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Wasserstoffperoxid: Keller nach Hochwasser mit Quast am freien Mauerwerk, Lupe mit Zerfall, ausgeblichener Fleck, Kunststoffeimer, Schutzausrüstung, Sicherungskasten und Vernebler an der Vorwand

Wasserstoffperoxid

Auch: H2O2, Hydrogenperoxid

Wasserstoffperoxid, chemisch H2O2, ist eine farblose, mit Wasser in jedem Verhältnis mischbare Flüssigkeit, die sich langsam zu Wasser und Sauerstoff zersetzt.[1] Seine oxidierende Wirkung ist die Grundlage für das Bleichen, und als oxidierende Substanz steckt es in Schimmelentfernern.[1][2] Lösungen mit mehr als 12 Prozent dürfen nicht an Privatpersonen abgegeben werden.[3]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So wirkt Wasserstoffperoxid an der Wand

Wasserstoffperoxid, Funktionsweise: Keller nach Hochwasser mit freiem Mauerwerk, Quast mit Sauerstoffbläschen, Lupe mit Zerfall in Wasser und Sauerstoff, ausgeblichener Fleck auf Tapete, Kunststoffeimer neben gesperrtem Metalleimer, Kanister, Schutzbrille und Handschuhe, Kellerfenster, Sicherungskasten und Vernebler an einer Vorwand im Schnitt

Schematische Darstellung eines Kellers nach einem Hochwasser mit freigelegtem Mauerwerk, Quast, Lupe, Eimern, Schutzausrüstung, Sicherungskasten und Vernebler an einer Vorwand. Die Nummern folgen dem Wirkstoff vom Zerfall über Wirkung und Nebenwirkung zu Gefäß, Schutz, Vernebeln und Strom.

  1. Zerfällt zu Wasser und Sauerstoff: Die Lupe zeigt das Molekül: Wasserstoffperoxid zersetzt sich langsam zu Wasser und Sauerstoff, der Zerfall setzt Wärme frei. Seine oxidierende Wirkung ist die Grundlage für alles Weitere.
  2. Oxidiert die Pilzzellen: Am freigelegten Mauerwerk wird die Lösung mit dem Quast aufgetragen, nach einem Hochwasser als 10-prozentige Lösung. Die oxidierende Substanz schädigt die Zellen der Pilze, die Bläschen sind der frei werdende Sauerstoff. Das Myzel in tieferen Schichten und die Feuchte in der Wand erreicht sie nicht.
  3. Bleicht Farben aus: Die bleichende Wirkung hat eine Kehrseite: Farbige Tapeten, Fugen oder Textilien können ausbleichen, darum wird ein Mittel erst an einer unauffälligen Stelle getestet.
  4. Kunststoffeimer, kein Metall: Gelöste Schwermetallsalze, Metalloxide und fein verteilte Metalle beschleunigen den Zerfall heftig. Darum kommt die Lösung in saubere Kunststoffbehälter und nie in einen Metalleimer.
  5. Brille und Handschuhe: Einzelne Flächen dürfen im Ausnahmefall mit dreiprozentiger Lösung abgerieben werden, unbedingt mit Schutzhandschuhen und nicht auf empfindlichen Flächen wie Holz oder Möbeln. Schutzbrille, Handschuhe und ein offenes Fenster gehören zu jeder Anwendung.
  6. Vernebeln nur durch Fachleute: In schwer zugängliche Hohlräume, die sich baulich nicht öffnen lassen, kann der Wirkstoff als Nebel gebracht werden, um das Wachstum bei vermutetem Befall zu verzögern. Raum, Konzentration, Einwirkzeit und Lüftung planen Fachleute, ein Ersatz für Ausbau und Trocknung ist das nicht.
  7. Strom aus vor der Arbeit: Bevor nach einer Überflutung Flächen behandelt werden, muss der Strom in den betroffenen Räumen an der Sicherung abgeschaltet sein. Das Licht auszumachen reicht nicht, und in einen Keller mit steigendem Wasserstand steigt niemand hinab.

Was Wasserstoffperoxid ist

Früher hieß der Stoff Wasserstoffsuperoxid, seine Dichte beträgt 1,4422 Gramm je Kubikzentimeter, er schmilzt bei minus 0,41 °C und siedet bei 150,2 °C.[1] Der Zerfall in Wasser und Sauerstoff setzt Wärme frei und wird durch gelöste Schwermetallsalze, fein verteilte Edelmetalle, verschiedene Metalloxide und Alkalien heftig beschleunigt, deshalb wird handelsüblichem Wasserstoffperoxid meist Phosphorsäure als Stabilisator zugesetzt.[1]

Chemisch ist Wasserstoffperoxid eine schwache Säure, die trotzdem deutlich saurer ist als Wasser, es kann oxidieren und reduzieren, wobei die oxidierenden Eigenschaften überwiegen.[1] Industriell wird es heute vor allem nach dem Anthrachinonverfahren gewonnen.[1] Seine Salze heißen Peroxide, und mit manchen Salzen bildet es Peroxidhydrate wie die Perborate, in denen ein Teil des Kristallwassers durch Wasserstoffperoxid ersetzt ist.[1] Nachweisen lässt es sich mit Titanoxidsulfat, das mit Wasserstoffperoxid orangefarbene Komplexe bildet.[1]

Bevor nach einer Überflutung Flächen behandelt werden, muss der Strom in den betroffenen Räumen an der Sicherung abgeschaltet sein, es reicht nicht, das Licht auszumachen. Liegt der Sicherungskasten im überfluteten Bereich, ist das eine Aufgabe für Feuerwehr oder örtlichen Netzbetreiber, und in einen Keller mit steigendem Wasserstand steigt niemand hinab.

