Schaumglas
Schaumglas ist ein geschlossenzelliger, anorganischer Dämmstoff aus Glas, das mit Kohlenstoff als Treibmittel werkmäßig aufgeschäumt wird, so dass Kohlendioxid in hermetisch dichten Zellen eingeschlossen bleibt.[1][2] Es ist nicht brennbar, druckfest sowie wasser- und dampfdicht und wird deshalb vor allem unter Lasten und an erdberührten Bauteilen eingesetzt.[2][1]
So dämmt Schaumglas in der Schwimmhalle und unter dem Boden
Schematische Darstellung: Schwimmhalle im Schnitt, die Außenwand innen mit Schaumglasplatten gedämmt, Umgang und Becken auf einer Bodenplatte über Schaumglasschotter. Die Nummern folgen dem Dämmstoff vom geschäumten Glas bis zum Schotter unter der Platte.
- Glas, mit Kohlenstoff aufgeschäumt: Gemahlenes Glas, zum großen Teil Altglas, wird mit Kohlenstoff versetzt und im Werk aufgeschäumt, dabei entsteht Kohlendioxid. So entstehen die schwarzbraunen Platten, und für den Schotter zerfallen vorgerillte Platten beim Abkühlen in Stücke.
- Geschlossene Zellen voller Gas: Im fertigen Glas sitzen hermetisch dichte Zellen, gefüllt fast nur mit Kohlendioxid, dazu Spuren von Schwefelwasserstoff und Stickstoff. Die Zellgase füllen rund 95 Prozent des Volumens, und weil sie nicht entweichen, bleibt die Dämmleistung auf Dauer erhalten.
- Vollflächig in Bitumen geklebt: Schaumglas ist spröde und kann unter punktueller Last brechen, deshalb wird es fast nie trocken verlegt. An der Innenseite der Wand klebt die Platte vollflächig in Bitumen oder einem ähnlichen Kaltkleber, den Abschluss bildet Putz oder eine Verkleidung.
- Luftdichte Fugen zwischen den Platten: Die Platten selbst lassen keinen Dampf durch, eine eigene Dampfbremse braucht die Innendämmung meist nicht. Fugen und Anschlüsse müssen trotzdem luftdicht ausgeführt sein, sonst zieht Wasserdampf hinein und schlägt sich hinter der Dämmung nieder.
- Dampfdicht auch in der Schwimmhalle: In Schwimmbädern ist die Luft über dem Becken voller Feuchte, die an die Außenwände zieht. Das Glas nimmt kein Wasser auf und lässt keinen Dampf durch, deshalb eignet es sich für so stark belastete Räume, der Dampf dringt nicht in die Dämmung ein.
- Schotter trägt und dämmt die Bodenplatte: Schaumglasschotter aus reinem Altglas dient vor allem als druckfeste Dämmung unter Bodenplatten und nimmt die Last des Gebäudes auf. Nach einem Wasserschaden trocknen wir gezielt Estrich, Putz und Mauerwerk daneben, die Platten selbst brauchen keine Trocknung.
