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Gründach im Schnitt: Moose, Sedum und Gräser auf Substrat, darunter Dränschicht und wurzelfeste Abdichtung, Kiesstreifen mit Dachablauf an der Attika, Dämmung und Stahlbetondecke über einem Raum

Gründach

Auch: Dachbegrünung, begrüntes Dach

Ein Gründach ist ein Dach, auf dem oberhalb von Dämmung und Abdichtung eine Vegetationsschicht aus Substrat und Pflanzen aufgebaut ist, als extensive Begrünung mit niedrigen Pflanzen oder als intensive Begrünung bis zum Dachgarten.[1][2] Unter der Begrünung braucht es eine wurzelfeste Abdichtung oder eine eigene Wurzelschutzbahn, und die zusätzliche Last muss das Tragwerk aufnehmen.[3][2]

Andre Wengorra, Geschäftsführer der STMB24Von Andre Wengorra

So hält ein Gründach das Wasser

Gründach, Funktionsweise: extensiv begrüntes Flachdach im Schnitt mit Pflanzen, Substrat, Filtervlies, Dränschicht, Schutzlage, wurzelfester Abdichtung, Dämmung, Dampfsperre und Stahlbetondecke, Kiesstreifen mit Dachablauf am Rand, Verdunstung über den Pflanzen

Schematische Darstellung eines extensiv begrünten Flachdachs im Schnitt: Pflanzen und Substrat über Filtervlies, Dränschicht und Schutzlage, darunter wurzelfeste Abdichtung, Dämmung, Dampfsperre und Betondecke, am Rand Kiesstreifen mit Ablauf und Attika. Die Nummern folgen dem Regen von den Pflanzen bis zum Ablauf und der Verdunstung nach oben.

  1. Moose, Sedum und Gräser: Die extensive Begrünung besteht aus niedrigen, genügsamen Pflanzen, die mit wenig Pflege auskommen. Sie fangen den Regen zuerst auf und beschatten das Substrat darunter.
  2. Substrat speichert Wasser: Die Substratschicht von 5 bis 15 cm aus Lava, Bims, Blähton oder Ziegelsplitt nimmt den Regen auf und hält ihn für die Pflanzen bereit. Vollgesogen wiegt sie deutlich mehr als trocken, und mit dieser Last rechnet die Statik.
  3. Dränschicht leitet ab: Was das Substrat nicht halten kann, sickert durch das Filtervlies in die Dränschicht. Sie führt den Überschuss seitlich zum Rand, damit die Wurzeln nicht im Wasser stehen und kein Anstau auf der Abdichtung bleibt.
  4. Kiesstreifen mit Ablauf: Am Dachrand liegt statt Bewuchs ein Kiesstreifen, in dem der Dachablauf frei zugänglich bleibt. Hier verlässt das Wasser das Dach, und hier wird die Entwässerung bei jeder Kontrolle freigehalten.
  5. Wurzelfeste Abdichtung: Unter Schutzlage und Dränschicht liegt die Abdichtung, die keine Wurzel durchdringen darf. Sie ist wurzelfest oder bekommt eine eigene Wurzelschutzbahn, und am Rand ist sie über das Substrat hochgezogen.
  6. Decke trägt die Zusatzlast: Substrat, Pflanzen und gespeichertes Wasser lasten auf Dämmung, Dampfsperre und Decke. Das Tragwerk muss diese Zusatzlast aufnehmen können, bei Bestandsdächern entscheidet darüber die Statik.
  7. Verdunstung kühlt: Pflanzen und feuchtes Substrat geben Wasser als Dampf an die Luft ab. Das kühlt im Sommer die Dachfläche und die Umgebung, und weil weniger Regen auf einmal abfließt, entlastet das Dach zugleich die Kanalisation.

Extensives und intensives Gründach

Für eine extensive Begrünung nennt das Umweltamt der Landeshauptstadt Dresden niedrigwüchsige Moose, Sedumarten, Kräuter und Gräser mit geringem Pflegeaufwand und einer Substratschicht von fünf bis 15 Zentimetern.[1] Intensive Begrünungen mit anspruchsvolleren, höherwüchsigen Pflanzen brauchen nach der Handreichung mindestens 15 bis 50 Zentimeter Substrat, und das Dach muss für die Pflege zugänglich sein.[1]

Extensive Dachbegrünungen sind nach dem Umweltbundesamt die am häufigsten ausgeführte Gründachform und eignen sich besonders für Bestandsgebäude mit begrenzten statischen Reserven.[2] Als Standard für die Schwammstadt empfiehlt das Amt Retentionsdächer, die über der Abdichtung zusätzlich Wasser speichern, den Abfluss verzögern und es verdunsten lassen, und daneben beschreibt es Biodiversitätsdächer, Biosolardächer mit Photovoltaik und Kombidächer mit mehreren Zielen.[2] Zu den Wirkungen begrünter Dächer zählt die Dresdner Handreichung den Schutz vor Lärm, die Bindung von Feinstaub, die Kühlung der Umgebung durch Verdunstung und eine längere Lebensdauer der Dachabdichtung.[1]

