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Risse im Innenputz nach Wasserschaden und Trocknung: harmlos oder Warnsignal?

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

Die Antwort in Kürze

Risse in verputzten Wänden und Decken entstehen nach einem Fachbeitrag des Forum Verlags meistens erst, wenn mehrere Fehlerquellen zusammentreffen, und weil die rissverursachenden Spannungen in der Regel senkrecht zum Riss verlaufen, verrät sein Verlauf viel über die Ursache.[1] Ob ein Riss saniert werden muss, hängt nach dem Merkblatt der WTA zu gerissenen Putzen davon ab, ob er ein technischer oder nur ein optischer Mangel ist.[2]

Was der Verlauf eines Risses verrät

Bei Rissen ist nach dem Forum Verlag zuerst zwischen putzgrundbedingten Rissen und Putzrissen zu unterscheiden, und Risse aus dem Mauerwerk sind grundsätzlich putzgrundbedingt.[1] Ihre Ursache muss danach nicht im Mauerwerk selbst liegen, auch Mängel am Baugrund, an der Gründung oder konstruktive Schwachstellen kommen in Frage.[1]

Vertikale, verzahnte oder gerade Risse werden nach dem Beitrag in der Regel durch Schwinden oder Abkühlen der Wand in horizontaler Richtung verursacht, horizontale Risse durch Schwinden in vertikaler Richtung oder durch Formänderungen benachbarter Bauteile.[1] Schräge oder abgestufte Risse gehen danach meistens auf Schubspannungen zurück, etwa aus der Durchbiegung von Geschossdecken unter Mauerwerkswänden.[1]

Drei Gruppen von Rissen

Das WTA-Merkblatt 2-4 zur Beurteilung und Instandsetzung gerissener Putze an Fassaden teilt Risse in konstruktionsbedingte, putzgrundbedingte und putzbedingte Risse und unterscheidet zwischen technischem und optischem Mangel.[2] Vor einer Instandsetzung sieht es Untersuchungen der Risse und Prüfungen des Untergrunds vor, unter anderem auf Putzfestigkeit, Wasseraufnahme, Hohlstellen und den Haftverbund der Schichten.[2]

Konstruktionsbedingte Risse sind nach dem Forum Verlag auch bei Beachtung der anerkannten Regeln der Technik nicht immer mit Sicherheit zu vermeiden, und durch putztechnische Maßnahmen lässt sich in der Regel nicht verhindern, dass Risse aus der Konstruktion auch im Putz auftreten.[1] Bei Neubauten erhöhen kurze Bauzeiten und eine unzureichende Austrocknung des Rohbaus das Rissrisiko nach dem Beitrag beträchtlich, bei Bestandsbauten ist es meist eine fehlende oder mangelhafte Begutachtung des Baugrunds.[1] Für die Instandsetzung unterscheidet das WTA-Merkblatt zwischen einzelnen Rissen und einer flächigen Instandsetzung.[2] Für einen gerissenen Putz nach Wasserschaden heißt das: Einzelne Risse werden geschlossen, ein großflächig gelöster Putz kommt herunter.

Feuchte als Auslöser

Putzgrundbedingte Risse entstehen nach dem Forum Verlag unter anderem durch Volumenänderungen des Putzgrunds aus Feuchte und Temperatur, etwa bei durchfeuchteten Holzwolle-Leichtbauplatten oder bei Feuchte, die an den Stößen von Dämmplatten eindringt.[1] Auch ein Wechsel der Baustoffe im Untergrund, etwa von Ziegel zu Beton, führt danach zu unterschiedlichem Saug-, Quell- und Schwindverhalten unter der Putzschale.[1]

Gipsputz lässt nach dem Bundesverband der Gipsindustrie Wasserdampf und Wasser durch, er steht der Austrocknung eines nassen Untergrunds also nicht im Weg.[3] Poröse Baustoffe wie manche Ziegel, Leichtzuschlagbetone und Porenbetone können danach sehr viel Wasser aufnehmen, und entsprechend lange dauert die Trocknung.[3]

Nach einem Wasserschaden kann es so ablaufen: Die Wand trocknet in Etappen, unterschiedliche Baustoffe darunter bewegen sich unterschiedlich, und feine Risse zeigen sich erst Wochen später. Ein Riss, der danach nicht weiter wächst, ist ein anderer Fall als einer, der sich nach jeder Heizperiode wieder öffnet. Mit dem Streichen nach Wasserschaden wartet man darum, bis sich zeigt, ob ein Riss zur Ruhe gekommen ist.