Wie Schaumglas hergestellt wird
Nach WECOBIS werden die Rohstoffe bei etwa 1250 °C zu Rohglas geschmolzen, das erkaltete Glas wird zu Pulver gemahlen und nach Zugabe von Kohlenstoff bei 850 °C aufgeschäumt, wobei Kohlendioxid entsteht.[1] Es bildet sich eine geschlossene, gasundurchlässige Zellstruktur, deren Poren zu 99 Prozent Kohlendioxid, zu 0,7 Prozent Schwefelwasserstoff und zu 0,3 Prozent Stickstoff enthalten, und die Zellgase machen rund 95 Volumenprozent des Dämmstoffs aus.[1]
BauNetz Wissen unterscheidet zwei Verfahren: Beim Formengussverfahren durchläuft das mit Kohlenstoff versetzte Glaspulver in Edelstahlformen einen Ofen und ergibt nach kontrollierter Abkühlung maßhaltige Platten oder Formteile, beim energetisch günstigeren Bandverfahren wird das Gemisch auf einem Band aufgeschäumt, so dass auch großformatige Platten entstehen.[2] Nach Herstellerangaben, die WECOBIS wiedergibt, gibt es seit 2008 Anlagen, die Platten in Endlosschäumung statt in Einzelwannen herstellen, was die Prozessschritte vereinfachen und den spezifischen Energieverbrauch deutlich senken soll.[1] Wegen des geringen Wirkungsgrads des Stroms und des zweistufigen Prozesses ist der Aufwand an grauer Energie bisher vergleichsweise hoch.[1] Hauptbestandteil ist Altglas, ergänzt je nach Verfahren durch Dolomit, Feldspat, Kalk und Sand.[2]
Der Altglasanteil liegt nach WECOBIS bei Platten über 60 Prozent und bei Schaumglasschotter bei 100 Prozent, was Rohstoffe und Wärmeenergie beim Schmelzen spart.[1] Für den Schotter wird gemahlenes Altglas in Plattenform bei 900 °C geschäumt, und die vorgerillte Platte zerbricht beim Auskühlen durch innere Spannungen in gleichmäßige Stücke.[1] Geliefert wird Schaumglas als schwarzbraune Dämmplatte oder Dämmstein, teils mit Bitumen beschichtet, als grauer Schotter oder Granulat und als Formteil für die Industrie.[1]
Schaumglas liegt als Perimeterdämmung an Kellerwänden, unter Bodenplatten und auf Flachdächern. Läuft dennoch Wasser in einen Keller, betritt ihn niemand, solange der Pegel steigt, und vor dem Berühren nasser Wände oder Böden wird die Sicherung der Kellerräume abgeschaltet, weil ein Lichtschalter die Steckdosen nicht vom Netz trennt. Hat das Wasser den Sicherungskasten erreicht, sind Feuerwehr oder örtlicher Netzbetreiber zuständig.
Rohdichte, Druckfestigkeit und DIN EN 13167
Ausgewählte Produkte nach dem Reiter Technisches bei WECOBIS, Wasserdampfdiffusionswiderstand bei allen unendlich, Langzeitwasseraufnahme null.[1]
BauNetz Wissen gibt als Anhaltswerte eine Wärmeleitfähigkeit von 0,036 W/(m·K), eine Rohdichte von 100 bis 165 kg/m³, Dampfdichtheit und die Baustoffklasse A1 an, und mit einer Druckfestigkeit von 0,5 bis 1,2 N/mm² eignet sich der Dämmstoff dort, wo Dämmung und Lastaufnahme zugleich gefordert sind.[2] Beständig ist Schaumglas nach WECOBIS gegen organische Lösemittel, gegen Säuren außer Fluorwasserstoffsäure und gegen schwache Laugen, Verrottung, Ungeziefer und Pilze greifen es nicht an.[1]
Für Schaumglas gilt die Produktnorm DIN EN 13167, aktuell in der Ausgabe 2015-04, für Platten mit oder ohne Kaschierung einschließlich mehrlagiger Dämmstoffe.[3] Ihr Geltungsbereich beginnt bei einem Nennwert des Wärmedurchlasswiderstands von 0,50 m²K/W, und Produkte mit einer Nennwärmeleitfähigkeit über 0,065 W/(m·K) bei 10 °C erfasst sie nicht, ebenso wenig auf der Baustelle hergestellte Dämmstoffe und die Dämmung haustechnischer Anlagen.[3]
Wo Schaumglas eingesetzt wird
Wegen der geschlossenen Zellen, der Dampfdichtheit und der hohen Druckfestigkeit liegt der Hauptanwendungsbereich von Schaumglasplatten nach WECOBIS bei erdberührten Bauteilen, und auch Schaumglasschotter dient in erster Linie als druckfeste Perimeterdämmung.[1] Zeigt eine Kellerwand trotz dieser Dämmung einen feuchten Fleck an der Wand, sind meist Fugen oder Anschlüsse undicht. Wegen der relativ hohen Herstellungs- und Verarbeitungskosten hat Schaumglas einen Marktanteil von höchstens 1 Prozent.[1] Schaumglas nimmt kein Wasser auf, und wer nach einem Kellerschaden Trocknungsgeräte mieten will, richtet sie auf Putz, Belag und angrenzende Wände.
