Schimmelspürhund: Wann ist er sinnvoll?
Die Antwort in Kürze
Ein Schimmelspürhund lohnt sich, wenn es nach Schimmel riecht, Feuchteschäden bekannt sind oder Bewohner Beschwerden haben, aber kein Befall zu sehen ist.[1] Er kann verdeckten Befall lokalisieren, weil er mikrobiell erzeugte Geruchsstoffe schon in geringen Konzentrationen riecht.[1] Die Markierung zeigt aber nicht immer den Befallsort und ersetzt keine Materialprobe, eine Sanierung allein darauf zu stützen, ist nach dem Leitfaden-Entwurf des Umweltbundesamts nicht sinnvoll.[1] Achten Sie auf ein geprüftes Team.[2]
Was der Hund riecht
Schimmelspürhunde können nach dem Entwurf des Schimmelleitfadens des Umweltbundesamts von 2016 helfen, verdeckten Befall zu lokalisieren, weil sie unter anderem MVOC, also mikrobiell verursachte flüchtige organische Verbindungen, bereits in geringen Konzentrationen riechen.[1] Die Nase eines Hundes hat nach einem Bericht der Deutschen Handwerks Zeitung bis zu 40-mal so viele Geruchszellen wie die eines Menschen.[3]
Leicht ist die Aufgabe nicht. Schimmel gibt nach dem Bundesverband Schimmelpilzsanierung viele verschiedene Geruchsstoffe ab, die der Hund alle durch Training kennen muss, und er ist keine auf eine Stelle begrenzte Quelle, er kann kleine Stellen oder ganze Bauteile befallen.[2] Der Verband bezeichnet die Schimmelsuche nach Meinung von Spürhund-Experten als Königsaufgabe.[2] Zum Einsatz von Spürhunden wurden nach dem Leitfaden-Entwurf in den letzten Jahren Untersuchungen zur Validierung durchgeführt und Maßnahmen zur Qualitätssicherung aufgebaut.[1]
Wann ein Einsatz sinnvoll ist
Wird bei der Ortsbegehung kein sichtbares Schimmelwachstum entdeckt, liegen aber Gerüche, Feuchteschäden oder gesundheitliche Probleme vor, die auf Schimmel hindeuten, kann ein Spürhund nach dem Leitfaden-Entwurf beim Auffinden verdeckter Quellen nützen.[1] Der Bundesverband nennt als Anlässe unter anderem allergische Symptome oder gesundheitliche Probleme der Bewohner, Geruchsbelastungen, Wasserschäden, die Planung einer Sanierung und deren Kontrolle sowie den Kauf oder die Anmietung einer Immobilie.[2] Wer Schimmel untersuchen lassen möchte, setzt den Hund am besten neben Messungen am Bauteil ein.
Nach einem Wasserschaden stellt sich die Frage, ob unter dem Estrich oder hinter einer Verkleidung bereits Schimmel wächst. Die Deutsche Handwerks Zeitung schildert einen Einsatz nach einem winterlichen Wasserschaden, bei dem der Hund keinen Befall anzeigte und der Boden deshalb nicht aufgebrochen werden musste.[3] In einem anderen Fall fand der Hund nach einer Sanierung eine kleine Stelle hinter dem Wohnzimmerschrank.[3] Auch bei Schimmel im Kinderzimmer, den niemand sieht, kann ein Hund die Suche eingrenzen, bevor Möbel und Verkleidungen abgebaut werden.
Was der Hund nicht leisten kann
Der vom Hund markierte Standort muss nach dem Leitfaden-Entwurf nicht unbedingt der Befallsort sein, etwa wenn die Geruchsstoffe durch Luftströmungen nicht direkt an der befallenen Stelle austreten.[1] Der Hundeführer muss deshalb bauphysikalische Zusammenhänge kennen, die das Verdriften von Gerüchen beeinflussen.[1] Eine Sanierungsentscheidung allein auf Basis einer Markierung abzuleiten, ist nach dem Entwurf nicht sinnvoll.[1]
Auch die Hundeführerin in der Reportage der Handwerks Zeitung betont, dass sie ihren Hund lesen und seine Reaktionen deuten muss, denn nicht jede Reaktion ist ein Hinweis auf Schimmel.[3] Ein Hund sucht nach dem Bericht etwa 20 Minuten am Stück, dann braucht er eine Pause, weil der intensive Einsatz der Nase Schwerstarbeit ist.[3] Über Art und Ausmaß des Befalls sagt die Markierung nichts aus, dafür braucht es eine Materialprobe oder eine Bauteilöffnung. Wer nach einem positiven Befund sofort ganze Wände abreißen lässt, ohne die Stelle zu prüfen, riskiert unnötige Kosten, und wer einen negativen Befund als Freibrief nimmt, übersieht womöglich einen Schaden außerhalb der abgesuchten Räume.
