Schimmel nach Hochwasser: Was muss raus?
Die Antwort in Kürze
Nach einem Hochwasser muss alles raus, was Wasser speichert und schlecht trocknet: durchnässte Mineralwolle, Estrich, unter dem Mineralwolle unter Wasser stand, Gipsputz und die Verkleidung von Gipskartonwänden, damit die Hohlräume trocknen.[1] Überschwemmte Böden sollten nach dem Landkreis Stendal komplett ausgetauscht werden, weil sonst Geruch und Schimmel drohen.[1] Desinfektionsmittel helfen nach dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit nicht, häufig müssen durchfeuchtete Materialien komplett entfernt werden.[2]
Bevor jemand das Haus betritt
Beim ersten Betreten eines überschwemmten Hauses ist nach der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene Vorsicht geboten, vor allem wenn noch Wasser im Haus steht: Ist es ohne eigene Gefahr möglich, sollte die Hauptsicherung ausgeschaltet und ein Elektriker gerufen werden, und erst nach dessen Prüfung wird der Strom wieder eingeschaltet.[3] Steht der Sicherungskasten unter Wasser, bleibt der Raum zu, bis Feuerwehr oder Netzbetreiber übernehmen. Solange das Wasser im Untergeschoss weiter steigt, bleibt die Kellertreppe gesperrt. Im trüben Wasser können nach der Gesellschaft auch Glas- oder Metallteile liegen, an denen man sich verletzt.[3]
Beim Aufräumen schützen Sie sich nach dem LGL, dem bayerischen Landesamt für Gesundheit, mit Gummistiefeln, wasserdichten Handschuhen und wasserabweisender Kleidung vor möglicherweise verkeimtem Wasser.[2] Immungeschwächte Menschen und Personen mit Hauterkrankungen oder offenen Wunden sollten nicht mitarbeiten, und auch Kinder sind besonders gefährdet.[2]
Wände: Gipsputz und Verkleidungen
Gipsputze binden nach dem Landkreis Stendal sehr viel Feuchtigkeit und verzögern das Austrocknen der Wände, deshalb sollten sie abgetragen werden.[1] Bei lang anhaltender Feuchte bilden sich zudem Salze an der Oberfläche, die eine Erneuerung des Putzes erforderlich machen, bei Kalkzement-, Lehm- und Kalkputzen ist ein Abtrag nach dem Landkreis nur bei großer Salzablagerung nötig.[1]
Gipskartonplatten sollten geöffnet werden, damit die Hohlräume dahinter schneller austrocknen können, und durchnässte Dämmstoffe müssen raus.[1] Bei Fertighäusern rät der Landkreis, unbedingt den Hersteller zu fragen, weil Holzplatten zur Aussteifung der Wände dienen können, die fachgerecht ersetzt werden müssen und nicht einfach herausgerissen werden dürfen.[1]
Böden und Dämmung
Mineralwolle ist nach dem Landkreis durch das Wasser unbrauchbar geworden und muss entsorgt werden, Naturdämmstoffe wie Zellulose, Flachs oder Schafwolle können nach gutem Trocknen weiter verwendet werden.[1] Stand der Estrich unter Wasser, ist die Mineralwolle darunter unbrauchbar, und Estrich und Mineralwolle müssen entfernt werden.[1]
Auch bei Bodenaufbauten, die an sich austrocknen, muss nach dem Landkreis von einer bleibenden Geruchsbelästigung und einer Gesundheitsgefahr durch Schimmel ausgegangen werden, deshalb sollten überschwemmte Böden komplett ausgetauscht werden.[1] Bodenbeläge, Teppiche und Möbel, die im Wasser standen, kommen sofort aus dem Haus, nutzbare Möbel stehen bis zur Trocknung auf Latten und mit Abstand zur Wand.[1]
Haustechnik, Leitungen und Lüftung
Durchnässte Dämmungen von Rohrleitungen müssen nach der Krankenhaushygiene-Gesellschaft entfernt werden.[3] Lüftungsanlagen sind gegenüber Überflutungen sehr schadensanfällig, typische Schäden sind durchfeuchtete und verschmutzte Wärmedämmungen und Filter, und häufig müssen betroffene Teile ausgetauscht werden.[3] Sanitäranlagen sollten nach der Stellungnahme ausgetauscht werden, insbesondere wenn das Wasser viel Schmutz brachte.[3]
