Schimmel hinter dem Schrank: Was hilft an der Außenwand?
Die Antwort in Kürze
Hinter einem Möbelstück an der Außenwand erwärmt die Raumluft die Wand kaum, die Oberfläche kühlt ab, und Feuchte aus der Luft schlägt sich dort nieder.[1] Rücken Sie größere Möbel vor allem in schlecht gedämmten Häusern möglichst zehn Zentimeter von Außenwänden und Außenecken ab oder stellen Sie sie an eine Innenwand.[1] Dazu gehören ausreichendes Heizen und regelmäßiges Lüften.
Warum es ausgerechnet hinter dem Schrank schimmelt
Eine Außenwand ist im Winter innen kälter als die Raumluft. Steht ein Schrank oder ein Sofa dicht davor, erreicht die warme Luft die Wand kaum, die Wandoberfläche dahinter erwärmt sich weniger und kühlt weiter ab, bis Feuchtigkeit kondensiert.[1] Schimmel braucht dafür kein sichtbares Wasser, es genügt die Feuchte, die sich an der kalten Fläche sammelt.
Feuchte entsteht im Alltag reichlich. Ein Haushalt mit vier Personen gibt nach der Energieberatung der Verbraucherzentrale täglich rund zehn Liter Wasserdampf an die Luft ab.[1] Allein im Schlaf gibt jede Person nach dem Umweltbundesamt pro Nacht etwa einen Viertelliter Wasser an die Raumluft ab.[2] Steckt dagegen eine undichte Leitung in der Wand, findet eine Leckageortung die Stelle, bevor der Schimmel weiter wächst.
Außenecken und andere kalte Stellen
Besonders gefährdet sind Wärmebrücken, also Stellen der Gebäudehülle, an denen mehr Wärme nach draußen abfließt als durch die Bauteile daneben.[3] Sie entstehen durch wechselnde Materialien oder durch die Form des Bauteils, etwa an Außenecken und Außenkanten, wo einer kleinen Fläche, die Wärme aufnimmt, eine größere gegenüberliegt, die Wärme abgibt.[3] An diesen Stellen sinkt die Oberflächentemperatur im Raum, und es kann zu Tauwasser und Schimmel kommen.[3] Ganz ohne Wärmebrücken lässt sich kein Haus bauen, viele sind konstruktiv bedingt, etwa am Anschluss von Fenstern, Rollläden oder Geschossdecken, und bei der Errichtung eines Gebäudes ist ihr Einfluss nach § 12 des Gebäudemodernisierungsgesetzes, des früheren Gebäudeenergiegesetzes, so gering wie möglich zu halten.[3]
Steht ein großer Schrank in einer Außenecke, kommen beide Effekte zusammen: Die Ecke ist ohnehin kalt, und das Möbelstück hält die warme Luft zusätzlich ab. Dort können sich die ersten Flecken bilden, unbemerkt hinter dem Möbel, bis es jemand abrückt. Liegt die relative Luftfeuchte über längere Zeit bei mehr als 60 Prozent, schlägt sich die Feuchtigkeit nach der Energieberatung der Verbraucherzentrale an solchen kalten Stellen nieder, besonders in Gebäudeteilen mit unzureichender Wärmedämmung.[1]
Abstand schaffen und Luft durchlassen
- größere Möbel möglichst zehn Zentimeter von Außenwänden und Außenwandecken abrücken[1]
- Schränke, Regale und Betten bevorzugt an Innenwände stellen
- Heizkörper nicht durch Verkleidungen, übergroße Fensterbänke, Vorhänge oder Gardinen verbauen[2]
- hinter Möbeln an Außenwänden regelmäßig nachsehen, vor allem im Winter
Auch die Stiftung Warentest rät, keine Schränke und anderen Möbel vor kalte Außenwände zu stellen und Heizkörper frei zu lassen, damit die warme Heizungsluft ungehindert zirkulieren kann.[4] Im ungünstigsten Fall ist mit einem zugestellten Heizkörper die gewünschte Raumtemperatur gar nicht mehr zu erreichen.[2] Eine Anti-Schimmel-Farbe auf der Wand hinter dem Schrank löst das Problem nicht, solange die Ecke kalt bleibt.
Ein Hygrometer in der Nähe der Außenwand zeigt, ob es dort zu feucht wird: Entlang der Wände sollten nach der Stiftung Warentest 80 Prozent relative Feuchte nicht überschritten werden, im Raum etwa 60 Prozent.[4] Auf Dauer hilft eine gute Wärmedämmung, weil sie die Gefahr verringert, dass sich Feuchtigkeit an kalten Bauteilen niederschlägt.[1]
Richtig heizen schützt die Wand
Kalte Luft nimmt weniger Wasser auf als warme, darum sollen alle Räume ausreichend beheizt werden.[2] In Schlafräumen sollte die Temperatur möglichst nicht unter 16 °C sinken, sofern die Fenster nicht die ganze Nacht offen stehen, und auch Räume, die lange wenig genutzt werden, werden geringfügig beheizt.[2] Nach einer Flut gilt dieselbe Regel, und was nach dem Hochwasser raus muss, entscheidet sich an Wänden und Böden, nicht an den Möbeln davor.
