Essig, Chlor oder Alkohol: Welche Mittel helfen gegen Schimmel?
Die Antwort in Kürze
Für kleine Flächen empfiehlt der Sanierungsleitfaden des Umweltbundesamts Alkohol: 70-prozentiges Ethanol oder Isopropanol auf trockenen und 80-prozentiges auf nassen Flächen.[1] Essig ist ungeeignet, weil Kalkputz ihn neutralisiert und die Lösung im Einzelfall sogar zum Nährboden wird.[1] Von Schimmelentfernern mit Aktivchlor rät die Verbraucherzentrale Hamburg ab.[2] Chlor- und säurehaltige Reiniger dürfen nie zusammenkommen, weil Chlorgas entstehen kann.[3]
Erst die Fläche, dann das Mittel
Welches Mittel taugt, hängt zuerst davon ab, wie groß der Befall ist. Sind die befallenen Flächen größer als ein halber Quadratmeter, gehört die Sanierung nach der Verbraucherzentrale Hamburg in die Hände eines Fachbetriebs.[2] Taucht der Schimmel immer wieder auf, ist das nach der Verbraucherzentrale ein Zeichen für ein größeres Feuchtigkeitsproblem, das an der Ursache behandelt werden muss.[2]
Kein Mittel ersetzt eine trockene Wand. Abwischen und Desinfizieren beseitigen den sichtbaren Befall, solange aber Feuchte aus Leitung, Mauerwerk oder Raumluft nachkommt, wächst er nach. Hausmittel sind deshalb nur ein erster Schritt für kleine, oberflächliche Stellen.
Alkohol: das Mittel der Wahl für kleine Stellen
Offenporige Flächen wie verputzte Wände sollten nach dem Sanierungsleitfaden des Umweltbundesamts feucht abgewischt und danach mit Ethanol oder Isopropanol abgerieben werden, um den Schimmel abzutöten, mit 70-prozentigem Alkohol auf trockenen und 80-prozentigem auf nassen Flächen.[1] Dabei ist unbedingt für gute Durchlüftung zu sorgen.[1] Glatte Flächen wie Fliesen, Glas oder Metall genügt es nach dem Leitfaden, nach dem Anfeuchten mit einem haushaltsüblichen Reiniger abzuwaschen und danach mit 70-prozentigem Alkohol zu desinfizieren.[1] Bei Schimmel in der Mietwohnung sprechen Sie vor der Behandlung mit dem Vermieter, damit er die Ursache sehen kann, bevor der Befall entfernt ist.
Den Alkohol gibt es nach der Verbraucherzentrale Hamburg in der Apotheke, er ist aber leicht entzündlich, deshalb müssen Sie gut lüften und jeden Funkenflug vermeiden.[2] Der Leitfaden warnt vor Brand- und Explosionsgefahr und hält Alkohol deshalb nur bei kleineren Flächen für anwendbar.[1] Rauchen Sie nicht, schalten Sie keine Elektrogeräte im Raum ein und aus, und lagern Sie die Flasche verschlossen. Wer Schimmel selbst entfernen will, bleibt darum bei kleinen Flächen und lässt größere einem Fachbetrieb.
Warum Essig nicht hilft
Saure Mittel wie Essigessenz töten Schimmel nach dem Leitfaden grundsätzlich zwar ab, auf mineralischen Flächen kann der Essig aber mit dem Kalkputz reagieren.[1] Dabei steigt der pH-Wert, die Wirkung gegen Schimmel lässt deutlich nach, und im Einzelfall wird das Wachstum sogar gefördert, weil die neutralisierte Essiglösung als Nährsubstrat dient.[1]
Bei der Sanierung von Putzflächen rät der Leitfaden ausdrücklich von sauren Reinigungsmitteln wie Essigsäure ab, weil sie durch alkalische Baustoffe neutralisiert werden und dem Baustoff am Ende nur Wasser zuführen.[1] Saure Reiniger können zudem Gefügeschäden an solchen Baustoffen verursachen.[1] Auch die Verbraucherzentrale Hamburg hält Essig nicht für geeignet.[2]
Chlor bleicht und birgt Gefahren
Schimmelentferner mit Aktivchlor, also Natriumhypochlorit, sollten Sie nach der Verbraucherzentrale Hamburg nicht verwenden.[2] Der Sanierungsleitfaden sieht Chlorbleichlauge oder Wasserstoffperoxid für die desinfizierende Reinigung nach Wasserschäden mit fäkal belastetem Wasser vor, dort unter Beachtung des Arbeitsschutzes und ohne den Baukörper zu schädigen.[1] Das ist eine Aufgabe für Fachbetriebe, keine Haushaltsreinigung.
