Innendämmung und Schimmel: Worauf kommt es an?
Die Antwort in Kürze
Bei einer Innendämmung besteht grundsätzlich das Risiko, dass sich Tauwasser in der Konstruktion bildet, also Luftfeuchte in der Dämmung kondensiert.[1] Um Schimmel zu vermeiden, ist häufig ein bauphysikalischer Nachweis nötig, dass der Tauwasserausfall keine kritischen Werte erreicht.[1] Die Wand muss vorher trocken sein, und die Dämmung wird lückenlos und luftdicht oder als feuchteregulierendes System ausgeführt.[1]
Wann eine Innendämmung infrage kommt
Am wirksamsten ist eine Dämmung der Außenwände auf der Fassadenseite. Die Innendämmung kommt vor allem dann infrage, wenn eine Fassadendämmung aus optischen, technischen oder rechtlichen Gründen nicht möglich ist, etwa bei denkmalgeschützten Gebäuden, bei engen Grundstücksverhältnissen oder wenn sich eine Eigentümergemeinschaft gegen eine Dämmung der Fassade entscheidet.[1] Sie lässt sich raumweise ausführen, sodass einzelne Eigentümer ihre eigenen Außenwände von innen dämmen können.[1]
Bei Fachwerkhäusern mit sichtbarem Fachwerk lässt sich der Wärmeschutz in der Regel nur mit innenliegenden Dämmschichten verbessern.[2] Gerade dort ist die Bauphysik anspruchsvoll, wie die folgenden Abschnitte zeigen.
Viele ältere Gebäude wurden zu Zeiten errichtet, in denen Wärmeschutz keine Rolle spielte, und ihnen fehlen durchgehende Dämmschichten, moderne Fensteranschlüsse oder funktionierende Feuchtesperren.[1] Häufig kommen ungleichmäßige Wandaufbauten und feuchteempfindliche Baustoffe hinzu, die Innendämmung muss darum auf die vorhandene Bausubstanz abgestimmt werden.[1] Die Dämmschicht fällt meist dünner aus als bei einer Außendämmung, und die Wohnfläche wird etwas kleiner.[1]
Warum die Wand hinter der Dämmung kalt wird
Mit einer Innendämmung bleibt die Wärme im Raum, die Innenseite der Dämmung ist im Winter wärmer, und es bildet sich weniger Kondenswasser an der Oberfläche.[1] Die alte Wand dahinter wird dagegen kälter, weil sie vom Raum abgeschirmt ist. Gelangt warme, feuchte Raumluft durch Ritzen oder Hohlräume hinter die Dämmung, kühlt sie dort ab, und die Feuchte kann sich als Tauwasser niederschlagen. Ähnlich entsteht Schimmel hinter dem Schrank an der Außenwand, wo die Wand ebenfalls vom warmen Raum abgeschirmt ist.
Tauwasser im Bauteil setzt die Funktion der Dämmung herab, und bei dauerhafter Feuchte drohen Schimmel oder Korrosion.[3] Bei Fachwerk kommt hinzu, dass die Dampfdiffusion durch die Dämmschicht im Winter das Holz nicht zu feucht machen darf, während Regenwasser, das besonders in den Sommermonaten an den Anschlüssen zwischen Holzständern und Gefachen eindringt, zur Raumseite hin austrocknen können muss.[2]
Was die Normen verlangen
Anforderungen an Tauwasser im Inneren von Bauteilen beschreibt die DIN 4108-3.[3] Fällt in der Tauperiode Tauwasser an, darf es bei Dach- und Wandkonstruktionen 1,0 Kilogramm je Quadratmeter nicht überschreiten, an Berührungsflächen von Schichten, die kein Wasser kapillar aufnehmen, 0,5 Kilogramm, und es muss in der Verdunstungsperiode wieder abgegeben werden können.[3] Bei Holz darf die massebezogene Feuchte um höchstens fünf Prozent steigen, bei Holzwerkstoffen um drei Prozent.[3]
Das einfache Rechenverfahren nach Glaser berücksichtigt keine kapillaren Speicher- und Transportvorgänge, für kapillaraktive Konstruktionen sind darum hygrothermische Simulationen nach DIN 4108-3 Anhang D oder DIN EN 15026 möglich.[3] Für Innendämmsysteme auf Mauerwerk gibt das WTA-Merkblatt 6-4 ergänzende Empfehlungen.[3] Fällt rechnerisch eine Tauwassermenge von mindestens 200 Gramm je Quadratmeter an, weist die DIN EN ISO 13788 auf ein erhöhtes Risiko hin, und eine hygrothermische Simulation sollte geprüft werden.[3]
