Holzfaserdämmplatte
Auch: Holzweichfaserplatte, Holzfaserplatte
Eine Holzfaserdämmplatte ist eine poröse Dämmplatte aus mindestens 80 Prozent Holzfasern, die aus Restholz der Sägeindustrie im Nass- oder Trockenverfahren hergestellt und durch holzeigene Stoffe oder zugesetzte Bindemittel gebunden wird.[1][2] Sie dämmt durch ruhende Luft zwischen den Fasern, ist diffusionsoffen und speichert mit einer spezifischen Wärmekapazität von 2.100 J/(kg·K) viel Wärme, was den sommerlichen Wärmeschutz verbessert.[1][2]
So dämmt und speichert eine Holzfaserdämmplatte
Schematische Darstellung: Raum im Sommer mit der Außenwand eines Holzhauses im Schnitt, die Bekleidung nach einem Leitungsschaden unten geöffnet. Die Nummern folgen der Platte von den Fasern bis zum Ersatz nach dem Wasserschaden.
- Holzfasern mit ruhender Luft: Die Platte besteht zu mindestens 80 Prozent aus Fasern von Nadelholz, das in Sägewerken übrig bleibt. Zwischen den Fasern bleibt Luft eingeschlossen, die sich kaum bewegt, darauf beruht die Dämmwirkung, die poröse Struktur hilft zugleich gegen Schall.
- Speichert Wärme im Sommer: Ihre Wärmekapazität liegt bei 2.100 J/(kg·K), und bei hoher Rohdichte nimmt die Platte viel Wärme auf, bevor diese weiterwandert. So dringt Sommerhitze weniger schnell nach innen, das hilft beim Wärmeschutz im Sommer.
- Wasser läuft hinter die Dämmung: Die Platte ist diffusionsoffen, nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab. Läuft aber Wasser aus einer Leitung über längere Zeit hinter die Dämmung, ist eine Platte ohne Hydrophobierung nicht feuchtebeständig, sie quillt auf, und es droht Fäulnis.
- Feuchte in Platte und Ständer messen: Nach einem Wasserschaden messen wir die Feuchte in den Platten, in Ständern und Schwelle und in den angrenzenden Bauteilen. Ist Wasser hinter die Dämmung gelangt, öffnen wir die Bekleidung und setzen die Elektroden direkt in die Dämmung.
- Gequollene Platte wird ersetzt: Platten, die aufgequollen, verformt oder verschmutzt sind, nehmen wir heraus und setzen neue ein. Leicht feuchte Platten in einem diffusionsoffenen Aufbau dürfen kontrolliert trocknen, eine zweite Messung zeigt das Ergebnis. Ausgebautes Material kommt getrennt vom mineralischen Bauschutt in die energetische Verwertung, bei älteren Platten klären wir vorher den Gehalt an Borsalzen.
Wie eine Holzfaserdämmplatte hergestellt wird
Ausgangsstoff ist nach BauNetz Wissen entrindetes Restholz von Nadelbäumen, meist Kiefer, Fichte oder Tanne, das in Sägewerken oder bei Baumfällarbeiten anfällt und mechanisch zerfasert wird.[2] Im Nassverfahren werden die Fasern mit Wasser zu einem Brei vermengt, gepresst, getrocknet und zu Platten geschnitten, gebunden durch holzeigene Stoffe wie Harze oder Lignin, im Trockenverfahren kommen synthetische Bindemittel wie Holzleim oder Bindefasern hinzu.[2]
Hydrophobierungsmittel wie Naturbitumen, Naturharze, Paraffine oder Latex verbessern je nach Anforderung die Feuchtebeständigkeit, Zement oder Magnesit erhöhen die Festigkeit, und gegen Brand, Fäulnis und Schädlinge werden die Fasern mit Ammoniumsulfat oder Borsalz behandelt.[2] WECOBIS gibt für Holzfaserdämmstoffe einen Anteil erneuerbarer Rohstoffe von 85 bis 98 Prozent und bis zu 8 Prozent mineralische Zusätze an, als Flammschutz Ammoniumpolyphosphat, Aluminiumphosphat oder -sulfat und teils Borate, und Platten aus dem Trockenverfahren werden teilweise mit dem Kunstharz PMDI gebunden.[1] Im Nassverfahren lassen sich Platten über 30 mm nach WECOBIS nur durch Verleimen mehrerer Schichten herstellen, im Trockenverfahren sind dagegen einschichtige Dicken bis 240 mm möglich, mit weniger Zusatzstoffen und nach Herstellerangaben bis zu 40 Prozent weniger Energie je Tonne.[1] Wo im Dachgeschoss Wasser aus der Decke tropft, sind Holzfaserplatten in der Schräge oft schon durchfeuchtet, bevor man es sieht.