Sanitär- und Desinfektionsreiniger enthalten nach der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege oft Hypochlorit, das mit sauren Mitteln wie Essig, Zitronensäure oder sauren WC-Reinigern gefährliches Chlorgas bilden kann.[3] Dafür müssen die Mittel nicht einmal direkt gemischt werden, auch kleine Partikel in der Luft können die Reaktion auslösen.[3] Chlorgas reizt schon in geringer Menge Augen, Nase und Rachen, höhere Konzentrationen können schwere Atembeschwerden hervorrufen und die Lunge schädigen.[3]
Wasserstoffperoxid und fertige Schimmelentferner
Statt Alkohol kann zur Desinfektion befallener Flächen und Gegenstände nach dem Leitfaden im Einzelfall auch eine 10-prozentige Wasserstoffperoxid-Lösung verwendet werden, dabei sind Schutzhandschuhe zu tragen.[1] Bei der Anwendung von Anti-Schimmel-Mitteln in der Wohnung können nach dem Leitfaden während und nach der Anwendung noch einige Zeit Chemikalien freigesetzt werden.[1]
Ist der Befall vollständig entfernt und eine erneute Feuchte durch fachgerechten Wiederaufbau ausgeschlossen, ist nach dem Leitfaden keine Desinfektion erforderlich.[1] Fungizide Wirkstoffe sollten auch nach Wasserschäden nicht eingesetzt werden, weil sie selbst Ursache neuer gesundheitlicher Belastungen der Bewohner sein können.[1] Läuft nach dem Anstrich erneut Wasser in die Wand, stellt der Notdienst die Leitung ab, bevor der Befall zurückkommt.
Wenn der Schimmel tiefer sitzt
Abwischen erreicht nur die Oberfläche. Ob und wie tief der Pilz in den Putz eingedrungen ist, lässt sich nach dem Sanierungsleitfaden im Zweifel durch eine mikrobiologische Untersuchung von Materialproben klären, und danach wird entschieden, wie viel Putz abgetragen werden muss.[1] Stark befallene Textilien lassen sich nach dem Leitfaden meist nicht mit vertretbarem Aufwand reinigen, weil die Pilze ins Gewebe eindringen und Flecken und Gerüche oft auch nach mehrmaliger Reinigung bleiben.[1] Muss Putz in größerem Umfang abgetragen werden, gehören auch die Malerarbeiten danach in die Hände eines Fachbetriebs.
Für Tapeten, Gipskarton und Dämmstoffe gilt dasselbe: Befallene Schichten werden ausgebaut, nicht behandelt. Ein Mittel, das auf der Oberfläche gut aussieht, kann den Befall darunter verdecken, bis er an anderer Stelle wieder sichtbar wird.
So gehen Sie bei einer kleinen Stelle vor
- Fenster öffnen, Kinder und Haustiere aus dem Raum bringen
- Handschuhe und eine Atemschutzmaske tragen
- die Stelle anfeuchten, damit keine Sporen aufwirbeln
- mit Haushaltsreiniger abwischen, danach mit Alkohol aus der Apotheke abreiben
- Lappen sofort in einem verschlossenen Beutel entsorgen
- nie zwei Reiniger mischen oder direkt nacheinander verwenden
Den Wischlappen sollten Sie nach der Verbraucherzentrale Hamburg danach in den Müll werfen.[2] Die Faustregel der Berufsgenossenschaft lautet, Reinigungsmittel niemals zu mischen oder nacheinander zu benutzen und immer gut zu lüften.[3] Kommt der Schimmel innerhalb weniger Wochen zurück, lassen Sie Wand und Raumklima messen, statt erneut zu wischen.
Häufige Fragen
Hilft Brennspiritus gegen Schimmel?
Der Sanierungsleitfaden des Umweltbundesamts nennt Ethanol oder Isopropanol in 70- bis 80-prozentiger Konzentration.[1] Alkohol ist leicht entzündlich, also gut lüften und Funkenflug vermeiden.[2]
Darf ich nach Chlorreiniger mit Essig nachwischen?
Nein. Nach der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege kann schon das Nacheinander von Chlorreiniger und sauren Mitteln gefährliches Chlorgas entstehen lassen.[3]
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Belege
Quellen
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen (Schimmelpilz-Sanierungsleitfaden), bereitgestellt auf nachhaltigesbauen.de. Kapitel 3, S. 40, Kapitel 4.1.3.2, S. 50, Kapitel 5.2 und 5.3, S. 61 bis 64. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18
- Verbraucherzentrale Hamburg: Schimmel in der Wohnung: Wie vorbeugen und entfernen? Abschnitt Kann ich Schimmel selbst entfernen? Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW): Gefährliche Experimente (Chlorreiniger). Beitrag vom 11.02.2025. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
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