Ohne Nachweis kommen nur Konstruktionen aus, die die Norm ausdrücklich als nachweisfrei nennt, und auch sie setzen den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 und eine luftdichte Ausführung nach DIN 4108-7 voraus.[3] Ein Beispiel dafür sind Außenwände mit einem zugelassenen Wärmedämmverbundsystem, also eine Dämmung von außen.[3]
Zwei Wege zu einer sicheren Konstruktion
- Dämmung mit Dampfbremse: eine Tragkonstruktion aus Holz oder Aluminium mit Dämmstoffplatten oder Matten, darauf luftdicht eine Dampfbremsfolie und als Abschluss etwa Holzfaser oder Gipskarton[1]
- diffusionsoffene Dämmung: mineralische, diffusionsoffene Dämmplatten ohne Dampfbremsfolie, direkt auf die Innenseite der Außenwand gebracht[1]
Als Dämmstoffe nennt die Energieberatung der Verbraucherzentrale zum Beispiel Mineralwolle, Holzweichfaserplatten oder poröse mineralische Dämmplatten.[1] Bei Fachwerk und bei Steildächern mit dichter Vordeckung hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik eine feuchteadaptive Dampfbremse untersucht, die im Winter einen höheren Diffusionswiderstand hat als im Sommer und so die sommerliche Austrocknung begünstigt, ohne im Winter zu viel Feuchte in die Konstruktion zu lassen.[2]
Typische Fehler
Vor dem Dämmen muss sichergestellt sein, dass die Außenwand wasserdicht und trocken ist.[1] Tritt hinter der Dämmung Wasser aus, schließt der Notdienst den Hahn, bevor die Arbeiten beginnen. Wird eine feuchte Wand eingepackt, kann die Feuchte schlechter entweichen, und der Schaden wächst unbemerkt hinter der neuen Oberfläche. Ebenso heikel sind Fugen und Durchdringungen: Steckdosen, Leitungen und Anschlüsse an Fenster, Decken und Innenwände müssen dicht ausgeführt werden.
Wärmebrücken lassen sich bei einer Innendämmung meist nicht vollständig vermeiden, etwa dort, wo Decken und Innenwände an die Außenwand stoßen, und müssen bei der Planung erkannt und konstruktiv berücksichtigt werden.[1] An solchen Stellen bleibt die Oberfläche kühler, und dort kann sich Schimmel zuerst zeigen.
Wenn hinter der Dämmung Schimmel wächst
Ein muffiger Geruch, Flecken an den Rändern der gedämmten Fläche oder Feuchte an den Anschlüssen können darauf hinweisen, dass Raumluft hinter die Dämmung gelangt oder die Wand von außen nass wird. Dann hilft eine Messung der Feuchte in der Wand und hinter der Dämmung, bei Bedarf über eine kleine Öffnung. Befallene Dämmung und Bekleidung werden ausgebaut, die Ursache behoben und die Wand getrocknet, bevor eine neue, geprüfte Konstruktion entsteht. Für den Ausbau und die neue Bekleidung sind Trockenbauarbeiten nötig, bei denen die Anschlüsse luftdicht ausgeführt werden.
Häufige Fragen
Führt eine Dämmung zu Schimmel?
Eine fachgerecht geplante und ausgeführte Dämmung macht die Innenoberfläche wärmer und verringert die Kondensation.[1] Kritisch wird es, wenn Raumluft hinter eine Innendämmung strömt oder die Wand vor dem Dämmen nicht trocken war.
Brauche ich für eine Innendämmung einen Nachweis?
Das hängt von der Konstruktion ab. Um Feuchteschäden zu vermeiden, ist bei einer Innendämmung oft ein bauphysikalischer Nachweis erforderlich, dass der Tauwasserausfall keine kritischen Werte erreicht.[1] Für kapillaraktive Konstruktionen kommt dafür eine hygrothermische Simulation infrage.[3]
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Belege
Quellen
- Verbraucherzentrale Bundesverband: Energieberatung der Verbraucherzentrale: Innendämmung der Wand, wann sie sinnvoll ist und worauf Sie achten sollten. Abschnitte Aufbau und Materialien, Vorteile und Herausforderungen, Dämmung von Altbauten. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP: IBP-Mitteilung 268: Feuchteadaptive Dampfbremse für Gebäudedämmungen. Abschnitt Problemstellung. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3
- Gebäudeforum klimaneutral der Deutschen Energie-Agentur (dena): Tauwasserbildung in Bauteilen: Ursachen und Schutz vor Feuchteschäden. Artikel, Stand November 2021. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
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