Normtechnisch gehören die Platten nach WECOBIS zu den porösen Faserplatten nach DIN EN 622-4, früher hießen sie auch Holzweichfaserplatten, und geliefert werden sie im Nassverfahren 3 bis 32 mm, im Trockenverfahren 20 bis 240 mm dick und bis 2500 mm breit.[1] Holzfaserdämmplatten hatten 2019 einen Anteil von etwa 58 Prozent am Markt der Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.[1] Für die Auswahl nennt WECOBIS das FSC-Siegel für Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft und das natureplus-Zeichen, das Umwelt- und Gesundheitskriterien über den ganzen Lebenszyklus prüft.[1] Nach einem Schaden zeigt ein Gerät für Holz, ob die Platten wieder unter dem kritischen Bereich liegen, und erst dann folgen Bodenbelagsarbeiten darauf.
Holzfaserplatten liegen in Dächern, Holzständerwänden und unter Trockenestrichen, und durch diese Bauteile führen Leitungen und Dosen der Installationsebene. Hat Wasser die Platten durchfeuchtet, werden die Sicherungen der betroffenen Räume abgeschaltet, bevor jemand Bekleidungen öffnet, denn ein Lichtschalter trennt nur seine Leuchte. Ein nasser Sicherungskasten gehört in die Hände der Feuerwehr oder des örtlichen Netzbetreibers, den Raum betritt bis dahin keiner, und bei steigendem Kellerwasser bleibt jeder im Erdgeschoss.
Lieferformen, Kennwerte und DIN EN 13171
Nach BauNetz Wissen, Wärmeleitfähigkeit jeweils 0,036 bis 0,052 W/(m·K), alle normal entflammbar, Baustoffklasse B2.[2]
Eine Standardplatte, die WECOBIS als Beispiel führt, hat eine Rohdichte von etwa 160 kg/m³, eine Druckfestigkeit von mindestens 20 kPa, einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von 0,041 W/(m·K) und eine Diffusionswiderstandszahl von 5, sie ist normal entflammbar und erreicht die Euroklasse E.[1]
Die Produktnorm DIN EN 13171, aktuell in der Ausgabe 2015-04, regelt werkmäßig hergestellte Holzfaserdämmstoffe als Rollen, Formstücke, Filze oder Platten, auch mehrlagige, und Platten müssen das CE-Zeichen nach dieser Norm tragen.[3][2] Die Fassung enthält eine 2014 vom CEN angenommene Änderung, mit der die Norm an die EU-Bauproduktenverordnung angepasst wurde.[3] Sie gilt erst ab einem Nennwert des Wärmedurchlasswiderstands von 0,20 m²K/W und bis zu einer Nennwärmeleitfähigkeit von 0,070 W/(m·K) bei 10 °C, nicht für auf der Baustelle hergestellte Dämmstoffe und nicht für die Dämmung haustechnischer Anlagen.[3] Als Unterdeckung unter Ziegeln halten die Platten Regen eine Zeit lang ab, solange das Dach nach dem Sturm undicht bleibt.
Wo Holzfaserdämmplatten eingesetzt werden
Als Wärme- und Schallschutz eignen sich Holzfaserdämmstoffe nach BauNetz Wissen im Neu- und im Altbau, als Platten für die Zwischen- und Aufsparrendämmung, für Böden und in Wärmedämmverbundsystemen, außerdem für Fassaden in Holzrahmen- und Holztafelbauweise.[2] Lose Holzfasern werden mit einem Schlauch in vorhandene Hohlräume von Dach, Dachboden und Wänden eingeblasen, wo sie verfilzen, sich verzahnen und setzen.[2] Hydrophobierte Platten, früher mit Bitumen, heute zunehmend latexvergütet, dienen nach WECOBIS als Unterdeckplatten und sind in einer eigenen Norm als Holzwerkstoffplatten erfasst.[1]
Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen enthält das Gebäudemodernisierungsgesetz beim nachträglichen Dämmen eine Erleichterung: Lässt sich nur eine begrenzte Dämmdicke einbauen, darf ihr Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit bei 0,045 W/(m·K) liegen, statt der sonst geforderten 0,035 W/(m·K).[4] Nach einem Wasserschaden lassen sich nasse Platten oft retten, wenn Sie Trocknungsgeräte mieten, solange sie nicht aufgequollen sind.
