Schimmel im Keller: Warum Lüften im Sommer schaden kann
Die Antwort in Kürze
Im Sommer bringt warme Außenluft viel Wasserdampf in den Keller, kühlt an den kalten Wänden ab, und die Feuchte schlägt sich dort nieder.[1] Lüften Sie Kellerräume in der warmen Jahreszeit darum nachts oder in den kühlen Morgenstunden, im Winter dagegen zu jeder Tageszeit.[1] Feuchte Wände können auch von einer fehlenden Abdichtung kommen, dann hilft Lüften nicht.[2]
Was im Sommer im Keller passiert
Kellerwände bleiben auch im Sommer kühl, vor allem in alten Gebäuden, weil das Erdreich sie umgibt. Gelangt warme Luft in den Keller, kann sich die Luftfeuchtigkeit an der kalten Wand niederschlagen und Schimmelwachstum auslösen.[1] Die warme Außenluft enthält meist mehr Wasserdampf als die Luft im Keller, und sie kühlt an der Wandoberfläche ab, die Feuchte dort steigt.[2] In Souterrainwohnungen wird im Sommer oft auch nur kurz gelüftet, damit der Raum schön kühl bleibt, die Wandoberflächen bleiben dann aber ebenfalls kalt.[2]
Physikalisch steckt der Taupunkt dahinter. Er bezeichnet die Temperatur, auf die Luft abgekühlt werden muss, um mit Wasserdampf gesättigt zu sein, dann beträgt die relative Luftfeuchtigkeit 100 Prozent, und bei weiterer Abkühlung tritt Kondensation ein.[3] Liegt die Wandtemperatur unter dem Taupunkt der hereinströmenden Luft, wird die Wand nass, obwohl kein Tropfen von außen eingedrungen ist.
Zur richtigen Zeit lüften
Das Umweltbundesamt rät, Kellerräume in den Sommermonaten nicht am Tag zu lüften, besser nachts oder in den kühlen Morgenstunden, und im Winter zu jeder Tageszeit.[1] Feuchte lässt sich durch Lüften allerdings nur dann abführen, wenn die absolute Luftfeuchte draußen, also der Wasserdampfgehalt in Gramm je Kubikmeter, niedriger ist als im Raum.[2]
Wer das nicht jedes Mal selbst abschätzen will, kann spezielle Lüftungsgeräte nutzen, die Innen- und Außenklima selbst vergleichen und nur dann anspringen, wenn die Außenluft trocknen kann.[2] Die Kellertüren zum Treppenhaus und zu den Wohnräumen bleiben geschlossen, und Feuchte wird stets nach draußen gelüftet.[1] Im Winter ist das Lüften des Kellers ebenfalls sinnvoll, dann ist die Außenluft kalt und trocken genug.[1]
Wenn die Wand von außen nass wird
Bei vielen Gebäuden, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden, aber auch bei vielen Nachkriegsbauten fehlt die Abdichtung der Kellerwände nach außen und zur Bodenwanne, und die Wände werden direkt durchfeuchtet.[1] Feuchte Wände im Kellergeschoss können also von einer fehlenden oder schadhaften Abdichtung der erdberührten Außenwände kommen, und bei starker Feuchtigkeit oder größeren Schimmelproblemen sollte die äußere Abdichtung von sachverständigen Fachleuten geprüft werden.[2] Steht nach einem Gewitter Wasser im Keller, pumpt der Notdienst ab, bevor es seitlich in die Wände zieht.
Ob Kondensat aus der Raumluft oder Feuchte aus dem Mauerwerk die Ursache ist, lässt sich mit Messungen unterscheiden, etwa der Wandfeuchte in verschiedenen Tiefen und der Oberflächentemperatur im Vergleich zum Taupunkt der Raumluft. Erst danach lohnt die Entscheidung, ob gedämmt, entfeuchtet oder abgedichtet wird.
Was im Keller gelagert werden sollte
In Kellern ohne Abdichtung sollten keine Gegenstände des täglichen Bedarfs lagern, die empfindlich gegen Schimmel sind.[1] Kartons, Polstermöbel, Matratzen, Kleidung und Bücher sind dort schlecht aufgehoben, Kunststoffboxen mit Abstand zur Wand und zum Boden eignen sich besser. Liegt im Keller ein Bodenaufbau mit Dämmschicht, kann nach einem Wasserschaden auch Schimmel unter dem Estrich wachsen, der von oben nicht zu sehen ist.
