Keime aus der Dämmschicht: Wie hygienisch ist die Trocknung?
Die Antwort in Kürze
Das hängt vom Verfahren ab. Beim Unterdruckverfahren wird die feuchte Luft aus der Dämmschicht abgesaugt und gefiltert, beim Überdruckverfahren können Schimmelsporen und Faserstäube in den Raum gelangen, weshalb es in hygienisch sensiblen Räumen nicht anwendbar ist.[1] Alte Mineralwolle, die bis 1996 hergestellt wurde, kann krebserzeugende Faserstäube freisetzen und verlangt besondere Schutzmaßnahmen.[2]
Was aus einer nassen Dämmschicht kommen kann
Werden Holzbauteile nach einem Wasserschaden feucht, können nach der Richtlinie der Holzforschung Austria schon nach kurzer Zeit Pilze ihre Oberfläche besiedeln.[1] Schimmelsporen können Allergien auslösen, manche Schimmelpilze bilden Giftstoffe, und einige wenige können Infektionen verursachen, vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.[1] Die Belastung sollte darum so gering wie möglich bleiben, besonders für Menschen mit einer Schimmelpilz-Erkrankung und für andere Risikopersonen.[1]
Bei einer Überflutung kommt mehr hinzu. Flutwasser kann nach der Hochwasserschutzfibel des Bundesbauministeriums Heizöl, Benzin, Diesel, Fäkalien oder Düngemittel transportieren, die mit der Bausubstanz in Kontakt kommen.[3] In Fußböden und Wänden kann außerdem Mineralwolle stecken, und bei Arbeiten daran entsteht Faserstaub.[2]
Absaugen statt Ausblasen
Für die Dämmschichttrocknung gibt es zwei Wege. Beim Überdruckverfahren wird trockene Luft durch Bohrungen in den Fußbodenaufbau gedrückt und tritt an anderen Öffnungen oder an den Randfugen wieder in den Raum aus.[1] Nach der Richtlinie ist dieser Weg wirksamer und schneller, kann aber Schimmelsporen und gesundheitlich bedenkliche Faserstäube aus dem Boden in den Raum tragen, und die austretende Luft lässt sich nicht filtern.[1]
Im Unterdruckverfahren saugen Vakuumturbinen die nasse Luft aus dem Aufbau, und ein Filtersystem reinigt sie, bevor sie in den Raum gelangt.[1] Das Verfahren braucht mehr Geräte, belastet den Raum aber nicht mit Stoffen aus dem Fußboden und eignet sich darum auch für hygienisch sensible Räume.[1]
Auch Raumtrockner bewegen Luft
Kondensationstrockner wälzen die Raumluft ständig um. Die Richtlinie nennt als Nachteil, dass sie Luft verwirbeln und so zum Beispiel Schimmelsporen verteilen können, und für eine wirksame Trocknung muss der Raum möglichst luftdicht abgeschottet werden.[1] Steht ein Schimmelbefall fest, soll vor der Trocknung eine Gefährdungsbeurteilung erfolgen.[1] Ein Bewuchs mit holzverfärbenden Pilzen ist nach der Richtlinie immer ein Hinweis auf zu hohe Feuchte, und danach ist auch ein Befall durch holzzerstörende Pilze möglich.[1]
Um Schimmel an Bauteiloberflächen zu vermeiden, reicht es nach einem Leitfaden zur technischen Bauteiltrocknung, auf den die Richtlinie verweist, meist aus, die Raumluftfeuchte unter 55 Prozent zu senken.[1] Ein gut eingestellter Trockner hilft also nicht nur beim Trocknen, er hält auch die Oberflächen im Raum schimmelfrei.
Alte Mineralwolle im Fußboden
Als alte Mineralwolle gelten nach einer Broschüre des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr alle Produkte, die bis 1996 hergestellt und verbaut wurden, sie enthalten biopersistente Fasern und können als krebserzeugend bewertete Faserstäube freisetzen.[2] Fehlen für Material, das vor dem 01.06.2000 eingebaut wurde, Angaben zur Biobeständigkeit, ist von alter Mineralwolle auszugehen.[2]
Seit dem 01.06.2000 dürfen solche Produkte nicht mehr verwendet werden, und ausgebaute alte Mineralwolle darf auch in Privathaushalten nicht wieder eingebaut werden.[2] Für Arbeiten daran nennt die Broschüre staubarme Verfahren und Abschottungen, Material darf nicht geworfen und nicht trocken gekehrt werden, gesaugt wird mit Industriestaubsaugern der Kategorie M, und entsorgt wird staubdicht verpackt nach dem Abfallschlüssel 170603*.[2]
Auch neue Mineralwolle setzt bei der Verarbeitung Staub frei, der Haut, Augen und Atemwege vorübergehend reizen kann.[2] Eine Trocknung, die Fasern ungefiltert in den Raum bläst, ist darum in keinem Fall wünschenswert.