Sickert Wasser durch eine undichte Abdichtung unter einer Begrünung in die Decke, kann es im Raum darunter an Lampen, Deckendosen und Lautsprechern in der Decke austreten. Bevor dort jemand die Nässe aufnimmt, wird der zugehörige Stromkreis an seinem Automaten im Sicherungskasten ausgeschaltet, denn wer nur den Lichtschalter drückt, lässt die übrigen Leitungen unter Strom. Hängt die Deckenbekleidung bereits durch, bleibt die Fläche darunter frei, bis ein Fachbetrieb das Wasser gezielt abgelassen hat. Ist Wasser an den Sicherungskasten gekommen, bleibt der Raum unter dem Gründach gesperrt, bis Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber gehandelt haben, und solange im Keller das Wasser steigt, wartet jeder vor der Kellertür.

Lasten und Dachneigung beim Gründach

Für die Zusatzlast nennt das Umweltbundesamt 100 bis 200 kg/m² bei extensiven Begrünungen, 200 bis 300 kg/m² bei multifunktionalen Begrünungen mit erhöhter Retention und Biodiversität und mehr als 300 kg/m² bei intensiven Dachgärten und Aufenthaltsflächen, darum ist vor der Planung eine statische Bewertung erforderlich.[2] Auf Flachdächern und mäßig geneigten Dächern bis etwa 45° lassen sich Begrünungen nach dem Amt in der Regel umsetzen, je steiler das Dach, desto höher die Anforderungen an Sicherung und Pflege.[2] Wird ein begrüntes Dach nach dem Sturm undicht, muss die Vegetationsschicht über der Fehlstelle erst abgetragen werden.

Im Holzbau kommen nach dem holzbau handbuch aus statischen Gründen extensive Systeme bis höchstens 15 cm Gesamtdicke zum Einsatz, mit einem Zusatzgewicht je nach System zwischen 55 und etwa 150 kg/m² im wassergesättigten Zustand.[4] Tropft es aus einem begrünten Holzdach, schützt der Notdienst die Stelle mit Folie, ehe die Tragebene Wasser aufnimmt.

Begrünung auf einem bestehenden Dach

Vor einer Begrünung im Bestand sind nach dem Umweltbundesamt die Tragfähigkeit und die statischen Reserven, die Zugänglichkeit für Pflege und Wartung, Anschlüsse für Wasser, Strom und gegebenenfalls Bewässerung sowie die baurechtlichen Anforderungen zu prüfen.[2] Dort sind Begrünungen nach dem Amt häufig mit einer energetischen Sanierung verbunden, und besondere Aufmerksamkeit verlangen Feuchteschutz und Taupunktlage, die Eignung des vorhandenen Aufbaus und die Wahl zwischen Warmdach, Kaltdach und Umkehrdach, deren bauphysikalische Eignung Fachplanende prüfen sollten.[2]

Zur Wärmedämmung trägt eine Begrünung nach dem Amt nur begrenzt bei, ihre wesentlichen Vorteile liegen im Rückhalt von Regenwasser, im Stadtklima und in der Artenvielfalt.[2] In vielen Bebauungsplänen ist eine extensive Begrünung von Flachdächern nach dem holzbau handbuch Pflicht, und einige Bauordnungen haben entsprechende Verpflichtungen aufgenommen.[4]

Wurzelschutz und Abdichtung

Begrünungen schützen die Abdichtung nach BauNetz Wissen vor thermischen und mechanischen Beanspruchungen, die Bahnen müssen aber mit großer Sorgfalt verlegt und vor dem Aufbringen der Begrünung genau kontrolliert werden, damit keine Undichtigkeiten bleiben.[3] Für alle Abdichtungsbahnen unter Begrünung ist die Wurzelfestigkeit nach DIN EN 13948 nachzuweisen, und ist die Abdichtung nicht wurzelfest, wird ein separater Wurzelschutz notwendig.[3] Bemerkt wird ein solcher Fehler meist erst, wenn im Raum unter dem Gründach Wasser aus der Decke tropft. Tritt später unter einer Begrünung Wasser aus, spürt eine Leckageortung die Stelle oft mit elektrischen Verfahren auf, ohne die ganze Fläche abzuräumen.

Auch An- und Abschlüsse, Durchdringungen und Fugen sind wurzelfest auszuführen, Bewegungsfugen bei Bedarf von Begrünung freizuhalten, und bei den An- und Abschlusshöhen zählt die Höhe des Begrünungsaufbaus mit.[3] Der Wurzelschutz wird je nach Dachneigung im Randbereich 5 bis 10 cm über die Oberfläche des Substrats hochgezogen und fixiert, liegt vollflächig auch unter Bereichen ohne Begrünung wie einem Kiesrand und wird vor dem Begrünungsaufbau mit Schutzlagen aus Kunststoffgranulat, Schaumstoff oder Kunstvlies abgedeckt.[3]

In seinen Ausschreibungshinweisen verlangt das Umweltbundesamt für Extensivdächer eine wurzelfeste Abdichtung ohne chemischen Wurzelschutz, die vor der Ausführung geprüft ist, und eine Trenn- und Schutzlage zwischen Abdichtung und Begrünungsaufbau.[2]