Feuchte, Raumklima und Brandverhalten
Wegen der hohen Rohdichte bei niedriger Wärmeleitfähigkeit bieten Holzfaserdämmungen nach BauNetz Wissen einen besonders guten sommerlichen Wärmeschutz, sie sind diffusionsoffen, nehmen Feuchte auf und geben sie wieder ab, und die poröse Struktur sorgt für gute Schallschutzeigenschaften.[2] Nach WECOBIS sind die Platten beständig gegen Verrottung, Ungeziefer und Pilzbefall, ohne Hydrophobierung aber nicht feuchtebeständig: Bei längerer Durchfeuchtung quellen sie auf, und es besteht Fäulnisgefahr.[1]
Eingebaute Holzfaserdämmplatten belasten die Raumluft nach heutigem Wissen nicht, so WECOBIS, und Produkte mit dem natureplus-Zeichen unterliegen zusätzlich Grenzen für Emissionen, Gerüche und Stäube.[1] Im Brandverhalten sind Holzfaserdämmstoffe nach DIN 4102-1 und EN 13501-1 normal entflammbar, und als nachwachsender Rohstoff kann verbautes Holz nach BauNetz Wissen bis zu 100 Jahre Kohlendioxid speichern.[2] Dass die Fasern aus einem Abfallprodukt der Sägeindustrie stammen, verbessert die Ökobilanz zusätzlich.[2] Auch für Wasser, Boden und Luft im Außenraum erwartet WECOBIS von eingebauten Platten keine Gefährdung.[1]
Zuschnitt, Borsalze und Entsorgung
Beim Zuschneiden entsteht Nadelholzstaub, darum ist nach WECOBIS auf eine möglichst staubarme Verarbeitung zu achten, etwa mit Sägen mit Staubabsaugung, und es gelten die allgemeinen Staubgrenzwerte von 3 mg/m³ für den alveolengängigen und 10 mg/m³ für den einatembaren Anteil.[1] Für das natureplus-Zeichen verlangt die Vergabe unter anderem qualifizierte Produktinformationen und eine gesundheitlich weitgehend unbedenkliche Verarbeitbarkeit.[1]
Beim Rückbau älterer Dämmstoffe ist nach WECOBIS der Gehalt an Borsäure oder anderen borhaltigen Verbindungen zu prüfen, denn seit dem 01.02.2025 sind sie als fortpflanzungsgefährdend der Kategorie 1B eingestuft, und ab 0,3 Prozent gelten die besonderen Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit solchen Stoffen.[1] Ob sich Platten zerstörungsfrei ausbauen lassen, hängt nach WECOBIS von der Befestigung ab: Geschraubte oder gedübelte Platten lassen sich mit Aufwand lösen, mit Breitrückenklammern befestigte oder verklebte nicht.[1] Bei Sanierungen kann nach WECOBIS geprüft werden, ob ein vorhandenes Dämmsystem erhalten und mit neuen Platten aufgedoppelt wird, was zusammen mit einem Rückbaukonzept dokumentiert werden sollte.[1] Holzfaserdämmungen ohne Zusätze sind nach BauNetz Wissen kompostierbar.[2] Eine hochwertige oder minderwertige stoffliche Verwertung ist nach der WECOBIS-Übersicht derzeit nicht möglich, üblich ist die energetische Verwertung bei einem Heizwert von etwa 18 MJ/kg, und eine Deponierung ist nicht zulässig.[1]
Gequollene Platten nach Wassereintritt
Weil Holzfaserplatten bei längerer Durchfeuchtung aufquellen und faulen können, handeln wir nach einem Wasserschaden schnell: Wir messen die Feuchte in Platten, Unterkonstruktion und angrenzenden Bauteilen und öffnen Bekleidungen, wo Wasser hinter die Dämmung gelaufen ist. Gequollene, verformte oder verschmutzte Platten bauen wir aus und ersetzen sie, nur leicht angefeuchtete Platten in diffusionsoffenen Aufbauten trocknen wir kontrolliert und prüfen das Ergebnis mit weiteren Messungen. Bei älteren Platten klären wir vor dem Ausbau, ob sie Borsalze enthalten, damit Schutzmaßnahmen und Entsorgung stimmen. Ausgebaute Holzfaserplatten trennen wir von mineralischem Bauschutt, weil sie über die energetische Verwertung entsorgt werden. Beim Neuaufbau achten wir darauf, dass der Aufbau diffusionsoffen bleibt und Feuchte wieder austrocknen kann. Liegen Holzfaserplatten unter Putz, etwa in einem Wärmedämmverbundsystem, prüfen wir zusätzlich Risse und Anschlüsse, über die Wasser eingedrungen sein kann.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
Wasser im Haus? Rufen Sie jetzt an.
Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Holzfaserdämmplatten, Produktgruppe Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Reiter Übersicht, Herstellung, Verarbeitung, Nutzung, Nachnutzung und Technisches. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Holzfasern: Herstellung, Anwendung, Eigenschaften. Fachwissen Dämmstoffe, Abschnitte Herstellung, Anwendung, Eigenschaften und Technische Daten. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13
- DIN Media GmbH: DIN EN 13171: Wärmedämmstoffe für Gebäude, werkmäßig hergestellte Produkte aus Holzfasern (WF), Spezifikation. Ausgabe 2015-04, Einführungsbeitrag. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
- Bundesministerium der Justiz: Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Modernisierung der Wärmeversorgung in Gebäuden (Gebäudemodernisierungsgesetz, GModG). Anlage 7, Fußnote 1. Abgerufen am 12.10.2026. ↑
Themen von A bis Z
Verwandte Begriffe
Leistungen