Ein Keller, der dauerhaft zum Wohnen dienen soll, muss beheizbar sein und über eine Fensterlüftung verfügen.[1] Mündet ein Kellerraum ohne Zwischentür direkt in Wohnräume, ist besonders darauf zu achten, dass er trocken und schimmelfrei ist.[1] Bei Schimmel im Altbau kommt die dicke Wand hinzu, die im Sommer kalt bleibt und die warme Luft auskühlt.
Wohnen im Souterrain
Wohnungen, die ebenerdig oder teilweise im Untergeschoss liegen, haben ähnliche Probleme, bei warmem Wetter soll dort keine feuchte Außenluft hineingelüftet werden, am besten wird früh morgens und spät abends gelüftet.[1] Die Verbraucherzentralen nennen zusätzliche Maßnahmen.[2]
- die Wandoberflächen erwärmen, auch durch eine intensive Lüftung bei hohen Außentemperaturen, die zunächst Feuchte bringt, die Wände aber aufwärmt[2]
- die Kelleraußenwände dämmen, damit ihre Oberflächen dauerhaft wärmer bleiben, auch im Sommer[2]
- einen Kondensationstrockner zur Luftentfeuchtung einsetzen, möglichst mit niedrigem Stromverbrauch[2]
- Heizkörper mit überschüssiger Solarwärme betreiben, um Wohn- und Lagerräume im Sommer trocken zu halten[2]
Jeder bewohnte Raum sollte beheizt werden können, auch einzelne Wohnräume im Souterrain oder Keller.[2]
Wenn der Keller schon schimmelt
- befallene Kartons, Polster und Textilien aussortieren und verpackt entsorgen
- Regale und Kisten von der Wand abrücken, damit Luft an die Wand kommt
- Wäsche nicht im Keller trocknen, solange die Ursache nicht geklärt ist
- die Lüftungszeiten an die Jahreszeit anpassen und die Feuchte mit einem Hygrometer verfolgen
Bevor saniert wird, gehört die Ursache geklärt, sonst kommt der Befall wieder. Schimmel an einer Wand, die von außen nass wird, verschwindet nicht durch Lüften, und Kondensat an einer kalten Wand verschwindet nicht durch eine Abdichtung. Wir messen bei einem Ortstermin Raumklima, Oberflächentemperatur und Wandfeuchte und schlagen erst danach die passenden Schritte vor. Nach einem Rohrbruch im Keller folgen auf die Reparatur Trocknung und Bodenbelagsarbeiten, bevor der Schimmel entfernt wird.
Häufige Fragen
Hilft ein Luftentfeuchter im Keller?
Er kann helfen, vor allem im Sommer, wenn Lüften die Feuchte nicht abführt. Die Verbraucherzentralen empfehlen dafür einen Kondensationstrockner mit möglichst niedrigem Stromverbrauch.[2] Kommt die Feuchte aus einer undichten Wand, behandelt das Gerät nur die Folge.
Kann ich einen Kellerraum als Gästezimmer nutzen?
Nur wenn er dafür geeignet ist. Kellerräume, die dauerhaft zum Wohnen dienen sollen, müssen beheizbar sein und sich über ein Fenster lüften lassen.[1] Ist die Wand feucht, gehört zuerst die Ursache geklärt.
Hilft es, den Keller im Sommer tagsüber lange zu lüften?
Nein, nicht an warmen Sommertagen. Warme Sommerluft bringt meist mehr Wasserdampf mit, als die kühle Kellerluft hält, und an den kalten Wänden kann sie Feuchte abgeben.[1][2] Besser sind die Nacht und die kühlen Morgenstunden.[1]
Riecht ein feuchter Keller immer nach Schimmel?
Nicht zwangsläufig, ein muffiger Geruch ist aber ein Warnzeichen. Feuchte Kellerwände gehören auf jeden Fall auf ihre Ursache untersucht, bei starker Feuchtigkeit samt der äußeren Abdichtung.[2]
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung. Abschnitte Kellerräume und Parterrewohnungen, Stand 13.12.2024. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14
- Verbraucherzentrale Bundesverband: Heizen und Lüften: So geht's richtig. Abschnitt Besonderheit: Wohnungen im Souterrain oder Räume am Hang, Stand 16.09.2026. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
- Deutscher Wetterdienst (DWD): Wetterlexikon: Taupunkt. Begriffserklärung. Abgerufen am 05.10.2026. ↑
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