Wasserstoffperoxid gegen Schimmel

Nach dem Umweltbundesamt stecken in Schimmelentfernern für die direkte Behandlung oft oxidierende Stoffe, außer Wasserstoffperoxid auch Natriumhypochlorit oder Peressigsäure, und sie schädigen die Zellen der Pilze.[2] Der Schimmel lässt sich damit zumindest kurzfristig verlangsamen oder reduzieren, die Wirkstoffe können aber auch Nachteile für Mensch, Umwelt oder das behandelte Material haben und sollten nur nach gründlicher Abwägung eingesetzt werden.[2]

Im Test von 14 Schimmelentfernern der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2022 bekämpfte der Testsieger Pilzsporen mit Wasserstoffperoxid sehr gut, acht weitere chlorfreie Sprays waren gut.[4] Nach der Anwendung zerfällt der Wirkstoff nach Angaben der Redaktion in Wasser und Sauerstoff, wie schnell, hängt von vielen Faktoren ab, und untersuchungsgestützte Ergebnisse zur Abbaugeschwindigkeit lagen ihr nicht vor.[4]

Die bleichende Wirkung hat eine Kehrseite: Farbige Tapeten, Fugen oder Textilien können ausbleichen. Wer ein Mittel ausprobiert, testet es an einer unauffälligen Stelle. Wer damit arbeitet, schützt Haut und Augen, denn das Mittel reizt beide, und bei längerer Feuchtarbeit leidet die Haut der Hände zusätzlich.

Chlorhaltige Konkurrenzprodukte wirkten im Test teils sehr gut, wurden beim Qualitätsurteil aber abgewertet, weil sie bei falscher Anwendung Atemwege und Augen schädigen können.[4] Auf Glas, Metall, Lack, lackiertem Holz, Keramik und Kunststoff braucht es oft gar kein Spezialmittel, Schimmelablagerungen auf solchen glatten Oberflächen lassen sich nach der Verbraucherzentrale meist mit Haushaltsreiniger und Tuch abwischen.[5]

Dreiprozentige Lösung im Haushalt

Wenn eine Sanierung nicht sofort möglich ist, können nach der Verbraucherzentrale in Ausnahmefällen einzelne Flächen mit einem Tuch und dreiprozentiger Wasserstoffperoxidlösung abgerieben werden, unbedingt mit Schutzhandschuhen und nicht auf empfindlichen Flächen wie Holz oder Möbeln.[5] Befallene Silikonfugen müssen erneuert werden, und das sollte immer eine Fachfirma übernehmen, weil eine undichte neue Fuge weitere Schäden verursachen kann.[5]

Als Alternative für Wände nennt die Verbraucherzentrale 70- bis 80-prozentigen Ethylalkohol, warnt aber vor Explosionsgefahr beim Umgang mit hochprozentigem Alkohol: gut lüften, nicht rauchen, kein offenes Feuer.[5] Selbst entfernen sollte man nur oberflächlichen Befall, der nicht größer als ein halber Quadratmeter ist, und zwar erst, wenn die Ursache bekannt und behoben ist.[5] Polster, Möbel und Stoffe lassen sich nach derselben Quelle nur schwer reinigen.[5]

Die Lösung ersetzt keine Sanierung. Sie hellt Flecken auf und wirkt an der Oberfläche, die Feuchte in der Wand und das Myzel in tieferen Schichten erreicht sie nicht.

Wasserstoffperoxid nach einem Hochwasser

Oberflächen, die direkten Kontakt mit dem Schmutzwasser hatten, können nach dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung vorsorglich entkeimt werden, am zuverlässigsten durch Abflämmen durch eine Fachfirma, alternativ mit 10-prozentiger Wasserstoffperoxidlösung, am besten mit einem Quast aufgetragen.[6] Wandflächen, deren Putz abgetragen wurde, müssen danach in der Regel nicht behandelt werden, eine Ausnahme sind poröses Mauerwerk oder Bodenplatten, die nach dem Ausbau noch nach Heizöl riechen.[6]

Großflächig mit Alkohol wie Isopropanol oder Spiritus zu arbeiten, rät der Verband wegen explosiver Gas-Luft-Gemische ab, und auch chlorhaltige Mittel sind nicht erforderlich.[6] Von Fertigprodukten rät er ab, weil sie oft weniger Wirkstoff enthalten als eine 10-prozentige Lösung.[6]