Ein geprüftes Team erkennen
Falsche Markierungen oder eine falsche Deutung führen nach dem Bundesverband dazu, dass Schäden nicht gefunden oder Bauteile unnötig geöffnet werden.[2] Der Verband rät deshalb, auf ein Spürhundteam zu achten, das von einer neutralen Stelle geprüft wurde, und hat in Zusammenarbeit mit erfahrenen Hundeführern und dem Umweltbundesamt eine Richtlinie zur Prüfung erarbeitet.[2] Eine Liste der qualitätsgeprüften Teams mit aktueller Zertifizierung stellt er bereit.[2]
Nach der Deutschen Handwerks Zeitung bietet der Verband diese Zertifizierung seit 2013 an, und sie muss jährlich erneuert werden.[3] Um ihr Niveau zu halten, trainiert das im Bericht beschriebene Team zwei- bis dreimal in der Woche mit wechselnden Schimmelarten und Untergründen.[3] Fragen Sie vor dem Auftrag nach dem Zertifikat und danach, wie Markierungen anschließend überprüft werden.
Wie anspruchsvoll das Training ist, zeigt die Reportage: Die Hundeführerin züchtet Proben von rund 20 Schimmelarten, führt Tagebuch darüber, welche Sporen sie wo ausgelegt hat, und wechselt die Untergründe, damit der Hund Schimmel nicht nur auf Tapete erkennt.[3] Die Kosten eines Einsatzes richten sich nach dem Bericht nach Aufwand und Umfang, also danach, ob ein ganzes Haus, ein Raum oder eine Wand abgesucht wird.[3]
So bereiten Sie den Einsatz vor
- Räume vorher lüften und offensichtliche Geruchsquellen wie Mülleimer entfernen
- Haustiere, Futter und Spielzeug aus den Suchräumen bringen
- Wände und Ecken zugänglich machen, schwere Möbel etwas abrücken
- Wasserschäden, Sanierungen und Beschwerden der letzten Jahre aufschreiben
- klären, wer die Markierungen anschließend mit Proben oder Messungen prüft
Der Bundesverband sieht den Vorteil des Hundes darin, dass er in kurzer Zeit mehrere Räume absuchen kann und so ungezielte Bauteilöffnungen und Laborkosten vermieden werden.[2] Den Nutzen hat der Einsatz dann, wenn auf die Markierung eine gezielte Untersuchung folgt: eine Materialprobe an der angezeigten Stelle, eine Feuchtemessung oder ein Blick mit der Kamera in den Hohlraum.
Häufige Fragen
Kann der Hund auch nach einer Sanierung prüfen, ob alles weg ist?
Der Bundesverband Schimmelpilzsanierung nennt die Kontrolle einer Schimmelsanierung ausdrücklich als Einsatzzweck.[2] Eine Markierung sollte aber auch dann mit einer Probe überprüft werden.[1]
Reicht eine Luftmessung statt des Hundes?
Eine Luftmessung kann zeigen, dass Schimmel in der Raumluft ist, aber nicht, wo er sitzt, so beschreibt es die Deutsche Handwerks Zeitung.[3] Der Hund kann die Stelle eingrenzen, die dann gezielt untersucht wird.[2]
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Belege
Quellen
- Umweltbundesamt (Entwurf, bereitgestellt von der AGÖF): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden, Entwurf zur Diskussion 2016. Kapitel 5.1.2 und 5.1.2.2 Schimmelspürhunde, S. 77 bis 79. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
- Bundesverband Schimmelpilzsanierung e. V. (BSS): Schimmelspürhund-Informationen. Abschnitte Allgemeines zum Schimmelspürhund, Wann werden Schimmelspürhunde eingesetzt und Wie kann die Qualität kontrolliert werden. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
- Deutsche Handwerks Zeitung (Holzmann Medien): Schimmelspürhund Franzi: Dem Schimmel auf der Spur. Reportage, Abschnitte zu Einsätzen, Training und Zertifizierung. Abgerufen am 06.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10
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