Nach dem Wasserschaden prüfen und ausbessern

Für Gipsputze nach einer Durchfeuchtung empfiehlt der Bundesverband der Gipsindustrie, die Putzflächen durch Abklopfen auf Hohlstellen zu untersuchen, schadhaften Putz zu entfernen und bis unter 1 Masseprozent zu trocknen, gemessen im Gipsputz mit dem CM-Gerät.[3] Nach der Trocknung wird danach noch einmal auf hohl liegende Flächen geprüft, und nachgeputzt wird mit einem geeigneten Gipsputz, etwa einem Handputz für Reparaturen.[3]

Wasserränder und Rost, die nach der Trocknung durchschlagen, lassen sich danach mit einer sperrenden Grundierung überdecken.[3] Die Empfehlungen gelten nach dem Verband für Durchfeuchtungen mit sauberem Wasser, für kontaminiertes Wasser nach Hochwasser gelten zusätzliche Hinweise der Behörden.[3]

Neuer Putz braucht Zeit

Für seinen Kalkzementputz MPI 25 nennt Baumit eine Mindestauftragsdicke von 10 mm innen, und bei Putzdicken von mehr als 20 mm wird mehrlagig gearbeitet, mit einer Standzeit des Unterputzes von einem Tag pro Millimeter vor der nächsten Lage.[4] Vor einer weiteren Beschichtung ist danach eine Standzeit von mindestens einem Tag je Millimeter Putzdicke einzuhalten, und hohe Luftfeuchte und tiefe Temperaturen können die Abbindezeit deutlich verlängern.[4]

Verarbeitet wird der Putz nach dem Datenblatt nicht unter +5 °C und nicht über +30 °C, und die zu verputzende Fläche muss gleichmäßig ausgetrocknet und frei von Ausblühungen sein.[4] Wer nach einem Wasserschaden schnell wieder streichen will, plant diese Zeiten mit ein, denn ein zu früh gestrichener Putz trocknet unter der Farbe weiter.

Das Risiko neuer Risse lässt sich nach dem Forum Verlag nur mindern, wenn vor oder beim Verputzen zusätzliche Maßnahmen getroffen werden, etwa ein Spritzbewurf, eine Haftbrücke, eine Bewehrung des Putzes oder eine Gewebespachtelung.[1] Erst danach folgen die Malerarbeiten, und feine Haarrisse lassen sich mit einem rissüberbrückenden Anstrich schließen.

Häufige Fragen

Muss jeder Riss im Putz saniert werden?

Nein, entscheidend ist nach dem WTA-Merkblatt, ob er ein technischer oder nur ein optischer Mangel ist.[2] Schräge oder abgestufte Risse deuten nach dem Forum Verlag aber auf Schubspannungen hin und gehören untersucht.[1]

Kann ich Risse einfach zuspachteln?

Bei Rissen aus der Konstruktion hilft das wenig, denn sie zeigen sich nach dem Forum Verlag durch putztechnische Maßnahmen in der Regel trotzdem wieder.[1]

Warum zeigen sich Risse erst Wochen nach der Trocknung?

Unterschiedliche Baustoffe unter dem Putz saugen, quellen und schwinden nach dem Forum Verlag unterschiedlich.[1] Poröse Steine wie Porenbeton nehmen nach dem Bundesverband der Gipsindustrie viel Wasser auf und brauchen lange zum Trocknen.[3]

Wann darf neuer Putz gestrichen werden?

Bei dem Kalkzementputz MPI 25 nennt Baumit vor einer weiteren Beschichtung eine Standzeit von mindestens einem Tag je Millimeter Putzdicke.[4]

Wie trocken muss Gipsputz nach einem Wasserschaden sein?

Unter 1 Masseprozent, gemessen mit dem CM-Gerät, nach dem Bundesverband der Gipsindustrie.[3]

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Belege

Quellen

  1. Forum Verlag Herkert GmbH: Risse im Mauerwerk: Rissklassifizierung. Fachartikel vom 16.05.2024, Abschnitte Rissformen und WTA-Merkblatt 2-4. Abgerufen am 09.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13
  2. Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA), über das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau: Merkblatt 2-4: Beurteilung und Instandsetzung gerissener Putze an Fassaden, Inhaltsverzeichnis und Kurzfassung. Ausgabe 08.2014, Inhalt und Kurzfassung. Abgerufen am 09.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  3. Bundesverband der Gipsindustrie e.V.: Informationsdienst: Beseitigung von durch Überflutung entstandenen Schäden an Bauteilen aus Gips oder an Gipsputzen. Abschnitte 2 und 4 Gipsputze. Abgerufen am 09.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  4. Baumit GmbH: Produktdatenblatt MaschinenPutz Innen MPI 25. Abschnitte Technische Daten, Untergrund, Verarbeitung sowie Allgemeines und Hinweise, Stand 11-05-22. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
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