Konzentrationen von Wasserstoffperoxid im Überblick
Konzentration genannter Einsatz Quelle
3 Prozent einzelne Schimmelflächen im Ausnahmefall Verbraucherzentrale
10 Prozent Entkeimen von Flächen nach Hochwasser Bundesverband Schimmelpilzsanierung
über 12 Prozent keine Abgabe an Privatpersonen Verordnung (EU) 2019/1148

Nach Verbraucherzentrale, BSS-Merkblatt 2 und IHK-Merkblatt zu Ausgangsstoffen für Explosivstoffe.[5][6][3]

Vernebeln in Hohlräumen

Eine Biozidbehandlung gegen Schimmel hält das Umweltbundesamt nur in wenigen Ausnahmefällen für sinnvoll, zum Beispiel bei Baumaterial, das der Denkmalschutz zu entfernen verbietet, oder bei Bauteilen, die sich nicht schnell trocknen lassen.[2] Als Beispiel nennt das Amt Wirkstoffe wie Wasserstoffperoxid, die als Nebel in schwer zugängliche Hohlräume gebracht werden, wenn sich diese baulich nicht öffnen lassen, um das Wachstum bei vermutetem Befall zu verzögern.[2]

Ein Vernebeln ersetzt weder Ausbau noch Trocknung, und es gehört in die Hände von Fachleuten, die Raum, Konzentration und Einwirkzeit planen und den Raum erst nach ausreichender Lüftung wieder freigeben. Wer in einer Wohnung einen Vernebler anbietet, sollte erklären können, welcher Wirkstoff in welcher Menge eingesetzt wird und wann die Räume wieder betreten werden dürfen. Wie das Vernebeln von Ozon zu bewerten ist, beschreibt der Begriff Ozonbehandlung.

Abgabegrenzen für Wasserstoffperoxid

Die Verordnung (EU) 2019/1148 regelt Bereitstellung, Verbringung, Besitz und Verwendung von Stoffen, die für die unrechtmäßige Herstellung von Explosivstoffen missbraucht werden könnten, und soll ihre Verfügbarkeit für die Allgemeinheit einschränken.[3] Für beschränkte Stoffe nach Anhang 1 ist ab einem Konzentrationsgrenzwert die Abgabe an Privatpersonen untersagt, für Wasserstoffperoxid liegt dieser Grenzwert bei 12 Prozent.[3]

Verdächtige Transaktionen, Abhandenkommen oder Diebstahl sind meldepflichtig, und nicht unter die Verordnung fallen Gemische mit mehr als fünf Bestandteilen, in denen jeder der gelisteten Stoffe unter 1 Prozent liegt.[3] Privatpersonen erhalten Wasserstoffperoxid deshalb nur in Konzentrationen bis 12 Prozent.[3] Auf derselben Liste stehen etwa Salpetersäure ab 3 Prozent, Schwefelsäure ab 15 Prozent und Nitromethan ab 16 Prozent, und in der Lieferkette gilt eine Informationspflicht.[3]

Wie wir mit Wasserstoffperoxid arbeiten

Wir setzen Wasserstoffperoxid gezielt ein, etwa auf freigelegten mineralischen Flächen nach dem Rückbau oder an Bauteilen, die nicht ausgebaut werden können. Davor stehen Ursachenklärung, Rückbau und Trocknung. Wir tragen dabei Schutzhandschuhe und Schutzbrille, lüften den Raum und mischen das Mittel nicht mit anderen Reinigern.

Weil Metalle und Metallsalze den Zerfall beschleunigen, verwenden wir saubere Kunststoffbehälter und keine Metalleimer. Empfindliche Oberflächen, Holz und Textilien schützen wir vor Spritzern, und angebrochene Gebinde lagern wir verschlossen, kühl und dunkel, getrennt von brennbaren Stoffen. Wann ein Biozid überhaupt sinnvoll ist, erklärt der Begriff Biozid.

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Belege

Quellen

  1. Spektrum der Wissenschaft, Lexikon der Chemie: Wasserstoffperoxid. Stichwort Wasserstoffperoxid. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
  2. Umweltbundesamt (UBA): Wirkstoffe zur Schimmelbekämpfung. Abschnitt Schimmelbekämpfung mit Bioziden, zuletzt aktualisiert 25.09.2026. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  3. Industrie- und Handelskammer Chemnitz: IHK-Merkblatt: Ausgangsstoffe für Explosivstoffe. Abschnitte Welche Stoffe sind von der Verordnung betroffen und Anhang 1 Verordnung (EU) 2019/1148. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  4. Stiftung Warentest: Mittel gegen Schimmel: Hausmittel und chemische Keulen im Test. Test Schimmelentferner 02/2022, frei zugängliche Abschnitte und Antworten der Redaktion vom 05.05.2025 und 19.05.2025. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3
  5. Verbraucherzentrale: Schimmel an der Wand entfernen: Das können Sie tun. Abschnitte Auf kleinen Flächen: Schimmel selbst entfernen und Anti-Schimmel-Produkte. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
  6. Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS): BSS-Merkblatt 2: 10 Tipps für die Schadensbeseitigung nach Hochwasser. Tipp 3 Reinigung und Behandlung von Oberflächen. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
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