Ferienhaus an der Küste: Wie prüfen Sie die Hochwassergefahr?
Die Antwort in Kürze
Am Anfang stehen die amtlichen Hochwassergefahrenkarten, die die Länder nach dem Wasserhaushaltsgesetz für Risikogebiete erstellen, mit Überflutungsfläche und Wassertiefe für seltene, mittlere und häufige Ereignisse.[1] Schleswig-Holstein stellt sie für Küsten- und Flusshochwasser als interaktive Karte bereit.[2] Dazu kommen die Fragen, welcher Deich das Haus schützt, ob es hinter einer Düne liegt und wie die Versicherer das Risiko einschätzen.[2][3]
Was die Gefahrenkarten zeigen
Für Gebiete mit signifikantem Hochwasserrisiko erstellen die zuständigen Behörden nach dem Wasserhaushaltsgesetz Gefahrenkarten und Risikokarten.[1] Gefahrenkarten erfassen die Flächen, die bei drei Arten von Hochwasser überflutet werden.[1]
- niedrige Wahrscheinlichkeit: voraussichtliches Wiederkehrintervall mindestens 200 Jahre, oder ein Extremereignis[1]
- mittlere Wahrscheinlichkeit: voraussichtliches Wiederkehrintervall mindestens 100 Jahre[1]
- hohe Wahrscheinlichkeit, soweit erforderlich[1]
Für jedes Szenario enthalten die Karten das Ausmaß der Überflutung und die Wassertiefe oder den Wasserstand, Risikokarten zeigen zusätzlich die möglichen nachteiligen Folgen.[1] Für ausreichend geschützte Küstengebiete darf die Gefahrenkarte auf das seltene Ereignis beschränkt werden.[1] Überprüft und wenn nötig aktualisiert werden die Karten alle sechs Jahre.[1]
Bundesweit bündelt eine Kartenanwendung der Bundesanstalt für Gewässerkunde die Gefahren- und Risikokarten und führt weiter zu den Karten der zuständigen Landesbehörden.[4] Für ein bestimmtes Grundstück lohnt der Blick in die Karte des Landes, weil sie die Lage genauer zeigt. Die Karten beruhen auf der europäischen Hochwasserrichtlinie, die nach dem Bericht des Landes Schleswig-Holstein auch die Eigenvorsorge der Kommunen und der betroffenen Bürger verbessern soll.[2]
Die Karten an der Küste lesen
Schleswig-Holstein stellt die Gefahren- und Risikokarten für Küsten- und Flusshochwasser als interaktive Kartenanwendung unter www.hochwasserkarten.schleswig-holstein.de bereit.[2] Wie das Land die Küste darstellt, beschreibt sein Bericht zur Aktualisierung der Karten von Dezember 2025.[2] Die Wassertiefe entsteht, indem der Wasserstand mit dem aktuellen digitalen Geländemodell des Landes verschnitten wird, und die Referenzwasserstände für Nord- und Ostseeküste schreibt das Land alle zehn Jahre im Generalplan Küstenschutz fort.[2]
Für das eigene Haus kommt es danach auf die Höhe der Räume an. Ein Erdgeschoss, das über dem Gelände liegt, steht weniger tief im Wasser, als die Karte zeigt, ein Keller tiefer. Wer die Höhe des Fußbodens kennt, kann die Wassertiefe aus der Karte auf das Haus übertragen. Steht nach einer Flut tatsächlich Wasser im Haus, zeigt die Wasserlinie an den Wänden, bis wohin später Bodenbelagsarbeiten und Putz erneuert werden.
Hinter Landesschutzdeichen zeigt das Land das Ereignis mit niedriger Wahrscheinlichkeit so, als wirke der Deich nicht: Der Wasserstand eines Hochwassers mit einem Wiederkehrintervall von 200 Jahren wird auf das Gelände übertragen.[2] Das ist bewusst das ungünstigste Bild, alle denkbaren Deichbrüche liegen innerhalb dieser Fläche, und je größer eine Niederung ist, desto unwahrscheinlicher wird ein solches Extremszenario.[2] Steht in einer überfluteten Niederung ein Keller unter Wasser, folgt auf das Auspumpen die Wasserschadensanierung an Kellerwänden und Boden.
Regionaldeiche haben nach dem Landeswassergesetz nur eine eingeschränkte Schutzwirkung, die Flächen dahinter zeigen die neuen Karten deshalb auch für das häufige Ereignis mit einem Wiederkehrintervall von 20 Jahren.[2] Ein Ferienhaus hinter einem Regionaldeich liegt also in einer anderen Lage als eines hinter einem Landesschutzdeich, auch wenn beide Deiche gleich aussehen. Versicherer stufen jedes Grundstück ebenfalls nach der Gefährdung ein, und davon hängt ab, ob und zu welchem Beitrag ein Schutz gegen Elementarschaden zu bekommen ist.