Substrat, Dränschicht und Bewuchs

Der zweischichtige Aufbau aus Vegetationstragschicht und Drainschicht ist nach dem Umweltbundesamt für die meisten Projekte vorzuziehen, weil er ausfallsicherer ist und mehr Wasser speichert, während der einschichtige Aufbau ohne eigene Drainschicht bei geringem Gewicht und einfachen Anforderungen genügt.[2] Die Substrate müssen den Anforderungen der FLL entsprechen, also ausreichend wasserspeicherfähig, dränfähig, schadstofffrei, erosionsstabil und humusarm sein, und als Beispiele nennt das Amt Lava, Bims, Blähton, Ziegelsplitt oder Recyclingsubstrate.[2]

Begrünt wird nach den Hinweisen durch Sedum-Sprossenansaat, Saatgutmischungen aus Sedum, Kräutern und Gräsern, vorkultivierte Vegetationsmatten oder Kleinballenpflanzungen, möglichst mit regionalem oder standortgerechtem Material, und das Vegetationsziel liegt bei mindestens 80 % Deckung.[2]

Begrünung auf nicht belüfteten Holzdächern

Begrünungssysteme schützen nach dem holzbau handbuch die Dachhaut vor UV-Strahlung und starken Temperaturschwankungen und verlängern so die Lebensdauer der Abdichtung, sie beschweren lose aufgelegte Abdichtungen gegen Windsog und verbessern mit ihrer kühlen, erdfeuchten Oberfläche den sommerlichen Wärmeschutz.[4] Bei nicht belüfteten Holzflachdächern mit Dämmung in der Tragebene schränkt die Begrünung aber die Rücktrocknung ein, weil die Verdunstungskälte die Erwärmung der Deckschichten stark verzögert, und ohne bauphysikalischen Nachweis empfiehlt das Handbuch extensive Begrünungen nur über einer Aufdachdämmung.[4]

Zu den Planungshinweisen gehören eine Entwässerung ohne Wasseranstau, erhöhte Anschlüsse an Dachrand und aufgehende Bauteile, Kiesstreifen an den Dachrändern und auf Inspektionswegen und aufeinander abgestimmte Systeme eines Herstellers mit bauaufsichtlichem Verwendbarkeitsnachweis.[4]

Pflege und Kontrolle des Gründachs

Für jede Dachbegrünung sind nach dem Umweltbundesamt eine Fertigstellungs- und eine Erhaltungspflege festzulegen, mit ein bis zwei Vegetationskontrollen im Jahr, der vollständigen Entfernung von Gehölzkeimlingen und dem Entfernen invasiver Arten, wenn sie auftreten.[2] Notentwässerung, Retentions- und Überlaufsysteme sind projektbezogen nachzuweisen, und für Pflege und Wartung sind dauerhafte Sicherungseinrichtungen vorzusehen.[2]

Nach der Wartungstabelle des holzbau handbuchs wird bei einem extensiven Gründach die Bepflanzung laufend gepflegt und die Entwässerung freigehalten, und Anschlüsse und Durchdringungen werden jährlich geprüft.[4] Pflege- und Wartungskonzepte stimmt man nach der Dresdner Handreichung am besten schon vor der Umsetzung mit den ausführenden Stellen ab.[1]

Leck unter dem Bewuchs

Unter einer Begrünung ist die Abdichtung von Substrat, Drainschicht und Schutzlagen verdeckt, und ein Wasserfleck an der Decke darunter verrät nicht, wo das Wasser durch die Abdichtung tritt. Wir orten die Leckage, damit nur an der schadhaften Stelle Bewuchs und Schichten aufgenommen werden müssen, und messen die Feuchte in Decke und Dämmung, um die nasse Fläche einzugrenzen.

Nach der Reparatur der Abdichtung durch den Dachdecker und dem Wiederaufbau der Begrünung trocknen wir die Decke und die betroffenen Räume darunter und dokumentieren den Verlauf bis zum Abschluss.

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Belege

Quellen

  1. Landeshauptstadt Dresden, Umweltamt: Handreichung Gebäudebegrünung: Dachbegrünungen und Fassadenbegrünungen. Stand Oktober 2024, Seite 1, Dachbegrünungen. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  2. Umweltbundesamt: Ausschreibungshinweise für Gründächer, Erkenntnisse aus dem Projekt Schwammstadt, Blau-grüne Infrastrukturen umsetzen. Stand 26. August 2026, Kapitel 1, 2.2, 3.1 bis 3.3 mit Tabellen 2, 5, 6 und 7 sowie Anhang A.1. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15
  3. BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Anforderungen an die Gründachabdichtung. Fachwissen Flachdach, Gründächer, Anforderungen an die Gründachabdichtung. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5
  4. Informationsdienst Holz (Informationsverein Holz, Holzbau Deutschland Institut, Studiengemeinschaft Holzleimbau): Flachdächer in Holzbauweise, holzbau handbuch Reihe 3, Teil 2, Folge 1. Ausgabe Januar 2019, Kapitel 3.9 und Tabelle 3.10.1. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6
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