Wenn möglich, sollte die Hauptwasserversorgung nach der Stellungnahme abgedreht werden, damit kein weiterer Schmutz aus der ebenfalls verunreinigten öffentlichen Versorgung ins Haus gelangt.[3] Bevor das Leitungswasser wieder genutzt wird, empfiehlt die Gesellschaft, zunächst die Zuleitung vor dem Wasserzähler und danach die gesamte Trinkwasserinstallation im Gebäude intensiv zu spülen.[3] Lebensmittel, die mit Überschwemmungswasser oder Schlamm in Berührung gekommen sind, sollten nach dem Landesamt nicht mehr verzehrt werden.[2]
Schnell trocknen, ohne neue Probleme
Häuser sollten nach der Krankenhaushygiene-Gesellschaft schnellstmöglich getrocknet werden, zuerst durch Öffnen von Türen und Fenstern, dann mit Ventilatoren oder Trocknern, wobei die Luft von innen nach außen strömen sollte.[3] War das Haus mehrere Tage geschlossen, sollten zuerst für etwa 30 Minuten Türen und Fenster geöffnet werden.[3]
Der Landkreis Stendal rät, nach Möglichkeit zusätzlich zu heizen und gleichzeitig gut zu lüften, auf Gasgeräte aber zu verzichten, weil sie die Luft weiter befeuchten.[1] Bis durchfeuchtete Mauern wieder trocken sind, können nach dem Landkreis Monate oder ein ganzes Jahr vergehen.[1] Als Handwerksregel nennt er einen Voranstrich mit reinem Löschkalk etwa drei Wochen nach Beginn der Trocknung bis zur Höhe des Wasserstands, weil Kalk die Austrocknung nicht behindert, und nach vollständiger Trocknung weitere Kalkanstriche.[1] Von einer Behandlung durchnässter Räume mit Desinfektionsmitteln wird nach dem Landesamt abgeraten.[2]
Warum Schimmel noch Monate später auftaucht
Die Aufnahme von Schimmelsporen über die Atmung kann nach dem Landesamt zu allergischen Reaktionen, reizenden und toxischen Wirkungen sowie Infektionen führen, auch Reizungen von Augen und Schleimhäuten, Husten, Kopfschmerzen oder Müdigkeit sind möglich.[2] Schimmelbefall relevanten Ausmaßes sollte deshalb beseitigt werden, und bei gesundheitlichen Problemen ist die Hausärztin oder der Hausarzt anzusprechen.[2] Die Gesellschaft für Krankenhaushygiene listet Studien, nach denen Schimmelpilze nach einem Hurrikan in Puerto Rico noch ein bis zwei Jahre später nachgewiesen wurden.[3]
Wer Estrich und Dämmung im Haus lässt, weil die Oberfläche trocken wirkt, riskiert, dass der Befall unter dem Boden weiterwächst. Eine Messung der Materialfeuchte in Wand und Bodenaufbau zeigt, was trocken ist und was raus muss. Fotografieren Sie jeden Raum vor dem Ausräumen und heben Sie die Messprotokolle auf, denn Versicherer und Behörden fragen später nach genau diesen Unterlagen.
Häufige Fragen
Kann ich Estrich nach Hochwasser trocknen lassen?
Stand der Estrich unter Wasser und liegt darunter Mineralwolle, müssen Estrich und Dämmung nach dem Landkreis Stendal entfernt werden.[1] Wegen der Gefahr von Geruch und Schimmel rät er, überschwemmte Böden komplett auszutauschen.[1]
Hilft es, die Räume nach dem Hochwasser zu desinfizieren?
Davon rät das Bayerische Landesamt für Gesundheit ab, häufig müssen durchfeuchtete Materialien komplett entfernt werden.[2] Wichtiger sind Schutzkleidung beim Aufräumen und eine schnelle, gründliche Trocknung.[2][3]
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Belege
Quellen
- Landkreis Stendal, Umweltamt: Schadensbeseitigung nach dem Hochwasser: einige Regeln. Abschnitte Inventar trocknen, Hohlräume austrocknen, Böden sanieren, Gipsputz entfernen und Lüften, Stand 24.01.2020. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Gesundheit: Fragen und Antworten zum Hochwasser in Bayern. Fragen 1 bis 4 und 7. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH): Stellungnahme Hygiene bei Flutkatastrophen. Stellungnahme vom 08.10.2025, Abschnitte Gefahrenquellen, Luft, Wasser und Nach der Flut. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11
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