Kühlere Räume werden nicht mit Luft aus wärmeren Räumen temperiert, denn mit der Wärme wandert Feuchte hinüber, und wenn sich die Luft abkühlt, steigt die relative Feuchte.[2] Die Türen zu weniger beheizten Räumen bleiben darum geschlossen. Nachts oder bei Abwesenheit darf die Heizung gedrosselt werden, bei erhöhter Raumluftfeuchte aber erst, nachdem ausreichend gelüftet wurde.[2] Tropft eine Leitung in der Außenwand, schließt der Notdienst den Hahn, bevor das Möbel zurückgestellt wird.
Was im Mietverhältnis gilt
Wie weit Mieter ihr Wohnverhalten anpassen müssen, war Gegenstand zweier Urteile des Bundesgerichtshofs vom 05.12.2018.[5] Die Vorinstanz hatte es für unzumutbar gehalten, von Mietern zu verlangen, ihre Möbel nicht ohne Abstand an die Außenwände zu stellen oder Räume stärker zu heizen, der Bundesgerichtshof stellte dagegen klar, dass das zumutbare Wohnverhalten nach den Umständen des Einzelfalls zu bestimmen ist.[5]
Für Mieter heißt das: Abstand zur Außenwand und regelmäßiges Lüften sind keine Schikane, sie gehören zum normalen Umgang mit einer Wohnung, gerade in älteren Häusern. Zeigt sich trotzdem Schimmel, melden Sie ihn dem Vermieter.
Wenn der Fleck wiederkommt
Kehrt der Schimmel trotz Abstand, Heizen und Lüften zurück, lohnt der Blick auf die Wand selbst. Die Stiftung Warentest empfiehlt, an der Innenseite von Außenwänden auf ausgekühlte Ecken und Flächen zu achten, weil sich dort oft Feuchtigkeit sammelt, und nennt eine Außendämmung, die für warme Wände sorgt, als Abhilfe.[4] Bei baulichen Mängeln wie kalten Außenwänden wegen fehlender Dämmung gehören Fachleute an die Sache.[4]
Bei einem Ortstermin messen wir die Oberflächentemperatur der betroffenen Wand und die Feuchte der Raumluft und des Materials. So zeigt sich, ob die Wand nur zu kalt ist oder ob zusätzlich Feuchte aus dem Mauerwerk kommt.
Häufige Fragen
Ist Schimmel hinter Möbeln immer ein Zeichen für falsches Lüften?
Nein. Gebäudeteile mit unzureichender Wärmedämmung kühlen bei niedrigen Außentemperaturen stärker ab und sind darum besonders gefährdet.[1] Ob die Wand zu kalt ist oder die Luft zu feucht, zeigt eine Messung.
Reichen ein paar Zentimeter Abstand?
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale empfiehlt möglichst zehn Zentimeter, vor allem in schlecht gedämmten Häusern, und noch besser ist der Platz an einer Innenwand.[1]
Muss ich auch ungenutzte Zimmer heizen?
Ja, geringfügig. Das Umweltbundesamt rät, auch Räume zu beheizen, die über längere Zeit wenig oder gar nicht genutzt werden, und die Türen zu ihnen geschlossen zu halten.[2]
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Verbraucherzentrale Bundesverband: Energieberatung der Verbraucherzentrale: Gesundes Raumklima. Abschnitte Lüften Sie effektiv und Einrichten. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Umweltbundesamt: Richtig Heizen, Schimmelbildung vermeiden. Abschnitte Schlafräume, Ungenutzte Räume und Wärmeabgabe der Heizkörper, Stand 14.10.2013. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Gebäudeforum klimaneutral der Deutschen Energie-Agentur (dena): Wärmebrücken: Bauschäden, Schimmel und Wärmeverluste vermeiden. Einleitung, Stand Oktober 2022. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Stiftung Warentest: Schimmelentferner-Test: Tipps gegen Schimmel. Abschnitte Erneutem Befall vorbeugen und Quellen aufspüren, Stand 26.01.2022. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4
- Bundesgerichtshof: Pressemitteilung Nr. 179/2018: Keine Mietminderung für Wärmebrücken bei Einhaltung des im Errichtungszeitpunkt der Wohnung üblichen Bauzustands. Urteile vom 05.12.2018, VIII ZR 271/17 und VIII ZR 67/18. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
Schadenwissen
Weiterlesen
Leistungen
Passend zu diesem Text
Einsatzgebiet