Wenn Abwasser oder Hochwasser im Spiel war
Sind Fäkalien sichtbar oder zu riechen, sind nach der Hochwasserschutzfibel keine weiteren Untersuchungen nötig, und die Sanierung sollte rasch beginnen.[3] Ist unklar, ob die Bausubstanz belastet ist, lohnen sich Untersuchungen auf Indikatorkeime, und schon einer davon in einer Materialprobe gilt als Nachweis einer Fäkalbelastung.[3]
Weil sich Keime in rückgetrockneten Proben kaum noch nachweisen lassen, sollten Proben von noch feuchten Materialien genommen werden, etwa von Dämmstoffen in Fußbodenkonstruktionen oder von Wandputz.[3] Die Probenahme verlangt hygienische Sorgfalt, damit keine falsch positiven Ergebnisse entstehen, und als günstige Alternative zu Materialproben dienen Abstriche von glatten Oberflächen.[3] Allgemein anerkannte Grenzwerte gibt es bislang nicht, als Orientierung kann die zulässige Keimbelastung nach Trinkwasserverordnung oder Badegewässerrichtlinie dienen.[3]
Liegen nur oberflächliche Verunreinigungen vor, können chemische Reinigung oder Heizen, Lüften und Entfeuchten zur Beseitigung beitragen, sind Schadstoffe tief in das Baustoffgefüge eingedrungen, kann das bis zum Austausch belasteter Konstruktionen führen.[3] Bevor getrocknet wird, ist also zu klären, ob belastetes Material ausgebaut werden muss. Wer für solche Dämmschichten Trocknungsgeräte mieten will, braucht Geräte mit Filter, damit keine Keime in die Raumluft geblasen werden.
Hygiene an den Geräten
Das Wasser im Kondensatbehälter ist kein Trinkwasser, die Betriebsanleitung eines Herstellers warnt ausdrücklich davor, es zu trinken.[4] Ohne eingesetzten Luftfilter verschmutzt das Innere eines Trockners stark, was die Leistung mindern und das Gerät beschädigen kann.[4] Fragen Sie den Betrieb, wie Filter, Schläuche und Behälter gereinigt oder gewechselt werden, bevor Geräte aus einem anderen Einsatz bei Ihnen aufgestellt werden.
Was im Haushalt hilft
- Türen zu Räumen, in denen gebohrt und getrocknet wird, geschlossen halten
- Menschen mit Allergien, mit Schimmelpilz-Erkrankung oder geschwächtem Immunsystem während Ausbau und Trocknung fernhalten[1]
- nasse Dämmung nicht selbst herausreißen, wenn ihr Alter unbekannt ist[2]
- nach Abwasser oder Hochwasser vorher klären lassen, ob Material belastet ist[3]
- den Betrieb nach dem Verfahren fragen, das bei Ihnen eingesetzt wird
Häufige Fragen
Ist das Absaugen wirklich sauberer als das Einblasen?
Ja, weil die abgesaugte Luft über Filter gereinigt wird, bevor sie in den Raum gelangt.[1] Beim Einblasen tritt die Luft ungefiltert an Randfugen und Öffnungen aus.[1]
Woran erkenne ich alte Mineralwolle?
Am Einbaujahr. Wurde das Material vor dem 01.06.2000 eingebaut und fehlen Angaben zur Biobeständigkeit, gilt es als alte Mineralwolle.[2]
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Belege
Quellen
- Holzforschung Austria: Richtlinie Trocknung nach Wasserschäden im Holzbau, Version 01. Kapitel 3.1.1, 4.2, 4.4 und 5.1, Juni 2021. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
- Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr: Umgang mit künstlichen Mineralfasern: gefährliche Arbeiten? Informationen für Bauherren und Unternehmer. 5. Auflage, Redaktionsschluss Oktober 2020. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB): Hochwasserschutzfibel: Objektschutz und bauliche Vorsorge. Kapitel 7.3 Kontaminationen infolge von Schadstoffeinträgen, Stand Februar 2022. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8
- Trotec GmbH: Betriebsanleitung Luftentfeuchter TTK 140 S, TTK 170 S, TTK 350 S und TTK 650 S. Abschnitte Sicherheit und Bestimmungsgemäße Verwendung. Abgerufen am 05.10.2026. ↑1↑2
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