BauNetz Wissen nennt Flach- und Steildächer, begrünte Dächer, Parkdecks und Terrassen, erdberührte Außenwände und Böden, lastabtragende Gründungsplatten, Fassaden, Wände und den Mauerfuß sowie Innendämmungen, und auch als Wärmedämmverbundsystem lässt sich Schaumglas einsetzen.[2]
Als Innendämmung werden Schaumglasplatten nach der hessischen Broschüre vollflächig in Bitumen oder einen ähnlichen Kaltkleber geklebt und verputzt oder verkleidet, eine eigene Dampfbremse ist dabei in der Regel nicht nötig.[4] Als dampfdichter Dämmstoff eignet sich Schaumglas nach der Broschüre auch für stark feuchtebelastete Räume wie Schwimmbäder, und für die Innendämmung rechnet sie mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,045 W/(m·K).[4] Wie Vakuumpaneele ist Schaumglas selbst vollkommen dampfdicht, eine luftdichte Ausführung der Innendämmung bleibt nach der Broschüre trotzdem nötig, weil sonst Wasserdampf in die Fugen eindringt und hinter der Dämmung kondensiert.[4]
Dauerhaftigkeit und Brandverhalten
Wegen seiner Beständigkeit ist Schaumglas nach WECOBIS nahezu unbegrenzt gebrauchsfähig, und weil die Zellgase hermetisch eingeschlossen sind, bleibt die Dämmleistung auch langfristig erhalten.[1] Selbst wenn unter einem Flachdach Wasser aus der Decke tropft, bleibt die Dämmleistung der Platten meist erhalten, gesucht wird die undichte Stelle in der Abdichtung. Werden Dächer oder Fassaden mit Abdichtungen oder Verkleidungen auf Schaumglasplatten erneuert, kann die alte Schaumglasschicht unter Umständen liegen bleiben und als Unterlage für eine neue Dämmschicht, Abdichtung oder Verkleidung dienen.[1] Vor einer solchen Weiterverwendung müssen die Schichten darüber trocken sein, und Bodenbelagsarbeiten darauf folgen erst danach.
Der Dämmstoff selbst ist nach BauNetz Wissen nicht brennbar.[2] Bei bitumenverklebten Platten besteht im Brandfall nach WECOBIS aber die Gefahr, dass sich giftige Pyrolyseprodukte bilden.[1] Belastungen der Raumluft durch eingebautes Schaumglas sind nach WECOBIS nicht zu erwarten, und nach der Umweltproduktdeklaration eines Herstellers waren nach dem AgBB-Schema nach 3 und 28 Tagen weder flüchtige organische Verbindungen noch krebserzeugende Emissionen nachweisbar.[1]
Einbau in Bitumen, Ausbau und Bauschutt
Schaumglasplatten werden nach WECOBIS nur selten trocken verlegt, denn das Material ist sehr spröde und kann bei punktueller Belastung brechen, deshalb wird es vollflächig in Bitumen eingeschlämmt.[1] Beim Schneiden werden Zellgase frei, das Kohlendioxid in unbedeutender Menge, der Schwefelwasserstoff kann aber leicht nach faulen Eiern riechen, und der Glasstaub reizt Augen, Atemwege und Haut, so dass Schutzmaßnahmen nötig sind.[1] Die Geruchsschwelle von Schwefelwasserstoff liegt nach WECOBIS bei 0,025 bis 8 ppm, Augenreizungen treten ab 20 ppm auf, und bei der Verarbeitung in Heißbitumen oder mit Kaltklebern auf Bitumenemulsionsbasis sind gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich, weshalb die Kaltverarbeitung vorzuziehen ist.[1]
