtungen, Fliesen oder Sperrputze vor der Wand verlangsamen die Trocknung, ähnlich wie der Putz im Versuch des Fraunhofer-Instituts. Nach einem Hochwasser achten wir zusätzlich auf Salzausblühungen und auf Schäden am Fugenmörtel, bevor neu verputzt wird.
Bei Sichtmauerwerk aus Vormauerziegeln oder Klinkern prüfen wir außerdem die Fugen, denn durch offene oder ausgewaschene Fugen kann Regen in die Wand gelangen und einen Schaden im Inneren vortäuschen, der mit dem Rohrnetz nichts zu tun hat. Ob das Wasser von außen oder aus einer Leitung kommt, klären wir mit Messungen an der Innen- und der Außenseite und, wenn nötig, mit einer Dichtheitsprüfung der Leitungen.
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Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- WECOBIS, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und Bayerische Architektenkammer: Ziegel (Produktgruppeninformation). Reiter Übersicht, Herstellung und Technisches. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19
- WTA Referat 4 Mauerwerk, Arbeitsgruppe 4.11, Fraunhofer IRB Verlag: Sachstandsbericht zur Messung der Feuchte von mineralischen Baustoffen. Ausgabe 2004, Abschnitt 2.2 mit Gleichung (2), Abschnitt 4.1 und Anlage 4. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V.: Planen mit Backstein, Kapitel 1.2.1: Herstellung. Abschnitte Tonbeschaffenheit und Steineigenschaften sowie Hand-, Wasserstrich- und Strangpressverfahren. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP): Trocknungsverhalten von monolithischen Wänden (IBP-Mitteilung 389). Jahrgang 28 (2001), Abschnitte Durchführung, Ergebnisse und Diskussion. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
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