Hinter Düne, Strandwall oder Steilufer
Nicht jedes Haus an der Ostsee liegt hinter einem Deich, manche liegen hinter Dünen, Strandwällen oder Steilufern. Auch dort entscheidet die Höhe des Grundstücks darüber, wie groß ein Hochwasserschaden bei einer schweren Flut ausfallen kann. Liegt eine Niederung tiefer als eine Sturmflut mit einem Wiederkehrintervall von 200 Jahren und bis zu 150 Meter landwärts von der oberen Kante eines Steilufers oder vom seewärtigen Fuß einer Düne oder eines Strandwalls, zählt Schleswig-Holstein sie zum Hochwasserrisikogebiet.[2] Der Grund: Sand und Boden können dort bei einem Ereignis oder nach und nach umgelagert werden, und die Gefahr kann sich abrupt verschärfen.[2]
Die Karten bilden die heutige Lage ab und berücksichtigen nur den bisherigen Meeresspiegelanstieg.[2] Für die Planung des Küstenschutzes rechnen die Küstenländer dagegen mit einem Szenario, nach dem der mittlere Meeresspiegel am Ende des Jahrhunderts etwa 0,75 Meter höher steht als heute.[2]
Wie oft Sturmfluten an der Ostsee auflaufen
An der Ostsee kommt es nach der Statistik des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie, die seit 1950 geführt wird, im Durchschnitt zu drei Sturmfluten im Jahr, die Zahl schwankt aber zwischen null und neun.[5] Mehr Sturmfluten erwartet das Amt in naher Zukunft nicht, wohl aber heftigere Auswirkungen, weil der steigende Meeresspiegel sie höher auflaufen lässt.[5] Üblicherweise treten Sturmfluten nach dem Amt im Winterhalbjahr von Oktober bis April auf.[5] Steht ein Ferienhaus im Winter leer, fällt die gefährliche Zeit in die Monate ohne Gäste.
Seit April 2025 fließen die Sturmflutwarnungen des Amtes automatisch in das Naturgefahrenportal des Deutschen Wetterdienstes ein, das Frühwarnungen und Vorsorgeinformationen zu wetterbedingten Naturgefahren an einer Stelle bündelt.[5] Die erwarteten Wasserstände für die Ostsee veröffentlicht das Amt zweimal am Tag, an 365 Tagen im Jahr.[5]
Der Blick der Versicherer
Der Hochwasser-Check des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft liefert nach Eingabe der Adresse eine individuelle Risikobewertung und berücksichtigt nach dem Verband Flusshochwasser, Starkregen und Rückstau.[3] Ergänzt wird das Ergebnis um Hinweise zu Ursachen, Schutzmöglichkeiten und zur Elementarschadenversicherung.[3] Für die Gefahr durch Sturmflut bleiben an der Küste die amtlichen Gefahrenkarten die Grundlage.
Vor dem Kauf nachfragen
- Liegt das Grundstück in einem Hochwasserrisikogebiet, und welche Wassertiefe zeigt die Karte für jedes Szenario?
- Schützt ein Landesschutzdeich, ein Regionaldeich, eine Düne, ein Strandwall oder gar keine Anlage?
- Stand das Haus bei früheren Sturmfluten unter Wasser, und welche Schäden wurden damals behoben?
- Liegen Heizung, Stromverteiler und Wohnräume über der Wassertiefe aus der Karte?
- Welche Elementarschäden deckt die bestehende Versicherung, und was ist ausgeschlossen?
Häufige Fragen
Kommt ein hundertjährliches Hochwasser nur alle 100 Jahre?
Nein. Das Wasserhaushaltsgesetz spricht von einem voraussichtlichen Wiederkehrintervall, also einem statistischen Mittel.[1] Wie stark die Zahl schwankt, zeigt die Ostsee: im Mittel drei Sturmfluten im Jahr, in manchen Jahren keine, in anderen neun.[5]
Ist ein Haus hinter dem Deich sicher?
Ein Deich senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht. Regionaldeiche haben in Schleswig-Holstein nach dem Landeswassergesetz nur eine eingeschränkte Schutzwirkung.[2]
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Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: Wasserhaushaltsgesetz (WHG), § 74 Gefahrenkarten und Risikokarten. § 74 Abs. 1 bis 4 und 6. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
- Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein (MEKUN): Überprüfung und Aktualisierung der Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten (Art. 6) in Schleswig-Holstein 2025. Kapitel 1 bis 3, Stand Dezember 2025. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Hochwasser-Check kostenlos auf der eigenen Website einbinden. Medieninformation, Stand 07.04.2025. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
- Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), Plattform WasserBLIcK: Hochwassergefahren- und Hochwasserrisiko-Karten für Deutschland jetzt online. Meldung vom 29.07.2021. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
- Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH): Sturmflutsaison 2024/2025 relativ ruhig, dennoch kein Grund zur Entwarnung. Pressemitteilung vom 12.05.2025. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
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