Vollflächig verklebte Schaumglasplatten zurückzubauen, ist nach WECOBIS sehr aufwendig, Bitumenbahnen lassen sich aber mit speziellen Geräten abschaben, wie sie auch bei der Flachdachsanierung üblich sind.[1] Lose eingebauter Schotter lässt sich dagegen mit geringem Aufwand ausbauen, und beim Rückbau heutiger Dämmstoffe sind bei Beachtung der Staubentwicklung keine baustoffspezifischen Gesundheitsrisiken zu erwarten.[1] Verklebte Platten lassen sich in der Regel nicht zerstörungsfrei ausbauen, weil sie bei Punktbelastung zerbröseln, eine Wiederverwendung scheidet damit aus.[1]
Aus dem Rückbau gelangt Schaumglas heute meist über den gemischten Bauschutt mit der Abfallschlüsselnummer 17 01 07 in die Entsorgung, aus dem unter anderem Gesteinskörnungen für den Tiefbau entstehen, und bitumenverklebte Platten können zerkleinert als Füll- und Schüttmaterial im Tief- und Straßenbau oder für Lärmschutzwälle dienen.[1] Saubere Plattenreste werden bereits gemahlen der Schotterherstellung zugegeben, und verbrannt wird mineralischer Dämmstoff mangels Heizwert allenfalls als Verunreinigung organischer Abfälle.[1]
Leckagen über Schaumglas finden und beheben
Schaumglas nimmt nach den Kennwerten bei WECOBIS langfristig kein Wasser auf.[1] Nach einem Wasserschaden prüfen wir deshalb vor allem die Fugen, die Verklebung und die angrenzenden Schichten wie Estrich, Putz oder Mauerwerk und trocknen diese gezielt, denn die Platten selbst müssen nicht getrocknet werden. Auf Flachdächern und Parkdecks suchen wir zuerst die undichte Stelle in der Abdichtung über dem Schaumglas, bevor wir einzelne Platten öffnen. Gebrochene oder lose Platten ersetzen wir, und wo Schaumglas als Innendämmung in Bitumenkleber sitzt, achten wir beim Ausbau auf Staub und auf eine getrennte Entsorgung der bitumenbehafteten Reste.
24h-Notruf, auch am Wochenende und an Feiertagen
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Wir klären die Lage am Telefon und kommen zur Schadensaufnahme.
Belege
Quellen
- Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), WECOBIS: Schaumglas-Dämmstoffe, Produktgruppe Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen. Reiter Übersicht, Rohstoffe, Herstellung, Verarbeitung, Nutzung, Nachnutzung und Technisches. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7↑8↑9↑10↑11↑12↑13↑14↑15↑16↑17↑18↑19↑20↑21↑22↑23↑24↑25↑26
- BauNetz Wissen (Heinze GmbH): Schaumglas. Fachwissen Dämmstoffe, Herstellung, Eigenschaften, Anwendungen und Technische Daten. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3↑4↑5↑6↑7
- DIN Media GmbH: DIN EN 13167: Wärmedämmstoffe für Gebäude, werkmäßig hergestellte Produkte aus Schaumglas (CG), Spezifikation. Ausgabe 2015-04, Einführungsbeitrag. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2
- Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wissenschaftliche Betreuung Institut Wohnen und Umwelt (IWU): Energiespar-Informationen 11: Wärmedämmung von Außenwänden mit der Innendämmung. Energiespar-Informationen 11, Seiten 3 und 4. Abgerufen am 12.10.2026. ↑1↑2↑3
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